StattHaus Offenbach: Ein innovatives Konzept für Menschen mit Demenz

Einführung

Das StattHaus Offenbach ist ein Leuchtturmprojekt der Hans und Ilse Breuer-Stiftung, das sich der Verbesserung der Lebenssituation von Demenzkranken und ihren Angehörigen widmet. Es bietet eine Alternative zu herkömmlichen stationären Pflegekonzepten und fördert ein selbstbestimmtes Leben in einer gemeinschaftlichen Umgebung.

Die Hans und Ilse Breuer-Stiftung: Engagement für Demenzkranke

Die Hans und Ilse Breuer-Stiftung wurde im Jahr 2000 von dem Unternehmer Hans Breuer gegründet. Die Stiftung hat sich zum Ziel gesetzt, die Lebenssituation von Demenzkranken und ihren Angehörigen entscheidend zu verbessern. Die gemeinnützige Stiftung mit Sitz in Frankfurt verfolgt zwei Hauptziele: Helfen und Forschen. Sie engagiert sich in der Betroffenenhilfe und fördert die wissenschaftliche Grundlagenforschung zu Alzheimer und anderen Demenzerkrankungen.

Die Stiftung widmet sich der Verbesserung der Lebenssituation von demenziell Erkrankten und ihren Angehörigen und fördert Projekte in Hessen aus den Bereichen Versorgung, Betreuung und Therapie, die als modellhafte Projekte aufgrund ihrer Qualität, Aktualität, Effektivität und Nachhaltigkeit andere Einrichtungen zur Nachahmung anregen können.

Auszeichnungen und Förderungen

Die Hans und Ilse Breuer-Stiftung wurde 2016 von der Hessischen Landesregierung als "Stiftung des Jahres" ausgezeichnet. Seit 2006 vergibt die Stiftung den mit 100.000 Euro dotierten Alzheimer-Forschungspreis an Wissenschaftler, die herausragende Leistungen auf dem Gebiet der Alzheimer-Forschung oder ähnlicher Demenzerkrankungen erbringen. Zudem werden jährlich bis zu drei Promotionsstipendien vergeben. Die Stiftung hat auch einen Unterstützungsfonds für Familien mit erblich bedingter Alzheimerdemenz und Teilnehmer der sogenannten DIAN-Studie eingerichtet.

Das StattHaus Offenbach: Ein ambulantes Demenzzentrum

Das StattHaus Offenbach ist ein ambulantes Demenzzentrum, das von der Hans und Ilse Breuer-Stiftung als eigenes Pilotprojekt aufgebaut wurde. Es bietet Betreuungsleistungen in Form von Gruppen- oder Einzelbetreuung für Menschen mit einer leichten bis mittleren Demenz an. Ziel ist es, den Menschen Anregung zu geben, sie ihren Fähigkeiten entsprechend zu bewegen und ihnen ein Gefühl des Wohlbefindens zu vermitteln, während die pflegenden Angehörigen gleichzeitig für einige Stunden am Tag entlastet werden.

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Angebote und Aktivitäten

Unter der Anleitung einer Fachkraft werden für die Tagesgäste gemeinsam mit freiwilligen Helfern verschiedene Aktivitäten für Körper und Geist durchgeführt. Das Angebot wird nun mit dem visuellen Therapiekonzept des MemoMotos weiter ausgebaut. Hilfesuchende finden im StattHaus vielfältige Angebote, die von häuslicher Versorgung bis zur Tagesbetreuung reichen. Dazu gehören auch der Aufbau und die Begleitung von Gesprächsgruppen, die Veranstaltung von Informationsseminaren für Angehörige und ehrenamtliche Helfer sowie die stundenweise Entlastung pflegender Angehöriger durch die Einrichtung von Betreuungsgruppen und Einzelbetreuungsangebote.

Ein liebevoll angelegter Garten und ein kleines "Quartiers-Café" mit Terrasse bieten von Demenz betroffenen Menschen und deren Angehörigen die Möglichkeit, sich in offener und gleichzeitig geschützter Atmosphäre aufzuhalten. Gäste können sich dem Thema Demenz auf unkomplizierte Weise annähern und Beratung anfragen.

Wohn-Pflege-Gemeinschaft

Das StattHaus Offenbach beherbergt auch eine ambulant betreute Wohngemeinschaft für neun Menschen mit Demenz. Die Wohn-Pflege-Gruppe wird in geteilter Verantwortung gemeinsam von Angehörigen, einem ambulanten Pflege- und Betreuungsteam, freiwilligen Helfern und von der Stiftung als Vermieter organisiert und begleitet.

Die Wohngemeinschaft befindet sich in einer denkmalgeschützten Gründerzeitvilla, die umfassend saniert wurde und 2015 mit dem Denkmalschutzpreis ausgezeichnet wurde. Helle, freundliche Farben an den Wänden, viele Lichtquellen mit klarer Anordnung, eine funktionale und dennoch behagliche Einrichtung prägen das Ambiente. Jeder Bewohner hat ein individuell eingerichtetes Zimmer, in das er persönliche Gegenstände mitbringen kann.

Alltag in der Wohngemeinschaft

Im StattHaus findet der Alltag extra nicht hinter verschlossenen Türen statt, sondern bezieht die Bewohner ganz bewusst mit ein. Wer kann und möchte, hilft, das Mittagessen in der geräumigen, aber überschaubaren Wohnküche vorzubereiten. Viele fleißige Hände unterstützen die Hauswirtschafterin beim Gemüseschneiden und Tischdecken. "Allein finden die Bewohner den Weg zur alltäglichen Arbeit nicht mehr, aber indem wir sie animieren, kommen sie wieder in Bewegung und helfen, wo sie nur können", sagt die Hauswirtschafterin.

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Der persönliche Einsatz beim Putzen, Waschen oder Kochen hilft den Mietern, Verlorengegangenes zumindest in Teilen zu reaktivieren, und gibt ihnen zudem Struktur. Bewegung ist ein weiterer wichtiger Punkt. Treppensteigen anstelle des Fahrstuhls, im nahe gelegenen Park spazieren gehen, kleine Einkäufe erledigen: All das bekommt Psyche und Geist erwiesenermaßen gut. Nicht zu vergessen die soziale Einbindung, die das StattHaus automatisch bietet.

Die WG-Bewohner unterstützen sich gegenseitig dann, wenn einer schwächer scheint als der andere. Da wird beim Eindecken gefragt, wer noch Besteck braucht, und darauf geachtet, dass der Tischnachbar auch genug zu trinken und essen bekommt.

Infobox App

Um die Kommunikation zwischen Angehörigen, Ehrenamtlichen, Betreuern und Pflegern zu erleichtern, kommt im StattHaus die von wegewerk konzipierte und umgesetzte Infobox App zum Einsatz. Diese einfache, klar strukturierte Anwendung hilft, sich schnell und unkompliziert abzusprechen. Die drei Hauptfunktionen der vor allem für Smartphones konzipierten App - Kalender, To-Do-Listen und Nutzerprofile - sind simpel konzipiert und somit intuitiv zu bedienen.

Das StattHaus als Informationszentrum

Das StattHaus Offenbach versteht sich auch als Informationszentrum für Betroffene und Angehörige. Es bietet Beratung und Informationen für all jene Menschen, die sich über die Krankheit Demenz und ihre vielen Gesichter informieren möchten.

Vernetzung und Kooperationen

Das StattHaus ist Teil des Demenznetzwerks Offenbach und kooperiert mit der Alzheimer Gesellschaft Region Offenbach e.V. (AGRO) und anderen Anbietern von Hilfen bei Demenz.

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Das Konzept des StattHaus: Leben mitten im Geschehen

Das StattHaus Offenbach stellt mehr dar als bislang bekannte Wohnkonzepte für Demenzkranke. Die Initiatoren fordern und fördern ganz bewusst das Motto: Mit Demenz lässt sich leben - auch unter uns. Die Wahl des Gebäudes fiel deshalb auch auf eines, das nicht einsam, versteckt, irgendwo außerhalb liegt, sondern mitten drin im urbanen Geschehen, mit einem Kindergarten und der Hochschule für Gestaltung vis-a-vis.

Ehrenamtliche und Spenden

Die Hans und Ilse Breuer-Stiftung ist immer auf Unterstützung angewiesen. Die Stiftung sucht Menschen, die sich ehrenamtlich einbringen und Menschen helfen möchten. Spenden sind ebenfalls willkommen.

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