Das plötzliche Bedürfnis, die Toilette aufsuchen zu müssen, kann in den unpassendsten Momenten auftreten und sowohl peinlich als auch unangenehm sein. Eine mögliche Ursache hierfür ist die Reizblase, auch bekannt als überaktive Blase. Betroffene verspüren einen häufigen und unkontrolliert starken Harndrang, obwohl ihre Blase nur teilweise gefüllt ist. Dieser Harndrang kann so intensiv sein, dass sie den Urin nicht zurückhalten können. Dies kann zu Frustration, Belastung, einem verminderten Selbstwertgefühl und sozialem Rückzug führen. Dieser Artikel beleuchtet, wie die Homöopathie bei der Behandlung dieser Beschwerden helfen kann.
Was ist eine Reizblase?
Eine Reizblase ist eine Funktionsstörung der Harnblase, die durch einen plötzlichen, starken Harndrang gekennzeichnet ist, oft auch dann, wenn die Blase noch nicht vollständig gefüllt ist. Betroffene leiden unter häufigem Harndrang, manchmal begleitet von ungewolltem Urinverlust (Dranginkontinenz). Die Ursachen hierfür können vielfältig sein und reichen von Nervenirritationen und hormonellen Veränderungen bis hin zu Stress oder Entzündungen. Auch wenn keine organische Erkrankung vorliegt, kann eine Reizblase den Alltag erheblich beeinträchtigen.
Auswirkungen auf den Körper
Bei einer gesunden Harnblase werden Nervenimpulse an das Gehirn gesendet, wenn die Blase voll ist. Der Mensch geht dann zur Toilette und entleert die Blase willentlich durch Zusammenziehen der Blasenmuskulatur. Bei einer überaktiven Blase hingegen meldet das Gehirn "voll", obwohl die Blase noch halbleer ist. Dies führt zu Inkontinenz, die für die Betroffenen sehr belastend sein kann. Nicht selten liegen den Blasenbeschwerden seelische Ursachen wie Überlastung, Angst, depressive Verstimmungen, Stress oder Anspannung zugrunde. Diese Symptome wirken sich auch auf die Blase aus, da diese, wie auch die Psyche, vom vegetativen Nervensystem gesteuert wird.
Diagnose und Behandlung
Vor der Diagnose "Reizblase" schließt der Arzt andere mögliche Ursachen für die Beschwerden aus. Durch gezieltes Training und das Führen eines Miktionstagebuchs (ein Tagebuch über Toilettengänge, Urinmenge und Trinkmenge) kann die Blase aktiv gestärkt werden. Ziel des Trainings ist es, die Intervalle zwischen den einzelnen Toilettengängen bewusst zu verlängern. Auch ein spezielles Beckenbodentraining kann bei einer Reizblase hilfreich sein. Neben allgemeinen Kräftigungsübungen werden spezielle Entspannungsübungen erlernt, die der Muskelüberaktivität entgegenwirken.
Eine weitere Möglichkeit zur Linderung des häufigen und unbändigen Harndrangs ist die Elektrostimulation. Dabei werden über Elektroden, die über die Scheide oder den Anus eingeführt werden, elektrische Impulse auf das Nervensystem übertragen. Diese Therapiemethode aus der Verhaltenstherapie wird zur Behandlung von psychischen und körperlichen Erkrankungen eingesetzt. Auch Medikamente können helfen, die Beschwerden bei einer Reizblase zu lindern. In leichteren Fällen können Heilpflanzen wie Goldrute, Bärentraubenblätter, Preiselbeeren, Rosmarinblätter oder Tausendgüldenkraut helfen. Bei starken und anhaltenden Beschwerden kann der Arzt zur Behandlung der Reizblase auch Anticholinergika verschreiben.
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Homöopathische Ansätze
Die Homöopathie bietet eine alternative Behandlungsmethode, die darauf abzielt, die Selbstheilungskräfte des Körpers zu aktivieren. Bei der Behandlung von Harnröhren- und Nervenproblemen sowie Reizblase werden verschiedene homöopathische Mittel eingesetzt, die auf die individuellen Symptome des Patienten abgestimmt sind.
Staphisagria
Das homöopathische Mittel Staphisagria wird oft eingesetzt, wenn Beschwerden durch bestimmte Emotionen wie Ärger, Demütigung oder Kränkung ausgelöst wurden. Es wird auch bei Insektenstichen sowie Stich- und Schnittwunden empfohlen, auch nach chirurgischen Eingriffen.
Was ist Staphisagria?
Delphinium staphisagria (Stephanskraut) ist eine Pflanze aus Südeuropa, die giftige Alkaloide enthält. In der Homöopathie wird der Samen des Stephanskrautes verwendet, um das Mittel herzustellen.
Wann wird Staphisagria eingesetzt?
Staphisagria wird gerne bei psychosomatischen Erkrankungen eingesetzt, also Beschwerden, die psychische Ursachen haben, sich aber körperlich äußern. Es soll besonders gut gegen körperliche Folgen von Ärger und Kummer wirken, vor allem wenn diese längere Zeit unterdrückt wurden. Darüber hinaus kann es bei schlecht heilenden Schnittverletzungen und entzündeten Insektenstichen hilfreich sein.
Typische Anwendungsgebiete
- Bindehautentzündung
- Gerstenkorn
- Harnwegsinfekte
- Hautausschläge
- Kopfschmerzen / Migräne
- Menstruationsbeschwerden
- Schnittverletzungen / Operationswunden
- Infizierte Insektenstiche
- Zahnschmerzen
- Bauch- und Magenschmerzen
Charakteristische Symptome
- Beschwerden nach unterdrückter Wut
- Wutanfälle, in denen mit Gegenständen geworfen wird
- Beschwerden nach peinlichen Situationen
- Empfindlichkeit bei Beleidigungen und Kränkungen
- Nervöses Zittern
- Schmerzhafte Stellen, die empfindlich auf Berührung reagieren
- Überempfindliche Zähne
- Heftiges Gähnen ohne Müdigkeit
- Schlecht heilende Schnittwunden
- Empfindlichkeit auf Insektenstiche
Staphisagria-Persönlichkeit
Der Staphisagria-Typ wird als liebenswert und sanft beschrieben, unterdrückt jedoch oft seine Gefühle und seinen Ärger. Diese Menschen können schlecht mit Ärger, Kränkung und Kummer umgehen, was sich in Störungen der körperlichen und geistigen Leistungsfähigkeit äußern kann.
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Anwendung
Staphisagria ist in Form von Globuli, Tropfen oder Tabletten erhältlich. Für die Selbstbehandlung eignen sich die Potenzen D6 und D12. Höhere Potenzen wie C30 oder C200 sollten nur von erfahrenen Homöopathen verordnet werden.
Thuja
Thuja occidentalis, auch bekannt als Lebensbaum, ist ein weiteres homöopathisches Mittel, das bei Harnwegsbeschwerden und Nervenproblemen eingesetzt werden kann. Thuja-Patienten neigen dazu, ihre dunkle Seite hinter einem perfekten Image zu verstecken. Sie haben Angst, durchschaut zu werden und ihr Gesicht zu verlieren.
Leitsymptome von Thuja
- Hautausschläge nur an bedeckten Stellen
- Schweiß nur an unbedeckten Stellen
- Nagelwachstumsstörungen
- Auffällige Behaarung
- Öliges Gesicht
- Haut- und Schleimhautwucherungen (Warzen, Feigwarzen, Herpesbläschen, Polypen, Myome)
- Fixe Ideen (z.B. die Idee, zerbrechlich zu sein oder ein lebendiges Tier im Bauch zu haben)
- Gelb-grüne oder grüne Absonderungen mit starkem Geruch
- Gewissenhaftigkeit und Eile
- Empfindlichkeit auf Musik
- Konzentrationsprobleme
Weitere homöopathische Mittel
Neben Staphisagria und Thuja gibt es noch weitere homöopathische Mittel, die bei Harnwegsbeschwerden und Nervenproblemen in Betracht gezogen werden können:
- Causticum Hahnemanni: Bei Inkontinenz, die durch einen schwachen Beckenboden verursacht wird, oder bei unwillkürlichem Harnabgang beim Husten, Lachen oder Niesen.
- Gelsemium sempervirens: Bei Dranginkontinenz und einem überreizten Nervensystem.
- Plantago major: Bei häufigem Harndrang.
- Cantharis: Bei stark brennenden Schmerzen, insbesondere bei Blasenentzündungen.
- Natrium muriaticum: Bei Warzen und anderen Hautproblemen, die mit unterdrückten Emotionen in Verbindung stehen.
Ursinol®
Ursinol® ist ein homöopathisches Kombinationspräparat, das Auszüge aus Chimaphila umbellata, Populus tremuloides und Sabal serrulata/Serenoa repens enthält. Es wird zur Behandlung von Blasenentleerungsstörungen eingesetzt.
Wirkungsrichtungen der Bestandteile
- Chimaphila umbellata: Bei chronischen Entzündungen der ableitenden Harnwege und der Vorsteherdrüse.
- Populus tremuloides: Bei Entzündungen und Entleerungsstörungen der Harnblase.
- Serenoa repens/Sabal serrulata: Bei Entzündungen der ableitenden Harnwege und bei Blasenentleerungsstörungen.
Wichtige Hinweise
Es ist wichtig zu beachten, dass die Homöopathie in der Wissenschaft umstritten ist und ihre spezifische Wirksamkeit nicht eindeutig belegt ist. Bei anhaltenden oder sich verschlimmernden Beschwerden sollte immer ein Arzt oder Heilpraktiker konsultiert werden. Die hier genannten Informationen dienen lediglich der Information und ersetzen keine professionelle Beratung.
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