Harnwegsinfekt bei Querschnittlähmung erkennen: Symptome, Diagnose und Management

Ein Harnwegsinfekt (HWI) ist eine häufige Komplikation bei Menschen mit Querschnittlähmung, insbesondere bei Blasenfunktionsstörungen. Da die üblichen Warnzeichen wie Brennen oder Schmerzen möglicherweise nicht wahrgenommen werden können, ist es wichtig, andere Anzeichen zu kennen und geeignete Maßnahmen zu ergreifen. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über das Erkennen, Diagnostizieren und Behandeln von Harnwegsinfekten bei Querschnittlähmung.

Einführung

Menschen mit Querschnittlähmung haben aufgrund von Blasenfunktionsstörungen ein erhöhtes Risiko für Harnwegsinfekte. Die Nerven, die die Blase und die Schließmuskeln steuern, werden vom Rückenmark gesteuert. Sind diese Nervenbahnen verletzt, können Blasenfunktionsstörungen auftreten. Die Unfähigkeit, die Blase vollständig zu entleeren, die Verwendung von Kathetern und Veränderungen im Immunsystem können das Risiko eines HWI erhöhen. Da die typischen Symptome eines HWI, wie Brennen oder Schmerzen beim Wasserlassen, bei Querschnittlähmung oft fehlen, ist es wichtig, andere Anzeichen zu erkennen und proaktiv zu handeln.

Ursachen und Risikofaktoren

Mehrere Faktoren tragen zum erhöhten Risiko von Harnwegsinfekten bei Querschnittlähmung bei:

  • Blasenfunktionsstörung: Nervenschäden durch die Querschnittlähmung können die Fähigkeit der Blase beeinträchtigen, sich vollständig zu entleeren. Dies führt zu Restharn, der ein ideales Umfeld für Bakterienwachstum bietet.
  • Katheterisierung: Viele Menschen mit Querschnittlähmung verwenden Katheter, um ihre Blase zu entleeren. Die Katheterisierung kann Bakterien in die Blase einschleusen und so das Infektionsrisiko erhöhen. Es gibt verschiedene Katheterisierungstechniken, darunter sterile, aseptische und hygienische Methoden. Die Wahl der Methode hängt von den Fähigkeiten des Patienten und den verfügbaren Ressourcen ab.
  • Verminderte Immunität: Querschnittlähmung kann das Immunsystem beeinträchtigen und die Fähigkeit des Körpers zur Bekämpfung von Infektionen verringern.
  • Darmbakterien: Darmbakterien sind die häufigste Ursache für Blaseninfektionen. Aufgrund der Nähe von Blasenausgang, Vagina und Anus können Bakterien leichter in die Blase gelangen.

Symptome eines Harnwegsinfekts bei Querschnittlähmung

Da die üblichen Symptome eines HWI möglicherweise nicht wahrgenommen werden können, ist es wichtig, auf andere Anzeichen zu achten:

  • Trüber oder rotbrauner Urin: Eine Veränderung der Farbe oder Klarheit des Urins kann ein Hinweis auf eine Infektion sein.
  • Erhöhte Spastik: Eine Zunahme der Muskelspastik kann ein Zeichen für einen HWI sein.
  • Fieber: Fieber kann auf eine Infektion hinweisen, ist aber nicht immer vorhanden.
  • Vegetative Reaktionen: Schwitzen und Kopfschmerzen können ebenfalls Anzeichen eines HWI sein.
  • Allgemeines Krankheitsgefühl: Ein allgemeines Gefühl von Unwohlsein oder Müdigkeit kann auf eine Infektion hindeuten.
  • Plötzlich wieder auftretende Inkontinenz: Eine neu aufgetretene oder sich verschlimmernde Inkontinenz bei zuvor stabiler Blasenfunktion kann ein Zeichen für einen HWI sein.
  • Schmerzhafte Symptomatik des Bauchraumes: Schmerzen im Bauchraum können auf einen HWI hindeuten.
  • Erhöhte Temperatur
  • Schüttelfrost
  • Ausfluss

Es ist wichtig zu beachten, dass ein chronischer HWI ohne spürbare Symptome verlaufen kann.

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Diagnose

Die Diagnose eines HWI bei Querschnittlähmung erfordert eine Kombination aus Symptomen und Laborbefunden.

  • Urinschau: Die Beurteilung des Urins auf Trübung oder Verfärbung kann ein erster Hinweis sein.
  • Teststreifen: Teststreifen, wie z.B. Combur 9, können verwendet werden, um Leukozyten (weiße Blutkörperchen), Erythrozyten (rote Blutkörperchen), Eiweiß, Nitrit und andere Parameter im Urin zu bestimmen.
  • Urinprobe: Eine Urinprobe sollte zur Analyse ins Labor geschickt werden, um einen Urinstatus zu erstellen und eine Bakterienkultur anzulegen.
  • Antibiogramm: Vor Beginn einer Antibiotikatherapie sollte ein Antibiogramm erstellt werden, um die Empfindlichkeit der Bakterien gegenüber verschiedenen Antibiotika zu testen.

Es ist wichtig, zwischen einer asymptomatischen Bakteriurie (Vorhandensein von Bakterien im Urin ohne Symptome) und einem symptomatischen HWI zu unterscheiden. Nicht jede Bakteriurie erfordert eine Behandlung.

Behandlung

Die Behandlung eines HWI bei Querschnittlähmung umfasst in der Regel Antibiotika. Die Wahl des Antibiotikums sollte auf den Ergebnissen des Antibiogramms basieren, um Resistenzen zu vermeiden. Die Behandlungsdauer beträgt in der Regel 7-14 Tage.

Zusätzlich zu Antibiotika können folgende Maßnahmen helfen, die Behandlung zu unterstützen:

  • Reichliche Flüssigkeitsaufnahme: Trinken Sie viel Wasser, um die Erreger auszuspülen.
  • Blasentees: Blasentees aus harntreibenden Kräutern können die Harnmenge steigern.

Prävention

Die Vorbeugung von Harnwegsinfekten ist bei Querschnittlähmung von entscheidender Bedeutung. Hier sind einige vorbeugende Maßnahmen:

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  • Regelmäßige und vollständige Blasenentleerung: Die Blase sollte regelmäßig und vollständig entleert werden, um Restharn zu vermeiden. Bei Verwendung eines Katheters ist es wichtig, sicherzustellen, dass die Blase vollständig entleert wird.
  • Intermittierender Katheterismus: Der intermittierende Selbstkatheterismus (ISK) ist die Methode der Wahl, um die Blase zu entleeren. Es ermöglicht eine druck- und restharnfreie Entleerung der Blase mehrmals täglich.
  • Händehygiene: Vor der Katheterisierung sollten die Hände gründlich gewaschen oder desinfiziert werden.
  • Richtige Katheterisierungstechnik: Die richtige Katheterisierungstechnik ist wichtig, um das Risiko einer bakteriellen Kontamination zu minimieren. Bei Männern muss die Vorhaut zurückgezogen und der Penis gestreckt werden, um Verletzungen der Harnröhre zu vermeiden. Frauen können bei Bedarf Spiegel und Beinspreizer verwenden.
  • Ausreichende Flüssigkeitszufuhr: Trinken Sie ausreichend Flüssigkeit (1500-2000 ml pro Tag), um die Blase regelmäßig zu spülen. Bevorzugen Sie Wasser als Getränk.
  • Vermeidung von enger Kleidung: Enge, feuchte Kleidung kann das Bakterienwachstum fördern.
  • Gesunde Darmflora: Der Aufbau und Erhalt einer gesunden Darmflora kann das Risiko von HWI verringern. Eine ausgewogene Ernährung mit ausreichend Ballaststoffen ist wichtig.
  • Cranberrysaft: Cranberrysaft kann helfen, ein saures Milieu in der Blase zu schaffen, in dem sich Bakterien unwohl fühlen.
  • D-Mannose und Methionin: D-Mannose und Methionin können die Ansiedlung von Bakterien in der Blase verhindern.
  • Vitamin C: Vitamin C kann den Urin ansäuern und so ein ungünstiges Milieu für Bakterien schaffen.
  • Impfungen und Immunstimulierungen: Nach Absprache mit dem Arzt können Impfungen oder Immunstimulierungen eine Möglichkeit sein, sich gegen wiederkehrende Harnwegsinfektionen zu wappnen.
  • Antibiotika-Prophylaxe: Bei häufigen Harnwegsinfektionen kann eine Antibiotika-Prophylaxe in Betracht gezogen werden.

Blasentraining

Blasentraining kann helfen, ein besseres Gefühl für die Blasentätigkeit zu bekommen und angemessen darauf zu reagieren. Zu Beginn eines Blasentrainings werden Urinmengen, die Zeit zwischen Trinken und Entleerung und Reaktionen des Körpers auf eine volle Blase genau protokolliert.

Darmmanagement

Da Darmbakterien häufig die Ursache für HWI sind, ist ein gutes Darmmanagement wichtig. Eine regelmäßige Darmentleerung und die Vermeidung von Verstopfung können helfen, das Risiko einer bakteriellen Übertragung in die Harnwege zu verringern.

Neuro-urologische Untersuchungen

Regelmäßige neuro-urologische Untersuchungen dienen der Prophylaxe und helfen, Komplikationen frühzeitig zu erkennen.

Krisenmanagement

Bei Auftreten von Symptomen einer autonomen Dysreflexie (Gänsehaut, starkes Schwitzen, klopfende Kopfschmerzen aufgrund von Blutdruckanstieg) sollte die Blase entleert und nach weiteren Ursachen (z.B. im Darm) gesucht werden. Gegebenenfalls muss der Blutdruck gesenkt werden.

Trinkplan

Ein individueller Trinkplan kann helfen, eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr sicherzustellen. Ein Arzt oder eine Pflegekraft kann bei der Erstellung eines geeigneten Trinkplans behilflich sein.

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