Donald Trump: Verdichten sich die Anzeichen für Demenz?

Die Frage nach dem geistigen Zustand von Donald Trump ist in den letzten Jahren immer wieder aufgekommen. Während einige seine Eskapaden als bloße Exzentrik abtun, sehen andere darin besorgniserregende Anzeichen für einen kognitiven Verfall. Expertenmeinungen gehen auseinander, und die Debatte wird durch ethische Richtlinien und mangelnde Transparenz zusätzlich verkompliziert.

Expertenmeinungen und die "Goldwater-Regel"

Der US-amerikanische Psychologe John Gartner gehört zu denjenigen, die in Trumps Verhalten "klare Anzeichen für seinen kognitiven Verfall" sehen. Gartner, der bereits in der Vergangenheit mit ähnlichen Einschätzungen für Aufsehen gesorgt hat, argumentiert, dass sich die Zeichen mehren, dass Trump unter Demenz leidet. Er stützt seine These auf Trumps Schwierigkeiten bei der Sprachverarbeitung, seine Neigung zu irrelevanten Assoziationen und sein unberechenbares Verhalten.

Gartners Diagnose verstößt allerdings gegen die sogenannte Goldwater-Regel, einen ethischen Grundsatz der American Psychiatric Association (APA). Diese Regel verbietet es Psychiatern, sich über den geistigen Zustand von Personen zu äußern, die sie nicht persönlich untersucht haben. Gartner rechtfertigt sich jedoch, indem er argumentiert, dass psychiatrische Diagnosen oft auf beobachtbarem Verhalten und Berichten von anderen beruhen.

Symptome und Verhaltensweisen

Gartner führt verschiedene Beispiele an, um seine These zu untermauern. So habe Trump während des Wahlkampfs aus "Missiles" (Raketen) "Mishas" und aus "Christmas" (Weihnachten) "Krishas" gemacht. Dies bezeichnet Gartner als phonemische Paraphasie, ein "klares Anzeichen für kognitiven Verfall". Zudem schweife Trump in seinen Gedanken zu irrelevanten Assoziationen ab und verliere sich oft mitten im Satz.

Ein weiteres Beispiel sei Trumps Behauptung, dass Geflüchtete, die über die mexikanische Grenze wollen, angeblich aus psychiatrischen Anstalten kämen. Anschließend habe Trump gefragt, ob jemand "Das Schweigen der Lämmer" gesehen habe - ein Film über einen psychisch kranken Serienmörder. "Seine Gedanken mäandern völlig", so Gartner.

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Auch Trumps Ankündigung eines "bedeutenden" Abkommens mit einem "großen und hoch angesehenen Land" am 8. Mai, ohne Details zu nennen, deutet laut Gartner auf einen kognitiven Verfall hin. "Gefühlsbetonte, starke Worte, die aber komplett vage bleiben", sagt der Psychologe.

Narzisstische Persönlichkeitsstörung und Demenz

Neben den Anzeichen für Demenz erkennt Gartner bei Trump auch Anzeichen einer malignen narzisstischen Persönlichkeitsstörung. "Eine gefährliche Kombination aus Narzissmus, Paranoia, Soziopathie und Sadismus", sagt er. Diese Störung würde sich durch die Demenz noch verstärken. "Seine Impulsivität hat sich verschlimmert, sein unberechenbares Verhalten ist eskaliert."

Als Beispiel nennt Gartner Trumps Ankündigung der Wiedereröffnung des Gefängnisses Alcatraz am 4. Mai. Diese Entscheidung sei möglicherweise auf den Filmklassiker "Flucht aus Alcatraz" zurückzuführen, der am Abend zuvor in Südflorida im Fernsehen gezeigt worden war, wo Trump das Wochenende verbracht hatte.

Kognitive Tests und Spekulationen

Trump selbst hat in der Vergangenheit mehrfach mit seinen Ergebnissen bei kognitiven Tests angegeben. So habe er im Walter Reed Medical Center einen IQ-Test bestanden, bei dem es sich laut US-Medienberichten wohl um einen einfachen Demenztest gehandelt haben dürfte. "Ich hab ihn gemacht - die sind richtig schwer - die sind wirklich Eignungstests, glaub ich, auf ihre Art", sagte Trump.

Wie mehrere US-Medien berichten, dürfte es sich bei dem Test um das Montreal Cognitive Assessment (MoCA) handeln. Das ist laut "Axios" ein Screeningverfahren, mit dem sich milde kognitive Störungen oder frühere Stadien einer Demenz erkennen lassen. In der Regel komme der Test nur zum Einsatz, wenn Ärzte einen Verdacht auf Demenz untersuchen wollen.

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Ocasio-Cortez reagierte auf Trumps Aussagen mit Spott. "Aus Neugierde, haben diese Ärzte Sie zufällig gebeten, eine Uhr zu zeichnen? War das für Sie auch schwierig? Ich frage im Namen von 340 Millionen Menschen", schrieb sie auf X.

Zweifel an Trumps Gesundheit

Neben den von Gartner genannten Symptomen gibt es weitere Beobachtungen, die Zweifel an Trumps Gesundheit aufkommen lassen. So sind seit Monaten Blutergüsse auf seiner Hand, geschwollene Knöchel und der Hang, während Pressekonferenzen einzuschlafen, Gegenstand von Spekulationen.

Auch Trumps Lebensstil gibt Anlass zur Sorge. So gehören Big Macs, Viertelpfünder und Pommes von der McDonald's-Speisekarte weiter zu seinen Leibgerichten. Zudem glaubt Trump nicht daran, dass ein Mensch Ausdauer und körperliche Fitness durch Training verbessern kann.

Parallelen zu seinem Vater

Einige Familienmitglieder Trumps sehen ebenfalls Anzeichen für einen geistigen Verfall. So sieht sein Neffe Fred Trump III Parallelen zu seinem Vater Fred Trump Senior, bei dem 1991 Alzheimer diagnostiziert wurde. Auch Mary Trump, eine Nichte des Präsidenten und Psychologin, glaubt, einen interessanten Zusammenhang in seinen Verhaltensmustern zu erkennen. "Je mehr er von den Dingen bekommt, von denen er glaubt, sie zu brauchen, nämlich Geld und Macht, desto unsicherer und ängstlicher wird er".

Mangelnde Transparenz und die Rolle der Medien

Eine objektive Einordnung von Trumps Gesundheit wird dadurch erschwert, dass das Weiße Haus alles andere als transparent ist. Früher war es gang und gäbe, dass Präsidenten detaillierte Einzelheiten ihrer Untersuchungen veröffentlichten. Unter Trump geht das Weiße Haus aber selektiv vor.

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Die Medien spielen bei der Berichterstattung über Trumps Gesundheit eine wichtige Rolle. Allerdings müssen sie dabei die ethischen Grenzen der Goldwater-Regel beachten und Spekulationen vermeiden.

Die Warnungen der Ärzte

Im Herbst 2024 forderten Hunderte amerikanische Ärzte Transparenz von Trump - und kündigten an, ihn von nun an genauer zu beobachten: „Da Trump keine Informationen über seine Gesundheit preisgegeben hat, sind wir darauf angewiesen, aus öffentlichen Auftritten Rückschlüsse zu ziehen.“

In einem offenen Brief vom 25. Oktober warnten 225 Ärzte unter anderem in einer ganzseitigen Anzeige in der „New York Times“ vor einer Wahl Trumps. Man wisse um die gebotene Zurückhaltung bei Ferndiagnosen, erklären sie. Es gebe jedoch auch eine Pflicht, die Öffentlichkeit zu warnen: „Nichts zu sagen, ist nicht die ethischere Variante.“

Frontotemporale Demenz (FTD) als mögliche Diagnose

Ein Verhaltensneurologe aus Hamburg, Privatdozent Wido Nager, hält es für wahrscheinlich, dass Trump an frontotemporaler Demenz (FTD) leidet. Die FTD betrifft insbesondere die Stirn- und Schläfenlappen des Gehirns und äußert sich im früheren Stadium zunächst anders als andere Demenzformen.

„Demenz“, sagt Nager, „wird sowohl in den USA wie auch hierzulande allzu oft mit bereits anfangs dominierenden Gedächtnisstörungen in Verbindung gebracht.“ Die FTD dagegen äußere sich im früheren Stadium zunächst anders, besonders durch ein zunehmend enthemmtes Verhalten abseits sozialer Normen. Zum Krankheitsbild gehörten auch Merkmale wie früher Schwund der sozialen Normen mit Empathie- und Moralverlust, nachfolgend zunehmender Gebrauch von Fäkalsprache und ebenfalls fortschreitender Größenwahn sowie Anosognosie - das heißt, die schwindende Fähigkeit, die wachsenden eigenen Einschränkungen selbst wahrzunehmen.

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