Die Borreliose, auch bekannt als Lyme-Borreliose oder Lyme-Krankheit, ist eine bakterielle Infektionskrankheit, die hauptsächlich durch Zeckenstiche übertragen wird. Sie kann sich durch vielfältige Symptome äußern, wobei das Erythema migrans, eine ringförmige Rötung um die Einstichstelle, und in seltenen Fällen Petechien zu den charakteristischen Hauterscheinungen gehören. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen, Symptome und den Verlauf der Borreliose, wobei besonderes Augenmerk auf die genannten Hautmanifestationen gelegt wird.
Was ist Borreliose?
Borreliose ist ein Oberbegriff für Infektionskrankheiten, die durch Bakterien der Gattung Borrelia ausgelöst werden. Die in Europa am häufigsten vorkommende Form ist die Lyme-Borreliose, die meist durch Zeckenstiche übertragen wird. Dabei gelangen die Bakterien Borrelia burgdorferi über den Saugrüssel der Zecke in Haut und Blutkreislauf, wo sie sich vermehren und verschiedene Organe befallen können. Nicht alle Zecken sind Träger von Borrelien, daher führt nicht jeder Stich automatisch zu einer Infektion. Das Risiko steigt jedoch mit der Anzahl der Stiche und dem Alter der Zecken, wobei ausgewachsene Zecken häufiger Überträger sind als junge Tiere.
Ursachen der Borreliose
Die Ursache einer Borreliose ist eine Infektion mit bestimmten Bakterien, den Borrelien. Diese spiralig geformten Bakterien findet man häufig im Blut von Vögeln oder kleinen Nagetieren wie Mäusen. Zecken infizieren sich, wenn sie bei befallenen Tieren Blut saugen. Bei der nächsten Blutmahlzeit können Zecken die Bakterien auf weitere Tiere oder Menschen übertragen.
Sechs verschiedene Borrelien-Arten können eine Borreliose auslösen:
- Borrelia afzelii
- Borrelia garinii
- Borrelia bavariensis
- Borrelia burgdorferi sensu stricto
- Borrelia spielmanii
- Borrelia mayonii
In Europa sind hauptsächlich die Arten Borrelia afzelii und Borrelia garinii Ursache für Borreliose-Erkrankungen. Das Bakterium Borrelia mayonii hingegen kommt in Europa bislang gar nicht vor. Borrelia burgdorferi sensu stricto spielt vor allem in den USA eine Rolle für Borreliose-Erkrankungen.
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Symptome der Borreliose
Die Symptome der Borreliose können je nach Erkrankungsstadium und individuell unterschiedlich ausfallen. Typisch, aber nicht immer vorhanden, ist eine Hautrötung um die Einstichstelle, die sich von innen her verblassend ringförmig ausbreitet, die sogenannte Wanderröte (Erythema chronicum migrans). Grippeähnliche Beschwerden wie Muskel- und Gelenkschmerzen, Fieber oder Müdigkeit sind weitere Symptome. In späteren Stadien können auch das Nervensystem, das Herz oder die Gelenke betroffen sein.
Erythema migrans (Wanderröte)
In der Mehrzahl der Erkrankungsfälle (etwa 90 Prozent) tritt innerhalb von drei bis 30 Tagen nach dem Zeckenstich die sogenannte „Wanderröte“ (Erythema chronicum migrans) auf. Dabei bildet sich eine Rötung um die Einstichstelle, die im Verlauf von der Mitte her verblasst und sich ringförmig ausbreitet. Sie kann auch an anderen Körperstellen, wie Kopf, Hals oder Beinen, auftreten und erreicht einen Durchmesser von mindestens fünf Zentimetern. Die Wanderröte ist ein frühes Symptom einer Infektion mit Borrelien und ein wichtiges Warnsignal. Sie verursacht in der Regel weder Jucken noch Schmerzen.
Weitere Hautveränderungen
Neben der Wanderröte können insbesondere bei Kindern, Jugendlichen und Frauen kleine blaurote oder knötchenartige Schwellungen der Haut (Borrelien-Lymphozytome) auftreten, die vorwiegend im Bereich der Brust, der Genitalien oder der Ohrläppchen auftreten. In seltenen Fällen können sich chronische Hautentzündungen (Acrodermatitis chronica atrophicans) mit bläulichen Hautverfärbungen entwickeln.
Petechien
Petechien sind kleine, stecknadelkopfgroße, rote oder violette Flecken auf der Haut, die durch Blutungen aus kleinen Blutgefäßen entstehen. Sie verschwinden nicht, wenn man mit einem durchsichtigen Gegenstand daraufdrückt. Petechien sind kein typisches Symptom der Borreliose, können aber in seltenen Fällen auftreten, insbesondere wenn die Borreliose mit anderen Erkrankungen einhergeht, die die Blutgerinnung beeinträchtigen.
Es ist wichtig zu beachten, dass Petechien viele verschiedene Ursachen haben können, darunter Infektionen, Medikamente, Autoimmunerkrankungen und Verletzungen. Wenn Petechien auftreten, ist es ratsam, einen Arzt aufzusuchen, um die Ursache abzuklären.
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Weitere Symptome
Neben den Hautveränderungen können im weiteren Verlauf der Borreliose auch folgende Symptome auftreten:
- Grippeähnliche Beschwerden: Muskel- und Gelenkschmerzen, Fieber, Müdigkeit oder Lymphknotenschwellungen sind häufige Symptome einer Borrelioseinfektion.
- Herzbeteiligung: Sehr selten führt die Borreliose zu einer Herzentzündung (Lyme-Karditis) mit Herzrhythmusstörungen.
- Befall des Nervensystems: Die sogenannte Neuroborreliose tritt meist wenige Wochen bis Monate nach dem Zeckenstich auf und betrifft das zentrale Nervensystem (ZNS). Typische Symptome sind brennende Nervenschmerzen oder auch Gesichtslähmungen. In seltenen Fällen können entzündliche Nervenreizungen zu Taubheitsgefühl, Seh- oder Hörstörungen sowie Lähmungen von Rumpf, Armen oder Beinen führen. Insbesondere bei Kindern tritt häufig eine Hirnhautentzündung mit starken Kopfschmerzen, Gesichtslähmungen und Fieber auf.
- Chronische Gelenkentzündungen: Eine mögliche Spätfolge der Borreliose sind schubweise und wiederkehrend auftretende Entzündungen der Gelenke (Lyme-Arthritis), die sich oftmals erst Monate oder Jahre nach der Infektion ausbilden. Meist sind die Kniegelenke betroffen, seltener Sprung-, Ellenbogen-, Finger-, Zehen- und Handwurzelgelenke.
Diagnose der Borreliose
Die Diagnose der Borreliose kann aufgrund der unspezifischen Symptome erschwert sein. Daher ist es wichtig, dass Patienten einen Zeckenstich erwähnen oder darauf hinweisen, wenn die Möglichkeit bestand, von einer Zecke gestochen worden zu sein. Eine körperliche Untersuchung auf sichtbare Anzeichen für einen Zeckenstich, wie die Wanderröte, liefert weiteren Aufschluss.
In der Regel diagnostiziert der Arzt Wanderröte anhand des typischen Hautbildes. Der Hautausschlag zeigt eine frühe Borrelien-Infektion schon an, während Antikörper im Blut im Frühstadium oft noch nicht nachweisbar sind.
Zusätzlich können serologische Tests (Blutuntersuchungen) durchgeführt werden, um Antikörper gegen Borrelien nachzuweisen. Allerdings sind diese Tests nicht immer zuverlässig, insbesondere im Frühstadium der Erkrankung. Bei unklarer Klinik und Serologie können auch Biopsie, PCR oder Kultivierung unterstützen.
Therapie der Borreliose
Die Behandlung einer Borreliose erfolgt mit Antibiotika, um die Borrelien abzutöten. Häufig verordnete Wirkstoffe sind Doxycyclin (meist 10 bis 21 Tage lang) oder Amoxicillin oder Cefuroxim als Alternative. Eine frühzeitige Therapie verhindert das Fortschreiten der Borreliose und führt meist zur vollständigen Heilung. Patienten, die im Frühstadium der Lyme-Borreliose mit geeigneten Antibiotika behandelt werden, erholen sich in der Regel rasch und vollständig.
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Neben der medikamentösen Behandlung wird empfohlen:
- Den Körper zu schonen und Stress zu vermeiden
- Bei Bedarf entzündungshemmende Schmerzmittel einzunehmen
- Den Zeckenstich zu beobachten, um weitere Veränderungen rechtzeitig zu bemerken
Vorbeugung der Borreliose
Da es gegen Borreliose keine Schutzimpfung gibt, ist es wichtig, sich vor Zeckenstichen zu schützen. Um Zecken fernzuhalten, tragen Sie bei Aufenthalten in risikoreichen Außenbereichen am besten lange, glatte und helle Kleidung sowie geschlossene Schuhe. Suchen Sie sich und Ihre Kinder danach gründlich auf Zecken ab und entfernen Sie diese umgehend.
Zecken stechen häufig nicht sofort zu. Sie suchen sich zunächst eine bevorzugte Körperstelle, wie Achseln, Kniekehlen, Genitalbereich, Ohren oder Rumpf. Nach einem Aufenthalt im Wald, im Garten oder auf Wiesen sollten Sie sich und ihre Kinder daher immer nach Zecken absuchen.
Solange diese sich noch nicht festgesaugt haben, lassen sie sich relativ leicht abnehmen. Selbst nach einem Zeckenstich dauert es üblicherweise einige Stunden, bis eventuell vorhandene Bakterien vom Magen-Darm-Trakt der Zecke über den Saugrüssel in die Haut gelangen können. Deshalb ist es essenziell, sie so schnell wie möglich zu entfernen, entweder mit einer speziellen Pinzette oder mit den Fingern. Wichtig ist es, die Zecke nicht zu quetschen, da sie dabei ihren Magen-Darm-Inhalt über den Saugrüssel in die Haut erbricht. Am besten greifen Sie die Zecke unbehandelt möglichst weit vorn am Kopf und ziehen sie ohne Drehbewegung ab. Sollte der Zeckenkopf in der Haut stecken bleiben, ist dies kein Problem und er fällt nach einiger Zeit von allein ab. Reinigen Sie die Einstichstelle nach Entfernung der Zecke mit einem Desinfektionsmittel, um eine Entzündung zu vermeiden.
Verlauf und mögliche Komplikationen
Bei frühzeitiger Diagnose heilt die Borreliose fast immer vollständig aus. Eine verzögerte oder unzureichende Behandlung kann jedoch Komplikationen begünstigen. Denn dann können sich die Borrelien im Körper ausbreiten und im Spätstadium auf die Gelenke, das Herz und das Nervensystem übergehen.
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