Alzheimer ist eine fortschreitende neurodegenerative Erkrankung, die Gedächtnis, Denken und Verhalten beeinträchtigt. Für Betroffene und Angehörige stellt sie eine enorme Belastung dar. Obwohl es derzeit keine Heilung gibt, suchen Mediziner und Wissenschaftler intensiv nach Möglichkeiten, den Krankheitsverlauf zu verlangsamen oder die Symptome zu lindern. In diesem Zusammenhang rückt Cannabidiol (CBD), ein nicht-psychoaktiver Bestandteil der Hanfpflanze, zunehmend in den Fokus der Forschung.
Was ist Alzheimer?
Die Alzheimer-Krankheit ist die häufigste Ursache für Demenz. Sie beeinträchtigt nicht nur das Denken, sondern auch das Verhalten und die kognitiven Fähigkeiten so stark, dass die Lebensqualität sinkt und das tägliche Leben stark beeinträchtigt wird. Meist sind Menschen ab 65 Jahren betroffen.
Das Problem bei Demenz ist, dass es sich um eine neurodegenerative Erkrankung handelt, die nicht geheilt werden kann. Bei Alzheimer-Betroffenen sterben die Nervenzellen im Gehirn nach und nach ab, was bedeutet, dass das Gehirn schrumpft, und zwar um bis zu 20 %. Auch die Hirnkammer weiten und die Windungsfurchen an der Oberfläche des Gehirns vertiefen sich. Aufgrund des Zelltodes kommt es immer weiter zu Informationsverarbeitungsstörungen im Gehirn und es treten Störungen im Kurzzeitgedächtnis auf.
Mittlerweile ist bekannt, dass es sich bei der Erkrankung um Eiweißablagerungen in den betroffenen Hirnregionen handelt. Diese sind für den Zelltod verantwortlich und sorgen so für Störungen im Gehirn. Bei gesunden Menschen werden diese Eiweißablagerungen abgebaut, bei Alzheimer-Patienten jedoch nicht und das Protein lagert sich im Gehirn ab. Weshalb sich diese Ablagerungen bilden, ist bedauerlicherweise noch unklar.
Personen, die an Alzheimer erkrankt sind, haben eine Lebenserwartung von rund 4 bis 8 Jahren nach der Diagnose. Alzheimer ist eine schleichende Erkrankung, die sich mit der Zeit verschlimmert. Dabei beginnt die Krankheit mit geringen Symptomen, die von Jahr zu Jahr stärker und auch schlimmer werden. Im frühen Stadium kommt es zu leichten Gedächtnisverlusten, die die meisten Betroffenen aufs Alter und die übliche Vergesslichkeit schieben. Im späteren Stadium jedoch verliert der Patient eigentlich alles, um ein Gespräch zu führen, auf die Umgebung zu reagieren oder sich im Alltag zurechtzufinden. Auch gehen mit der Erkrankung andere Beschwerden oder Begleiterscheinungen einher, an denen auch erkannt werden kann, dass es sich womöglich um eine Alzheimer-Erkrankung handelt.
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Bedauerlicherweise sind die Ursachen der Alzheimer Erkrankung nicht komplett geklärt. Forscher gehen aber davon aus, dass durch eine Fehlfunktion der Proteine im Gehirn die Abläufe gestört werden und es so zu einer Erkrankung kommt. Denn durch die Ablagerungen von Eiweiß im Gehirn kommt es nicht nur zu Störungen der Neuronen (Gehirnzellen), sondern das Gehirn wird auch mit weniger Sauerstoff und Energie versorgt. Somit wird eine Reihe von toxischen Ereignissen ausgelöst. Dabei erholen sich die abgestorbenen Neuronen leider nicht, was heißt, dass sie zum einen die Verbindung untereinander nicht halten können und zum anderen absterben. Außerdem gehen Wissenschaftler auch davon aus, dass Demenz genetisch bedingt ist. Auch der Lebensstil sowie die Umgebung des Betroffenen kann eine Rolle dabei spielen, da sie die kognitive Funktion des Gehirns im Laufe des Lebens deutlich beeinträchtigen kann. Der Hauptrisikofaktor ist jedoch das Alter, da unter den 80- bis 90-jährigen Erkrankten mindestens jeder Fünfte betroffen ist. Gleichzeitig gehen die Wissenschaftler und Forscher davon aus, dass das sich das Risiko für Alzheimer durch chronische Entzündungen im Körper erhöhen kann. Dies liegt daran, dass chronische Entzündungen die Bildung von Eiweiß erhöhen und so die Eiweißablagerungen im Gehirn erhöhen.
Klassische Behandlungsmethoden
Alzheimer ist weder eine vermeidbare noch heilbare Krankheit. Daher gibt es im Grunde auch keine wirkliche Behandlung für Betroffene. Allerdings gibt es Empfehlungen, wie die Erkrankung vermieden oder verlangsamt werden kann. Um das Risiko einer Alzheimer Erkrankung zu reduzieren, ist der Lebensstil besonders wichtig. Gesunde und ausgewogene Ernährung ist ebenso empfehlenswert wie regelmäßige Bewegung. Doch auch Hobbys, um sich zu entspannen, Freude zu haben und Energie fördern die kognitive Funktion.
Ist Alzheimer bereits diagnostiziert, gibt es Medikamente, mit denen das Fortschreiten der Krankheit ein wenig verlangsamt werden kann. Die Medikamente können zwar die Schädigung der Gehirnzellen nicht wirklich aufhalten, können aber die Krankheit etwas stabilisieren und die Symptome lindern. Dabei sind in den Medikamenten bestimmte Wirkstoffe enthalten, die die Übertragung der Nachrichten im Gehirn positiv beeinflussen und so dafür sorgen, dass die Nervenzellen mit Informationen gefüttert werden. Die medikamentöse Therapie erfolgt in erster Linie durch die Gabe von Antidementia. Sie sind imstande ein Enzym zu blockieren, das für den Abbau der Botenstoffe zuständig ist. Besonders im frühen und mittleren Stadium hilft die klassische Behandlung die Gedächtnisleistung zu erhalten und Begleiterscheinungen zu mildern.
Demenzerkrankungen zählen zu den größten medizinischen Herausforderungen unserer Zeit. Weltweit leben mehr als 55 Millionen Menschen mit Demenz, über 60 % davon in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen. Die Behandlung von Demenz stützt sich auf mehrere Säulen. Gedächtnistraining und geistige Aktivierung helfen, vorhandene Fähigkeiten länger zu erhalten. Dazu gehören angepasste Übungen, Spiele und kreative Tätigkeiten. Regelmäßige Bewegung fördert die Durchblutung des Gehirns und kann den Krankheitsverlauf positiv beeinflussen. Der Kontakt zu Familie und Freunden sowie die Teilnahme am sozialen Leben stärken das Wohlbefinden. Die Beratung und Schulung von Angehörigen bildet einen wichtigen Teil der Therapie. Cholinesterase-Hemmer wie Donepezil, Galantamin und Rivastigmin verlangsamen den Abbau von Acetylcholin im Gehirn. Memantin, ein NMDA-Antagonist, reguliert die Glutamat-Aktivität im Gehirn und kann nervenschützend wirken.
Diese ganzheitlichen Ansätze ergänzen die medikamentöse Therapie und tragen dazu bei, die Lebensqualität von Betroffenen und Angehörigen zu verbessern.
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Cannabidiol (CBD) als potenzieller Therapieansatz
Kognitive Beeinträchtigungen sowie weit verbreitete pathophysiologische Veränderungen, die durch Neurotoxizität, neurologische Entzündungen, oxidativen Schaden und veränderte Cholesterin-Homeostase verursacht werden, sind mit der Alzheimer-Krankheit (AD) verbunden. Es hat sich gezeigt, dass Cannabidiol kognitive Defizite von AD-transgenen Mäusen umkehrt und sowohl in vitro als auch in vivo neuroprotektive, antioxidative und entzündungshemmende Eigenschaften aufweist.
Lange war unklar, welchen Einfluss Hanf tatsächlich auf die Funktion und Gesundheit des Gehirns hat. Mit der zunehmenden Popularität und Verwendung von Nahrungsergänzungsmitteln wie CBD-Öl gibt es jedoch auch ein gesteigertes wissenschaftliches Interesse an den Auswirkungen von aus Hanf gewonnenen Cannabinoiden wie Cannabidiol (CBD) auf den Körper. Jüngste Studien belegen, dass CBD-Öl die Durchblutung bestimmter Teile des Gehirns verbessert. Eine kleine Studie deutet darauf hin, dass bereits eine Dosis Cannabidiol (CBD) helfen könnte, die Durchblutung in bestimmten Teilen des Gehirns zu verbessern. Wie die Wissenschaftler entdeckten, erhöht das aus Hanf gewonnene Cannabinoid die Durchblutung des Hippocampus. Dies ist ein Bereich des Gehirns, der für das Gedächtnis und die Lernfähigkeit verantwortlich ist. Diese Erkenntnisse könnten möglicherweise bessere zielgerichtete Therapien für gedächtnisbeeinträchtigende Erkrankungen bieten, behaupten die Forscher vom University College of London (UCL). Nämlich Alzheimer und posttraumatische Belastungsstörung, zum Beispiel.
Nach unserem Wissen ist dies die erste Studie, die zeigt, dass CBD den Blutfluss in Schlüsselregionen erhöht, die an der Gedächtnisverarbeitung beteiligt sind, insbesondere im Hippocampus", sagt Dr. Dr. Bloomfield ist der Hauptautor dieser Studie und Professor für Psychiatrie am UCL. Seiner fachlichen Meinung nach "unterstützen die Ergebnisse der Studie die Ansicht, dass CBD regionsspezifische Effekte auf den Blutfluss im menschlichen Gehirn hat, was zuvor bestritten wurde. Um zu diesem Ergebnis zu kommen, fand das Forschungsteam 15 junge und gesunde Teilnehmer ohne Erfahrung mit Cannabisprodukten, die bereit waren, an der Studie teilzunehmen. Jeder von ihnen erhielt eine Kapsel mit 600mg Cannabidiol - oder ein Placebo - zum Konsum an verschiedenen Tagen im Laufe einer Woche. Sieben Tage später wurden die Teilnehmer gebeten, die Kapsel zu konsumieren, die sie nicht eingenommen hatten. Anschließend maßen die Forscher den zerebralen Blutfluss (CBF) der Teilnehmer drei Stunden nach Einnahme der Kapsel. Dies geschah mit einer MRT-Gehirn-Scan-Technik, die als arterielles Spin-Labeling bezeichnet wird. Diese Ergebnisse beweisen, dass CBD - der Hauptbestandteil von CBD-Öl - den Blutfluss zu bestimmten Teilen des Gehirns signifikant erhöht. In diesem Fall der Hippocampus, der für unsere Fähigkeit zu lernen und sich an Dinge zu erinnern verantwortlich ist; und der orbitofrontale Kortex. Dieser Teil des Gehirns spielt eine wichtige Rolle in unserem Entscheidungsprozess. Cannabidiol ist einer der Hauptbestandteile von Cannabis [und Hanf] und gewinnt wegen seines therapeutischen Potenzials an Interesse", so Bloomfield. Es gibt Hinweise darauf, dass CBD helfen kann, Symptome von Psychosen und Angstzuständen zu reduzieren. Darüber hinaus schlägt das Forschungsteam vor, dass diese Ergebnisse helfen könnten, Behandlungen für verschiedene Krankheiten zu entwickeln. Dazu gehören beispielsweise die Alzheimer-Krankheit, Schizophrenie, posttraumatische Belastungsstörung und Depression. Dies unterstützt frühere Erkenntnisse über das Potenzial von CBD-Öl zur Behandlung von stress- und angstbedingten Störungen. Außerdem zeigt diese Studie, dass die nicht-psychoaktive Verbindung des Hanfs Effekte zur Unterstützung und zum Schutz der Gesundheit des Gehirns und der kognitiven Funktion bietet.
CBD und seine potenziellen Wirkmechanismen bei Alzheimer
- Entzündungshemmung: CBD hat entzündungshemmende Eigenschaften, die helfen könnten, neuronale Entzündungen zu reduzieren, ein zentraler Faktor bei neurodegenerativen Erkrankungen.
- Endocannabinoid-System: CBD interagiert Studien zufolge mit dem Endocannabinoid-System (ECS), das eine Schlüsselrolle bei der Regulierung von Gedächtnis, Lernen und Stimmung spielt.
- Plaque-Bildung: Mehrere Studien legen nahe, dass CBD die Bildung von Plaques beeinflussen kann, indem es die Bildung und Wirkung von Beta-Amyloid-Peptiden durch unterschiedliche Mechanismen reduziert.
- Angst und Schlafstörungen: Bei Alzheimer- und Demenz-Patienten sind Angstzustände und Schlafstörungen häufige Begleiterscheinungen, die die Lebensqualität deutlich einschränken. Auch hier könnte CBD mit seinem Einfluss auf das körpereigene Endocannabinoid-System hilfreich sein, allerdings sind die Ergebnisse der Forschung hier noch nicht eindeutig. Angehörige berichten, dass Unruhe und Aggression bei Alzheimer-Patienten abnehmen. CBD hilft vielen Demenzkranken, die mit der Krankheit einhergehenden Schlafstörungen zu lindern.
Studienlage zu CBD und Alzheimer
- Australische Studie: In einer australischen Studie wurde die präventive Wirkung einer langfristigen CBD-Behandlung bei männlichen Ratten mit Alzheimer bewertet. Kontroll- und AD-Mäuse wurden ab einem Alter von 2,5 Monaten täglich über 8 Monate oral mit CBD (20 mg/kg) behandelt. Es zeigte sich, dass Alzheimer-Mäuse ein Defizit in der sozialen Erkennung entwickelten, welches durch die CBD-Behandlung verhindert wurde. CBD hatte keinen Einfluss auf Angst oder assoziatives Lernen. Diese Prävention des sozialen Erkennungsdefizits war nicht mit Veränderungen in der Amyloidbelastung oder oxidativem Schaden verbunden. Die Studie zeigte jedoch einen subtilen Einfluss von CBD Tropfen auf Neuroinflammation, Cholesterin und die Retention von diätetischen Phytosterolen, der weiter untersucht werden sollte.
- Kolumbianische Studie (2024): Eine 2024 publizierte, offene Studie in Kolumbien zeigte, dass CBD-Öl, reich an dem nicht berauschend wirkenden CBD, bei einer Tagesdosis bis zu 111 mg wirksam und sicher war, um neuropsychiatrische Symptome bei Demenzpatienten zu lindern. Die Wirkung betraf vor allem die Reduktion von Halluzinationen, Angst, Unruhe, Apathie und Reizbarkeit. Zudem profitierten auch die pflegenden Angehörigen von der Therapie, da sich ihre Pflegebelastung verringerte und sie weniger Stress empfanden.
CBD vs. Medizinisches Cannabis
Anders als CBD-Öl und andere CBD-Produkte enthält medizinisches Cannabis sowohl THC (Tetrahydrocannabinol) als auch CBD (Cannabidiol). CBD hingegen ist nicht-psychoaktiv und wirkt vor allem durch entzündungshemmende, antioxidative und neuroprotektive Eigenschaften. Studien zeigen, dass medizinisches Cannabis zwar umfassendere Wirkungen als reines CBD haben kann, jedoch mit wesentlich höheren Nebenwirkungen verbunden ist, die besonders für Demenzpatienten dramatisch sein können (z.B. Psychosen, Abhängigkeit).
Cannabis hat die Fähigkeit sich positiv auf den Haushalt der Botenstoffe im Endocannabinoidsystem von Alzheimer-Patientinnen auszuwirken. Zusätzlich lassen sich mit Cannabis Stimmungsschwankungen abfedern und psychische Probleme lindern, was in der Pflege von Alzheimer-Patientinnen eine deutliche Erleichterung bedeutet. Auch bei Cannabis wirkt sich ein früher Beginn mit der Behandlung positiv aus. Medizinisches Cannabis wird von Alzheimer-Patientinnen relativ gut vertragen. Speziell für die Anwendung bei Demenz-Patientinnen stehen nur wenige Studien zur Verfügung. Für eine Behandlung ungeeignete Patient*innen sind jene, die an einer Herzrhythmusstörungen oder orthostatische Hypotonie leiden.
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In einer kleinen offenen Studie in der Schweiz bekamen 19 Personen mit schwerer Demenz bis zu 13 Monate lang einen standardisierten Cannabis-Extrakt mit THC (im Mittel 12,4 mg/Tag) und CBD (im Mittel 24,8 mg/Tag). »Es zeigte sich eine deutliche Verbesserung von neuropsychiatrischen Problemen, Agitation, Unruhe und Aggressivität«, berichtete Müller-Vahl, die auch Mitglied des Sachverständigenausschusses für Betäubungsmittel des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) ist.
Darreichungsformen von CBD für Demenzpatienten
Auch wenn CBD viele Vorteile für Demenzpatienten bietet: Die Einnahme kann teilweise herausfordernd für die Betroffenen und Angehörige sein. Die Auswahl einer geeigneten Darreichungsform von CBD ist daher besonders wichtig, um die Einnahme so einfach und angenehm wie möglich zu gestalten.
- CBD-Öle und -Tropfen: Üblicherweise werden CBD-Öle für eine schnelle Wirkung unter die Zunge getropft. Sie können aber auch bequem in Speisen oder Getränke gemischt werden, um die Einnahme zu erleichtern. Da der typische Hanf-Geschmack nicht jedem behagt, bieten sich Öle mit zusätzlichen Geschmäckern an.
- CBD-Kapseln oder -Tabletten: Diese Darreichungsform ist geschmacklos und kann durch die einfache Einnahme mit Wasser besonders leicht für ältere oder demenzkranke Menschen angepasst werden.
- CBD-Sprays: Ein CBD-Spray ist besonders praktisch, da es direkt unter die Zunge gesprüht wird und eine schnelle Wirkung bietet.
- CBD in Speisen und Getränken: Eine ansprechende Variante ist Möglichkeit, CBD-Öl in Nahrungsmittel oder Getränke wie Smoothies, Tee oder Süßigkeiten zu mischen.
- CBD-Topika (Auftragen auf die Haut): Für Demenzpatienten, die z. B. Schmerzen oder Hautprobleme haben, bieten sich CBD-Salben und -Cremes an.
Wichtig ist generell, den Erkrankten die Einnahme so einfach wie möglich zu machen und gleichzeitig sicherzustellen, dass das CBD wirkt wie gewünscht.
Wichtige Hinweise zur Anwendung von CBD
- Umfassendes Behandlungskonzept: CBD kann eine sinnvolle Ergänzung sein, sollte aber in ein umfassendes Behandlungskonzept eingebettet werden.
- Medikamentöse Therapie: Begleitend zu CBD sollten ärztlich verordnete Medikamente nicht vernachlässigt werden.
- Ärztliche Beratung: Sprechen Sie mit Ihrem Arzt/Ihrer Ärztin, wenn Sie Medikamente einnehmen (z. B. Antiepileptika, gerinnungshemmende Mittel).
- Dosis langsam steigern: Studien nutzten sehr unterschiedliche Dosen (von 10 mg/kg in Tiermodellen bis zu 400 mg als Einzeldosis beim Menschen). Viele Menschen beginnen mit 5-10 mg CBD pro Tag und erhöhen schrittweise über 1-2 Wochen, bis die gewünschte Wirkung oder die persönliche Toleranz erreicht ist. Nutzen Sie einen wissenschaftlich fundierten Dosierungsrechner, um eine personalisierte CBD-Empfehlung für Ihre spezifische Situation zu erhalten.
- Produktqualität: Wählen Sie geprüfte Produkte mit aktuellem Laborzertifikat (COA), klaren Angaben zu CBD-Gehalt, THC-Compliance und Rückstandsanalysen. Achten Sie auf zertifizierte Produkte mit aktuellem Laborzertifikat (COA), klarer CBD-Dosierung, THC-Compliance und Rückstandsanalysen.
- Wechselwirkungen mit Medikamenten: CBD kann Enzyme der Leber (CYP450) beeinflussen und damit die Blutspiegel anderer Medikamente verändern - von Antiepileptika bis zu Blutverdünnern. Lassen Sie Ihre Medikation ärztlich prüfen, insbesondere wenn Sie höhere CBD-Dosen planen oder Leberprobleme haben. Überprüfen Sie mit einem umfassenden Wechselwirkungsrechner, ob CBD mit Ihren aktuellen Medikamenten interagieren könnte, bevor Sie mit der Anwendung beginnen.
- Schwangerschaft und Stillzeit: In der Schwangerschaft und Stillzeit wird - im Einklang mit den vorliegenden Daten - von CBD abgeraten.
Mögliche Nebenwirkungen von CBD
CBD gilt allgemein als gut verträglich, wie bei jedem Wirkstoff können aber dennoch Nebenwirkungen auftreten. Im Allgemeinen fallen die Nebenwirkungen sehr mild aus. Trotzdem sollte ggf. Psychoaktiv sein : Anders als THC (Tetrahydrocannabinol) hat CBD keine psychoaktiven Effekte.
Für CBD sind zahlreiche unerwünschte Effekte bekannt. So löst CBD bei jedem Zehnten Schläfrigkeit und Benommenheit aus. Genauso häufig scheint CBD zu Schlaflosigkeit, Schlafstörungen und innerer Unruhe zu führen. Weitere häufige Nebenwirkungen sind Durchfall, Appetitlosigkeit, Fieber, Erbrechen und Müdigkeit. Möglicherweise ist auch die Infekthäufigkeit nach Verwendung von CBD gesteigert. CBD sollte keinesfalls von Personen genommen werden, die an Erkrankungen der Leber leiden oder Antiepileptika einnehmen. Negative Effekte scheinen dosisabhängig zu sein. In einer Metaanalyse (März 2023) wurden unterhalb einer Tagesdosis von 300 Milligramm CBD keine Auswirkungen auf die Leber beobachtet. Eine US-Studie unter Beteiligung der Food and Drug Administration stellte im Sommer 2025 jedoch fest, dass Cannabidiol (CBD) möglicherweise selbst in den niedrigen Dosierungen, wie sie in frei verkäuflichen Produkten enthalten sind (5 mg/kg Körpergewicht/Tag), Leberschäden verursachen kann. Weitere Untersuchungen seien nötig. Es sind Wechselwirkungen mit zahlreichen Medikamenten möglich, durch Hemmung der Enzyme CYP 2C19 und CYP 3A4 im Arzneistoffwechsel. Bisher sind 53 Arzneistoffe bekannt. Das kann zum Beispiel Psychopharmaka, Blutdrucksenker, Blutverdünner, Arzneimittel gegen Epilepsie, das Brustkrebsmedikament Tamoxifen, Arzneimittel nach Organtransplantationen, Steroide und Antibiotika betreffen. Wenn Sie regelmäßig Medikamente nehmen, sollten Sie ohne ausdrücklichen ärztlichen Rat oder Beratung in der Apotheke auf die Einnahme von CBD-Produkten verzichten. Laut EFSA zeigen Tierversuche signifikante schädliche Wirkungen, insbesondere in Bezug auf die Fortpflanzung. Ob das auch für Menschen gilt, wird noch geprüft.
Rechtliche Situation von CBD-Produkten
Grundsätzlich könnte CBD eine Lebensmittelzutat sein, da es kein Suchtstoff ist. Da CBD laut Novel Food-Katalog der Europäischen Union aber vor 1997 nicht in nennenswerten Umfang auf dem europäischen Lebensmittelmarkt vertreten war, gilt es als neuartig in Lebensmitteln und braucht vor dem Verkauf eine Zulassung nach vorheriger Sicherheitsprüfung. Ganz besonders gilt das natürlich für synthetisches CBD. Aktuell sind über 100 Anträge in Bearbeitung, 19 Anträge sind validiert und wurden von der EFSA toxikologisch geprüft. Bis dahin wird das Zulassungsverfahren zunächst ausgesetzt. Außerdem laufen Anträge auf Novel-Food-Zulassung für synthetisch hergestellte Cannabidiole. Die Einstufung als neuartig gilt auch für weitere Cannabinoide wie CBDA, CBG, CBN oder CBC. Die Sicherheitsbewertung für das synthetische CBD der Firmen “Cibdol AG” und “Labocan BV” durch die EFSA verlief negativ, die Sicherheit der neuartigen Zutat ist demnach nicht gewährleistet. Auch ein Hanf-Extrakt, der Cannabinoide enthält, ist, so das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL), als neuartig einzuordnen und bedarf einer Zulassung. Das BVL schreibt in dem Fragenkatalog zu CBD auf seiner Internetseite: "dem BVL ist derzeit keine Fallgestaltung bekannt, wonach Cannabidiol (CBD) in Lebensmitteln, also auch in Nahrungsergänzungsmitteln, verkehrsfähig wäre". Diese rechtliche Bewertung wird durch vorliegende Gerichtsurteile gestützt. Auch der Novel-Food-Katalog der EU (Eintrag vom 17.11.2023) bezeichnet Cannabidiol und Cannabinoide als neuartig und damit zulassungspflichtig.
Konkret: CBD-Produkte sind als Lebensmittel derzeit nicht zugelassen. Aktuell werden daher CBD-Öle häufig als Aromaöle (siehe unten) oder Kosmetik verkauft - diese sind aber nicht zum Verzehr (zur oralen Aufnahme) geeignet. Derartige Umdeklarierungen werden von den ersten Gerichten schon als Versuch gewertet, gesetzliche Regelungen zu umgehen. So ist die (äußere) Anwendung von wenigen Tropfen CBD als kosmetischer Einsatz nicht wirklich denkbar. Entsprechend hat der Verwaltungsgerichtshof Baden-Württemberg (9 S 969/23, 16. August 2023) entschieden, das „CBD Öl Mundtropfen“ (mit 10 Prozent CBD) als gesundheitsschädliches und damit nicht sicheres Lebensmittel einzustufen sind.