Donald Trump, eine Figur, die polarisiert und fasziniert, hat während seiner Präsidentschaft und darüber hinaus intensive Diskussionen über seine psychische Verfassung ausgelöst. Die vorliegende Analyse stützt sich auf die Erkenntnisse von 27 amerikanischen Psychiatern, Psychologen und Therapeuten, die in dem Buch "Wie gefährlich ist Donald Trump?" ihre Expertise zusammengetragen haben. Diese Experten durchbrechen eine wichtige ethische Grundregel ihres Berufsstandes, die es ihnen verbietet, Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens eine seelische oder geistige Krankheit zu attestieren, ohne eine vorausgegangene diagnostische Untersuchung. Ihre Entscheidung, die professionelle Neutralität aufzugeben, begründen sie mit der "Pflicht, die Öffentlichkeit zu warnen".
Die ethische Gratwanderung der Ferndiagnose
Die American Psychiatric Association (APA) und die Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) verurteilen Ferndiagnosen an Personen des öffentlichen Lebens ausdrücklich als unethisch. Doch die Experten, die sich mit Trumps Verhalten auseinandersetzen, argumentieren, dass das Wohl eines Einzelnen nicht über dem einer ganzen Nation oder gar der Welt stehen dürfe. Sie stützen ihre Einschätzungen auf Trumps öffentliche Auftritte, Zeugnisse aus seiner Zeit als Geschäftsmann und Hauptdarsteller seiner eigenen Show sowie Hunderte Stunden Videomaterial.
Das Phänomen Trump: Eine Zusammenschau psychologischer Auffälligkeiten
Die Beiträge der Experten beleuchten verschiedene Aspekte von Trumps Persönlichkeit und Verhalten, die Anlass zur Sorge geben:
- Ungezügelter und extremer Gegenwarts-Hedonismus: Philip Zimbardo und Rosemary Sword diagnostizieren bei Trump einen Hang zum ausschweifenden Genuss im gegenwärtigen Moment, ohne Rücksicht auf langfristige Konsequenzen.
- Pathologischer Narzissmus: Craig Malkin sieht in Trumps Verhalten eine "tödliche Mischung" aus Narzissmus und politischer Macht. Narzisstische Züge, wie ein übersteigertes Selbstwertgefühl, ein Mangel an Empathie und das Bedürfnis nach Bewunderung, werden als zentrale Elemente seiner Persönlichkeit identifiziert.
- Mangel an Vertrauen: Gail Sheehy argumentiert, dass Trumps tief verwurzelter Mangel an Vertrauen das Kernproblem darstellt, das seine Handlungen und Entscheidungen beeinflusst.
- Soziopathie: Lance Dodes diagnostiziert bei Trump Soziopathie, eine Persönlichkeitsstörung, die durch mangelndes Einfühlungsvermögen, Verantwortungslosigkeit und antisoziales Verhalten gekennzeichnet ist.
- Wahnstörungen: Michael J. Tansey thematisiert Wahnstörungen, die Bewunderung für brutale Diktatoren und die Nuklear-Codes im Zusammenhang mit Trump.
- Kognitive Beeinträchtigung: David M. Reiss untersucht mögliche kognitive Beeinträchtigungen und Demenz bei Trump.
- Amtsunfähigkeit: James Herb kommt zu dem Schluss, dass Donald J. Trump eine vermutlich amtsunfähige Person ist.
- Trauma und Angst: Betty P. Teng und Jennifer Contarino Panning analysieren den "Trump-Effekt" und die dadurch ausgelöste Trauma- und Angststörung in der Bevölkerung.
- Vaterkomplex: Steve Wruble beleuchtet Trumps Vaterprobleme als eine toxische Mischung für Amerika.
- Tyrannei als Triumph des Narzissmus: Elizabeth Mika sieht in Trumps Verhalten die Tyrannei als Triumph des Narzissmus.
- Mangelndes Selbstvertrauen: Bandy X. Lee betont, dass Trump an Selbstvertrauen fehlt, weshalb er sich vor der Welt mit drastischen Aktionen beweisen muss. Hinter diesem Zwang verberge sich eine geringe Schamtoleranz, die wiederum Rachsucht und Wut zur Folge hat, dazu kommen fehlendes Verantwortungsgefühl, Unehrlichkeit, ein Mangel an Empathie.
Die Rolle der Kindheit und des familiären Hintergrunds
Einige Experten betonen die Bedeutung von Trumps Kindheit und familiärem Hintergrund für die Entwicklung seiner Persönlichkeit. Die Psychologin Mary Trump, seine Nichte, schildert in einem Buch, wie seine Erziehung dazu beigetragen hat, dass er sich auch als über 70-Jähriger infantil und wie ein krankhafter Narzisst verhält. Andere betonen seinen Vaterkomplex und die frühe Verbannung mit 13 Jahren in ein Internat, wo er sich als Schläger prahlend einen bösen Ruf erkämpfte.
Die Gefahr für die Demokratie und die globale Sicherheit
Die Experten warnen vor den Gefahren, die von Trumps Persönlichkeit und Verhalten für die Demokratie und die globale Sicherheit ausgehen. Sie argumentieren, dass seine narzisstischen Charakterzüge, psychopathologischen Symptome und bizarren Handlungen angesichts seiner Machtfülle eine akute Gefahr nicht nur für die USA, sondern für die ganze Welt darstellen. Judith Herman und Bandy Lee machen deutlich, dass ihre psychiatrische Erfahrung zeige, dass er sich "durch Vernunft nicht zügeln lassen" werde. Als Präsident und Oberbefehlshaber des Militärs mit Zugriff auf Nuklearwaffen habe er zudem eine Fülle von Macht, die sich massiv auf die globale Sicherheitslage auswirkt.
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Trumps Umgang mit der COVID-19-Pandemie
Besonders kritisiert wird Trumps Umgang mit der COVID-19-Pandemie. Seine Aktionen und sein Verhalten hätten die Pandemie noch verschärft. Selbst als längst klar war, dass das neue Coronavirus eine globale Gefahr ist, verharmloste er das Virus, angeblich, um keine Panik zu schüren. Statt auf das Wissen und den Rat kompetenter Wissenschaftler zu hören, hat Trump lautstark die Werbetrommel für unzureichend geprüfte Therapien gegen COVID-19 gerührt, teilweise lebensbedrohliche Ratschläge erteilt und Kritiker beschimpft und beleidigt. Jeffrey Shaman, Epidemiologe an der Columbia University in New York, wirft Trump sogar Sabotage der Bemühungen um die Sicherheit der Menschen vor.
Die Frage der Amtsfähigkeit und die 25. Zusatzartikel zur Verfassung der Vereinigten Staaten
Angesichts von Trumps Verhalten und Äußerungen wurde auch die Frage seiner Amtsfähigkeit aufgeworfen. Die Demokraten in den USA zweifelten laut einem "Zeit-Bericht" nach der COVID-19-Erkrankung von Donald Trump bereits an dessen Amtsfähigkeit. Sie wollten daher diskutieren, ob sie eine Klausel in der US-Verfassung nutzen könnten, um den US-Präsidenten wegen seines vermeintlich eingeschränkten Geisteszustands gegen seinen Willen von seinen Amtsgeschäften befreien zu können. Nancy Pelosi, die Vorsitzende der demokratischen Mehrheitsfraktion im US-Repräsentantenhaus, sprach von einer "Abspaltung von der Realität".
Die Bedeutung von Wachsamkeit und Engagement
Robert Jay Lifton plädiert dafür, dass wir Leser dieses Buches wachsam bleiben und zu "Zeugen, die etwas verändern möchten" werden. Er betont, dass eine einzelne Profession zwar nicht das sogenannte Ganze, aber doch wesentliche Aspekte in kritischer Absicht analysieren kann, um etwas zu verändern, so wie hier die Persönlichkeit eines Präsidenten. Die Expertenstimmen enthalten neben der wichtigen professionellen Einschätzung auch einen Appell: Es ist an der Zeit, eine eigene Haltung zu entwickeln und uns in Deutschland und Europa eben nicht diesem neuen Klima der Angst zu fügen, sondern auf die Gefährdung hinzuweisen. Was in den USA passiert, wird nicht in den USA bleiben. Aber wir können uns dem entgegenstellen, ein anderes Menschenbild vertreten, Gemeinsinn fördern und offen für demokratische Werte, die Würde aller und die Sicherheit unseres Planeten einstehen.
Die Komplexität der psychologischen Beurteilung
Es ist wichtig zu betonen, dass die psychologische Beurteilung einer Person aus der Ferne immer mit Unsicherheiten verbunden ist. Die Experten, die sich mit Trumps Verhalten auseinandersetzen, stützen ihre Einschätzungen auf öffentlich zugängliche Informationen und Beobachtungen. Sie verzichten bewusst auf eine formale Diagnose, betonen aber die Notwendigkeit, die potenziellen Gefahren zu erkennen und zu adressieren, die von seinem Verhalten ausgehen.
Die Kontroverse um Paracetamol und Autismus
In einem Beispiel für seine Neigung zu unbewiesenen Behauptungen warnte US-Präsident Donald Trump eindringlich vor dem Schmerzmittel Paracetamol und behauptete, dass die Einnahme von Tylenol nicht gut sei und Autismus auslösen könne. Diese Aussage erfolgte im Zusammenhang mit einer Ankündigung der US-Arzneimittelbehörde FDA, das Medikament mit einem neuen Warnhinweis über einen "möglichen Zusammenhang" versehen zu wollen.
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Die wissenschaftliche Gemeinschaft hat diese Darstellung jedoch zurückgewiesen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) haben erklärt, dass die verfügbaren Erkenntnisse keinen Zusammenhang zwischen der Einnahme von Paracetamol während der Schwangerschaft und Autismus erkennen lassen. Die EMA fügte hinzu, dass Paracetamol bei Bedarf während der Schwangerschaft eingenommen werden könne, allerdings in der niedrigsten wirksamen Dosis und Häufigkeit.
Obwohl es Studien gibt, die einen möglichen Zusammenhang zwischen der Einnahme von Paracetamol während der Schwangerschaft und neurologischen Entwicklungsstörungen nahelegen, ist die Datenlage insgesamt nicht eindeutig. Einige Studien zeigen keinen Zusammenhang, während andere sogar Hinweise auf eine schützende Wirkung gegen Autismus durch Paracetamol gefunden haben.
Experten betonen, dass ein eindeutiger Ursache-Wirkungs-Zusammenhang aus der aktuellen Datenlage nicht abgeleitet werden kann. Sie weisen darauf hin, dass die Forschung zu diesem Thema schwierig ist, da ein Großteil der Verwendung von Paracetamol nicht in medizinischen Datenbanken erfasst ist und sich Forschende auf Auskünfte der Probanden verlassen müssen.
Darüber hinaus könnten Frauen, die während der Schwangerschaft Paracetamol einnehmen, in schlechterer gesundheitlicher Verfassung sein als Frauen, die kein Paracetamol einnehmen. Generell stehe die Einnahme jeglicher Art von Medikamenten während der Schwangerschaft mit negativen Auswirkungen auf Kinder in Verbindung.
Psychologin Helen Tager-Flusberg von der Boston University warnte davor, Frauen nun davon abzuraten, Paracetamol einzunehmen, da dies "äußerst gefährlich" wäre und "zwangsläufig die Angst schwangerer Frauen in einer Zeit schüren würde, in der sie das wirklich nicht nötig haben".
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Trumps kognitive Fähigkeiten und der Montreal Cognitive Assessment (MoCA)-Test
US-Präsident Trump hat immer wieder die Intelligenz und geistige Fitness seiner Widersacher in Frage gestellt. Ob Sie nach Trumps Definition geistig fit sind, können Sie mit einem einfachen Test herausfinden.
Auch die geistige Fitness des 79-Jährigen steht häufiger im Mittelpunkt - dabei stellt sich Trump gerne als seinen Gegnern deutlich überlegen dar. Auf der Japan-Reise stellte er die Intelligenz der demokratischen Abgeordneten Alexandria Ocasio-Cortez und Jasmine Crocket in Frage. Beide hätten einen geringen Intelligenzquotienten (IQ): "Lassen Sie sie die Tests bestehen, für die ich mich entschieden habe, als ich im Walter Reed war", sagte er. Damit meint er das "Walter Reed National Military Medical Center", in dem er untersucht wurde.
Was Trump hier missverstanden hat (oder ignoriert) ist, dass es sich bei dem von ihm angesprochenen Test keinesfalls um einen Intelligenztest handelt. Aus seinem offiziellen Gesundheitsreport und Statements seines behandelnden Arztes im Walter Reed geht hervor, dass Trump den sogenannten Montreal-Cognitive-Assessment oder kurz MoCA-Test absolviert hat.
Dieser wurde entwickelt, um schnell leichte kognitive Einbußen bei Patienten festzustellen. Er kommt zum Beispiel zum Einsatz bei Patienten mit Verdacht auf oder Diagnosen von verschiedenen Formen der Demenz, darunter auch Alzheimer, neurodegenerativen Erkrankungen wie Parkinson, Huntington, Multiple Sklerose oder ALS, Tumoren und Metastasierung im Gehirn, Kopftraumata, etwa nach schweren Unfällen oder Stürzen, psychischen Erkrankungen wie Depressionen oder Schizophrenie, Substanzmissbrauch
Beim MoCa-Test handelt es sich also keineswegs um einen Intelligenztest. Vielmehr ist es ein Screening-Tool, das erste Anzeichen auf kognitiven Verfall aufdecken soll.
Ein Ergebnis von 26 oder mehr Punkten wird als normal betrachtet. Nach Angaben seines Arztes Sean Barbabella hat Trump bei dem Test im April eine perfekte Punktzahl von 30 erreicht. Eine Leistung, die Trump seinen Gegnerinnen offenbar nicht zutraut.