Ein dumpfes Gefühl im Ohr, oft als ob Watte im Ohr wäre, ist ein weit verbreitetes Phänomen. Es kann von harmlosen Ursachen wie Druckunterschieden bis hin zu ernsthafteren Erkrankungen herrühren. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Ursachen, Behandlungsmethoden und Hausmittel, die zur Linderung eines Taubheitsgefühls im Ohr beitragen können.
Ursachen für ein dumpfes Gefühl im Ohr
Ein dumpfes Gefühl oder Druck im Ohr kann verschiedene Ursachen haben. Viele kennen es von Bergwanderungen, Autofahrten oder Flugreisen, wo es durch Druckunterschiede entsteht. Dieses Wattegefühl im Innenohr tritt auf, wenn es zu unterschiedlichen Druckverhältnissen kommt, beispielsweise bei Höhenveränderungen während des Starts eines Flugzeugs. Bis das Ohr diese Druckunterschiede ausgeglichen hat, entsteht dieses unangenehm dumpfe Gefühl im Ohr - möglicherweise hören Sie sogar schlechter oder erleben einen Hörsturz.
Manchmal können auch ernsthafte Erkrankungen hinter dem Ohrendruck stecken:
- Erkältung/Nasennebenhöhlenentzündung: Im Rahmen einer Erkältung kommt es zu Schwellungen im Bereich des Nasen-Rachen-Raumes. Der Luftstrom durch die Nase ist behindert und die Ohrtrompete kann sich nicht mehr richtig öffnen.
- Mittelohrentzündung: Das Druckgefühl geht mit starken Schmerzen einher.
- Entzündung des Gehörgangs: Ist die Selbstreinigung des Gehörgangs gestört, können Keime eindringen und Entzündungen des äußeren Gehörgangs hervorrufen. Das kann zum Beispiel durch eine mechanische Reizung bei fehlerhafter Reinigung des Gehörgangs passieren.
- Verstopfter Gehörgang: Zu viel Ohrenschmalz bildet im Gehörgang einen Pfropfen.
- Probleme im Kiefergelenk oder Verspannungen im Kieferbereich und Gaumen können Druck auf die Ohren ausüben.
- Morbus Menière: Sehr selten kann das Druckgefühl auch auf Morbus Menière hinweisen, eine Erkrankung des Innenohrs, deren Ursache bisher nicht eindeutig geklärt ist. Sie führt unter anderem zu plötzlichem Drehschwindel und Hörverlust. Neben Übelkeit und Erbrechen kann es auch zu einem Druckgefühl im Ohr kommen.
- Stress: Eine Ursache von Ohrendruck ist Stress.
- Der Ohrendruck kann Vorbote eines bevorstehenden Hörsturzes oder Tinnitus sein. Betroffene, die unter einem Tinnitus leiden, berichten häufig von einem dumpfen Gefühl, wie „Watte im Ohr“, gleichzeitig setzen Ohrgeräuschen ein, die meist hochfrequent sind. Die Hörminderung im Zuge eines Hörsturzes tritt dagegen plötzlich und meist nur auf einem Ohr auf. Sie kann von einer leichten Beeinträchtigung bis hin zur Taubheit reichen. Ein Hörsturz ist kein Notfall und behandelbar. Die akute Hörminderung kann aber auch ein Symptom schwerwiegender Erkrankungen wie einer Blutdruckkrise sein und sollte daher ärztlich abgeklärt werden.
Hausmittel und Behandlungsmethoden
Ein dumpfes Gefühl im Ohr verschwindet oft von selbst oder lässt sich mit einfachen Mitteln beheben. Hier sind einige bewährte Methoden:
Druckausgleich
Sie selbst können versuchen, einen Druckausgleich herbeizuführen. Das schaffen Sie zum Beispiel durch:
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- Gähnen: Es befreit das Ohr zuverlässig vom Druck. Wenn das gerade nicht möglich ist, imitieren Sie einfach ein Gähnen: Öffnen Sie den Mund weit. Bewegen Sie den Unterkiefer, bis im Ohr ein ganz leises Knacken zu hören ist.
- Schlucken und Kauen: Trinken oder essen Sie etwas. Bei Flugreisen hat sich für permanenten Ohren-Druckausgleich das Kaugummikauen bewährt. Babys und Kleinkinder sollten bei Start und Landung am besten durchgehend trinken. Das ständige Schlucken sorgt für Druckausgleich und freie Ohren. Alternativ können Sie sich die Nase zuhalten und währenddessen ein wenig Spucke herunterschlucken.
- Valsalva-Manöver: Halten Sie die Nase zu und drücken Sie bei geschlossenem Mund Luft aus der Lunge in den Mund- und Nasenraum.
Hausmittel bei Erkältung
- Abschwellende Mittel: Um die Reizung zu lindern, können Sie ein abschwellendes Mittel und einen Luftbefeuchter verwenden, um den Druckausgleich der Ohren zu beschleunigen.
- Dampf oder warme Kompresse: Diese Methode lässt sich auch anwenden, wenn die Ohren verstopft sind wegen einer Erkältung. Halten Sie Ihr Ohr über eine Schüssel mit heißem, dampfendem Wasser oder legen Sie eine warme Kompresse fünf bis zehn Minuten lang auf das verstopfte Ohr. Auch der Dampf, der bei einer heißen Dusche entsteht, hilft mitunter schon, um verstopfte Ohren wieder freizumachen.
- Nasenspray: Hören Sie jedoch gedämpft, weil Sie eine Erkältung haben, die Ihre Nase und Nasennebenhöhlen verstopft, führt das Lösen des Nasenschleims durch ein Spray dazu, dass sich auch die Ohren wieder frei anfühlen, da Nebenhöhlen und Ohren verbunden sind. Verwenden Sie solche abschwellenden Sprays aber nicht länger als ein paar Tage, da sonst ein Gewöhnungseffekt eintritt und die Nasenschleimhaut immer schneller wieder anschwillt.
- Nasendusche: Da das Mittelohr über die Eustachische Röhre auf direktem Wege mit der Nase verbunden ist, kann aus verstopfter Nase schnell ein verstopftes Ohr werden. Somit hilft alles, was den Schnupfen beseitigt, auf indirektem Weg auch dem schmerzenden Ohr.
Hausmittel bei verstopften Ohren
- Öl: Ist das Ohr mit Ohrenschmalz verstopft, weichen Sie den Pfropf auf, um ihn zu lösen. Das gelingt entweder mit speziellen Ohrentropfen aus der Apotheke. Oder aber Sie probieren es mit lauwarmem Oliven-, Mandel- oder Babyöl. Geben Sie das Öl am besten in eine Pipette und tropfen Sie es vorsichtig ins Ohr. Halten Sie den Kopf 10 bis 15 Minuten schräg, oder legen Sie sich auf das andere nicht verstopfte Ohr, damit das Öl nicht herausläuft. Danach den Kopf drehen und das Öl herauslaufen lassen. Tritt das Ohrenschmalz aus, wischen Sie es mit einem weichen Lappen oder Tuch ab. Dieser Prozess dauert durchaus einige Tage, in denen Sie die Prozedur wiederholen müssen. Es weicht angetrocknetes Ohrenschmalz auf.
- Salzwasserlösung: Lösen Sie einen Teelöffel Speisesalz in 100 Millilitern warmem Wasser auf. Tropfen Sie Lösung mit einer Pipette oder mit einem kleinen Löffel ins Ohr, legen Sie den Kopf schräg oder legen Sie sich auf das nicht befüllte Ohr und lassen Sie die Mischung rund zehn Minuten im Gehörgang. Danach herauslaufen lassen. Für gewöhnlich müssen Sie diesen Vorgang mehrmals wiederholen, bis sich das Ohrenschmalz im verstopften Ohr löst.
- Hüpfen: Hält sich nach dem Schwimmen oder Duschen hartnäckig Wasser im Ohr, versuchen Sie nicht, es mit dem Finger oder einem Wattestäbchen herauszustochern. Dadurch verletzen Sie schlimmstenfalls die Haut im Ohr und/oder Gehörgang. Besser: Kopf auf die Seite neigen, in deren Ohr das Wasser steckt, und hüpfen. Durch die Erschütterung löst sich das Wasser oft und fließt heraus.
Weitere Hausmittel
- Wärme: Ein einfaches, aber effektives Hausmittel ist Wärme, z.B. in Form von warmem Dampf oder warmen Kompressen. Hierfür kann man das Ohr über eine Schüssel mit dampfendem heißem Wasser halten oder eine warme Kompresse auf das verstopfte Ohr legen. Für eine solche Kompresse eignet sich zum Beispiel ein Zwiebel-Wickel oder eine Zwiebel-Auflage.
- Zwiebeln: Zwiebelsäckchen sind ein traditionelles Hausmittel bei Ohrenschmerzen. Die antibakteriellen Eigenschaften der Zwiebel können helfen, Entzündungen zu bekämpfen. Eine warme Zwiebel auf das Ohr zu legen, indem man eine gehackte Zwiebel leicht erwärmt und in ein Tuch wickelt, kann den Schmerz lindern und die Heilung fördern. Die Wärme und die natürlichen Säfte der Zwiebel wirken zusammen, um Linderung zu bringen. Zwiebeln weisen von Natur aus eine desinfizierende Wirkung auf. Zur Herstellung der Säckchen fein gehackte Zwiebeln leicht erwärmen, in ein Baumwollsäckchen füllen und hinter dem Ohr platzieren. Optional kann das Säckchen mit einem Stirnband oder Schal befestigt werden. Eine Anwendung sollte für mindestens 20 Minuten erfolgen.
- Knoblauch: Mit seiner desinfizierenden und antibakteriellen Wirkung kann er besonders bei einer Mittelohrentzündung Linderung verschaffen. Dazu schneidet man eine Knoblauchzehe in kleine Stücke und legt diese in ein leicht erwärmtes Baumwolltuch. Daraus macht man ein kleines Päckchen und legt es auf das schmerzende Ohr. Alternativ kann man auch den Knoblauch auspressen und das Tuch oder ein Stück Watte mit dem Saft beträufeln.
- Kamille: Kamille hat eine entzündungshemmende Wirkung und bietet sich somit ebenfalls zur Verwendung bei Entzündungen an. Ein Dampfbad mit Kamille ist vor allem als altbewährtes Hausmittel bei Erkältungen beliebt. Tatsächlich hilft die Anwendung auch bei Ohrenschmerzen sehr gut. Denn Kamille ist ein natürliches Heilmittel mit einer entzündungshemmenden Wirkung. Für ein Dampfbad mit Kamille bei Ohrenschmerzen benötigt man lediglich zwei Esslöffel Kamillenblüten (Alternativ zwei Teebeutel Kamillentee) und brüht diese mit etwa 1 Liter kochendem Wasser auf. Der Sud sollte für etwa 5 Minuten zugedeckt ziehen. Anschießend hält man die Ohrmuschel für einige Minuten über den heißen Wasserdampf.
- Kartoffeln: Kartoffeln speichern ausgezeichnet Wärme, die wiederum die Durchblutung anregt. Für die Behandlung braucht man lediglich ein bis zwei gekochte Kartoffeln. Diese werden noch warm mit einer Gabel zerstampft und in ein Tuch eingeschlagen. Das Kartoffelsäckchen legt man sich dann einfach auf das Ohr.
- Rotlicht: Der wärmende Effekt des Rotlichts regt die Durchblutung und somit den Stoffwechsel an. Eine Entzündung läuft somit besser aus dem Gehörgang ab. Auch bei Mittelohrentzündungen verspricht die Bestrahlung mit einer Rotlichtlampe Besserung. Es ist auf eine maximale Einstrahlungsdauer von 10 Minuten und einen Mindestabstand zum Ohr von 50 cm zu achten, um Verbrennungen vorzubeugen.
- Salzsocke: Alternativ kann zudem eine Salzsocke hergestellt werden. Zur Herstellung ganz einfach Meersalz in eine weiße Socke füllen. In der Pfanne unter ständigem Wenden erhitzen, damit sie nicht übermäßig heiß wird. Vor der Benutzung unbedingt mit den Händen testen, ob die Wärme angemessen ist.
- Kaugummi: Ein Klassiker bei Flugreisen, doch auch generell zur Druckminderung auf dem Ohr empfehlenswert. Das Kauen verringert den Druck in der eustachischen Röhre, die sich zwischen Mittelohr, hinterem Rachen und Nase befindet.
- Apfelessig: Bei einer Entzündung des Außenohrs kann Apfelessig angewendet werden. Den Apfelessig dafür zu gleichen Teilen mit Isopropylalkohol mischen, ein paar Tropfen in das Ohr geben und nach einigen Minuten wieder herauslaufen lassen. Diese Methode wirkt heilend und antibakteriell, lindert aber nicht begleitenden Schmerz.
- Kräutertropfen: Im Reformhaus und größeren Supermärkten sind naturheilkundliche Kräutertropfen erhältlich, die in der Regel auf Nelken oder Lavendel basieren und mit Ingwer angereichert sind. Letzterer weist antibakterielle Wirkung auf.
- Kirschkernkissen: Ein Kirschkernkissen ist ein bewährtes Hausmittel zur Linderung von Ohrenschmerzen. Diese Kissen sind mit getrockneten Kirschkernen gefüllt, die Wärme besonders gut speichern und gleichmäßig abgeben können. Zur Anwendung wird das Kirschkernkissen in der Mikrowelle oder im Ofen erwärmt und dann vorsichtig auf das schmerzende Ohr gelegt. Die angenehme Wärme hilft, die Durchblutung zu fördern, Verspannungen zu lösen und Schmerzen zu lindern. Dank der flexiblen Kirschkerne passt sich das Kissen gut an die Körperform an und kann so gezielt eingesetzt werden.
- Salzwasserspülung: Verstopfte Ohren können ein Druckempfinden im Ohr bedingen. Um dieses zu reduzieren oder gar zu eliminieren, kann mit Salzwasser der Gehörgang gespült werden, um übermäßiges Ohrenschmalz zu entfernen. Bitte seien Sie bei der Ohrenreinigung äußerst vorsichtig und führen Sie niemals Gegenstände in Ihr Ohr ein.
- Homöopathie: Sind die Ohren verstopft, gibt es je nach Beschwerden verschiedene Globuli, zum Beispiel Pulsatilla, Chamomilla oder Belladonna.
Was man vermeiden sollte
- Wattestäbchen: Für eine regelmäßige und effektive Ohrenhygiene sollten zudem Wattestäbchen für die Ohrenreinigung vermieden werden, da sie Ohrenschmalz tiefer ins Ohr drücken können. Stattdessen das äußere Ohr sanft mit einem feuchten Tuch reinigen.
- Öl bei perforiertem Trommelfell: Von leicht erwärmtem Olivenöl, das direkt ins Ohr geträufelt wird, ist allerdings abzuraten. Bei einem perforierten Trommelfell kann dieses Hausmittel die Beschwerden sogar verschlimmern. Darüber hinaus können Keime mit dem Öl in das Ohr gelangen oder es kann Verbrennungen hervorrufen, wenn das Ohr zeitgleich mit Wärme behandelt wird.
- Aktive Reinigung der Ohren: Das Ohr ist ein selbstreinigendes Organ - wer das Risiko Gehörgangsentzündung mindern will, verzichtet also auf aktive Reinigung mit Wattestäbchen oder Ohrduschen. Das Reinigen trägt den natürlichen Schutzfilm der Haut im Gehörgang (durch Ohrenschmalz) ab, kann außerdem reizen oder Verletzungen der Haut bewirken, die dann zu Einfallstoren für Bakterien und Pilze werden.
Wann zum Arzt?
In den meisten Fällen ist bei einem dumpfen Gefühl oder Druck im Ohr keine ärztliche Behandlung erforderlich. Wenn Sie jedoch Schmerzen haben, ein Hörsturz vorliegt oder aber Blut oder Flüssigkeit aus dem Ohr austreten, sollten Sie nicht zögern und ärztlichen Rat einholen. Auch wenn die Symptome über mehrere Tage andauern, sollten Sie sich von einem Arzt untersuchen lassen.
Weitere Gründe für einen Arztbesuch:
- Langanhaltende Schmerzen
- Verdacht auf Mittelohrentzündung
- Verletzungen im Ohr
- Ohrenschmerzen bei Säuglingen oder Kleinkindern
- Starke sowie kontinuierliche Schmerzen
- Begleitsymptome wie Fieber
Tipps zur Vorbeugung
Da in den meisten Fällen eine Erkältung für Druck im Ohr oder ein dumpfes Gefühl beim Hören verantwortlich ist, können Sie sich durch einen gesunden Lebensstil davor schützen, dass Ihre Ohren verstopfen. Eine gesunde Ernährung und Bewegung, auch bzw. besonders in der kalten Jahreszeit, können wahre Wunder bewirken. Auch der Verzicht auf das Rauchen hilft, die Nase zusätzlich zu reizen.
Im Flugzeug können Sie einem Druckgefühl vorbeugen, indem Sie beim Start und bei der Landung Kaugummikauen oder Wasser trinken.
Und ganz allgemein ist es auch ratsam, den Ohren immer wieder mal Ruhe zu gönnen und sein Gehör vor starkem Lärm zu schützen. Das können Sie tun, indem Sie Lärmquellen vermeiden oder auf Ohrstöpsel oder professionellen Gehörschutz zurückgreifen.
Mehrwegohrstöpsel sind zwar umweltschonend, sollten im Sinne der Ohrengesundheit aber regelmäßig gereinigt werden. An Ablageorten, beispielsweise auf dem Nachttisch und während des Transportes in Taschen, können sonst Erreger daran haften bleiben und ins Ohr gelangen.
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Wellness statt Hörsturz: Wer sich öfter verwöhnt, sorgt einem Hörsturz vor! Legen Sie einfach öfter ein Verwöhnprogramm ein: Gehen Sie im Wald spazieren, lassen Sie sich massieren oder gönnen Sie sich ein Entspannungsbad. Außerdem sollten Sie den Konsum von Genussmitteln, die der Durchblutung schaden, einschränken.
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