Harnröhrenschmerzen: Ursachen und Behandlungen bei Einklemmung von Nerven

Harnröhrenschmerzen können vielfältige Ursachen haben, von denen eine Nervenkompression eine mögliche Erklärung darstellt. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Ursachen von Harnröhrenschmerzen, insbesondere im Zusammenhang mit eingeklemmten Nerven, und stellt Behandlungsansätze vor.

Ursachen von Harnröhrenschmerzen

Harnröhrenschmerzen können durch verschiedene Faktoren ausgelöst werden, die in obstruktive, infektiöse, neurologische und andere Ursachen unterteilt werden können.

Obstruktive Ursachen

Verengungen oder Blockaden der Harnröhre können Schmerzen verursachen. Zu den häufigsten obstruktiven Ursachen gehören:

  • Vergrößerte Prostata (benigne Prostatahyperplasie, BPH): Bei älteren Männern ist dies eine häufige Ursache, da die vergrößerte Prostata die Harnröhre einengt.
  • Prostatakrebs: In fortgeschrittenen Stadien kann Prostatakrebs die Harnröhre komprimieren und zu Schmerzen und Harnverhalt führen.
  • Harnsteine (Urolithiasis): Steine in den Harnwegen können krampfartige Schmerzen (Koliken) verursachen und den Urinfluss behindern.
  • Blasensteine: Diese können den Urinabfluss blockieren, insbesondere bei Männern.
  • Verengung des Blasenhalses: Narbengewebe nach Operationen kann den Blasenhals verengen.
  • Harnröhrenstriktur: Eine narbige Verengung der Harnröhre, oft durch Verletzungen oder Entzündungen verursacht.
  • Vorhautverengung (Phimose) oder Entzündung der Eichel (Balanitis): In seltenen Fällen kann dies zu Harnverhalt führen.
  • Vorfall der Beckenorgane: Gebärmuttersenkung oder Enddarmvorfall können die Harnwege einengen.
  • Schwangerschaft: In der Frühschwangerschaft kann eine gekippte Gebärmutter die Harnröhre verengen.

Infektiöse Ursachen

Infektionen des Harntrakts können ebenfalls Harnröhrenschmerzen verursachen:

  • Akute Entzündung der Prostata (Prostatitis): Die Prostata schwillt an und kann die Harnröhre zusammendrücken.
  • Harnröhrenentzündung (Urethritis): Eine Harnwegsinfektion oder sexuell übertragbare Krankheit kann zu einer Schwellung der Harnröhre führen.
  • Verletzungen der Vulva und/oder Vagina: Können ebenfalls zu einer Schwellung der Harnröhre führen.

Neurologische Ursachen

Erkrankungen des Nervensystems können die Blasenfunktion beeinträchtigen und zu Harnverhalt oder Schmerzen führen:

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  • Schlaganfall: Einige Patienten leiden unter Harnverhalt aufgrund einer Schwächung des Blasenmuskels.
  • Schädigung des Rückenmarks: Verletzungen, Blutungen oder Tumore können Nervenschäden verursachen.
  • Krebsmetastasen im Rücken: Können das Rückenmark schädigen und Blasenlähmungen verursachen.
  • Multiple Sklerose (MS): Blasenentleerungsstörungen hängen mit dem Schweregrad der Erkrankung zusammen.
  • Diabetes mellitus: Diabetische Neuropathie kann zu Blasenfunktionsstörungen führen.
  • Andere neurologische Erkrankungen: Guillain-Barré-Syndrom, genitale Herpesinfektion, (Neuro-)Borreliose.

Traumata und andere Ursachen

  • Verletzungen der Harnröhre, des Penis oder der Blase: Blasenruptur oder Harnröhrenriss im Rahmen eines Beckenbruchs.
  • Traumatische ärztliche Eingriffe.
  • Medikamente: Bestimmte Medikamente können als Nebenwirkung Harnverhalt verursachen.
  • Spinalanästhesie: Kann vorübergehend zu Harnverhalt führen.

Der Nervus pudendus und seine Bedeutung

Der Nervus pudendus, auch Schamnerv genannt, spielt eine zentrale Rolle für die Funktion des Beckenbodens. Er entspringt im Kreuzbein und verläuft durch das Becken, wo er verschiedene Muskeln und Organe im Bereich des Beckens steuert. Dieser Nerv ist für die sensiblen Empfindungen des Hautbereichs der Analregion, des Damms und des Hodensacks bzw. der Schamlippen zuständig. Daneben ist der Nervus pudendus aber auch für die Steuerung des äußeren Afterschließmuskels und der Beckenbodenmuskulatur verantwortlich.

Pudendusneuralgie: Wenn der Schamnerv schmerzt

Die Pudendusneuralgie ist eine seltene Ursache für heftige, zum Teil einschießende Schmerzen im Genitalbereich und in der Dammregion. Sie wird durch mechanische oder entzündliche Schädigung des Schamnervs (Nervus pudendus) in der Beckenregion ausgelöst. Dieser Nerv ist für die sensiblen Empfindungen des Hautbereichs der Analregion, des Damms und des Hodensacks beziehungsweise der Schamlippen zuständig. Daneben ist der Nervus pudendus aber auch für die Steuerung des äußeren Afterschließmuskels und der Beckenbodenmuskulatur verantwortlich.

Die Dammschmerzen sind ein- oder beidseitig und können unterschiedlich weit nach vorn oder hinten ausstrahlen. Die Schmerzen nehmen im Sitzen oder beim Stuhlgang zu, über Nacht typischerweise ab. Die Krankheit ist chronisch, die Schmerzen sprechen auf die üblichen Schmerzmittel nicht an. In vielen Fällen ist die Ursache der Pudendus-Neuralgie nicht bekannt. Oft tritt sie im Zusammenhang mit einer Verletzung im Becken(boden)bereich, Operationen und sportlichen Aktivitäten, vor allem Radfahren, auf. Röntgen-Befunde sind meist unauffällig, aber elektrophysiologische Untersuchungen zeigen eine verlängerte Leitgeschwindigkeit des Schamnervens. Eine Schmerzlinderung infolge einer Blockade des Pudendus-Nerven durch Injektion von Betäubungsmitteln auf Höhe des Pudendus-Kanals ist ein wichtiger diagnostischer Hinweis, leider lindert sie nur für kurze Dauer.

Ursachen der Pudendusneuralgie

Die Ursachen einer Pudendusneuralgie reichen von mechanischen Belastungen bis hin zu Verletzungen oder Narbenbildung. Oft ist es eine Kombination aus verschiedenen Faktoren, die den Nerv reizen oder einklemmen.

  • Nervenverletzungen: Verletzungen nach Bestrahlungen des Beckens (etwa im Rahmen einer Tumorbehandlung) oder durch Geburtsverletzungen. Außerdem sind dauerhafte Läsionen (Verletzungen) durch Beckenfrakturen (Brüche) oder chirurgische Eingriffe erwähnt.
  • Mechanischer Druck: Irritationen durch mechanischen Druck auf den Nerv und seine Äste und zwar durch verhärtete Muskeln, die den Nerv auf seinem Weg durch den Körper einengen können.
  • Kompressionssyndrome: Eine Kompression des Ischiasnervs durch einen verspannten Piriformis-Muskel. Ein chronisch verspannter Piriformis-Muskel könnte auch eine Kompression des Pudendus-Nervs auslösen, da er unterhalb des Piriformis verläuft. Verspannungen im Piriformis können auch durch Sport, zum Beispiel durch schnelle Richtungswechsel bei Tennis, Handball und anderen Ballspielen, entstehen. Lange Meditationen oder ständiges Sitzen im Schneidersitz können Verspannungen im Piriformis auslösen.
  • Verspannungen im Oburatorius internus: Die Druck auf den Alcockkanal ausübt und die Faszie des Oburatorius internus verfestigt, sodass Druck und Minderdurchblutung im Bereich des Nervs entstehen könnte.
  • Starkes Pressen bei chronischer Obstipation: Kann ebenfalls eine Kompression verursachen.

Symptome der Pudendusneuralgie

Die Symptome sind nicht immer leicht zu erkennen, da sie sehr vielfältig sein können und sich oft schleichend entwickeln. Charakteristisch sind Schmerzen im Beckenbereich, die beim Sitzen stärker werden und sich durch Stehen oder Liegen bessern. Diese Schmerzen können brennend, stechend oder drückend sein. Taubheitsgefühle oder Kribbeln im Bereich des Beckens bzw. Ein weiteres Merkmal ist, dass die Schmerzen oft nur einseitig auftreten. Viele Patienten berichten, dass sie sich im Liegen oder im Stehen wohler fühlen, während das Sitzen kaum zu ertragen ist.

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  • Schmerzen im Damm, sexuelle Funktionsstörungen und Dyspareunie der Frau; Potenzstörungen und Schmerzen in der Leiste entstehen.
  • Funktionsverlust des Beckenbodens einschließlich der Schließmuskeln von Blase und Darm (Harn und Stuhlinkontinenz) sowie einer Störung der Geschlechtsfunktionen, z. B. Impotenz beim Mann.
  • Parästhesien, Schmerzen (manchmal einfahrend, wie elektrisch), die bei Druck, etwa beim Sitzen zunehmen, Brennen, Fremdkörpergefühl im Rektum, Schmerzen, die bis in die Organe ziehen können.

Diagnose der Pudendusneuralgie

Die Diagnose kann eine echte Herausforderung sein, da die Symptome oft unspezifisch sind und leicht mit anderen Erkrankungen verwechselt werden. Häufig dauert es Monate oder sogar Jahre, bis die richtige Diagnose gestellt wird.

  • Körperliche Untersuchung: Abtasten des Beckenbereichs.
  • Bildgebende Verfahren: MRT oder CT, um andere Ursachen auszuschließen.
  • Pudendusnerv-Blockade: Eine Art Nervenblockade, um zu testen, ob der Pudendusnerv die tatsächliche Ursache der Schmerzen ist. Hierbei wird eine lokale Betäubung in die Nähe der Nerven gespritzt. Wenn dadurch die Beschwerden vorübergehend verschwinden, gilt das als beweisend für die Diagnose Pudendusneuralgie.
  • Elektrophysiologische Untersuchungen: Messung der Nervenleitgeschwindigkeit, Elektromyogramm.

Behandlung der Pudendusneuralgie

Es gibt verschiedene Ansätze für die Behandlung, abhängig von Ursache und Schweregrad der Symptome.

  • Konservative Methoden: Physiotherapie und Schmerzmittel können helfen. Besonders Physiotherapie für den Beckenboden kann oft Linderung verschaffen.
  • Pudendale Neuromodulation (PNM): Ein noch junges Therapie-Verfahren zur neuromodulativen Behandlung chronischer Erkrankungen der Harnblase und des Beckens und wird überwiegend bei dortigen Schmerzsyndromen und v.a. der pudendalen Neuralgie eingesetzt. Hierbei wird eine dauerhafte Schmerzlinderung durch elektrisch herbeigeführte Veränderung und Unterbrechung der Schmerzempfindung und -weiterleitung über den Schamnerven erzielt.
  • Operation: In schweren Fällen ist sogar eine operative Behandlung der Pudendusneuralgie ratsam. Bei der chirurgischen Dekompression werden über den Damm, die Vagina oder durch den Glutaeus (meistens)operiert.
  • TMX® Beckenbodentrigger: Ein Tool, das speziell für die Triggerpunkttherapie im Bereich des Beckenbodens entwickelt wurde.

Diagnose von Harnröhrenschmerzen

Um die Ursache von Harnröhrenschmerzen zu ermitteln, sind verschiedene diagnostische Schritte erforderlich:

  • Anamnese: Der Arzt erfragt die Krankengeschichte, einschließlich Vorerkrankungen, Medikamenteneinnahme und spezifische Beschwerden.
  • Körperliche Untersuchung: Prüfung des Allgemeinzustands, Abtasten des Bauches, Untersuchung des äußeren Genitals und der Prostata (bei Männern).
  • Urinuntersuchung: Mittels Urinstreifentest, um Hinweise auf Infektionen oder Blutungen zu erhalten.
  • Blutuntersuchung: Zur Bestimmung von Entzündungswerten und des PSA-Wertes (bei Männern).
  • Ultraschall: Beurteilung der Harnmenge in der Blase, Vorliegen von Harnsteinen oder anderen Auffälligkeiten.
  • Weitere bildgebende Verfahren: CT, MRT, Urografie, Szintigrafie können erforderlich sein.
  • Neurologische Untersuchung: Bei Verdacht auf neurologische Ursachen.
  • Zystoskopie: Eine Blasenspiegelung zur direktenVisualisierung der Harnröhre und Blase.
  • Uroflowmetrie: Messung des Harnflusses, um Verengungen festzustellen.
  • Retrograde Urethrografie: Röntgenuntersuchung mit Kontrastmittel, um die Harnröhre darzustellen.
  • Urodynamische Untersuchungen: Messung der Druckverhältnisse in Blase und Enddarm.

Behandlung von Harnröhrenschmerzen

Die Behandlung richtet sich nach der zugrunde liegenden Ursache:

  • Blasenkatheter: Zur vorübergehenden Urinableitung bei akutem Harnverhalt.
  • Selbstkatheterisierung: Bei chronischem Harnverhalt können Betroffene sich selbst mehrmals täglich einen Katheter legen.
  • Medikamentöse Therapie: Antibiotika bei Infektionen, Medikamente zur Entspannung der Blasenmuskulatur oder zur Verkleinerung der Prostata.
  • Operation: Bei vergrößerter Prostata, Harnröhrenstriktur oder anderen obstruktiven Ursachen.
  • Behandlung der Grunderkrankung: Bei neurologischen Ursachen oder Diabetes.

Spezifische Behandlungen bei Harnröhrenverengung (Striktur)

  • Aufdehnung (Bougierung): Dehnung der Harnröhre mit einem speziellen Katheter.
  • Harnröhrenschlitzung (Urethrotomia interna): Spaltung der Verengung mit einem Laser oder Messer.
  • Harnröhrenrekonstruktion: Operative Entfernung der Engstelle und Verbindung der Harnröhrenenden oder Einsatz von Harnröhrenersatz (Harnröhrenplastik).
  • Stent: Einbringen eines kleinen Rohrs, um die Harnröhre offen zu halten.

Was Patienten selbst tun können

  • Wärme anwenden: Legen Sie eine Wärmflasche oder ein warmes Handtuch auf den Unterbauch. Wärme kann helfen, die Muskulatur der Blase und des Beckenbodens zu entspannen und die Beschwerden zu lindern.
  • Viel trinken: Auch wenn es unangenehm ist, sollten Sie nicht weniger trinken, um den Harndrang zu verringern. Eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr verdünnt den Urin und kann helfen, die Harnwege zu spülen. Trinken Sie idealerweise Wasser oder Kräutertees.
  • Entspannungsübungen: Setzen Sie sich entspannt auf die Toilette und atmen Sie tief ein und aus. Oftmals kann Anspannung den Harndrang unterdrücken. Durch gezielte Atemtechniken kann das Entleeren der Blase leichter fallen.
  • Vermeiden Sie reizende Substanzen: Koffein, Alkohol und scharfe Speisen können die Blase zusätzlich reizen und die Beschwerden verschlimmern. Verzichten Sie darauf, bis Sie Ihren Arzt aufgesucht haben.
  • Harnableitung mit Hilfe der Schwerkraft: Stehen Sie während des Wasserlassens auf oder lehnen Sie sich leicht nach vorne, um der Blase zu helfen, sich besser zu entleeren.

Wann sollte der Arzt aufgesucht werden?

Bei anhaltenden Beschwerden, starken Schmerzen, Fieber oder Blut im Urin sollte umgehend ein Arzt aufgesucht werden. Ein akuter Harnverhalt ist ein urologischer Notfall, der sofort behandelt werden muss.

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Psychosomatische Aspekte

Bei zahlreichen urologischen Funktionsstörungen handelt es sich um somatoforme Störungen des Urogenitalsystems (ICD-10: F45.34), gehen diese mit Schmerzen einher, um sog. somatoforme Schmerzstörungen (F45.40). Im ICD-10 handelt es sich hierbei um körperliche Beschwerden, die nicht ausreichend organisch erklärt werden können. Ein Großteil der somatoformen urologischen Funktionsstörungen geht mit chronischen Muskelverspannungen im Unterbauch und Beckenbereich einher. Affekte wie Wut, Ärger, Enttäuschung und insbesondere Angst erzeugen ein Gefühl der inneren Anspannung. Diese Anspannung wird auf die Körpermuskulatur übertragen. Mit der Zeit entwickelt sich eine chronische Muskelverspannung bis hin zur Ausbildung schmerzhafter Myogelosen. Diese muskulären Verhärtungen werden auch Triggerpunkte genannt, da diese nicht nur lokal druckempfindlich sind, sondern auch verantwortlich für die Auslösung von myofaszialen Schmerzen in den sog. Referenzzonen gemacht werden.

Behandlung psychosomatischer Ursachen

  • Progressive Muskelentspannung (PME): Kann Gefühle von Ruhe, Wärme, Wohlbefinden und Gelassenheit induzieren.
  • Biofeedback-Training: Mithilfe eines Beckenbodensummations-EMG. Unbewusste bzw. unwillkürliche Körperprozesse werden hierdurch wahrnehmbar gemacht und können in eine günstige Richtung verändert werden.
  • Psychotherapeutische Behandlung: Um unbewältigte Konflikte und psychische Belastungen zu bearbeiten.

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