Hanftee und CBD bei Epilepsie: Studienlage und Anwendung

Die Behandlung von Epilepsie mit Cannabisprodukten, insbesondere mit Hanftee und CBD (Cannabidiol), hat in den letzten Jahren zunehmend an Bedeutung gewonnen. Während die Forschung noch nicht alle Fragen beantwortet hat, deuten zahlreiche Studien auf potenzielle Vorteile hin, insbesondere bei bestimmten Formen von Epilepsie. Dieser Artikel beleuchtet die aktuelle Studienlage, die verschiedenen Anwendungsformen von Hanfprodukten und die damit verbundenen rechtlichen Aspekte.

Epilepsie und Cannabis: Ein Überblick

Epilepsie ist eine neurologische Erkrankung, die durch wiederkehrende Krampfanfälle gekennzeichnet ist. Diese Anfälle entstehen durch unkontrollierte, synchrone Entladungen von Nervenzellen im Gehirn. Die Ursachen für Epilepsie können vielfältig sein, darunter genetische Defekte, Hirnschäden durch Unfälle oder Tumore, sowie Stoffwechselstörungen.

Die Cannabispflanze enthält über 400 verschiedene Bestandteile, sogenannte Cannabinoide, von denen einige therapeutisches Potenzial besitzen. Die bekanntesten sind THC (Tetrahydrocannabinol) und CBD. THC ist für die psychoaktive Wirkung von Cannabis verantwortlich, während CBD nicht psychoaktiv wirkt und eine Reihe von potenziell positiven Effekten auf die Gesundheit haben kann.

In der Behandlung von Epilepsie gibt es mittlerweile eine Vielzahl von Einzelfallberichten, Fallserien und klinischen Studien, die bei Cannabis-Einnahme bei einem Teil der Patienten Verbesserung der Anfallskontrolle fanden. Auf die Anfallshäufigkeit oder -schwere können die Bestandteile THC (Tetrahydrocannabinol) und CBD (Cannabidiol) der Cannabis-Pflanze günstige Effekte erzielen.

CBD: Was ist das und wie wirkt es?

Cannabidiol (CBD) ist neben THC der am meisten erforschte Inhaltsstoff der Cannabispflanze. Im Gegensatz zu THC hat CBD keine berauschende Wirkung. Stattdessen werden ihm verschiedene therapeutische Eigenschaften zugeschrieben, darunter entzündungshemmende, angstlösende, entspannende und antipsychotische Effekte. Besonders gut belegt ist die Wirksamkeit von CBD bei der Reduzierung von epileptischen Anfällen.

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Es gibt Hinweise darauf, dass es antientzündlich (antiinflammatorisch) wirken und das Immunsystem regulieren kann. Es gibt zudem Hinweise auf angstlösende, entspannende und antipsychotische Eigenschaften. Gut wissenschaftlich belegt ist, dass es dazu beitragen kann, die Häufigkeit und Schwere von epileptischen Anfällen zu verringern. Ein CBD-haltiges Arzneimittel ist daher bereits für die Behandlung bestimmter Epilepsieformen bei Patienten ab 2 Jahren als Therapie zugelassen.

CBD und das Endocannabinoid-System

Das Endocannabinoid-System (ECS) spielt eine wichtige Rolle bei der Regulierung verschiedener Körperfunktionen, einschließlich der neuronalen Aktivität im Gehirn. Es wird angenommen, dass CBD mit dem ECS interagiert und dadurch die neuronale Erregung beeinflussen kann. Konkret kann medizinisches Cannabis die übermäßige Ausschüttung von Neurotransmittern verhindern und dadurch möglicherweise den epileptischen Anfall abwenden. Insbesondere das THC aus medizinischem Cannabis kann in diesen Prozess eingreifen: Es aktiviert das ECS durch die Bindung an Cannabinoid-Rezeptoren, vorrangig den CB-1-Rezeptor, und verhindert die Neurotransmitter-Ausschüttung und kann dadurch den epileptischen Anfall abschwächen oder gänzlich verhindern. Das CBD verfügt neben der Interaktion mit dem ECS auch über krampflösende Effekte, so dass dies einen zusätzlichen Nutzen bei der Behandlung der Epilepsie liefern kann.

Darüber hinaus kann medizinisches Cannabis das Gehirn vor Schädigungen schützen, die mit dem Anfall verbunden sein können. Während eines epileptischen Anfalls wird unter anderem eine große Menge des Botenstoffs Glutamat freigesetzt. Die andauernde hohe Konzentration von Glutamat kann zu einem Abbau von Nervenzellen führen. Durch die Bindung an Cannabinoidrezeptoren verändern sowohl das THC als auch körpereigene Cannabinoide die Empfindlichkeit der Nervenzellen, so dass diese weniger neuronale Signale (bspw. die Freisetzung von Glutamat) aussenden. Somit wirkt medizinisches Cannabis dämpfend auf die neuronale Erregbarkeit und schützt letztlich das Gehirn4.

Studienlage zu CBD bei Epilepsie

Die Forschung zur Wirksamkeit von CBD bei Epilepsie hat in den letzten Jahren Fortschritte gemacht. Es gibt mittlerweile einige Studien, die positive Ergebnisse zeigen, insbesondere bei bestimmten Epilepsieformen wie dem Dravet-Syndrom und dem Lennox-Gastaut-Syndrom.

  • Dravet-Syndrom und Lennox-Gastaut-Syndrom: Für den Einsatz von Cannabidiol liegen mittlerweile auch Zulassungen für drei seltene Epilepsieformen vor, das Dravet-Syndrom, das Lennox-Gastaut-Syndrom und für strukturelle Epilepsien bei Tuberöser Sklerose. Studien haben gezeigt, dass CBD die Anfallshäufigkeit bei diesen Syndromen signifikant reduzieren kann. Knapp die Hälfte der Patienten mit Dravet-Syndrom, eine seltene Epilepsieform im Kindesalter, und mit Lennox-Gastaut-Syndrom, eine Epilepsieform, die durch ihre Sturzanfälle besonders belastend für die Patienten ist, zeigt eine Verminderung der Anfälle um 50 Prozent. Zu berücksichtigen ist, dass in der Kontrollgruppe ohne wirksames Medikament etwa 20 Prozent der Betroffenen diese Verbesserung zeigten.

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  • Pharmakoresistente Epilepsie: Eine Studie ohne Kontrollgruppe an einer größeren Zahl von Patienten mit Pharmakoresistenz zeigte vergleichbare Ergebnisse. Bei Vorliegen einer schweren Epilepsieform und einer Pharmakoresistenz bieten wir nach Prüfung der einzelnen Situation eine Behandlung mit Cannabinoiden an.

  • Langzeitstudien: Eine 60-monatige Kohorten-Studie mit 54 Teilnehmern (2-55 Jahre alt) zeigte, dass CBD ein sicheres und effektives Medikament zur Langzeitbehandlung von Epilepsie ist. Es ersetzt dabei nicht die anderen Epilepsie-Medikamente, aber konnte bei den meisten Patienten zur Reduktion der Dosis von mindestens einem anderen Medikament führen.

  • Aktuelle Forschung (2023): Aktuelle Forschungen aus 2023 zeigen, dass auch bei Erwachsenen die Therapie mit medizinischem Cannabis die Anfallshäufigkeit reduzieren kann. In einer offenen, prospektiven Kohortenstudie (n = 44) konnte bei fast 80 % der Patienten die Anzahl der Anfälle um mehr als 50 % verringert werden.

Es ist wichtig zu beachten, dass die Studienlage noch nicht ausreichend ist, um allgemeingültige Empfehlungen auszusprechen. Viele Studien haben eine geringe Teilnehmerzahl oder sind nicht placebokontrolliert. Dennoch deuten die Ergebnisse darauf hin, dass CBD eine vielversprechende Option für Patienten mit therapieresistenter Epilepsie sein könnte.

CBD bei Kindern und Jugendlichen

Der Einsatz von Medizinalcannabis speziell bei Epilepsie im Kindesalter wurde maßgeblich durch den Fall Charlotte Figi (*2006 - †2020) beeinflusst. Bei Charlotte wurde im Alter von 2 Jahren das Dravet-Syndrom diagnostiziert. Aufgrund ihrer bis zu 50mal am Tag auftretenden Krampfanfälle konnte sie sich nicht altersgerecht entwickeln. Erst durch den Einsatz eines CBD-reichen und THC-armen Öls wurden ihre Anfälle auf 2-3 pro Monat reduziert, so dass ihr ein weitgehend normales Leben ermöglicht wurde.

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Seither haben andere Studien, insbesondere bei pädiatrischen Patienten, ebenfalls einen positiven Einfluss von medizinischem Cannabis mit hohem CBD- aber geringen THC-Gehalt meist ergänzend zu herkömmlichen Antiepileptika gezeigt. Nach Auswertung der Studienlage kamen die Forscher zu dem Ergebnis, dass es hinreichende Belege gibt, die die potenzielle Wirksamkeit von CBD-angereicherten Ölen bei der Behandlung von kindlicher Epilepsie rechtfertigen.Im Jahr 2019 wurde Cannabidiol (Epidiolex®) in Kombination mit Clobazam zur Behandlung von zwei seltenen Epilepsieformen, dem Lennox-Gastraut- und Dravet-Syndrom, zugelassen.

Anwendungsformen von Hanfprodukten

Neben CBD-Ölen gibt es eine Vielzahl weiterer Hanfprodukte, die potenziell bei Epilepsie eingesetzt werden könnten. Dazu gehören:

  • Hanftee: Hanftee aus Nutzhanf wird eine Reihe von Wirkungen zugeschrieben. Die Hanfblätter und Hanfblüten enthalten eine Vielzahl sekundärer Pflanzenstoffe. Die für die Cannabispflanze typische Geruchsstoffe und Antioxidantien sind gesund und sorgen für einen angenehmen Kräutergeschmack. Das enthaltene CBD soll eine entspannende Wirkung entfalten und beruhigend wirken. Fans von Hanftee berichten, besser „runterfahren“ und einschlafen zu können.
  • Hanfsamen und Hanföl: Hanfsamen enthalten viele wichtige und lebensnotwendige Nährstoffe, jedoch kein CBD und kein THC. Die etwa pfefferkorngroßen Samen sind reich an mehrfach ungesättigten Fettsäuren (Omega-3 und Omega-6), den Vitaminen A, B, C, D und E, lebensnotwendigen Aminosäuren und Antioxidantien. Das Superfood kann ein echtes Plus für die bewusste Ernährung sein, das locker mit den beliebten Chiasamen und Soja mithalten kann und sich regional anbauen lässt. Hanföl, das aus den Samen gepresst wird, weist ebenfalls positive Eigenschaften auf.
  • CBD-Öle: CBD-Öle sind in verschiedenen Konzentrationen erhältlich und können oral eingenommen werden. Es ist wichtig, auf die Qualität des Öls zu achten und sich von einem Arzt oder Apotheker beraten zu lassen.

Rechtliche Aspekte

Die rechtliche Lage in Bezug auf CBD-Produkte ist komplex und variiert von Land zu Land. In Deutschland ist ein CBD-Produkt zur Behandlung bestimmter Epilepsieformen als Arzneimittel zugelassen und verschreibungspflichtig. Frei verkäufliche CBD-Produkte werden als Nahrungsergänzungsmittel vertrieben und unterliegen nicht der gleichen strengen Kontrolle wie Arzneimittel.

Aus Sicht des Bundesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) muss für CBD-haltige Produkte entweder ein Antrag auf Zulassung eines Arzneimittels oder ein Antrag auf Zulassung eines neuartigen Lebensmittels gestellt werden, bevor sie auf den Markt gebracht werden können. Im Rahmen dieser Verfahren muss belegt werden, dass das Produkt sicher ist.

Vor allem im Internet finden sich zahlreiche Shops, die CBD-Produkte anbieten. Abgesehen von der rechtlichen Situation: Viele der frei verkäuflichen CBD-Öle sind von schlechter Qualität oder sogar gesundheitsgefährdend. Schon mehrmals wurden verschiedene CBD-Öle im Labor untersucht. So kam beispielsweise eine Untersuchung aus dem Jahr 2018 zu dem Ergebnis, dass die Konzentration von Inhaltsstoffen bei 9 von 14 analysierten CBD-Ölen von den angegebenen Werten abwich. Viele Proben wurden aufgrund eines zu hohen THC-Gehalts für den Verzehr durch den Menschen als ungeeignet eingestuft.

Worauf sollte man beim Kauf von CBD-Produkten achten?

Sollten Sie sich dennoch Zum Kauf von CBD-Öl entschließen, können Sie auf einige Dinge achten, um ein qualitativ hochwertiges Öl zu bekommen:

  • Angabe aller Inhaltsstoffe: Prüfen Sie, ob die Inhaltsstoffe umfassend aufgelistet sind. Falls Sie unsicher sind, worum es sich bei bestimmten Angaben handelt, nehmen Sie Kontakt mit dem Anbieter auf. Transparente und plausible Antworten sind ein gutes Zeichen, wenn auch keine Garantie.
  • Analyse des CBD-Öls: Seriöse Hersteller lassen ihr Produkt in einem unabhängigen Labor analysieren und veröffentlichen die Ergebnisse oder stellen sie auf Nachfrage zur Verfügung. Solche Analysen sind wichtig, da bereits in den Cannabispflanzen Schadstoffe enthalten sein könnten oder während der Gewinnung des CBD aus den Pflanzen (Extraktion) unerwünschte Fremdstoffe zurückbleiben können.
  • Extraktionsmethode: Es gibt zwei Methoden, CBD aus der Cannabispflanze zu extrahieren. Die eine ist die Nutzung von Ethanol, die andere ist die sogenannte superkritische CO2. Fragen Sie nach, welche Extraktionsmethode verwendet wird. Ist es keine der beiden oder kann der Anbieter keine Auskunft geben, ist die Qualität nicht nachvollziehbar.

Mögliche Nebenwirkungen und Wechselwirkungen

Bei der Einnahme von CBD können Nebenwirkungen auftreten, darunter Müdigkeit, Durchfall, verminderter Appetit und Erhöhungen der Leberwerte. Es ist wichtig, die Leberwerte regelmäßig kontrollieren zu lassen, insbesondere bei langfristiger Einnahme von CBD.

Bei der Anwendung von CBD in Kombination mit herkömmlichen Antiepileptika kann es zu Wechselwirkungen kommen. In Untersuchungen konnte festgestellt werden, dass medizinisches Cannabis die Wirkung von Antiepileptika verstärken kann. Möglicherweise kann dadurch die Wirkung dieser Medikamente verbessert bzw. durch deren Dosisreduktion auftretende Nebenwirkungen vermindert werden. Die gleichzeitige Anwendung von Cannabidiol und Clobazam kann das Vorkommen von Somnolenz und Sedierung erhöhen. Bei gleichzeitiger Einnahme von Valproat kann es vermehrt zu Durchfall und vermindertem Appetit kommen und das Risiko für eine Leberschädigung ist erhöht17.

THC: Vorsicht ist geboten

Während CBD als relativ sicher gilt, ist bei der Verwendung von THC Vorsicht geboten. THC kann psychoaktive Wirkungen haben und in seltenen Fällen Krampfanfälle auslösen oder verstärken. Daher sollte THC nur unter ärztlicher Aufsicht und in kontrollierter Dosierung eingesetzt werden.

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