Die Frage, ob ein Zusammenhang zwischen Hashimoto-Thyreoiditis und Alzheimer besteht, ist komplex und Gegenstand aktueller Forschung. Hashimoto-Thyreoiditis ist eine Autoimmunerkrankung, bei der das Immunsystem die Schilddrüse angreift, was zu einer chronischen Entzündung und oft zu einer Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) führt. Alzheimer ist eine neurodegenerative Erkrankung, die durch Gedächtnisverlust, kognitive Beeinträchtigungen und den Aufbau von Plaques im Gehirn gekennzeichnet ist.
Schilddrüsenunterfunktion und Demenz: Was ist bekannt?
Es ist seit langem bekannt, dass Schilddrüsenhormone eine wichtige Rolle für die Hirnfunktion und die geistige Leistungsfähigkeit spielen. Eine unzureichende Versorgung mit Schilddrüsenhormonen, wie sie bei einer Hypothyreose vorkommt, kann sich negativ auf diese Funktionen auswirken.
Eine wissenschaftliche Untersuchung hat gezeigt, dass eine Schilddrüsenunterfunktion das Risiko für eine Demenzerkrankung erhöhen kann. Eine Vergleichsstudie mit über 7.800 Demenzpatienten ergab, dass bei Patienten mit neu diagnostizierter Demenz in der Vorgeschichte häufiger eine Schilddrüsenunterfunktion diagnostiziert wurde als bei Patienten ohne Demenz. Dieses erhöhte Risiko betraf vor allem über 65-jährige Patienten mit behandlungsbedürftiger Hypothyreose. Im Vergleich zu Patienten ohne Schilddrüsenunterfunktion hatten sie ein dreifach erhöhtes Risiko für das Auftreten einer Demenz.
Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass diese Studien lediglich einen Zusammenhang aufzeigen und nicht beweisen, dass eine Schilddrüsenunterfunktion direkt Demenz verursacht. Weitere Forschung ist erforderlich, um die genauen Mechanismen zu verstehen, die diesem Zusammenhang zugrunde liegen.
Reversible Demenz und Schilddrüsenstörungen
Es ist wichtig zu betonen, dass Demenz nicht gleich Demenz ist. Es gibt verschiedene Formen von Demenz, von denen einige reversibel sein können. Reversible Demenzen sind Störungen, die Symptome einer Demenz zeigen, aber bei rechtzeitiger und adäquater Behandlung der Grunderkrankung, wie z.B. einer Schilddrüsenunterfunktion, wieder vollständig oder zumindest teilweise behoben werden können.
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Daher sollten bei Auftreten von demenztypischen Ausfallerscheinungen immer auch Schilddrüsenerkrankungen ausgeschlossen werden. Eine unbehandelte Hypothyreose oder Hashimoto-Thyreoiditis kann zu Einschränkungen der kognitiven Fähigkeiten und im Extremfall zu Demenz führen. Es ist wichtig, dies zu erkennen und zu behandeln, da diese Form der Demenz potenziell reversibel ist.
Hashimoto-Thyreoiditis und Enzephalopathie
In seltenen Fällen kann die Hashimoto-Thyreoiditis auch mit einer Enzephalopathie, einer Erkrankung des Gehirns, einhergehen. Die Hashimoto-Enzephalopathie ist eine seltene, aber wichtige Differentialdiagnose bei Demenz, da sie gute Therapieoptionen bietet.
Ein wichtiger Marker für die Hashimoto-Enzephalopathie ist ein erhöhter TPO (thyreoidale Peroxidase)-Wert. Bei einem positiven Antikörper-Test wird eine aggressive Therapie mit Prednisolon empfohlen. Auch bei negativen Schilddrüsenantikörper-Titern kann es gerechtfertigt sein, eine immunsuppressive Therapie auszuprobieren.
Die Rolle von Entzündungen
Einige Forscher vermuten, dass Entzündungsprozesse eine Rolle bei der Entstehung von Alzheimer spielen könnten. Dies wird durch die Beobachtung gestützt, dass Patienten, die aufgrund von chronischen Rheumaerkrankungen dauerhaft entzündungshemmende Medikamente einnehmen, seltener an Demenz erkranken.
Da Hashimoto-Thyreoiditis eine Autoimmunerkrankung ist, die mit Entzündungen einhergeht, könnte es sein, dass Entzündungsprozesse, die durch Hashimoto ausgelöst werden, das Risiko für Alzheimer erhöhen. Es ist jedoch wichtig zu betonen, dass dies nur eine Hypothese ist und weitere Forschung erforderlich ist, um diese zu bestätigen.
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Symptome von Hashimoto-Thyreoiditis
Die Hashimoto-Thyreoiditis verläuft im Allgemeinen kaum wahrnehmbar. Viele Patienten nehmen diese Symptome als schicksalsgegeben hin. Erst nach der probeweisen Einnahme von Schilddrüsenhormonen, stellen die Patienten dann fest, wie gut es ihnen eigentlich gehen könnte. Dabei führen oft schon geringe Dosen von Schilddrüsenhormonen zu einer deutlichen Verbesserung des Allgemeinzustandes mit Rückgang der Beschwerden.
Die Symptome einer Hashimoto-Thyreoiditis können vielfältig sein und variieren. Zu den typischen Symptomen gehören:
- Müdigkeit
- Gedächtnis- und Konzentrationsstörungen
- Allgemeine körperliche Erschöpfung
- Fehlende Belastbarkeit
- Motivations- und Antriebslosigkeit
- Gewichtszunahme
- Erhöhte Kälteempfindlichkeit
- Depressionen
- Infektanfälligkeit
Es ist wichtig zu beachten, dass diese Symptome auch bei anderen Erkrankungen auftreten können. Daher ist eine gründliche Diagnose durch einen Arzt erforderlich, um festzustellen, ob Hashimoto-Thyreoiditis die Ursache ist.
Hashimoto-Schub und Schilddrüsenüberfunktion
Zu Beginn der Hashimoto-Thyreoiditis kann es zu einer übermäßigen Produktion von Schilddrüsenhormonen kommen, sodass im Organismus ein entsprechendes Überangebot entsteht. Diese Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) wird als „Hashitoxikose“ bezeichnet. Auch im weiteren Krankheitsverlauf kann es in Phasen einer besonders hohen Entzündungsaktivität zu vorübergehenden Symptomen einer Schilddrüsenüberfunktion kommen, da die Schilddrüse die Hormone auf Vorrat produziert und diese dann durch die Zerstörung der Schilddrüsenzellen unkontrolliert ausgeschüttet werden.
Typische Symptome einer Schilddrüsenüberfunktion sind:
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- Schwitzen
- Herzrasen
- Hoher Blutdruck (Hypertonie)
- Gewichtsabnahme
- Durchfall
- Gesteigerte Angst
- Rast- und Ruhelosigkeit („immer auf der Überholspur“)
- Zitternde Hände
- Muskelschwäche, Muskelzittern
- Schlaflosigkeit
- Nervosität
- Heißhunger
Symptome wie Schwitzen werden bei Frauen in den Wechseljahren dabei nicht selten irrtümlicherweise als Wechseljahrsbeschwerden eingestuft. Daher sollte auch bei derartigen, scheinbar typischen Beschwerden anderer Herkunft immer auch eine Schilddrüsendiagnostik erfolgen, um eine Hashimoto-Thyreoiditis auszuschließen.
Diagnose und Behandlung
Die Diagnose von Hashimoto-Thyreoiditis wird in der Regel durch eine Blutuntersuchung gestellt, bei der die Schilddrüsenhormone (TSH, fT3, fT4) und die Schilddrüsenantikörper (TPO-AK, Tg-AK) bestimmt werden.
Die Behandlung von Hashimoto-Thyreoiditis zielt darauf ab, die Schilddrüsenhormonspiegel zu normalisieren und die Symptome zu lindern. Dies erfolgt in der Regel durch die Einnahme von Schilddrüsenhormonpräparaten (L-Thyroxin). Die Dosis des Medikaments wird individuell angepasst, um die optimale Hormonversorgung zu gewährleisten.
Die Therapie bei Hashimoto-Thyreoiditis sollte als primäres Ziel eine Verbesserung der Lebensqualität der Patienten als Ziel haben. Eine ausschließliche Orientierung am im Blut bestimmte TSH-Wert ist nicht sinnvoll, da hiermit keine sichere Aussage zur adäquaten Thyroxin-Versorgung der einzelnen Organe wie z. B. dem Gehirn möglich ist. Zahlreiche internationale Studien haben nachweisen können, dass auch vermeintlich euthyreote (normale Schilddrüsenwerte) Patienten mit Hashimoto-Thyreoiditis von einer Thyroxin-Therapie profitieren. Auch diese Patienten mit einem TSH im Normbereich verspürten durch die Hormongabe einen deutlichen Rückgang ihrer psychischen Beschwerden. Insbesondere verbesserten sich Symptome wie Denkschwäche, Konzentrationsstörung, Antriebslosigkeit, Traurigkeit, Müdigkeit oder Ängstlichkeit.
Vorbeugung und Risikofaktoren
Es gibt derzeit keine spezifischen Maßnahmen zur Vorbeugung von Hashimoto-Thyreoiditis oder Alzheimer. Es gibt sogar ein gängiges Medikament, das viele Leute nehmen. Und bei diesen Leuten wird sehr selten Demenz festgestellt. Dort ging es um eine mögliche Vorbeugung gegen die alzheimerbedingten Ausfälle. Die andere Geschichte mit dem Medikament stammt aus einer Recherche eine Demenzforschers, der durch umfangreiche Befragungen von Rheumatologen festgestellt hat, dass offenbar Patienten, die an chronischen Rheumaerkrankungen leiden und gegen diese dauerhaft mit entzündungshemmenden Medikamenten (z.B. Ibuprofen) behandelt werden, praktisch nie dement werden. Studien an Tiermodellen scheinen den Schutzeffekt zu bestätigen. Er folgert daher, dass dem Ausbruch der Alzheimerdemenz ein Entzündungsprozess zugrunde liegt. Ausführliche Studien an Menschen werden jedoch nicht von der Industrie finanziert, weil die bekannten Wirkstoffe allesamt nicht mehr dem Patenschutz unterliegen und damit nicht mehr viel zu verdienen ist.
Einige Risikofaktoren für Hashimoto-Thyreoiditis sind bekannt, darunter:
- Genetische Veranlagung
- Weibliches Geschlecht
- Alter (häufiger im mittleren Alter)
- Andere Autoimmunerkrankungen
Risikofaktoren für Alzheimer sind:
- Alter
- Genetische Veranlagung
- Familiengeschichte von Alzheimer
- Bestimmte Lebensstilfaktoren (z.B. Rauchen, Übergewicht, Bewegungsmangel)