Die Parkinson-Krankheit, auch bekannt als Morbus Parkinson, ist eine fortschreitende neurologische Erkrankung, die hauptsächlich die Bewegung beeinträchtigt. Sie entsteht durch den Verlust von Dopamin produzierenden Nervenzellen im Gehirn. Dopamin ist ein Neurotransmitter, der eine entscheidende Rolle bei der Steuerung von Bewegungen, Emotionen, Motivation und Belohnungsgefühlen spielt. Ein Mangel an Dopamin führt zu den typischen Parkinson-Symptomen wie Zittern (Tremor), Muskelsteifheit (Rigor), verlangsamten Bewegungen (Bradykinesie) und Gleichgewichtsstörungen.
Neben den motorischen Symptomen können bei Parkinson-Patienten auch nicht-motorische Symptome auftreten, wie z. B. Schlafstörungen, Depressionen, kognitive Beeinträchtigungen und Blutdruckschwankungen. Insbesondere der Blutdruck spielt eine wichtige Rolle im Zusammenhang mit Parkinson, da sowohl Bluthochdruck (Hypertonie) als auch niedriger Blutdruck (Hypotonie) die Symptomatik und den Krankheitsverlauf beeinflussen können.
Dopamin und Blutdruckregulation
Dopamin wirkt nicht nur im Gehirn als Neurotransmitter, sondern auch im Körper als Hormon. Im peripheren Nervensystem trägt Dopamin zur Regulation des Blutdrucks bei. Es kann sowohl blutdrucksteigernde als auch blutdrucksenkende Wirkungen haben, abhängig von den beteiligten Rezeptoren und der jeweiligen Situation.
Bei Freisetzung von Dopamin im Körper kann es zu einem Anstieg des Blutdrucks und einer Erhöhung der Herzfrequenz kommen. Dies geschieht durch die Aktivierung von Dopaminrezeptoren in den Blutgefäßen und im Herzen. Andererseits kann Dopamin auch blutdrucksenkende Effekte haben, indem es die Freisetzung von Noradrenalin hemmt, einem Hormon, das den Blutdruck erhöht.
Blutdruckprobleme bei Parkinson
Parkinson-Patienten leiden häufig unter Blutdruckproblemen, die durch die Erkrankung selbst, durch die Medikamente zur Behandlung von Parkinson oder durch andere Faktoren verursacht werden können.
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Orthostatische Hypotonie
Eine häufige Komplikation bei Parkinson ist die orthostatische Hypotonie, ein plötzlicher Blutdruckabfall beim Aufstehen aus dem Sitzen oder Liegen. Dies kann zu Schwindel, Benommenheit, Sehstörungen und sogar zu Ohnmacht führen. Die orthostatische Hypotonie wird durch eine Störung der autonomen Nervenfunktion verursacht, die für die Regulation des Blutdrucks verantwortlich ist. Bei Parkinson-Patienten ist diese Funktion oft beeinträchtigt, was zu einer unzureichenden Anpassung des Blutdrucks bei Lagewechsel führt.
Hypertonie
Obwohl orthostatische Hypotonie häufiger vorkommt, können Parkinson-Patienten auch unter Bluthochdruck leiden. Studien haben gezeigt, dass Parkinson-Patienten mit Bluthochdruck tendenziell schwerere neurologische Symptome entwickeln als Patienten mit normalem Blutdruck. Die genauen Mechanismen, die dieser Assoziation zugrunde liegen, sind noch nicht vollständig geklärt, aber es wird vermutet, dass Bluthochdruck die Dopaminproduktion und -funktion im Gehirn beeinträchtigen kann.
Medikamentenbedingte Blutdruckveränderungen
Viele Medikamente, die zur Behandlung von Parkinson eingesetzt werden, können den Blutdruck beeinflussen. Levodopa, ein Medikament, das im Gehirn in Dopamin umgewandelt wird, kann sowohl zu Blutdruckabfall als auch zu Blutdruckanstieg führen. Dopaminagonisten, die die Wirkung von Dopamin im Gehirn nachahmen, können ebenfalls den Blutdruck senken und orthostatische Hypotonie verursachen. Andere Medikamente, die zur Behandlung von Parkinson eingesetzt werden, wie z. B. MAO-B-Inhibitoren und COMT-Inhibitoren, können ebenfalls den Blutdruck beeinflussen.
Dopaminmangel und seine Auswirkungen
Ein Dopaminmangel liegt vor, wenn die Dopamin-Konzentration im Körper oder Gehirn unter dem normalen Bereich liegt. Dopamin hat vielfältige Aufgaben:
- Im Gehirn ist es als Nervenbotenstoff (Neurotransmitter) wesentlich an der Regulierung von Emotionen, Motivation, Belohnungsgefühlen und der Bewegungskoordination beteiligt (zentrales Dopamin).
- Im restlichen Körper trägt Dopamin beispielsweise zur Blutdruckregulierung bei (peripheres Dopamin).
Ein Dopaminmangel kann unterschiedlichste Auswirkungen auf die psychische und körperliche Gesundheit haben. Eine Rolle dabei spielt, wo im Körper der Mangel auftritt und wie schwerwiegend er ist.
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Allgemeine Symptome, die bei Dopaminmangel auftreten können, sind zum Beispiel:
- Müdigkeit
- Nervosität, Unruhe
- Schlafstörungen
- Interessen-, Motivationsmangel
Gravierende Auswirkungen zeigen sich bei der Parkinson-Krankheit - der bekanntesten Erkrankung im Zusammenhang mit Dopaminmangel. Aus noch ungeklärter Ursache sterben hier fortschreitend Dopamin-produzierende Nervenzellen im Gehirn ab. Der resultierende Dopaminmangel ruft typische Parkinson-Symptome hervor wie:
- unwillkürliches Zittern (Tremor), etwa der Hände
- Muskelsteife (Rigor)
- verlangsamte Bewegungen (Bradykinesie) bis hin zu Bewegungslosigkeit (Akinesie)
- Gangstörungen
- Gleichgewichts- und Koordinationsstörungen
Behandlung von Blutdruckproblemen bei Parkinson
Die Behandlung von Blutdruckproblemen bei Parkinson erfordert einen individuellen Ansatz, der die spezifischen Bedürfnisse und Begleiterkrankungen des Patienten berücksichtigt.
Nicht-medikamentöse Maßnahmen
In vielen Fällen können nicht-medikamentöse Maßnahmen helfen, den Blutdruck zu stabilisieren und die Symptome zu lindern. Dazu gehören:
- Ausreichende Flüssigkeitszufuhr: Trinken Sie täglich mindestens 1,5 bis 2 Liter Flüssigkeit, um das Blutvolumen zu erhöhen und den Blutdruck zu stabilisieren.
- Erhöhte Salzzufuhr: Eine moderate Erhöhung der Salzzufuhr kann helfen, den Blutdruck zu erhöhen. Sprechen Sie jedoch vorher mit Ihrem Arzt, um sicherzustellen, dass dies für Sie sicher ist.
- Vermeidung großer Mahlzeiten: Essen Sie mehrere kleine Mahlzeiten über den Tag verteilt, um plötzliche Blutdruckabfälle nach dem Essen zu vermeiden.
- Tragen von Kompressionsstrümpfen oder einer Bauchbinde: Diese Hilfsmittel können helfen, das Blut in den Beinen zu halten und den Blutdruck beim Aufstehen zu stabilisieren.
- Langsame Lagewechsel: Stehen Sie langsam aus dem Sitzen oder Liegen auf, um dem Körper Zeit zu geben, den Blutdruck anzupassen.
- Schlafen mit erhöhtem Oberkörper: Schlafen Sie mit leicht erhöhtem Oberkörper, um die Urinausscheidung in der Nacht zu reduzieren und den Blutdruck zu stabilisieren.
- Regelmäßige Bewegung: Moderate Bewegung kann helfen, den Kreislauf zu stabilisieren und den Blutdruck zu regulieren.
Medikamentöse Behandlung
In einigen Fällen kann eine medikamentöse Behandlung erforderlich sein, um den Blutdruck zu stabilisieren. Es gibt verschiedene Medikamente, die zur Behandlung von orthostatischer Hypotonie eingesetzt werden können, wie z. B. Fludrocortison und Midodrin. Bei Bluthochdruck können blutdrucksenkende Medikamente eingesetzt werden, wobei jedoch darauf geachtet werden muss, dass diese den Blutdruck nicht zu stark senken und orthostatische Hypotonie verursachen.
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Es ist wichtig, dass die medikamentöse Behandlung in enger Absprache mit dem Arzt erfolgt, um die richtige Dosierung und das richtige Medikament für den jeweiligen Patienten zu finden.
Weitere Aspekte im Umgang mit Parkinson
Neben den spezifischen Behandlungen für Blutdruckprobleme gibt es auch allgemeine Maßnahmen, die Parkinson-Patienten helfen können, ihre Lebensqualität zu verbessern:
- Regelmäßige Arztbesuche: Gehen Sie regelmäßig zu Ihrem Arzt, um den Krankheitsverlauf zu überwachen und die Behandlung anzupassen.
- Physiotherapie: Physiotherapie kann helfen, die Beweglichkeit und Koordination zu verbessern und Stürze zu vermeiden.
- Ergotherapie: Ergotherapie kann helfen, den Alltag besser zu bewältigen und Hilfsmittel zu nutzen, um die Selbstständigkeit zu erhalten.
- Logopädie: Logopädie kann helfen, Sprach- und Schluckstörungen zu behandeln.
- Psychologische Unterstützung: Psychologische Unterstützung kann helfen, mit den emotionalen Belastungen der Erkrankung umzugehen.
- Selbsthilfegruppen: Der Austausch mit anderen Betroffenen in Selbsthilfegruppen kann sehr hilfreich sein.
Wechselwirkungen von Medikamenten bei Parkinson
Bei der Behandlung von Parkinson ist es wichtig, die möglichen Wechselwirkungen zwischen verschiedenen Medikamenten zu berücksichtigen. Parkinson-Patienten nehmen oft mehrere Medikamente gleichzeitig ein, um die verschiedenen Symptome der Erkrankung zu behandeln. Diese Medikamente können sich jedoch gegenseitig beeinflussen und zu unerwünschten Nebenwirkungen führen.
Pharmakokinetische Interaktionen
Pharmakokinetische Interaktionen beeinflussen die Aufnahme, Verteilung, Verstoffwechselung oder Ausscheidung eines Medikaments. Beispielsweise kann die gleichzeitige Einnahme von Levodopa und Eisenpräparaten die Aufnahme von Levodopa im Darm beeinträchtigen und die Wirksamkeit des Medikaments verringern.
Pharmakodynamische Interaktionen
Pharmakodynamische Interaktionen beeinflussen die Wirkung eines Medikaments im Körper. Beispielsweise kann die gleichzeitige Einnahme von Dopaminagonisten und blutdrucksenkenden Medikamenten den Blutdruck zu stark senken und zu orthostatischer Hypotonie führen.
Es ist wichtig, dass der Arzt über alle Medikamente informiert ist, die der Patient einnimmt, um mögliche Wechselwirkungen zu erkennen und die Behandlung entsprechend anzupassen.
Dopaminagonisten in der Parkinson-Therapie
Dopaminagonisten spielen eine wichtige Rolle bei der Behandlung von Parkinson-Patienten. Sie imitieren die Wirkung von Dopamin im Gehirn und gleichen so den Mangel an diesem Neurotransmitter aus. Dopaminagonisten stimulieren dieselben Dopaminrezeptoren (D-Rezeptoren) wie der körpereigene Neurotransmitter, der aus den Aminosäuren Tyrosin und Phenylalanin hergestellt wird.
Dopaminagonisten werden oft zur Behandlung des Morbus Parkinson eingesetzt, bei dem ein Dopaminmangel im extrapyramidalmotorischen System (EPMS) zu neurologischen Störungen und insbesondere Störungen der Motorik führt. Zu den typischen Symptomen gehören Bewegungslosigkeit, verlangsamte Willkürmotorik, gesteigerte Grundspannung der Skelettmuskulatur und Tremor (Zittern). Sie werden auch zur Behandlung des Restless-Legs-Syndroms (RLS) eingesetzt, einer hyperkinetischen Störung des EPMS, die durch Zuckungen, Missempfindungen und Schmerzen in den Beinen gekennzeichnet ist. Ebenso können Dopaminagonisten auch zur Behandlung von hormonellen Beschwerden eingesetzt werden, die mit einer erhöhten Produktion von Prolaktin verbunden sind, wie zum Beispiel bei Prolaktinomen, hormonproduzierenden Tumoren des Hypophysenvorderlappens. Durch die Blockierung der Prolaktinsekretion können Dopaminagonisten helfen, Östrogenmangel, Galaktorrhö (Milchproduktion bei Männern oder Frauen, die kein Kind stillen) und andere Symptome zu behandeln.
Dopaminagonisten können zu Beginn der Behandlung zu Nebenwirkungen wie Übelkeit, Kreislaufproblemen, Halluzinationen, Schläfrigkeit oder Verdauungsstörungen führen und werden daher langsam eindosiert. Durch eine langsame Anpassung der Dosis wird das Risiko auf Nebenwirkungen deutlich reduziert.
Dopaminagonisten helfen, L-Dopa einzusparen, um die Fluktuationen so lange wie möglich zu verzögern. Sie sind vor allem in frühen Behandlungsphasen von Bedeutung. Sie können aber sowohl als Monotherapie als auch in Kombination mit anderen Parkinson-Medikamenten eingenommen werden und sind besonders für die Erstmedikation im Frühstadium der Erkrankung das Mittel der Wahl. Im Gegensatz zu L-Dopa müssen Dopaminagonisten nicht im menschlichen Körper umgewandelt werden, um zu wirken. Sie können ihre Wirkung direkt an den entsprechenden Empfängerstellen (Rezeptoren) im Gehirn entfalten. Trotzdem dauert es etwas länger als bei L-Dopa bis die Wirkung einsetzt. Sie hält dann aber länger an. Die Wirksamkeit dieser Präparate ist meist nicht so stark wie die von L-Dopa. Dopaminagonisten haben jedoch gegenüber L-Dopa den Vorteil, dass sie bei langjähriger Einnahme seltener zu Wirkungsschwankungen und Überbewegungen führen. Daher sollten Dopaminagonisten besonders bei jüngeren Patientinnen und Patienten (unter 70 Jahren, lt. Leitlinie) ohne schwerwiegende Begleiterkrankungen vor einer L-Dopa-Therapie eingesetzt werden. Reicht eine alleinige Therapie (sogenannte Monotherapie) mit einem Dopaminagonisten nicht für eine zufriedenstellende Symptomkontrolle aus, wird bei den Patientinnen und Patienten bevorzugt eine Kombination, z. B. aus einem Dopaminagonisten und L-Dopa, gewählt.
Der Nachteil von Dopaminagonisten sind die Nebenwirkungen und die etwas schlechtere Verträglichkeit, gerade bei hohen Dosen und im hohen Alter. Das Risiko auf Wesensveränderungen wie Punding, exzessives Essen oder allgemeine Impulskontrollstörungen, sowie Psychosen, ist bei erhöhter Dosierung von Dopaminagonisten besonders hoch, verglichen mit L-Dopa oder anderen Parkinson Medikamenten.