Ottfried Fischer: Ein Leben zwischen Kabarett, Krankheit und Heimat

Ottfried Fischer, bekannt als "Der Bulle von Tölz" und "Pfarrer Braun", ist weit mehr als nur ein beliebter Schauspieler. Er ist ein Kabarettist, Autor und eine vielschichtige Persönlichkeit, die sich immer wieder neu erfindet. Trotz seiner Parkinson-Erkrankung steht Fischer mit Freude auf der Bühne und vor der Kamera. Dieser Artikel beleuchtet Ottfried Fischers Leben, sein Werk und seine Auseinandersetzung mit Themen wie Heimat, Moral und Krankheit.

Wer ist Ottfried Fischer?

Ottfried Fischer zu beschreiben, ist keine einfache Aufgabe. Er ist ein Mensch, der oft unterschätzt wird, aber im entscheidenden Moment zuschlägt und dabei das Gute im Sinn hat. Geboren 1953 in Ornatsöd im Bayerischen Wald, studierte er zunächst Rechtswissenschaften, bevor er sich dem Kabarett zuwandte. Zusammen mit Günter Knoll gründete er 1976 das Münchner Hinterhoftheater, wo er als Kabarettist und Schauspieler auftrat.

Die Bedeutung von Heimat

Die Frage nach der Heimat ist ein zentrales Thema in Fischers Leben und Werk. Geographisch gesehen ist seine Heimat der Bayerische Wald. In seinem Soloprogramm "Wo meine Sonne scheint", benannt nach einem Titel von Caterina Valente, setzt er sich kritisch mit Heimat, Globalisierung und Patriotismus auseinander. Für Fischer ist Heimat nicht nur ein Ort, sondern auch ein Gefühl, eine vertraute Umgebung, die einem Kraft gibt. Es ist die Seite im Menschen, die einem durch vertraute Anblicke, Düfte oder Klänge ein Gefühl der Geborgenheit vermittelt.

Kabarett als Lebenselixier

Das Kabarett ist für Ottfried Fischer immer seine Heimat gewesen. Kabarettist ist man, Kabarettist bleibt man. Nach einer zwölfjährigen Pause kehrte er mit seinem Soloprogramm auf die Bühne zurück. In seinen Programmen setzt er sich mit gesellschaftspolitischen Themen auseinander und scheut sich nicht, моральische Fragen anzusprechen. Dabei vermeidet er jedoch Betroffenheit und Attitüde, die in früheren Kabarettprogrammen oft zu finden waren.

Moral im Kabarett

Fischer findet, dass die Moral in den Kabarettprogrammen in letzter Zeit vernachlässigt worden ist. In Zeiten der Globalisierung, in denen der Mensch in kurzer Zeit das durchmachen muss, wozu die Evolution Millionen Jahre gebraucht hat, ist es seiner Meinung nach wichtig, wieder von Moral zu sprechen und sich auf einen moralischen Standpunkt zu stellen.

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Was erwartet den Zuschauer?

In seinem aktuellen Programm erwartet den Zuschauer Fischers Betrachtung über Heimat. Dabei ist es ihm wichtig, das Thema nicht zu banalisieren. Er setzt Schwerpunkte auf Heimat und Heimatlosigkeit, Flucht und die "Flucht" dieses Gefühls durch volkstümliche Musik. Neben der Betrachtung der staatlichen Verhältnisse spricht er auch über konservative Werte. Heimat ist für ihn das Grundrecht des Menschen auf ein sinnstiftendes Element, auf eine Umgebung, die weltanschauliche und moralische Werte vermittelt und die einem Kraft gibt, im Leben zu bestehen.

Kritik und Zynismus

Fischer nimmt in seinem Programm verschiedene Gruppen aufs Korn, darunter die volkstümliche Musik und die Rechts-Links-Sparten-Denker. Er scheut sich nicht, zynische verbale Gags einzusetzen, aber das ist nicht seine grundsätzliche Haltung.

Das Kabarett als gesellschaftspolitische Kraft

Das Kabarett hat für Fischer eine gesellschaftspolitische Funktion. Es soll nicht nur unterhalten, sondern auch zum Nachdenken anregen. Kabarett darf keine politische Vorlesung sein, sondern muss kulinarisch sein. Witzige Betrachtungsweisen verschaffen Klarheit, die allerdings nicht jeder kapiert. Das Kabarett kann den Menschen vermitteln, dass da eine Haltung ist, zu der einer steht und die einer vertritt. Ein gelungener Kabarettabend ist für ihn ein sinnliches und rationales Vergnügen, bei dem man etwas Vernünftiges lernt.

Die Parkinson-Erkrankung

Seit einiger Zeit weiß Ottfried Fischer, dass er an Parkinson erkrankt ist. Er geht offen mit seiner Krankheit um und versucht, den Menschen die Angst und Beklommenheit zu nehmen. Er erzählt, dass er ein Parkinsonwitzbuch herausgeben und einen Vertrag mit dem Wirt hat, dass er von nun an immer bitte Schaum auf dem Bier hat. Trotz der Krankheit hat er sich entschieden, weiterzumachen und den Unkenrufern zu zeigen, dass es noch geht.

Umgang mit der Öffentlichkeit

Fischer ging mit seiner Parkinson-Erkrankung an die Öffentlichkeit, weil ihm Gerüchte über Drogensucht und Alkoholabhängigkeit schadeten. Er wollte erklären, warum er einen augenscheinlich süchtigen Zustand verbreitete.

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Die Krankheit als Teil des Lebens

In seinem Buch "Das Leben - ein Skandal. Geschichten aus meiner Zeit" schreibt Fischer über seine Erfahrungen mit Parkinson. Er beschreibt die Krankheit als "feige Sau", die man gut im Griff haben kann, wenn man aufpasst. Er schildert, wie das Zittern begann und die sporadische geistige Abwesenheit, und wie er versuchte, die Krankheit geheim zu halten, bis es nicht mehr ging.

Ottfried Fischer als Autor

Neben seiner Karriere als Kabarettist und Schauspieler hat sich Ottfried Fischer auch als Autor einen Namen gemacht. Er hat mehrere Bücher veröffentlicht, darunter seine Autobiographie "Das Leben, ein Skandal", in der er sein Leben in vielen kleinen Schlaglichtern und zwei großen Blöcken erzählt.

"Extrem bayrisch"

Zusammen mit dem Fotografen Roger Fritz hat Fischer das Buch "Extrem bayrisch" veröffentlicht, das eine Kulturgeschichte Bayerns für In- und Outsider darstellt. Das Buch bedient nicht nur Klischees und Vorurteile, sondern erklärt auch die kulturellen Phänomene und Besonderheiten Bayerns auf ernsthafte Weise.

"Heimat ist da, wo dir die Todesanzeigen etwas sagen"

In seinem Buch "Heimat ist da, wo dir die Todesanzeigen etwas sagen" lässt Fischer sein Leben Revue passieren. Er berichtet von seiner Kindheit in Niederbayern, seiner 68er-Jugend und seiner Rückkehr nach Passau. Das Buch ist eine kurzweilige Lektüre, mal heiter und zum Lachen, mal nachdenklich und melancholisch.

Ottfried Fischer heute

Auch wenn er das eigentlich glaubte: "Ich dachte, wir ziehen hierher und werden Rentner", erzählte der Kabarettist und Schauspieler der Deutschen Presse-Agentur. Stattdessen schrieb er einige Episoden und Anekdoten aus seinem Leben auf und fügte sie wie ein buntes Mosaik zu einem Buch zusammen. Ganz nebenbei koproduzierte er einen Kinofilm, in dem er auch eine kleine Rolle übernahm. Nun stehen einige Talkshow-Auftritte an. Vor zwei Jahren war der an Parkinson erkrankte und im Rollstuhl sitzende Fischer mit seiner Lebensgefährtin Simone Brandlmeier in die alte Heimat gezogen - den Humor hat er nicht verloren, das Kapitel dazu überschreibt er mit "Rolling home". In der niederbayerischen Stadt hat er das Haus seiner Großeltern geerbt und sanieren lassen. Seiner Lebenspartnerin widmet er auch deswegen das Buch. Der Entschluss zum Umzug sei während der Reha gefallen, wo er sich von einer schweren Sepsis erholte. Er sei aus wirren Träumen erwacht und habe gesagt: "Wir ziehen nach Passau!", so Fischer. "Es bleibt einem nichts anderes übrig als nachzudenken, wenn man alleine im Krankenzimmer liegt", sagte er. Es sei mit seinem Dasein so gar nicht mehr zufrieden gewesen.

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