Hamer Epilepsie Erlangen: Neue interdisziplinäre Ansätze und umfassende Versorgung

Das Epilepsiezentrum Erlangen am Universitätsklinikum Erlangen hat sich als eine der führenden Einrichtungen in Deutschland für die Diagnose und Behandlung von Epilepsien etabliert. Mit der Berufung von Prof. Dr. Hajo M. Hamer als neuem Leiter im April dieses Jahres, der die Nachfolge von Prof. Dr. Hermann Stefan antrat, setzt das Zentrum seine Tradition exzellenter Patientenversorgung und innovativer Forschung fort. Dieser Artikel beleuchtet die Schwerpunkte des Epilepsiezentrums, die Expertise von Prof. Hamer und die interdisziplinären Ansätze, die in Erlangen verfolgt werden, um Menschen mit Epilepsie eine höhere Lebensqualität zu ermöglichen.

Ein neuer Leiter mit umfassender Expertise

Prof. Dr. Hajo M. Hamer bringt umfangreiche Erfahrung und Expertise in der Epileptologie nach Erlangen. Nach seinem Medizinstudium an den Universitäten Erlangen und Wien absolvierte er eine zweijährige Ausbildung an der Cleveland Clinic Foundation in den USA. Zurück in Deutschland war er maßgeblich am Aufbau des Epilepsiezentrums der Philipps-Universität Marburg beteiligt, wo er auch als leitender Oberarzt der Neurologischen Klinik tätig war.

Seine wissenschaftlichen Schwerpunkte liegen auf der Erforschung entzündlicher Veränderungen bei fokalen Epilepsien, EEG-Ableitungen bei epileptischen Anfällen sowie auf dem Gebiet der Versorgungsforschung bei Epilepsien. Seine Arbeiten wurden in zahlreichen internationalen Zeitschriften veröffentlicht und durch mehrere Preise ausgezeichnet. Darüber hinaus engagiert sich Prof. Hamer als zweiter Geschäftsführer der Deutschen Gesellschaft für Epileptologie überregional für die Belange der Menschen mit Epilepsie.

Schwerpunkte des Epilepsiezentrums Erlangen

Das Epilepsiezentrum des Uniklinikums Erlangen zählt neben wenigen anderen Einrichtungen in Deutschland zu den Epilepsiezentren der höchsten Versorgungsstufe (Grad-IV-Zentrum). Es bietet eine umfassende Diagnostik und Therapie für Epilepsien und andere Anfallserkrankungen inklusive der präoperativen Epilepsiediagnostik sowie der Epilepsiechirurgie an. Der Behandlungsschwerpunkt liegt auf der Diagnose und Therapie schwerbehandelbarer Epilepsien.

Das Zentrum wendet sich an Patientinnen und Patienten mit seltenen Epilepsien einschließlich seltener Fehlbildungen und Syndromen, Tuberösen Sklerosen, mitochondrialer Erkrankungen, sowie seltenen genetisch bedingten Epilepsien und autoimmunen Enzephalitiden. Es bietet Spezialambulanzen und ein multiprofessionelles Netzwerk für die Diagnostik, Therapie und psychosoziale Beratung an (u.a. Sozialpädiatrisches Zentrum).

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Diagnostische Möglichkeiten

Das Uni-Klinikum Erlangen bietet umfassende diagnostische Möglichkeiten. Das Zentrum verfügt über modernste fundierte Verfahren.

Therapieoptionen

Das Epilepsiezentrum bietet die am besten geeignete Therapieoption.

Interdisziplinäre Zusammenarbeit für optimale Behandlung

Die Behandlung von Epilepsien erfordert die Zusammenarbeit verschiedener Fachrichtungen wie Neurologie, Neurochirurgie und Neuropädiatrie. Am Uniklinikum Erlangen arbeiten diese Disziplinen eng zusammen, um epileptische Anfälle bei Erwachsenen und Kindern wirksam zu kontrollieren.

In der Bürgervorlesung „Neue interdisziplinäre Ansätze zur Behandlung von Epilepsien“ referierten Prof. Dr. Oliver Schnell, Direktor der Neurochirurgischen Klinik, Prof. Dr. Hajo Hamer, Sprecher des Epilepsiezentrums der Neurologischen Klinik, sowie Prof. Dr. Regina Trollmann, Leiterin der Neuropädiatrie der Kinder- und Jugendklinik.

Medikamentöse Therapie

Grundsätzlich werden Epilepsien unterteilt in generalisierte und fokale Verlaufsformen. Bei einer generalisierten Epilepsie geht ein Anfall gleichzeitig von weiten Teilen des Gehirns aus und ist beispielsweise nicht auf eine Hirnhälfte eingrenzbar. Diese Art der Erkrankung lässt sich meistens gut mit Medikamenten behandeln. „Bei der medikamentösen Therapie orientieren wir uns an neuesten Erkenntnissen und Richtlinien. Außerdem stehen den Patienten modernste Arzneimittel zur Verfügung, die unter Umständen noch im Rahmen von Studien eingesetzt werden“, schildert Prof. Hamer.

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Epilepsiechirurgie

Fokale Epilepsien hingegen gehen von einem bestimmten Teil des Gehirns aus. Bei diesen sogenannten lokalisationsbezogenen Epilepsien stellt sich durch Pharmazeutika ebenfalls oft eine Besserung ein. Aber nicht allen Betroffenen helfen die Medikamente. „Dann können wir versuchen, das erkrankte Gewebe in einem operativen Eingriff zu entfernen und so Anfallsfreiheit herzustellen“, erklärt Hajo Hamer. Die Ärzte in Erlangen haben umfangreiche und langjährige Erfahrungen in der Epilepsiechirurgie. Dazu gehören z. B. EEG-Ableitungen direkt am Gehirn sowie verschiedene weitere Verfahren, um das epileptische Gewebe sicher und schonend zu entfernen.

„Die Entscheidung über die Anwendung epilepsiechirurgischer Therapieverfahren wägen wir in einer interdisziplinären Konferenz mit Neurologen, Neuropsychologen, Neurochirurgen, Nuklearmedizinern, Neuroradiologen und Neuropathologen sehr sorgfältig ab. Die Wege bei uns sind kurz, denn alle beteiligten Disziplinen sitzen in den Kopfkliniken unter einem Dach.“ Darüber hinaus werden in Erlangen die Vagusnervstimulation und die Tiefenhirnstimulation als wirksame Therapieformen eingesetzt.

Engagement für Patienten und Forschung

Prof. Hamer wird seine klinischen und wissenschaftlichen Schwerpunkte auch in Erlangen weiterverfolgen und seine Arbeit in den Dienst der Patienten stellen. Sein Engagement für die Belange der Menschen mit Epilepsie zeigt sich auch in seiner Tätigkeit als zweiter Geschäftsführer der Deutschen Gesellschaft für Epileptologie.

Das Epilepsiezentrum Erlangen engagiert sich auch in der Forschung, um die Behandlung von Epilepsien weiter zu verbessern. Die wissenschaftlichen Schwerpunkte von Prof. Hamer, wie die Erforschung entzündlicher Veränderungen bei fokalen Epilepsien und die Versorgungsforschung bei Epilepsien, werden in Erlangen weitergeführt.

Dank an Prof. Stefan und Unterstützung für Selbsthilfeorganisationen

Das Epilepsiezentrum Erlangen bedankt sich herzlich bei Prof. Stefan, der die Selbsthilfeorganisationen in den vergangenen Jahren immer mit Rat und Tat unterstützt hat. Das Zentrum arbeitet eng mit Selbsthilfeorganisationen wie Tuberöse Sklerose Deutschland e.V., Landesverband Epilepsie Bayern e.V. und Dravet-Syndrom e.V. zusammen, um Patienten und ihren Familien umfassende Unterstützung zu bieten.

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Kontakt und Sprechzeiten

Das Epilepsiezentrum der Neurologischen Klinik ist unter folgender Adresse erreichbar:

Epilepsiezentrum der Neurologischen Klinik

Die Sprechzeiten sind:

  • Mo, Mi, Do, Fr 8:45 - 13:00 Uhr
  • Di 8:45 - 13:00 Uhr sowie 14:00 - 17:30 Uhr
  • Uhr nach Vereinbarung

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