Die Lyme-Borreliose, eine durch Bakterien ausgelöste Infektionskrankheit, wird häufig durch Zeckenstiche übertragen. Ein frühes und charakteristisches Symptom ist das Erythema migrans, eine ringförmige Hautrötung, die sich um die Einstichstelle bildet. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen, die Behandlungsmöglichkeiten und die Präventionsmaßnahmen im Zusammenhang mit dem Erythema migrans.
Was ist Erythema Migrans?
Erythema migrans, auch bekannt als Wanderröte, ist ein abgrenzbarer roter Hautfleck, der sich einige Tage oder Wochen nach einem Zeckenstich an der Einstichstelle zeigt. Typisch ist, dass sich der Fleck ringförmig ausbreitet und einen Durchmesser von mehr als fünf Zentimetern erreicht. In der Mitte ist der Fleck oft etwas blasser, was ihm ein zielscheibenartiges Aussehen verleiht. Auf heller Haut ist die Rötung deutlicher zu erkennen als auf dunklerer Haut, wo sie eher an einen blauen Fleck erinnern kann. Die Rötung kann manchmal auch an anderen Körperstellen wie Beinen, Kopf oder Hals auftreten.
Ursachen von Erythema Migrans
Erythema migrans ist ein frühes Anzeichen einer Borreliose-Infektion. Die Borreliose wird durch Bakterien des Typs Borrelia burgdorferi sensu lato ausgelöst, die durch Zeckenstiche übertragen werden. Nicht alle Zecken sind Träger von Borrelien, daher führt nicht jeder Zeckenstich automatisch zu einer Infektion. Das Risiko steigt jedoch mit jedem Zeckenstich und abhängig vom Alter der Tiere. Ausgewachsene (adulte) Zecken sind häufiger als junge Tiere Überträger der Borreliose.
Die Borrelien leben im Darm der Zecke und werden erst nach längerem Saugen übertragen. Daher ist es wichtig, den Körper nach einem Aufenthalt im Freien auf Zecken zu untersuchen und diese so bald wie möglich zu entfernen.
Symptome der Borreliose
Neben dem Erythema migrans können innerhalb von sechs Wochen nach einem Zeckenstich grippeähnliche Beschwerden wie Fieber, Kopfschmerzen, Abgeschlagenheit und Muskelschmerzen auftreten. Diese Symptome können ebenfalls auf eine Borreliose hinweisen, auch wenn sich keine Wanderröte zeigt.
Lesen Sie auch: Alles über Borrelien-Erythem
Eine unbehandelte Borreliose kann zu Folgeerkrankungen führen, wie z.B.:
- Neuroborreliose: Befall des Gehirns und der Nerven, der zu Lähmungserscheinungen (oft im Gesicht), schmerzhaften Nervenentzündungen oder einer Hirnhautentzündung führen kann.
- Lyme-Arthritis: Infektion der Gelenke, die zu schmerzhaften Gelenkentzündungen und Schwellungen führt.
- Seltene Folgen: Chronische Entzündungen der Haut und Herzprobleme.
Manche Menschen bemerken Monate oder Jahre nach einem Zeckenstich Muskel- und Gelenkbeschwerden, starke Müdigkeit oder Gedächtnisstörungen. Einige Betroffene und manche Ärzte sehen in diesen Symptomen eine Spätfolge einer Borrelien-Infektion. Das Krankheitsbild wird manchmal als Post-Lyme-Syndrom oder „chronische Borreliose“ bezeichnet - auch wenn letzteres keine allgemein anerkannte Diagnose ist.
Diagnose von Erythema Migrans und Borreliose
Eine Borreliose kann bereits durch die körperliche Untersuchung festgestellt werden, wenn sich ein typischer Hautfleck gebildet hat. Wichtig ist, den Arzt über den Zeckenstich zu informieren.
Zur weiteren Abklärung kann eine Blutuntersuchung auf Borreliose-spezifische Antikörper durchgeführt werden. Der Antikörpernachweis soll als Stufendiagnostik durchgeführt werden: Zunächst wird ein hochsensitiver, IgG/IgM-differenzierender Suchtest (vor allem ELISA, CLIA) eingesetzt, der nur bei reaktivem Ausfall durch einen spezifischen Immunoblot bestätigt wird. Letzterer erlaubt anhand des erkannten Bandenmusters auch Aussagen hinsichtlich des Erkrankungsstadiums.
Bei Verdacht auf Neuroborreliose ist eine Liquoruntersuchung unerlässlich und sehr zuverlässig (serologische Untersuchung von am selben Tag gewonnenem Serum und Liquor zur Berechnung des borrelienspezifischen Liquor-Serum-Antikörper-Index).
Lesen Sie auch: Petechien bei Borreliose
Behandlung von Erythema Migrans und Borreliose
Eine Borreliose wird mit Antibiotika behandelt, je nach Beschwerden über 10 bis 21 Tage. Meist heilt sie folgenlos aus. Es kann jedoch passieren, dass eine erste Antibiotika-Behandlung nicht ausreichend wirkt. Dann kann es nötig sein, auf ein anderes Antibiotikum zu wechseln.
Bei frühen Manifestationen (ohne Neuroborreliose) kann mit Doxycyclin, Amoxicillin oder Cefuroximaxetil therapiert werden, bei Unverträglichkeit der vorgenannten Substanzen auch mit Azithromycin. Die frühe Neuroborrreliose wird i.v. mit Ceftriaxon, Cefotaxim oder Penicillin G, oral mit Doxycyclin behandelt. Bei späten Erkrankungsformen der Haut (zum Beispiel ACA) kann oral mit Doxycyclin oder Amoxicillin therapiert werden, besteht gleichzeitig eine periphere Neuropathie kann i.v. mit Ceftriaxon, Cefotaxim oder Penicillin G behandelt werden. Die späte Neuroborreliose wird primär i.v. behandelt, da gut konzipierte Studien zur Wirksamkeit des Doxycyclins bislang nicht vorliegen.
Fachleute raten davon ab, nach einem Zeckenstich vorbeugend Antibiotika einzunehmen, um das Risiko für eine Borreliose zu verringern. Denn dann würden sehr viele Menschen die Medikamente einnehmen, ohne davon einen medizinischen Nutzen zu haben. Zudem können Antibiotika Nebenwirkungen haben, beispielsweise Übelkeit und Durchfall. Wenn Antibiotika zu häufig eingenommen werden, können Bakterien außerdem dagegen resistent werden.
Prävention von Borreliose
Um sich vor einer Borreliose zu schützen, ist es wichtig, Zeckenstiche zu vermeiden. Folgende Maßnahmen können helfen:
- Vermeidung von Zeckenstichen: Tragen Sie bei Aufenthalten im Freien lange, helle Kleidung, die den Körper bedeckt. Meiden Sie hohes Gras und Unterholz. Verwenden Sie Insektenschutzmittel.
- Frühzeitige Zeckenentfernung: Untersuchen Sie Ihren Körper nach jedem Aufenthalt im Freien gründlich auf Zecken. Entfernen Sie Zecken so schnell wie möglich mit einer Pinzette oder Zeckenkarte.
- Beobachtung der Einstichstelle: Achten Sie in den Wochen nach einem Zeckenstich auf Hautveränderungen oder grippeähnliche Symptome. Suchen Sie bei Verdacht auf Borreliose einen Arzt auf.
Zusätzliche diagnostische Methoden
Bei Hautmanifestationen kann die Histologie wertvolle Informationen liefern: Das Borrelienlymphozytom ist durch gemischt B- und T-lymphozytäre oder auch reine B-Zell-Infiltrate charakterisiert, während sich bei der ACA ein ausgeprägtes perivaskuläres, plasmazellreiches Entzündungsinfiltrat in allen Hautschichten nachweisen lässt. Beim Erythema migrans findet sich dagegen kein charakteristisches Bild.
Lesen Sie auch: Alles über Erythema chronicum migrans
Bei der durch massive Schwellung eines Gelenks oder weniger großer Gelenke gekennzeichneten Lyme-Arthritis findet sich im Punktat eine granulozytäre Pleozytose (5 000-50 000 Zellen/μl) und in bis zu 70 Prozent der Fälle Borrelien-DNA mittels PCR. Der Antikörpernachweis aus Gelenkpunktat kann dagegen nicht empfohlen werden.
Bei der frühen und späten Neuroborreliose finden sich regelhaft typische Liquorveränderungen: lymphozytäre Pleozytose mit Plasmazellen und aktivierten Lymphozyten, Schrankenstörung und intrathekale Immunglobulinproduktion. Der Nachweis einer borrelienspezifischen intrathekalen Antikörpersynthese ist, abhängig von der Erkrankungsdauer, in 70 Prozent bis nahe 100 Prozent der Fälle nachweisbar und sichert die Diagnose.
Bei der frühen Neuroborreliose kann nach aktueller Studienlage der Nachweis des B-Zellen anziehenden Chemokins CXCL13 sowohl für die Diagnose wie auch Therapiekontrolle herangezogen werden.
Nicht empfohlene diagnostische Methoden
Derzeit wegen fehlender oder nicht ausreichender Validierung nicht empfohlene diagnostische Methoden:
- Lymphozytenaktivierungs- oder -transformationsteste (LTT, MELISA, ELISPOT)
- Direktnachweis von Borrelien aus Patientenmaterial mittels lichtmikroskopischer Techniken (Dunkelfeld aus Blut, focus floating microscopy)
- PCR oder Antigennachweis aus Urin oder Blut
- Antikörpernachweis aus Immunkomplexen
- Visual Contrast Sensitivity Test (VCS)
- Nachweis einer erniedrigten CD57-positiven Lymphozytensubpopulation
- HLA-Typisierung
Post-Lyme-Syndrom
Es handelt sich um ein Syndrom, das nach z. T. mehrfach antibiotisch behandelter Borreliose persistiert. Pathogenetisch werden eine protrahierte (auto)immunologische Aktivierung und eine Borreliose-induzierte Vaskulitis diskutiert. PLS oder chronische Borreliose? Antibiotische Behandlung ja oder nein? Diese Fragen sind in der Fachwelt äußerst umstritten. Mit den bisher vorhandenen labordiagnostischen Möglichkeiten konnte dieser Streitpunkt bis jetzt nicht gelöst werden.
Die häufigsten Symptome sind: Müdigkeit, Erschöpfung, kognitive Defizite und Schlafstörungen, Neuropathien, Schmerzsyndrome. Diagnostisch hilfreich sind: Anamnese (bekannte Borreliose?) und serologische Untersuchungen (Nachweis von Antikörpern gegen Borrelia burgdorferi im Screeningtest, Immunoblot oder Borrelien recomBead TestZur differentialdiagnostischen Abgrenzung (v.a. zur Fibromyalgie oder unspezifischen Gelenks- und Systemerkrankungen) wird auch die HLA-DR-Subtypisierung berücksichtigt.
Ein zusätzlich möglicher Test zur Differenzierung ist der Lymphozytentransformationstest (LTT- Borrelien). Dieser fällt negativ aus, wenn keine aktive Borrelieninfektion vorliegt. Bei einem positiven LTT-Borrelien besteht der Verdacht, dass eine persistierende Borrelieninfektion besteht.
tags: #erythema #migrans #hart #und #schmerzhaft