Adelheid Nebel und die Parkinson-Krankheit: Logopädische Perspektiven und Therapieansätze

Die Parkinson-Krankheit, auch bekannt als Morbus Parkinson oder Schüttellähmung, ist eine weit verbreitete neurodegenerative Erkrankung, deren Diagnose in den letzten Jahren zugenommen hat. Diese Erkrankung betrifft nicht nur die motorischen Fähigkeiten, sondern kann auch erhebliche Auswirkungen auf die Sprache und das Schlucken haben. Dieser Artikel beleuchtet die logopädischen Aspekte der Parkinson-Krankheit, basierend auf den Erkenntnissen von Adelheid Nebel, Günther Deuschl und anderen Experten.

Einführung in Morbus Parkinson

Morbus Parkinson wurde erstmals 1817 von James Parkinson beschrieben und später von Charcot nach ihm benannt. Die Ursache liegt im Untergang von dopaminergen Zellen in der Substantia nigra, einem Kern im Hirnstamm, dessen Axone in die Basalganglien projizieren. Friedrich Lewy entdeckte 1912 die für die Krankheit typischen Lewy-Einschlusskörperchen in Nervenzellen der Substantia nigra.

Die Prävalenz von Morbus Parkinson liegt im Durchschnitt bei 115-200 pro 100.000 Einwohner, was in Deutschland etwa 200.000 Erkrankte bedeutet. Aufgrund der demografischen Entwicklung wird eine Zunahme der Prävalenz erwartet. Schätzungen zufolge könnte die Zahl der Parkinson-Patienten bis 2050 auf 400.000-500.000 ansteigen.

Klinische Symptome der Parkinson-Krankheit

Die klinische Symptomatik umfasst sowohl motorische als auch nicht-motorische Symptome.

Motorische Kardinalsymptome

Die diagnoserelevanten Kernsymptome sind motorischer Natur:

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  • Bradykinese (Bewegungsverlangsamung): Sie äußert sich zunächst in einer Reduktion der spontanen Motorik als mimische Starre. Feinmotorische Tätigkeiten sind gestört, und Patienten haben Schwierigkeiten, sich im Bett zu drehen.
  • Rigor (Muskelsteifigkeit): Führt zu verminderten Mitbewegungen beim Gehen und einer wächsernen Tonuserhöhung beim Durchbewegen der Extremitäten.
  • Tremor (Zittern): Manifestiert sich als Ruhetremor zwischen 4 und 6 Hz, der bei Willkürbewegungen abnimmt.
  • Posturale Instabilität (Haltungsstörung): Störung der Haltungsreflexe, die zu Schwierigkeiten bei der Kompensation von Stößen führt.

Nicht-motorische Symptome

Nicht-motorische Symptome können die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen:

  • Kognitive Störungen: Beeinträchtigungen der geistigen Leistungsfähigkeit.
  • Emotionale Störungen: Apathie, Depressionen, Angststörungen und Halluzinationen.
  • Autonome Störungen: Schlafstörungen, sexuelle Funktionsstörungen und Blasenfunktionsstörungen.
  • Schmerzen: Oft verbunden mit Rigor und Muskelanspannung.
  • Sensibilitätsstörungen: Milde Störungen in der Verarbeitung sensibler Informationen.

Präsymptomatische Phase

In der präsymptomatischen Phase, also vor dem Auftreten klinisch sichtbarer Symptome, zeigen viele Patienten eine Störung der Riechfunktion und/oder eine REM-Schlaf-Verhaltensstörung.

Sprechstörungen (Dysarthrie) bei Parkinson

Rund 90 Prozent der Menschen mit Parkinson entwickeln Sprechstörungen, sogenannte Dysarthrien. Diese treten oft schon früh im Krankheitsverlauf auf und beeinträchtigen die Lebensqualität erheblich. Betroffene sprechen meist leise und undeutlich (nuscheln), haben eine monotone Sprechweise oder eine heisere Stimme. Medikamente und operative Eingriffe können zwar die klassischen Symptome verbessern, helfen aber oft nicht bei Sprechstörungen.

Logopädische Behandlung als Therapieansatz

Die logopädische Behandlung ist derzeit der einzige erfolgversprechende Therapieansatz bei Sprechstörungen im Zusammenhang mit Parkinson. Ein Forschungsprojekt der Kieler Universität analysiert die Sprechschwierigkeiten von Parkinsonkranken im Detail und entwickelt neuartige Werkzeuge für die Sprechtherapie.

Die Analyse der Sprachaufnahmen soll automatisiert werden, um festzustellen, wie sich die Sprechprobleme im Krankheitsverlauf ändern und welche Auswirkungen logopädische Übungen haben. Digitale Sprachdaten werden ausgewertet, um Kenngrößen zu errechnen, die Aufschluss über die Ursache des Problems geben (z.B. mangelnde Zungenbewegung oder Probleme mit der Kehlkopfmuskulatur).

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Zukünftige Entwicklungen in der Sprechtherapie

Es ist denkbar, individuelle Apps mit spielerischen Übungen für Smartphones oder Tablets zu entwickeln, um die logopädische Behandlung zu unterstützen. Diese Geräte könnten automatisch wichtige Parameter messen, die den Therapeuten zeigen, wo es hapert. Auch Hörgeräte mit Zusatzfunktionen könnten den eigenen Sprachsignalpegel messen und Anweisungen geben, wenn der Betroffene zu laut oder zu leise spricht.

Dysphagie (Schluckstörungen) bei Parkinson

Neben Sprechstörungen können Parkinson-Patienten auch unter Schluckstörungen (Dysphagie) leiden. Diese können zu Aspiration (Eindringen von Nahrung in die Atemwege) und in der Folge zu Lungenentzündungen führen.

Logopädische Behandlungsansätze

Die logopädische Behandlung zielt darauf ab, Sprech-, Stimm- und Schluckstörungen zu verringern und die Kommunikationsfähigkeit zu verbessern oder aufrechtzuerhalten. Ein bekanntes Behandlungsverfahren ist das Lee-Silverman-Voice-Treatment (LSVT), dessen Wirksamkeit durch Therapiestudien belegt ist.

Forum Logopädie: Dysarthrie und Dysphagie bei Morbus Parkinson

Das Buch "Dysarthrie und Dysphagie bei Morbus Parkinson" von Adelheid Nebel und Günther Deuschl aus der Reihe "Forum Logopädie" bietet eine grundlegende Einführung in die Therapiemaßnahmen bei Parkinson mit Fokus auf Dysarthrie und Dysphagie. Es werden medizinische und neuropsychologische Grundlagen sowie spezifische logopädische Behandlungsansätze ausführlich dargestellt. Das Buch dient als ideales Nachschlagewerk für die Praxis.

Interdisziplinärer Therapieansatz

Ein interdisziplinärer Therapieansatz ist entscheidend, um die Sprech- und Schluckstörungen bei Morbus Parkinson zu verbessern. Neurologen, HNO-Ärzte, Radiologen, Neuropsychologen, Psychiater, Logopäden, klinische Linguisten und Neurophonetiker arbeiten zusammen, um den Patienten bestmöglich zu versorgen.

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Bedeutung sozialer Kontakte

Ein wichtiges Ziel der logopädischen Behandlung ist der Erhalt der sozialen Kontakte. Durch die Verbesserung der Kommunikationsfähigkeit können Parkinson-Patienten weiterhin am gesellschaftlichen Leben teilnehmen.

Aktuelle Forschung

Die Forschung konzentriert sich auch auf die Zusammenhänge zwischen Verständlichkeit, Artikulation und Hirnströmen. Durch die Analyse von EEG-Daten sollen Signalkomponenten identifiziert werden, die die Störungen im Sprechzentrum widerspiegeln.

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