Einführung
Die "Germanische Neue Medizin" (GNM) des Ryke Geerd Hamer ist eine umstrittene Theorie, die die Ursachen und Behandlung von Krankheiten, insbesondere Krebs, grundlegend anders betrachtet als die etablierte Schulmedizin. Im Zentrum der Kritik an Hamer steht der Vorwurf der Pseudomedizin, der Scharlatanerie und des Antisemitismus. Dieser Artikel beleuchtet die Kritik an Hamer, insbesondere im Kontext der Konfliktlösung bei Hirntumoren, und setzt sich mit den zentralen Thesen und Vorwürfen auseinander.
Die Germanische Neue Medizin nach Hamer: Ein Überblick
Hamer behauptet, dass Krankheiten durch "biologische Konflikte" entstehen, die ein traumatisches Schockerlebnis (DHS - Dirk-Hamer-Syndrom) auslösen. Dieser Konflikt manifestiert sich laut Hamer in Form von Veränderungen im Gehirn, den sogenannten "Hamerschen Herden", die mittels Computertomographie (CT) sichtbar gemacht werden können. Die GNM geht davon aus, dass die Lösung des Konflikts zur Heilung der Krankheit führt und eine schulmedizinische Behandlung unnötig oder sogar schädlich ist.
Die fünf biologischen Naturgesetze
Hamer formulierte fünf biologische Naturgesetze, die die Grundlage seiner Theorie bilden:
- Die Eiserne Regel des Krebses: Jede Krebserkrankung wird durch ein DHS ausgelöst.
- Das Gesetz der Zweiphasigkeit aller Erkrankungen: Jede Krankheit verläuft in zwei Phasen - einer konfliktaktiven und einer konfliktgelösten Phase.
- Das ontogenetische System der Tumoren: Tumoren entstehen in Abhängigkeit vom Keimblatt, aus dem das betroffene Gewebe entstanden ist.
- Das ontogenetisch bedingte System der Mikroben: Mikroben spielen eine wichtige Rolle bei der Heilung von Krankheiten.
- Die Quintessenz: Krankheiten sind sinnvolle biologische Sonderprogramme der Natur, die dem Überleben des Organismus dienen.
Kritik an der Germanischen Neuen Medizin: Pseudomedizin und Scharlatanerie
Die GNM wird von der wissenschaftlichen Gemeinschaft und der Schulmedizin entschieden abgelehnt. Kritiker werfen Hamer Pseudomedizin, Scharlatanerie und Irreführung von Patienten vor. Es gibt zahlreiche Hinweise darauf, dass Patienten, die sich auf die GNM verlassen haben, ohne adäquate schulmedizinische Behandlung zu Tode gekommen sind.
Fehlende wissenschaftliche Grundlage und Widerlegung der Grundhypothese
Die GNM entbehrt jeglicher wissenschaftlicher Grundlage und empirischer Beweise. Die Grundhypothese, dass Krebs durch psychische Konflikte ausgelöst wird, ist widerlegt. Neuere epidemiologische Studien zeigen keine erhöhte Krebshäufigkeit bei Menschen mit Depressionen oder schwerwiegenden psychischen Stressfaktoren.
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Gefährliche Ablehnung der Schulmedizin
Die GNM lehnt schulmedizinische Behandlungen ab und propagiert stattdessen die Konfliktlösung als alleinige Therapie. Dies ist besonders gefährlich für Patienten mit heilbaren Erkrankungen, denen dadurch die Chance auf Heilung verwehrt wird. Auch für Patienten in einer palliativen Therapiesituation werden die Möglichkeiten der Lebensverlängerung und Symptomkontrolle eingeschränkt.
Der Hamersche Herd: Artefakt oder Beweis?
Hamer behauptet, dass der Hamersche Herd in der CT der Beweis für die Richtigkeit seiner Theorie ist. Kritiker sehen darin jedoch lediglich ein Artefakt, ein Produkt der Bildgebungstechnik, das fälschlicherweise als Beweis interpretiert wird.
Fallbeispiel Olivia Pilhar
Besondere mediale Aufmerksamkeit erlangte der Fall der an einem Wilms-Tumor erkrankten Olivia Pilhar, die von ihren Eltern der schulmedizinischen Behandlung entzogen und stattdessen nach den Prinzipien der GNM behandelt wurde. Erst nach dem Entzug des Sorgerechts war eine erfolgreiche schulmedizinische Behandlung möglich.
Antisemitismus als Bestandteil der Hamer-Ideologie
Ein weiterer schwerwiegender Kritikpunkt an Hamer ist sein Antisemitismus. In seinen Schriften finden sich zahlreiche antisemitische Äußerungen und Verschwörungstheorien. Hamer behauptet, dass Juden die GNM praktizieren und sie dem Rest der Weltbevölkerung vorenthalten würden. Er konstruiert ein antisemitisches Weltbild, in dem er die "jüdische Schulmedizin" für die Unterdrückung der GNM verantwortlich macht.
Der Fall Stemmann: Verstrickung eines Arztes mit der GNM
Der Fall des Kinderarztes Ernst August Stemmann zeigt, wie die Ideen Hamers in den medizinischen Alltag Einzug halten können. Stemmann wurde kritisiert, weil er in seinem "Gelsenkirchener Behandlungsverfahren" (GBV) zur Behandlung von Allergien und Neurodermitis Elemente der GNM einsetzte.
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Neurodermitis als Folge eines Trennungserlebnisses
Stemmann ging spätestens seit 1992 von der bizarren Idee Hamers aus, Neurodermitis würde immer durch ein traumatisierendes Trennungserlebnis ausgelöst und aufrecht erhalten. In der Kinderklinik Gelsenkirchen lag daher ein Schwerpunkt der Behandlung der Neurodermitis auf der täglich mehrfachen Trennung von Mutter und Kind, ein Vorgehen, das in wissenschaftlichen Leitlinien nicht empfohlen wird.
Täuschung der Öffentlichkeit und Leugnung der Verbindung zur GNM
Stemmann täuschte die Öffentlichkeit, indem er auf die Frage nach seiner Verbindung zur GNM wahrheitswidrig antwortete. Er verschwieg seine Auseinandersetzung mit den Lehren Hamers und präsentierte das GBV als seine eigene Entwicklung, obwohl es in wesentlichen Teilen auf den Ideen Hamers basiert.
Untätigkeit der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf
Die Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf (HHU) wurde kritisiert, weil sie trotz der bekannten Verbindung Stemmanns zur GNM lange Zeit untätig blieb. Erst nach öffentlichem Druck wurde Stemmann aus dem Personal- und Vorlesungsverzeichnis der HHU entfernt.
Konfliktlösung bei Hirntumoren aus Sicht der GNM
Die GNM betrachtet Hirntumoren nicht als bösartige Wucherungen, sondern als Ausdruck eines Heilungsprozesses nach Lösung eines Konflikts. Laut Hamer lagert das Gehirn in der Heilungsphase Ödem ein, das in der Schulmedizin fälschlicherweise als Hirntumor interpretiert wird. Die GNM propagiert die Konfliktlösung als alleinige Therapie und lehnt schulmedizinische Behandlungen wie Operation, Chemotherapie oder Bestrahlung ab.
Gefahren der GNM bei Hirntumoren
Die Anwendung der GNM bei Hirntumoren ist mit erheblichen Gefahren verbunden. Durch die Ablehnung der Schulmedizin werden Patienten lebensnotwendige Behandlungen vorenthalten, die ihre Überlebenschancen deutlich erhöhen könnten. Die Konfliktlösung allein ist keine wirksame Therapie für Hirntumoren und kann im schlimmsten Fall zum Tod des Patienten führen.
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Die Rolle der Angst bei Panikattacken aus Sicht der GNM
Die GNM betrachtet Panikattacken als Ausdruck einer "Panikkonstellation", bei der zwei oder mehr biologische Konflikte gleichzeitig aktiv sind. Diese Konflikte können beispielsweise mit Angst vor dem, was vor einem liegt, oder mit dem Gefühl, den Kontakt zum Rudel zu verlieren, zusammenhängen. Die GNM versucht, die auslösenden Konflikte zu identifizieren und durch deren Lösung die Panikattacken zu lindern.
Kritik an der GNM bei Panikattacken
Auch bei Panikattacken ist die GNM umstritten. Kritiker bemängeln die fehlende wissenschaftliche Grundlage und die einseitige Fokussierung auf psychische Konflikte. Sie weisen darauf hin, dass Panikattacken komplexe Ursachen haben können, die neben psychischen Faktoren auch biologische und soziale Aspekte umfassen. Eine alleinige Behandlung nach den Prinzipien der GNM kann daher unzureichend sein und die Symptome sogar verschlimmern.
Die GNM und Gallensteine
Die GNM interpretiert Gallensteine als Folge eines Revierärger- oder Identitätskonflikts. In der konfliktaktiven Phase soll es zu einer Hypersensibilität der Lebergallengänge kommen, während in der konfliktgelösten Phase Schwellungen und ein Aufstau der Gallenflüssigkeit entstehen können, was zur Bildung von Gallensteinen führt. Die GNM empfiehlt, den zugrundeliegenden Konflikt zu lösen, um die Gallensteinbildung zu verhindern.
Kritik an der GNM bei Gallensteinen
Die GNM-Interpretation von Gallensteinen wird von der Schulmedizin nicht geteilt. Die Entstehung von Gallensteinen ist ein komplexer Prozess, der von verschiedenen Faktoren wie Ernährung, Stoffwechsel und genetischer Veranlagung beeinflusst wird. Die GNM-Theorie entbehrt jeglicher wissenschaftlicher Grundlage und ist nicht geeignet, Gallensteine wirksam zu behandeln oder zu verhindern.
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