Harnwegsinfekt und epileptische Anfälle: Eine Betrachtung möglicher Zusammenhänge und Behandlungsstrategien

Dieser Artikel beleuchtet den möglichen Zusammenhang zwischen Harnwegsinfekten (HWI) und epileptischen Anfällen. Dabei werden sowohl die medizinischen Aspekte als auch praktische Ratschläge für Betroffene und Angehörige berücksichtigt.

Einleitung

Die Frage, ob ein Zusammenhang zwischen Harnwegsinfekten und epileptischen Anfällen besteht, ist komplex und vielschichtig. Einerseits können Infektionen im Allgemeinen, einschließlich Harnwegsinfektionen, das Risiko für epileptische Anfälle erhöhen. Andererseits können bestimmte Antibiotika, die zur Behandlung von Harnwegsinfektionen eingesetzt werden, potenziell die Anfallsschwelle senken oder mit Antiepileptika interagieren. Es ist wichtig, diese Aspekte im Kontext der individuellen Patientengeschichte und -medikation zu betrachten.

Harnwegsinfekte: Ursachen, Symptome und Behandlung

Ein Harnwegsinfekt (HWI) ist eine Infektion der Harnwege, die die Harnröhre, die Blase, die Harnleiter und die Nieren betreffen kann. In 80 bis 90 Prozent der Fälle sind Escherichia-coli-Bakterien die Erreger. Infektionen mit Enterobakterien oder Staphylokokken sind seltener.

Symptome

Die Symptome eines HWI können vielfältig sein und umfassen:

  • Häufiges Wasserlassen
  • Schmerzhaftes Wasserlassen (Dysurie)
  • Harndrang
  • Brennen beim Wasserlassen
  • Trüber Urin
  • Blut im Urin (Hämaturie)
  • Unterleibsschmerzen
  • Fieber (bei Nierenbeckenentzündung)

Behandlung

Die Behandlung eines HWI hängt von der Art und Schwere der Infektion ab. Unkomplizierte HWI werden oft mit Antibiotika behandelt. Gemäss den derzeitigen Empfehlungen sollten unkomplizierte HWI entweder mit einer Einmaldosis von 3 g Fosfomycin behandelt werden oder mit zweimal täglich 100 mg Nitrofurantoin retard über fünf bis sieben Tage. Fluorchinolone sollten bei unkomplizierten Infekten nicht die Mittel der ersten Wahl sein, da zunehmende Resistenzen den Einsatz von Fluorchinolonen für schwere Infektionen gefährden. Komplizierte HWI erfordern eine längere Antibiotikagabe, in der Regel sieben bis zehn Tage.

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Epilepsie: Ursachen, Anfallsarten und Behandlung

Epilepsie ist eine neurologische Erkrankung, die durch wiederholte epileptische Anfälle gekennzeichnet ist. Epileptische Anfälle sind nicht nur durch „Epilepsie“ ausgelöst. Die Prävalenz von Epilepsie liegt bei etwa 0,7 %.

Ursachen

Die Ursachen von Epilepsie können vielfältig sein und umfassen:

  • Genetische Faktoren
  • Hirnschäden (z.B. durch Schlaganfall, Schädel-Hirn-Trauma, Infektionen)
  • Entwicklungsstörungen des Gehirns
  • Strukturelle Veränderungen im Gehirn (z.B. Tumore, Narben)

In einigen Fällen bleibt die Ursache unbekannt (idiopathische Epilepsie).

Anfallsarten

Es gibt verschiedene Arten von epileptischen Anfällen, die sich in ihren Symptomen und Auswirkungen unterscheiden. Zu den häufigsten Anfallsarten gehören:

  • Fokale Anfälle: Beginnen in einem begrenzten Bereich des Gehirns. Die Symptome hängen davon ab, welcher Bereich des Gehirns betroffen ist.
  • Generalisierte Anfälle: Betreffen das gesamte Gehirn. Zu den häufigsten generalisierten Anfallsarten gehören:
    • Absencen: Kurze Bewusstseinsverluste ohne Sturz.
    • Myoklonische Anfälle: Kurze, zuckende Muskelzuckungen.
    • Klonische Anfälle: Rhythmische Muskelzuckungen.
    • Tonische Anfälle: Anspannung der Muskeln.
    • Atonische Anfälle: Verlust der Muskelspannung.
    • Tonisch-klonische Anfälle: Kombination aus tonischer und klonischer Phase (früher Grand-mal-Anfall genannt).

Behandlung

Die Behandlung von Epilepsie zielt darauf ab, die Anfallshäufigkeit zu reduzieren oder die Anfallsfreiheit zu erreichen. Die wichtigsten Behandlungsmethoden sind:

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  • Anfallssupprimierende Medikamente (ASM): Die medikamentöse Therapie ist die häufigste Behandlungsmethode bei Epilepsie. Es gibt eine Vielzahl von ASM, die sich in ihrer Wirkungsweise und ihren Nebenwirkungen unterscheiden.
  • Epilepsiechirurgie: Bei manchen Patienten, bei denen die medikamentöse Therapie nicht ausreichend wirksam ist, kann eine Operation in Erwägung gezogen werden.
  • Ketogene Ernährung: Eine spezielle, fettreiche und kohlenhydratarme Diät, die bei manchen Epilepsieformen wirksam sein kann.
  • Vagusnervstimulation (VNS): Ein kleines Gerät, das unter die Haut implantiert wird und den Vagusnerv stimuliert, um die Anfallshäufigkeit zu reduzieren.

Mögliche Zusammenhänge zwischen Harnwegsinfekten und epileptischen Anfällen

Es gibt verschiedene Mechanismen, durch die Harnwegsinfekte möglicherweise epileptische Anfälle auslösen oder begünstigen können:

  1. Fieber: Infektionen, die mit Fieber einhergehen, können die Anfallsschwelle senken und bei Menschen mit Epilepsie Anfälle auslösen.
  2. Elektrolytstörungen: Harnwegsinfekte können zu Elektrolytstörungen führen, insbesondere bei älteren Menschen oder Patienten mit Nierenerkrankungen. Elektrolytstörungen, wie z.B. Hyponatriämie (Natriummangel), können das Risiko für epileptische Anfälle erhöhen.
  3. Zentrale Nervensystem (ZNS)-Infektionen: In seltenen Fällen kann sich ein HWI auf das ZNS ausbreiten und eine Meningitis oder Enzephalitis verursachen. Diese Infektionen können das Gehirn direkt schädigen und epileptische Anfälle auslösen.
  4. Medikamenteninteraktionen: Bestimmte Antibiotika, die zur Behandlung von HWI eingesetzt werden, können mit Antiepileptika interagieren und deren Wirksamkeit beeinträchtigen oder die Anfallsschwelle senken. Zum Beispiel können Fluorchinolone, die bei komplizierten HWI eingesetzt werden, die Anfallsschwelle senken und bei Menschen mit Epilepsie Anfälle auslösen.

Ciprobeta und Epilepsie

Die Frage, ob Ciprobeta (Ciprofloxacin) in Verbindung mit Epilepsie problematisch sein kann, ist berechtigt. Ciprofloxacin gehört zur Gruppe der Fluorchinolone. Fluorchinolone können die Anfallsschwelle senken und somit bei Epileptikern Anfälle auslösen. Es ist wichtig, dass Sie, bevor Sie mit der Einnahme von Ciprobeta beginnen, unbedingt Ihren Arzt konsultieren, insbesondere da Sie bereits an Epilepsie leiden.

Neurogene Blasenentleerungsstörung und Epilepsie

Das zentrale Nervensystem (ZNS) ist hochkomplex und an sämtlichen Vorgängen in unserem Körper beteiligt. Störungen des ZNS können sich unter anderem auch durch eine neurogene Blasenentleerungsstörung äußern. Dabei kann es sowohl zu häufigem Harndrang und unkontrolliertem Harnverlust kommen als auch zu einem Harnverhalt. Wenn sich die Blasenentleerung nicht mehr bewusst kontrollieren lässt, können dafür unter anderem Schäden der Nervenbahnen im Gehirn oder dem Knochenmark verantwortlich sein. In der Regel hängen sie mit einer neurologischen Erkrankung wie Parkinson, Multiple Sklerose oder Epilepsie oder mit einer Schädigung des zentralen Nervensystems (etwa durch einen Unfall, einen Schlaganfall oder Diabetes Typ 2) zusammen.

Spondylodiszitis

Spondylodiszitis (Bandscheibenentzündung) ist eine schmerzhafte Infektion der Wirbelsäule. Sie befällt die Bandscheiben und die jeweils angrenzenden Wirbelkörper. Die eher seltene Erkrankung sollte frühzeitig therapiert werden, um eine Ausbreitung der Infektion auf benachbarte Körperbereiche und starke Eiterbildung zu vermeiden. Meist handelt es sich bei einer Spondylodiszitis um eine bakterielle Infektion, ausgelöst durch den Erreger Staphylococcus aureus.

Praktische Ratschläge für Betroffene

  • Ärztliche Beratung: Sprechen Sie mit Ihrem Arzt über das Risiko von Anfällen im Zusammenhang mit HWI und die potenziellen Auswirkungen von Antibiotika auf Ihre Epilepsie.
  • Sorgfältige Beobachtung: Achten Sie auf Veränderungen in Ihrem Anfallsmuster oder neue Symptome, die auf einen HWI hindeuten könnten.
  • Vorbeugung von HWI: Trinken Sie ausreichend Flüssigkeit, achten Sie auf eine gute Hygiene und entleeren Sie Ihre Blase regelmäßig, um das Risiko von HWI zu verringern. Cranberrysaft kann ebenfalls zur Prävention von Harnwegsinfekten beitragen.
  • Medikamentenmanagement: Informieren Sie alle Ihre Ärzte über Ihre Epilepsie und die Medikamente, die Sie einnehmen, um potenzielle Wechselwirkungen zu vermeiden.
  • Notfallplan: Erstellen Sie einen Notfallplan für den Fall eines Anfalls, insbesondere wenn Sie ein erhöhtes Risiko für Anfälle im Zusammenhang mit HWI haben.

Intelligenzminderung und Epilepsie

Die Gruppe von Menschen mit Epilepsie und Intelligenzminderung verdient aus verschiedenen Gründen besondere Aufmerksamkeit. Einer ist die hohe Prävalenz von Epilepsie bei Menschen mit Intelligenzminderung. Über alle Schweregrade hinweg haben ca. 22 % der Menschen mit Intelligenzminderung auch eine Epilepsie.

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Seltene Epilepsieformen

Viele Epilepsien treten in Zusammenhang mit seltenen Erkrankungen gehäuft auf. Daraus ergibt sich das scheinbare Paradox, dass die Epilepsie insgesamt eine häufige Erkrankung ist, zahlreiche Erscheinungsformen für sich genommen aber selten.

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