Schlaganfall im Jugendalter: Symptome, Ursachen und Prävention

Ein Schlaganfall ist keine reine Alterserkrankung. Auch junge Menschen, Kinder und sogar Ungeborene können betroffen sein. Während das Alter zwar der größte Risikofaktor ist, nehmen Schlaganfälle in der Altersgruppe zwischen 18 und 55 Jahren zu. In Deutschland erleiden jährlich etwa 30.000 Menschen in diesem Alter einen Schlaganfall, auch Hirninfarkt genannt. Es ist wichtig, die Ursachen, Symptome und Präventionsmaßnahmen zu kennen, um im Ernstfall schnell handeln zu können.

Ursachen für Schlaganfälle im Jugendalter

Die Ursachen für einen Schlaganfall im Jugendalter unterscheiden sich oft von denen bei älteren Menschen. Während bei älteren Betroffenen häufig Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Diabetes oder Arteriosklerose eine Rolle spielen, sind es bei jüngeren Menschen oft andere Faktoren.

Gefäßerkrankungen

  • Karotisdissektion: Ein Riss in der inneren Gefäßwand der Halsschlagader (Karotis) ist eine häufige Ursache bei unter 45-Jährigen. Durch den Einriss entsteht eine zweite Blutbahn, die die Blutversorgung zum Gehirn behindert. Es können sich Blutgerinnsel bilden, die zu einer Verengung oder einem Verschluss der Halsschlagader führen, was eine Minderdurchblutung im Gehirn verursacht. Dissektionen treten meist spontan auf, können aber auch durch ruckartige Bewegungen, abrupte Dehnung des Halses, starkes Niesen oder einen Unfall entstehen.
  • Fehlbildungen der Gehirngefäße: Ausbeulungen der Gefäße (Aneurysmen) oder die Bildung von vielen kleinen Gefäßen anstelle von einem (Kavernöse, Hämangiome) können zu Hirnblutungen führen. Diese Gefäßfehlbildungen können familiär gehäuft vorkommen oder Teil von übergeordneten, genetisch bedingten Erkrankungen sein.
  • Fokale zerebrale Arteriopathie (FCA): Die FCA ist die häufigste Arteriopathie bei Kindern und Jugendlichen und betrifft meist die distale A. carotis interna (ICA), proximale A. cerebri media (MCA) und proximale A. cerebri anterior (ACA). Vermutet wird eine post-/parainfektiöse Schwellung der Gefäßwand mit Stenosierung. Als bekannteste Ursache gilt die (Post‑)Varizellen-Arteriopathie (Varicella-zoster-Virus[VZV]-Arteriopathie).
  • Moyamoya-Angiopathie: Diese Angiopathie ist charakterisiert durch einen inflammatorisch getriggerten Gefäßwandumbau. Unterschieden wird die Moyamoya-Erkrankung (primär, idiopathisch) vom Moyamoya-Syndrom (sekundär), bei dem die Gefäßveränderungen im Rahmen einer prädisponierenden Grunderkrankung auftreten (u. a. bei Trisomie 21, Neurofibromatose oder Sichelzellkrankheit).

Herzerkrankungen

  • Angeborenes Loch in der Herzscheidewand (persistierendes Foramen ovale, PFO): Das kleine Loch zwischen den Vorhöfen tritt häufig auf und ist in der Regel ungefährlich. In seltenen Fällen bilden sich daran Blutgerinnsel, die über den Blutstrom bis ins Gehirn gelangen und dort ein Blutgefäß verschließen können.
  • Angeborene Herzfehler: Strukturelle Veränderungen am Herzen oder Herzrhythmusstörungen erleichtern die Gerinnsel-Bildung. Angeborene Herzfehler sind meist genetisch bedingt.

Genetische Faktoren

Eine genetische Veranlagung kann ebenfalls eine Rolle spielen. Mutationen in Genen, die für die Blutgerinnung, den Aufbau von Bindegewebe oder die Zusammensetzung des Blutfarbstoffs Hämoglobin verantwortlich sind, können das Schlaganfallrisiko erhöhen. Zum Beispiel erhöhen mutierte Gene der Blutgerinnungsfaktoren II oder V (Leiden) die Gerinnungsneigung. Mutationen in Genen, die für die Zusammensetzung des Bindegewebes wichtig sind (Collagen, Elastin), können zu einer brüchigen Gefäßwand und damit zu einem Einriss (Dissektion) oder Platzen des Gefäßes führen.

Weitere Ursachen

  • Autoimmunerkrankungen: Bei Autoimmunerkrankungen kann das Immunsystem Gehirngefäße angreifen, was zu Gefäßentzündungen und Durchblutungsstörungen führen kann.
  • Infektionen: Infektionen scheinen ein wichtiger Risikofaktor für den kindlichen Schlaganfall zu sein. Auch nach sog. „minor infections“ wie z. B. Infektionen der oberen Luftwege oder akute Otitis media zeigte sich in der VIPS-Studie (Vascular Effets of Infections in Pediatric Stroke Study) das Schlaganfallrisiko erhöht.
  • Hormonelle Faktoren: Bei jungen Frauen kann die Einnahme von Hormonpräparaten wie der Antibabypille das Thromboserisiko erhöhen. Auch Migräne, die bei Frauen häufiger auftritt, erhöht das Schlaganfallrisiko. Schwangerschaften erhöhen ebenfalls das Risiko für einen Schlaganfall.
  • Drogenkonsum: Der Konsum von Drogen, insbesondere Amphetamine und Kokain, kann das Schlaganfallrisiko erhöhen.

Symptome eines Schlaganfalls

Die Symptome eines Schlaganfalls treten plötzlich auf und können vielfältig sein. Es ist wichtig, die Symptome zu erkennen und sofort zu handeln.

Klassische Symptome

  • Plötzlich auftretende halbseitige Lähmungserscheinungen
  • Gefühlsstörungen
  • Schwindel
  • Sprachstörungen
  • Sehstörungen

Weitere Symptome

  • Starke Kopfschmerzen, die einer schweren Migräne ähneln (insbesondere bei Blutungen und Hirntumoren)
  • Halsschmerzen (bei Gefäßeinriss an der Halsschlagader)
  • Krampfanfälle (insbesondere bei Säuglingen und kleinen Kindern)
  • Verwaschene Sprache
  • Eingeschränktes Sehvermögen

Der FAST-Test

Der FAST-Test ist eine einfache Methode, um einen Schlaganfall zu erkennen:

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  • Face (Gesicht): Die Person bitten zu lächeln. Hängt ein Mundwinkel herab, deutet das auf eine Halbseitenlähmung hin.
  • Arms (Arme): Die Person bitten, die Arme nach vorne zu strecken und dabei die Handflächen nach oben zu drehen. Bei einer Lähmung können nicht beide Arme gehoben werden, ein Arm sinkt oder dreht sich.
  • Speech (Sprache): Die Person bitten, einen einfachen Satz nachzusprechen. Ist sie dazu nicht in der Lage oder klingt die Stimme verwaschen, liegt vermutlich eine Sprachstörung vor.
  • Time (Zeit): Nicht zögern, unverzüglich die 112 wählen und die Symptome schildern.

Diagnose

Bei Verdacht auf einen Schlaganfall ist eine schnelle Diagnose entscheidend. In der Klinik erfolgt zunächst eine umfassende neurologische Untersuchung. Bildgebende Verfahren wie die Computertomographie (CT) oder Magnetresonanztomographie (MRT) des Gehirns werden eingesetzt, um die Art und Lokalisation der Durchblutungsstörung festzustellen. Zusätzlich werden Untersuchungen des Herzens, der Blutgefäße und des Blutes durchgeführt, um die Ursache des Schlaganfalls zu finden.

Behandlung

Die Behandlung eines Schlaganfalls zielt darauf ab, die Durchblutung des Gehirns wiederherzustellen und Folgeschäden zu minimieren.

Akuttherapie

  • Thrombolyse: Bei einem Gefäßverschluss durch ein Blutgerinnsel kann eine Thrombolyse durchgeführt werden. Dabei wird ein Medikament über die Vene verabreicht, das das Gerinnsel auflösen soll.
  • Thrombektomie: Reicht die Thrombolyse nicht aus, kann eine Thrombektomie erfolgen. Dabei wird das Gerinnsel im Gehirn über einen Katheter entfernt.

Weitere Maßnahmen

  • Antikoagulation: Um die Bildung neuer Blutgerinnsel zu verhindern, kann eine Therapie mit gerinnungshemmenden Medikamenten (Antikoagulantien) erfolgen.
  • Operation: Bei bestimmten Ursachen, wie z.B. Gefäßfehlbildungen oder Hirntumoren, kann eine Operation notwendig sein.
  • Immunsuppression: Bei Gefäßentzündungen aufgrund von Autoimmunerkrankungen kann eine Therapie mit Immunsuppressiva erforderlich sein.

Rehabilitation

Nach der Akutbehandlung ist eine umfassende Rehabilitation wichtig, um die Folgen des Schlaganfalls zu behandeln und die Selbstständigkeit des Patienten wiederherzustellen. Die Rehabilitation kann Physio-, Ergo- und Sprachtherapie umfassen. Junge Menschen erholen sich körperlich oft besser, weil das Gehirn noch anpassungsfähig ist, um Defizite zu kompensieren.

Prävention

Einem Schlaganfall kann vorgebeugt werden, indem Risikofaktoren vermieden und ein gesunder Lebensstil gepflegt wird.

Allgemeine Präventionsmaßnahmen

  • Gesunde Ernährung: Eine ausgewogene Ernährung mit viel Obst, Gemüse und Vollkornprodukten kann das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen senken.
  • Regelmäßige Bewegung: Körperliche Aktivität hilft, das Gewicht zu kontrollieren, den Blutdruck zu senken und die Blutfettwerte zu verbessern.
  • Nichtrauchen: Rauchen schädigt die Blutgefäße und erhöht das Schlaganfallrisiko.
  • Vermeidung von Übergewicht: Übergewicht erhöht das Risiko für Bluthochdruck, Diabetes und andere Risikofaktoren für einen Schlaganfall.
  • Kontrolle des Blutdrucks: Ein hoher Blutdruck sollte behandelt werden, um das Schlaganfallrisiko zu senken.
  • Kontrolle der Blutfettwerte: Hohe Blutfettwerte können zu Ablagerungen in den Blutgefäßen führen und das Schlaganfallrisiko erhöhen.
  • Vermeidung von Stress: Chronischer Stress kann das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöhen.

Spezielle Präventionsmaßnahmen für junge Menschen

  • Vorsicht bei ruckartigen Bewegungen und abrupter Dehnung des Halses: Diese können zu einer Karotisdissektion führen.
  • Aufklärung über die Risiken der Antibabypille: Insbesondere in Kombination mit Rauchen erhöht die Antibabypille das Thromboserisiko.
  • Behandlung von Migräne: Migräne, insbesondere mit Aura, erhöht das Schlaganfallrisiko.
  • Vermeidung von Drogenkonsum: Drogen, insbesondere Amphetamine und Kokain, erhöhen das Schlaganfallrisiko.

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