Infrarottherapie bei Multipler Sklerose und Hauterkrankungen: Anwendungen und Perspektiven

Die Infrarottherapie, auch Rotlichttherapie genannt, ist eine Behandlungsmethode, bei der Infrarotstrahlung genutzt wird, um therapeutische Wärme in die Haut und das darunter liegende Gewebe zu bringen. Sie findet Anwendung in verschiedenen Bereichen der Medizin und kann insbesondere bei Multipler Sklerose (MS) und bestimmten Hauterkrankungen von Nutzen sein.

Infrarottherapie bei Multipler Sklerose

Multiple Sklerose ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems, bei der es zu einer Schädigung der Myelinscheiden der Nervenfasern kommt. Dies kann zu einer Vielzahl von Symptomen führen, darunter Müdigkeit, Muskelschwäche, Spastik und Schmerzen.

RecoveriX Neurorehabilitation

Die recoveriX Neurorehabilitation basiert auf einer Computer-Gehirn-Schnittstellen-Technologie und regt durch häufige Wiederholungen die Neuroplastizität an. Wenn durch Multiple Sklerose die Bewegungsfähigkeit des Körpers beeinträchtigt wurde, bedeutet es nicht unbedingt, dass diese verloren ist. Das recoveriX System instruiert Patienten, sich eine Hand- oder eine Fußbewegung vorzustellen. Sobald die gemessene Cortex-Aktivität einen Referenzwert überschreitet, wird durch Elektroden auf den Extremitäten der Muskel stimuliert und die Bewegung ausgeführt. Um recoveriX besser zu verstehen, kann man das Konzept der Therapie mit dem Lernprozess eines Kindes vergleichen, das Laufen lernt. Es braucht meist zwischen 6.000 und 10.000 Wiederholungen, bis es seine eigenen Schritte unabhängig und sicher durchführen kann. Hier findet ebenfalls der Pairing-Effekt statt - es werden kognitive Prozesse und Motorik miteinander verknüpft. 25 - 30 Trainingseinheiten werden von Patienten der recoveriX Therapie durchgeführt. Vorteile der Therapie sind, dass es sich um eine nicht-invasiven Ansatz handelt und dass man sie in akutem, subakutem oder chronischem Stadium der Erkrankung durchführen kann - auch Jahrzehnte nach Erkrankung oder Diagnose.

Thermotherapie

Die Thermotherapie ist ein Überbegriff für mehrere Behandlungsarten, denen die Behandlung mit Wärme gemein ist. Hierunter fallen Fango- und Infrarottherapie. Ziel ist hierbei immer eine möglichst gute Durchblutung des Gewebes zu erreichen, um die Muskulatur zu lockern und Schmerzen zu lindern.

Die Anwendung von Wärme, beispielsweise durch Infrarotstrahlung, kann bei MS-Patienten verschiedene positive Effekte haben:

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  • Muskelentspannung: Wärme kann helfen, Muskelverspannungen und Spastiken zu reduzieren, was zu einer Verbesserung der Beweglichkeit und einer Linderung von Schmerzen führen kann.
  • Schmerzlinderung: Infrarotstrahlung kann die Durchblutung fördern und Entzündungen reduzieren, was zu einer Schmerzlinderung beitragen kann.
  • Verbesserung der Durchblutung: Die Wärme kann die Durchblutung des Gewebes verbessern, was die Versorgung mit Sauerstoff und Nährstoffen fördert und die Heilungsprozesse unterstützt.

Haslauer-Wärmeliege

In diesem Zusammenhang kann die Haslauer-Wärmeliege von relevantem Nutzen sein, insbesondere bei begleitenden Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Es ist wichtig zu beachten, dass die systemische Hyperthermie das größte Maß an Sicherheit bieten sollte und die Auswirkungen des Verfahrens auf Blutdruck und Körpertemperatur überwacht werden müssen.

Infrarottherapie in der Dermatologie

In der Dermatologie wird die Infrarottherapie seit längerer Zeit in der Klinik für Dermatologie der Charité angewandt. Sie kann bei verschiedenen Hauterkrankungen eingesetzt werden, darunter:

  • Hautstraffung und -verjüngung: Die Zaffiro®-Methode kombiniert ein Wasserpeeling (Hydrapeel) mit einer Thermolifting-Behandlung. Dabei werden die tieferen Hautschichten mit einem Saphirglas-Handstück auf bis zu 65°C erwärmt, was zu einer Schrumpfung und Verdickung der Kollagenfasern führt. Dies führt zu einer Haut- und Gewebestraffung und somit zu einem gelifteten Aussehen - ganz ohne Skalpell. Die Elastin- und Kollagensynthese werden stimuliert und das Bindegewebe in der Haut verdickt und so verjüngt. Das bewirkt eine verbesserte Spannkraft und Festigkeit der Haut. Laut einer Studie kann nach 21 Tagen der Behandlung mit der Zaffiro®-Infrarottherapie eine Zunahme der Fibroblasten um bis zu 40 %* sowie eine Erhöhung der Festigkeit um bis zu 25 %* festgestellt werden.
  • Behandlung von Hautverdickungen: Bei Erkrankungen mit ausgedehnter Verhärtung und Verdickung der Haut kann die Infrarottherapie dazu beitragen, die Hautelastizität zu verbessern.
  • Akne: Zaffiro® ist eine Behandlung, die ein Hydropeeling mit Infrarotenergie kombiniert und so die Haut gezielt mit Feuchtigkeit versorgen kann.
  • Narbenbehandlung: Durch die Förderung der Durchblutung und die Anregung der Kollagenproduktion kann die Infrarottherapie die Heilung von Narben unterstützen und ihr Erscheinungsbild verbessern.

Zaffiro®-Therapie

Die Zaffiro®-Therapie ist eine nicht-invasive Methode zur Hautstraffung und -verjüngung. Sie kombiniert zwei synergistische Methoden: das Hydrapeel und das Thermolifting.

  • Hydrapeel: Die Zaffiro® Hydropeel-Behandlung verwendet ein Wasserpeeling, um die Haut gründlich zu reinigen, mit Feuchtigkeit zu versorgen und ihre Struktur zu verbessern. Die Behandlung peelt die Haut und verleiht ihr eine neue Oberfläche, um die Hautstruktur und den Glanz deutlich zu verbessern und gleichzeitig die Zeichen der Hautalterung zu reduzieren.
  • Thermolifting: Bei der anschließenden Thermolifting-Behandlung werden die tieferen Hautschichten mit einem Saphirglas-Handstück auf bis zu 65°C erwärmt, was zu einer Schrumpfung und Verdickung der Kollagenfasern führt. Durch den Kollagenumbau wird die Haut gestrafft und gewinnt an Festigkeit und Elastizität. Eine verbesserte Kollagenstruktur kann dazu beitragen, das Erscheinungsbild feiner Linien und Falten zu verbessern. Die tiefe dermale Erwärmung stimuliert den Heilungs- und Reparaturprozess der Haut.

Die Behandlung ist grundsätzlich für alle Hauttypen geeignet und wird ambulant durchgeführt. Bereits direkt nach der Behandlung sind etwa 20% des Behandlungsergebnisses sichtbar. Vor der Behandlung muss für 2 Wochen die Einnahme von Blutverdünnern vermieden werden. Zunächst wird die Haut gründlich gereinigt. Dann erfolgt das intensive Wasserpeeling mit einem individuellen Serum. Anschließend wird ein spezielles Gel, welches kollodiales Gold und weitere beruhigende Inhaltsstoffe wie Aloe Vera enthält, auf die Haut aufgetragen. Dann wird mit einem Handstück die Infrarotenergie tief in das Gewebe eingebracht. Dabei spürt man wiederholt eine vorübergehende Wärme im Gewebe. In Abhängigkeit von der Größe des zu behandelnden Areals (z. B. Gesicht, Hals und Dekolleté, Körper) dauert die Behandlung in der Regel circa 30-90 Minuten. Nach einer Behandlung mit dem Zaffiro® ist man sofort wieder gesellschaftsfähig. Ein erstes Ergebnis von circa 10-20 % ist bereits direkt nach der Behandlung mit Zaffiro® sichtbar. Der nachfolgende Kollagenaufbau und somit das Endergebnis dauert 2-3 Monate. Das Ergebnis nach 4 Behandlungen mit dem Thermolifting hält etwa 1-1,5 Jahre an. Nach der Behandlung mit Zaffiro® kann es zu leichten Rötungen und Schwellungen der Haut kommen.

Weitere physiotherapeutische Anwendungen

Neben der Infrarottherapie gibt es eine Vielzahl weiterer physiotherapeutischer Anwendungen, die bei verschiedenen Erkrankungen und Beschwerden eingesetzt werden können. Einige Beispiele sind:

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  • Krankengymnastik: Eine medizinische Behandlungsmethode, die darauf abzielt, die Bewegungs- und Funktionsfähigkeit des menschlichen Körpers zu verbessern, wiederherzustellen oder zu erhalten.
  • Manuelle Therapie: Ein Spezialgebiet innerhalb der Physiotherapie, das sich auf die Behandlung von Funktionsstörungen des Bewegungsapparates konzentriert.
  • Manuelle Lymphdrainage: Eine spezielle Form der physikalischen Therapie, die darauf abzielt, das Lymphsystem zu stimulieren und den Abfluss von Lymphflüssigkeit zu fördern.
  • Klassische Massagetherapie: Eine weit verbreitete und anerkannte Form der manuellen Therapie, die zur Entspannung der Muskulatur, Linderung von Schmerzen und Förderung des allgemeinen Wohlbefindens eingesetzt wird.
  • Osteopathie: Eine ganzheitliche manuelle Therapiemethode, die auf der Erkennung und Behandlung von Funktionsstörungen des Körpers basiert.
  • Dry Needling: Eine Therapieform, bei der dünne Nadeln ohne Injektion von Medikamenten oder Flüssigkeiten in bestimmte Punkte des Muskelgewebes eingeführt werden, um Schmerzen und muskuläre Verspannungen zu lindern.
  • Kinesiotaping: Durch das gezielte Anbringen von Kinesiotapes werden Gelenke stabilisiert, Bewegungen optimiert und Heilungsprozesse unterstützt.
  • Atemtherapie: Umfasst vorrangig das Körpergebiet der Lunge. Hierbei wird zum Einen mit Durchblutungs- und Belüftungsförderung der Lunge versucht, die Gewebemobilisation zu verbessern. Zum Anderen stehen hier Atemübungen und Dehnlagen im Vordergrund, um die Lungenkapazität zu verbessern. Beispielsweise wird die Atemtherapie bei COPD oder Asthmapatienten angewandt.

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