Migräneanfälle können sehr belastend sein, besonders während der Schwangerschaft, wenn die Einnahme von Medikamenten sorgfältig abgewogen werden muss. Viele Frauen suchen daher nach sanften Alternativen, um die Schmerzen zu lindern. Glücklicherweise gibt es eine Reihe von bewährten Hausmitteln, die bei Migräne helfen können und in der Schwangerschaft als sicher gelten. Es ist jedoch wichtig, vor der Anwendung jeglicher Hausmittel einen Arzt zu konsultieren, um mögliche Risiken auszuschließen.
Was ist Migräne und wie äußert sie sich in der Schwangerschaft?
Migräne ist ein starker, oft pulsierender Schmerz im Bereich der Stirn oder der Schläfen, der von Symptomen wie Übelkeit, Erbrechen, Appetitlosigkeit sowie Licht-, Lärm- und Geruchsempfindlichkeit begleitet wird. Einige Betroffene erleben vor dem eigentlichen Anfall eine Aura, die sich durch Sehstörungen oder andere Empfindungen äußern kann.
In der Schwangerschaft können hormonelle Veränderungen, Stress und Schlafmangel Migräneattacken auslösen. Bei manchen Frauen bessern sich die Beschwerden während der Schwangerschaft, während sie bei anderen neu auftreten oder sich verschlimmern können. Besonders im ersten Trimester, wenn sich der Hormonhaushalt stark verändert, treten Migräneanfälle häufig auf.
Ursachen von Kopfschmerzen und Migräne in der Schwangerschaft
Kopfschmerzen in der Schwangerschaft sind keine Seltenheit und können verschiedene Ursachen haben. Hormonelle Veränderungen, insbesondere im ersten Trimester, sind häufige Auslöser. Der Anstieg von Östrogen und Progesteron kann zu Spannungskopfschmerzen führen.
Weitere mögliche Ursachen sind:
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- Verspannungen: Durch die Verlagerung des Gewichts in die Bauchregion verändert sich die Körperhaltung, was zu Muskelverspannungen im Nacken-, Schulter- und Rückenbereich führen kann.
- Flüssigkeitsmangel: Schwangere benötigen mehr Flüssigkeit, um sich selbst und das Baby zu versorgen. Flüssigkeitsmangel kann zu Kopfschmerzen führen.
- Niedriger Blutzuckerspiegel: Unregelmäßige Mahlzeiten und ein niedriger Blutzuckerspiegel können ebenfalls Kopfschmerzen verursachen.
- Ernährung: Plötzliche Nahrungsunverträglichkeiten oder ein Mangel an Mineralstoffen wie Eisen oder Magnesium können Kopfschmerzen begünstigen. Bestimmte Lebensmittel wie Schokolade, Rotwein, Käse oder Zitrusfrüchte stehen im Verdacht, Migräneattacken auszulösen.
- Stress: Stress und Sorgen können ebenfalls zu Kopfschmerzen führen.
- Sauerstoffmangel: Das Gehirn benötigt Sauerstoff, um richtig arbeiten zu können. Bei einem Sauerstoffmangel weiten sich die Blutgefäße, was Kopfschmerzen zur Folge haben kann.
In seltenen Fällen können Kopfschmerzen auch ein Symptom für Schwangerschaftserkrankungen wie Präeklampsie sein. Daher ist es wichtig, bei starken oder anhaltenden Kopfschmerzen einen Arzt aufzusuchen.
Allgemeine Maßnahmen zur Linderung von Migräne in der Schwangerschaft
Bei einer akuten Migräneattacke ist Ruhe das A und O. Ein abgedunkelter, ruhiger Raum kann helfen, die Symptome zu lindern. Zusätzlich können folgende Maßnahmen ergriffen werden:
- Kühlen: Kühlen des Kopfes mit einem Eisbeutel, einem Kühlpack oder speziellen Kühlkompressen bzw. -mützen kann schmerzlindernd wirken. Auch ein kalter Waschlappen auf der Stirn kann helfen.
- Entspannung: Entspannungsübungen wie progressive Muskelentspannung, Yoga oder autogenes Training können helfen, Stress abzubauen und die Muskeln zu entspannen. Bei der sogenannten Kopfübung werden die Gedanken gezielt auf diese Körperpartie gelenkt.
- Bewegung: Regelmäßige Bewegung an der frischen Luft kann den Kreislauf anregen und die Durchblutung verbessern. Sanfte Sportarten wie Schwimmen oder Spaziergänge sind besonders geeignet.
- Ausreichend Schlaf: Viel Schlaf ist besonders wichtig, um Kopfschmerzen und anderen Symptomen vorzubeugen.
- Regelmäßige Mahlzeiten: Achten Sie auf regelmäßige, ausgewogene Mahlzeiten, um den Blutzuckerspiegel stabil zu halten.
- Ausreichende Flüssigkeitszufuhr: Trinken Sie ausreichend Wasser oder ungesüßten Tee, um Flüssigkeitsmangel vorzubeugen.
- Vermeidung von Triggern: Versuchen Sie, individuelle Auslöser für Migräneattacken zu identifizieren und zu vermeiden. Ein Kopfschmerztagebuch kann dabei helfen.
Bewährte Hausmittel gegen Migräne in der Schwangerschaft
Neben den allgemeinen Maßnahmen gibt es eine Reihe von Hausmitteln, die bei Migräne in der Schwangerschaft Linderung verschaffen können:
Tee gegen Kopfschmerzen und andere Migräne-Beschwerden
Viel trinken, also circa zwei Liter pro Tag, gilt nicht nur für Migräne-Patienten, sondern auch insgesamt als positiv, denn dadurch verbessert sich die Durchblutung im Gehirn. Dabei kommt Tee eine besondere Bedeutung zu. Die darin enthaltenden Heilpflanzen entfalten wohltuende Effekte.
- Ingwertee: Ingwer wirkt entzündungshemmend und kann Übelkeit lindern, die oft mit Migräne einhergeht. Für einen Tee einen Teil kleingeschnittenen Ingwer und einen Teil Chrysantheme (aus der Apotheke) in eine Tasse (250 Milliliter) mit kochendem Wasser geben und den Tee 15 Minuten lang ziehen lassen.
- Kamillentee: Kamillentee wirkt beruhigend und kann Magenbeschwerden lindern, die als Begleitsymptome auftreten können. Nimm zwei Teelöffel getrocknete Kamillenblüten für eine Tasse Tee und lass diese Mischung zehn Minuten ziehen. Anschließend kipp den Sud durch ein Sieb und genieße das Getränk.
- Mutterkrauttee (auch Fieberkraut genannt): Schon vielen Menschen konnte Mutterkraut helfen, einer Migräne vorzubeugen. Auch Untersuchungen haben dies bestätigt. Trink für eine Kur über mehrere Monate zwei bis dreimal täglich vor dem Essen einen Tee.
- Weidenrindentee: Ein Tee aus Weidenrinde enthält unter anderem Salicylsäure, die schmerzlindernd wirkt. Damit eignet sie sich als Hausmittel gegen Kopfschmerzen. Versetze einen Teelöffel der feingeschnittenen Rinde (aus der Apotheke) mit 250 Millilitern Wasser. Anschließend koche die Mischung für fünf Minuten auf, und gib sie durch ein Teesieb.
- Waldmeistertee: Neben seiner beruhigenden Wirkung zeigt Waldmeister auch einen schmerzlindernden Effekt. Für einen Tee gib einen Teelöffel Waldmeister in eine Tasse mit 250 Millilitern kochendem Wasser. Lass das Getränk fünf Minuten ziehen, dann seih die Waldmeisterblüten ab. Trinke mehrere Tassen Tee täglich.
- Mädesüßtee: Mädesüß kann als Hausmittel gegen Migräne unterstützend zum Einsatz kommen. Der Tee sollte etwa zehn Minuten ziehen und mehrmals am Tag getrunken werden.
- Ginkgotee: Die Blätter des Ginkgo-Baums enthalten gefäßerweiternde und durchblutungsfördernde Inhaltsstoffe und sind daher geeignet für einen Tee gegen Kopfschmerzen. Allerdings reagieren manche Personen auch auf Ginkgo mit Kopfschmerzen. Daher solltest du den Tee zunächst in einer Phase ohne Migräne testen.
- Weitere Tees: Weitere Tees, die gegen Migräne helfen sollen, sind Oregano, Zitronenmelisse, Lindenblüten und Rosmarin. Frage in deiner Apotheke nach deiner Wunschsorte.
Aromatherapie mit ätherischen Ölen
Auch mit der Aromatherapie werden gute Erfolge erzielt. Ätherische Öle können auf vielfältige Weise auf unseren Körper und unser Nervensystem wirken. Zur sanften Behandlung von Migräne-Kopfschmerzen eignet sich beispielsweise zehnprozentiges Pfefferminzöl. Das ätherische Öl wird auf Stirn, Schläfen und Nacken aufgetragen und wirkt schmerzlindernd. Die Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft e.V. rät in ihrer Leitlinie, bei Spannungskopfschmerz Pfefferminzöl anzuwenden, bevor Medikamente in der Schwangerschaft zum Einsatz kommen. Pfefferminzöl kühlt, macht die Schmerzfasern in der Haut unempfindlicher und lindert so die Beschwerden.
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Weitere Essenzen, die du gegen Migräne nutzen kannst:
- Grüner Apfel
- Lavendel
- Eukalyptus
- Rosmarin
- Kamille
- Majoran
Die ätherischen Öle tragen zu deinem Wohlbefinden bei und können Körper und Geist entspannen. Vermischen Sie einige Tropfen Pfefferminzöl mit einem neutralen Trägeröl ( z.B. etwas Olivenöl) und tragen Sie die Mischung vorsichtig auf Schläfen, Stirn und Nacken auf. Japanisches Heilpflanzenöl kann genauso wie Pfefferminzöl unter massierenden Bewegungen mit den Fingerspitzen auf die Schläfen aufgetragen werden.
Kälte- und Wärmeanwendungen
Neben dem Einsatz von Tees und Aromen sowie einer angepassten Ernährung gibt es weitere Mittel, mit denen du die Beschwerden von Migräne im Alltag lindern kannst. Gute Hausmittel als Soforthilfe gegen Migräne sind beispielsweise Salz-Eis-Packungen. Fülle bei einer akuten Migräne-Attacke einen Stoffbeutel mit einem Teil Salz und vier Teilen Eiswürfeln. Drücke diesen auf die pochenden, schmerzenden Schläfen oder leg ihn auf die Stirn. Das Salz stabilisiert das Eis und die Kälte betäubt den Schmerz.
Bemerkst du Anzeichen einer Migräne-Attacke, kann es sich überdies lohnen, ein ansteigendes Fußbad auszuprobieren. Und so wird es gemacht:
- Stelle deine Füße in eine kleine Wanne und bitte jemanden, diese mit etwa 32 Grad warmem Wasser aufzufüllen. Nimm hierzu ein Thermometer zur Hilfe.
- Im Laufe der nächsten 20 Minuten sollte die Wanne schubweise mit heißem Wasser aufgefüllt werden, bis die Temperatur auf 42 Grad ansteigt.
- Das warme Wasser wirkt beruhigend und erweitert die Blutgefäße, sodass es gut als Hausmittel gegen Migräne eingesetzt werden kann.
Mit diesen weiteren Anwendungen kannst du etwas gegen deine Migräne tun:
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- Armgüsse: Lasse kühles Wasser über deine Unterarme laufen. Das kurbelt den Kreislauf an.
- Wechselduschen: Der Wechsel zwischen warm und kalt wirkt ebenfalls belebend und kann Kopfschmerzen vertreiben.
- Wärme gegen Kopfschmerzen: Ein warmes Vollbad entspannt, besonders mit Heublumen-Zusatz, denn Heublumen wirken schmerzstillend . Zusätzlich kann Wärme dem Nackenbereich guttun. Hierzu können Sie erwärmte Körner-, Heu- oder Kräuterkissen bzw. heiße Kompressen aus der Apotheke verwenden.
Weitere Hausmittel und Tipps
- Kaffee mit Zitrone: Koffein hat einen erweiternden Effekt auf die Blutgefäße.
- Cayennepfeffer: Löse einen halben Teelöffel Cayennepfeffer in einem Glas Wasser auf. Zusätzlich kannst du etwas Zitrone oder Honig beigeben.
- Basilikum: Basilikum enthält wertvolle ätherische Öle, die sich am besten beim Kauen der frischen Blätter entfalten.
- Johanniskraut: Die Arzneipflanze ist vor allem für ihre antidepressive Wirkung bekannt, kann aber auch gegen Migräne genutzt werden. Bereite dir dafür einen Tee zu.
- Vanille: Löse einen Teelöffel echte, geriebene Vanille in einem Glas Wasser auf.
- Akupressur: Links und rechts, etwa einen Fingerbreit vom Ende der Augenbrauen entfernt, sitzen Beruhigungspunkte . Beide gleichzeitig kreisend massieren, kann den Spannungskopfschmerz lindern.
Medikamentöse Behandlung von Migräne in der Schwangerschaft
Wenn nicht-medikamentöse Maßnahmen nicht ausreichend helfen, kann eine medikamentöse Behandlung in Erwägung gezogen werden. Es ist jedoch wichtig, dies immer in Absprache mit einem Arzt zu tun, um mögliche Risiken für das ungeborene Kind zu minimieren.
- Paracetamol: Paracetamol gilt als Schmerzmittel der ersten Wahl in der Schwangerschaft. Es sollte jedoch nur so kurz und niedrig dosiert wie möglich eingenommen werden.
- Ibuprofen: Ibuprofen kann bis zur 28. Schwangerschaftswoche eingenommen werden. Danach sollte darauf verzichtet werden, da es Veränderungen am kindlichen Herzen bzw. dem Gefäßsystem verursachen kann.
- ASS (Acetylsalicylsäure): ASS kann ebenfalls bis zur 28. Schwangerschaftswoche eingenommen werden. Danach sollte darauf verzichtet werden, da es ebenfalls Veränderungen am kindlichen Herzen und dem Gefäßsystem verursachen kann. In niedrigen Dosen (100 mg) kann ASS jedoch bei einem sehr hohen Risiko für Präeklampsie vom Arzt verschrieben werden.
- Triptane: Triptane sind eine weitere Option zur Behandlung von Migräne in der Schwangerschaft. Sumatriptan ist hierbei die erste Wahl.
- Metoclopramid: Bei Übelkeit und Erbrechen kann Metoclopramid während der gesamten Schwangerschaft eingesetzt werden. Bei schwerer Übelkeit und Unwirksamkeit von Metoclopramid kann Ondansetron unter strenger Indikationsstellung während des 2. und 3. Trimesters verwendet werden.
Wann sollte ein Arzt aufgesucht werden?
In den meisten Fällen sind Kopfschmerzen in der Schwangerschaft harmlos und lassen sich mit Hausmitteln lindern. Es gibt jedoch Situationen, in denen ein Arzt aufgesucht werden sollte:
- Plötzlich auftretende, starke Kopfschmerzen
- Kopfschmerzen in Verbindung mit anderen Symptomen wie Fieber, Nackensteifigkeit, Sehstörungen, Übelkeit, Erbrechen oder neurologischen Ausfällen
- Kopfschmerzen, die sich nicht bessern oder sogar verschlimmern
- Kopfschmerzen, die erstmalig in der Schwangerschaft auftreten
Vorbeugung von Migräne in der Schwangerschaft
Um Migräneattacken in der Schwangerschaft vorzubeugen, können folgende Maßnahmen ergriffen werden:
- Regelmäßiger Schlaf-Wach-Rhythmus
- Stressmanagement
- Ausgewogene Ernährung
- Ausreichende Flüssigkeitszufuhr
- Regelmäßige Bewegung
- Vermeidung von Triggern
- Entspannungstechniken wie Yoga, progressive Muskelentspannung oder autogenes Training
- Akupunktur
- Magnesiumeinnahme (in Absprache mit dem Arzt)
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