Hautjucken bei Demenz: Ursachen und Behandlung

Juckreiz ist ein quälendes Symptom, das die Lebensqualität von Demenzpatienten erheblich beeinträchtigen kann. Da Demenzpatienten oft Schwierigkeiten haben, ihre Beschwerden zu äußern, ist es wichtig, die Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten von Hautjucken bei Demenz zu verstehen.

Einführung

Mit zunehmendem Alter treten Veränderungen der Haut verstärkt in den Vordergrund. Der natürliche Alterungsprozess führt zu einer Abnahme der Zellerneuerung, einer reduzierten Talgproduktion und einer geschwächten Hautbarriere. Diese Entwicklungen erhöhen das Risiko für zahlreiche dermatologische Krankheitsbilder, die typischerweise in der zweiten Lebenshälfte auftreten können. Juckreiz ist ein zwar nicht häufiges, dafür aber umso quälenderes Symptom. Auf Latein als Pruritus bezeichnet, steht er, wenn er auftritt, im Vordergrund und lässt oft andere Beschwerden zunächst vergessen.

Ursachen von Hautjucken bei Demenz

Juckreiz kann verschiedene Ursachen haben. Es kann an einer Ueberempfindlichkeit gegen Medikamente liegen, an Störungen oder Erkrankungen der Leber (LEBERZIRRHOSE )liegen oder psychosomatische Ursachen haben.

Physiologische Hautveränderungen im Alter

Die Altershaut ist empfindlich und (extrem) trocken, da sie aufgrund von Alterungsprozessen an Elastizität, Feuchtigkeit und Schutz verliert. Zusätzlich wird der natürliche Säureschutzmantel dünner, der die Haut vor äußeren Einflüssen schützt. Bereits ab dem 20. Lebensjahr erneuern sich die Hautzellen langsamer, was im Alter zu trockenen Hautstellen führt und die Haut sensibler macht. Körpereigene Bestandteile des Bindegewebes sowie bestimmte Proteine, die zum schnellen Wachstum von Gewebe beitragen, nehmen mit dem Älterwerden ab. Weniger Kollagen, Hyaluronsäure und Elastin tragen zu Fältchen und Elastizitätsverlust bei.

Exogene Faktoren

Umwelteinflüsse wie UV-Strahlung und extreme Kälte können die Hautalterung beschleunigen und zu trockener Haut führen. Auch bestimmte Medikamente können die Haut lichtempfindlicher machen.

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Dermatologische Erkrankungen

Verschiedene Hauterkrankungen können Juckreiz verursachen, darunter:

  • Ekzeme: Entzündungen der obersten Hautschicht, von denen Senioren oft betroffen sind. Meist sind Hände und Füße, Gesicht und Kopfhaut betroffen.
  • Xerodermie: Trockene Haut, eine Folge des physiologischen Hautalterungsprozesses.
  • Skabies: Eine durch Milben verursachte Hautinfektion, die starken Juckreiz verursacht, insbesondere nachts.
  • Autoimmun-bullöse Erkrankungen: Seltene Erkrankungen wie bullöses Pemphigoid, die Blasenbildung und Juckreiz verursachen.
  • Pilzinfektionen: Ein Rückgang der Beweglichkeit, der Aufenthalt in Pflegeeinrichtungen mit eingeschränkter Selbstpflege oder auch das Tragen von luftundurchlässigem Schuhwerk begünstigen Mykosen der Haut (Pilzinfektionen). Besonders häufig treten die Varianten Tinea pedis (Fußpilz) und Tinea inguinalis (ein Pilz im Leistenbereich) auf.
  • Herpes Zoster: Im Alter steigt die Wahrscheinlichkeit für eine Reaktivierung des Varizella-Zoster-Virus, was zu Herpes Zoster führt. Die Gürtelrose tritt meist einseitig entlang von Dermatomen auf und ist durch starken, brennenden Schmerz sowie Bläschenbildung gekennzeichnet.

Internistische Erkrankungen

Auch diverse andere internistische Grunderkrankungen, wie Diabetes mellitus, Cholestase, Urämie, Hypo- bzw. Hyperthyreose, aber auch maligne Neoplasien oder ein M. Hodgkin können auslösend sein.

Medikamentenreaktionen

Juckreiz kann auch eine Medikamentenreaktion darstellen.

Psychosomatische Faktoren

Gelegentlich sind psychosomatische oder psychiatrische Gründe der Auslöser eines Juckreizes.

Diagnose von Hautjucken bei Demenz

Bei einem chronischen Pruritus bestehen die Symptome > 6 Wochen. Es stellt eine interdisziplinäre Herausforderung bezüglich Diagnose und Therapie dar. Eine gründliche Anamnese sowie die klinischen Prurigocharakteristika sind differenzialdiagnostisch wichtig.

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Behandlung von Hautjucken bei Demenz

Das wesentliche Ziel der symptomatischen Behandlung ist die Verbesserung der subjektiven Empfindung, um so die Lebensqualität des Patienten zu verbessern. Primär müssen auslösende Faktoren, wie Grunderkrankungen oder Medikamente, vermieden werden.

Hautpflege

Eine rückfettende und hydratisierende Hautpflege ist empfohlen. Feuchtigkeitsspendende Inhaltsstoffe sind vor allem in Lotionen mit zwei bis zehn Prozent Urea oder Glyzerin vorhanden. Für die abendliche Pflege trockener Haut empfiehlt es sich, lipidhaltige Cremes oder Öle zu verwenden (sogenannte Wasser-in-Öl-Cremes), da sie reichhaltiger sind und über Nacht einwirken können.

Medikamentöse Therapie

  • Antihistaminika: Nichtsedierende systemische H1-Antihistaminika können gegeben werden.
  • Topische Glukokortikoide: Können bei Ekzemen eingesetzt werden.
  • Antimykotische/antibiotische Arzneimittel: Können bei Pilz- oder bakteriellen Infektionen eingesetzt werden.
  • Permethrin oder Ivermectin: Zur Behandlung von Skabies.
  • Aciclovir: Zur Behandlung von Herpes Zoster.
  • Systemische Kortikosteroide und Immunsuppressiva: Bei schweren Verläufen von Autoimmunerkrankungen.

Weitere Maßnahmen

  • Vermeidung von Kratzen: Dies verletzt die Haut und führt dadurch zu weiteren Komplikationen wie Infektionen und verstärkt nur den Juckreiz. Lindernd wirkt zum Beispiel Drücken, Kühlen und jede Form von Ablenkung.
  • Behandlung von Grunderkrankungen: Falls der Juckreiz durch eine internistische Erkrankung verursacht wird, muss diese behandelt werden.
  • Psychosomatische Therapie: Bei psychosomatischen Ursachen kann eine Psychotherapie helfen.
  • Ernährung: Antioxidantien wie Vitamin A, C und E binden freie Radikale und reduzieren somit die schädlichen Auswirkungen von Umwelteinflüssen. Eines ist jedoch besonders wichtig: Trinken Sie ausreichend Wasser oder achten Sie besonders auch bei Ihren Angehörigen darauf!

Prävention von Hautjucken bei Demenz

  • Sonnenschutz: Sonnenschutz mit UV-A- und UV-B-Filter kann am besten chemische und mineralische UV-Filter miteinander verbinden.
  • Vermeidung von Hautreizungen: Produkte ohne Alkohol verwenden, da diese die Haut unnötig austrocknen und reizen. Besser abtupfen, statt abreiben: Ebenso gilt es, die dünne und trockene Haut im Alter zu schonen und diese nach dem Waschen besser abzutupfen, statt abzureiben.
  • Regelmäßige Hautkontrolle: Um Hautveränderungen frühzeitig zu erkennen.

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