Hans Joachim Freund: Ein Pionier der Neurologie und seine Publikationen

Hans Joachim Freund war ein herausragender deutscher Neurologe, dessen wissenschaftliche Arbeit und klinisches Wirken die Neurologie nachhaltig geprägt haben. Dieser Artikel beleuchtet seine Karriere, seine Forschungsschwerpunkte und seine bedeutendsten Publikationen.

Werdegang und Karriere

Hans Joachim Freund absolvierte sein Abitur am humanistischen Gymnasium in Konstanz und studierte Medizin in Freiburg im Breisgau. Seine wissenschaftliche Laufbahn begann mit zwei Jahren in der medizinischen Grundlagenforschung (Neurophysiologie) am Physiologischen Institut der Universität Zürich. Anschließend absolvierte er seine Facharztausbildung in Neurologie und Psychiatrie an der Klinik für Neurologie und Klinische Neurophysiologie sowie am Psychiatrischen Landeskrankenhaus Reichenau und an der Psychiatrischen Universitätsklinik Freiburg.

Von [Jahr einfügen] bis [Jahr einfügen] war Freund Chefarzt der Klinik für Neurologie und Neurophysiologie am St. Mauritius Krankenhaus in Meerbusch. Nach seiner Habilitation wurde er 1977 als Direktor der Neurologischen Klinik an die Universität Düsseldorf berufen, wo er bis zu seiner Emeritierung tätig war.

Forschungsschwerpunkte

Freunds Forschungsschwerpunkte waren vielfältig und umfassten sowohl grundlagenwissenschaftliche als auch klinische Aspekte der Neurologie. Einige seiner wichtigsten Forschungsgebiete waren:

  • Motorische Störungen: Freunds Team untersuchte die Gehirne von Patienten mit motorischen Störungen, um Schädigungen in bestimmten Arealen zu identifizieren. Er forschte intensiv zur kortikalen Organisation der Motorik und der funktionellen Reorganisation des Gehirns nach Schlaganfall.
  • Neuroimaging: Freund war einer der Pioniere des Neuroimaging in Deutschland. Er nutzte innovative bildgebende Verfahren wie Computer-Tomographie (CT), Positronen-Emissions-Tomographie (PET), funktionelle Magnetresonanz-Tomographie (fMRT) und Magnetencephalographie (MEG), um Gehirnregionen zu identifizieren, die bei sensorischen, motorischen und kognitiven Prozessen aktiv sind.
  • Tiefe Hirnstimulation: Seit 1995 arbeitete Freund eng mit dem Kölner Neurochirurgen Professor Volker Sturm zusammen. Gemeinsam verbesserten sie die Therapie der Parkinson-Krankheit durch die sogenannte "tiefe Hirnstimulation". Diese Methode, bei der eine implantierte Elektrode ("Hirnschrittmacher") die krankhafte elektrische Überaktivität von Nervenzell-Gruppen in den Basalganglien des Mittel- und Zwischenhirns blockiert, hat die Behandlungsergebnisse für Parkinson-Patienten deutlich verbessert.
  • Ultraschall-Diagnostik der hirnversorgenden Arterien: Neben seiner klinischen Arbeit setzte Freund seine Forschungen zur Ultraschall-Diagnostik der hirnversorgenden Arterien (Doppler- und Duplexsonographie) fort.

Auszeichnungen

Für seine herausragenden Beiträge zur experimentellen und klinischen Neurologie wurde Hans Joachim Freund im Jahr 2000 gemeinsam mit den Professoren Thomas Brandt und Johannes Dichgans mit dem ROBERT PFLEGER-PREIS ausgezeichnet.

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Publikationen und Werke

Freund hat im Laufe seiner Karriere zahlreiche wissenschaftliche Artikel und Bücher veröffentlicht. Seine Publikationen decken ein breites Spektrum neurologischer Themen ab und spiegeln seine vielfältigen Forschungsinteressen wider.

Einige seiner bemerkenswertesten Werke umfassen:

  • Higher-Order Motor Disorders: From Neurosciences to Clinical Neurology (Herausgeber). Dieses Buch bietet einen umfassenden Überblick über höhere motorische Störungen und verknüpft Forschungsergebnisse aus den grundlegenden Neurowissenschaften mit der klinischen Situation. Es werden neue Konzepte vorgestellt, die aus den Neurowissenschaften hervorgegangen sind, und es wird gezeigt, wie diese das Gebiet der kognitiven motorischen Kontrolle beeinflusst haben. Das Buch beschreibt detailliert eine Vielzahl von klinischen Störungen, darunter solche der bimanualen Koordination, Apraxie und sensomotorischen Transformationsdefizite, motorischer Neglect, anarchische Hand-Syndrom, Imitations- und Nutzungsverhalten, Handlungs-Motivations- und Handlungsüberwachungsstörungen sowie neue Ansätze zur Plastizität und Reorganisation des motorischen Kortex und zur Rehabilitation komplexer Bewegungsprobleme.

    Das Buch ist in zwei Hauptteile gegliedert:

    • Teil I: Neuroanatomische, neurobiologische und kognitive Grundlagen: Dieser Teil behandelt die funktionelle Neuroanatomie des menschlichen motorischen Kortex, parallele parietofrontale Schaltkreise für die sensomotorische Transformation, die Planung und Steuerung von Greifbewegungen, die Rolle des prämotorischen Kortex, die Verbindung von Wahrnehmung und Handlung, die zerebellären motorischen und kognitiven Funktionen, das motorische Lernen, das Spiegelneuronensystem und die Handlungserkennung sowie die Ebenen der Repräsentation zielgerichteter Handlungen.
    • Teil II: Klinische Studien zu höheren motorischen Störungen: Dieser Teil befasst sich mit kortikospinalen Defiziten, bimanualer Koordination und ihren Störungen, höheren Gangstörungen, Sprachmotorischer Kontrolle und ihren Störungen, Störungen des Körperschemas, motorischen Aspekten des unilateralen Neglect und verwandten Störungen, anarchischer Hand, Apraxien, unimodalen sensomotorischen Transformationsstörungen, Handlungs-erkennungsstörungen nach Parietalschäden, dem Greifreflex bis zum Environmental Dependency Syndrome, Tics und Stereotypien, psychogenen motorischen Störungen, fronto-striatalen Schaltkreisen und Störungen zielgerichteter Handlungen, Wahnvorstellungen der Kontrolle, kortikaler Plastizität und motorischen Störungen.
  • Weitere Publikationen: Freund war auch an zahlreichen Publikationen zu Themen wie Schlaganfall, Demenz (einschließlich Alzheimer), Parkinson-Krankheit und anderen neurologischen Erkrankungen beteiligt.

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Bedeutung und Einfluss

Hans Joachim Freund hat mit seiner Forschung und seinem klinischen Engagement einen bedeutenden Beitrag zur Neurologie geleistet. Seine Arbeiten zur kortikalen Organisation der Motorik, zum Neuroimaging und zur tiefen Hirnstimulation haben unser Verständnis des Gehirns und seiner Funktionen erweitert und neue Therapieansätze für neurologische Erkrankungen ermöglicht. Er war ein angesehener Wissenschaftler, Arzt und Lehrer, der zahlreiche Studenten und Kollegen inspiriert hat.

Das Eccles-Archiv und die Neurowissenschaften

Die Erschließung des Nachlasses von John C. Eccles, einem weiteren bedeutenden Neurowissenschaftler, an der Universität Düsseldorf, unterstreicht die Bedeutung Düsseldorfs als Standort für die Erforschung der Neurowissenschaften. Eccles' interdisziplinäre Werke und sein weitgespanntes Korrespondentennetzwerk bieten wertvolle Einblicke in die Entwicklung der Neurowissenschaften im 20. Jahrhundert. Die sukzessive Katalogisierung und Digitalisierung seines Nachlasses im Rahmen des Online-Portals Kalliope ermöglicht es Forschern weltweit, auf diese wertvollen Ressourcen zuzugreifen und neue Erkenntnisse zu gewinnen. Das Eccles-Archiv übernimmt die Aufgabe, für die regelmäßige Freigabe und Online-Recherchierbarkeit bei Sperrfristfortfall zu sorgen.

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