Hauttest zur Früherkennung von Parkinson: Ein Meilenstein in der Diagnostik

Die Parkinson-Krankheit ist eine der häufigsten neurodegenerativen Erkrankungen des zentralen Nervensystems. In Deutschland sind schätzungsweise 220.000 Menschen betroffen. Charakteristisch für Parkinson sind motorische Symptome wie Steife (Rigor), Zittern (Tremor) und Bewegungsarmut (Akinesie), die jedoch erst auftreten, wenn bereits ein erheblicher Teil der Nervenzellen im Gehirn abgestorben ist. Bisher war der Nachweis von Alpha-Synuclein, einem wichtigen Kennzeichen von Morbus Parkinson, nur im Gehirn nach dem Tod des Patienten möglich. Dies erschwerte eine frühzeitige Diagnose und die Entwicklung krankheitsmodifizierender Therapien. Nun gibt es jedoch einen vielversprechenden Ansatz: einen praktikablen Hauttest, der eine frühe Diagnose von Parkinson ermöglichen könnte.

Alpha-Synuclein-Ablagerungen in der Haut als Biomarker

Würzburger Forscher um Kathrin Doppler konnten bereits 2014 zeigen, dass sich Alpha-Synuclein nicht nur im Gehirn von Parkinsonpatienten ablagert, sondern auch in der Haut. Sie fanden bei etwa der Hälfte der untersuchten Parkinsonpatienten pathologische Proteinaggregate in den kleinen Nervenfasern der Haut. Diese Erkenntnis war ein wichtiger Schritt, um die Parkinson-Krankheit früher zu erkennen.

In einer aktuellen Studie gelang es dem Team, Alpha-Synuclein bereits in der Prodromalphase nachzuweisen. Dafür untersuchten die Neurowissenschaftler um Kathrin Doppler und Claudia Sommer aus Würzburg sowie Wolfgang Oertel aus Marburg 18 Patienten mit REM-Schlafstörungen (REM sleep behavior disorder, RBD), 25 Patienten mit frühem Morbus Parkinson und 20 gesunde Kontrollprobanden.

REM-Schlafstörungen als Frühsymptom

Die REM-Schlafstörung gilt als charakteristisches Frühsymptom der Parkinson-Krankheit. Sie äußert sich in aggressiven Träumen und auffälligen Bewegungen im Traumschlaf. Etwa 85 Prozent der Betroffenen entwickeln innerhalb von 15 bis 20 Jahren eine Parkinson-Erkrankung. Auch bei REM-Schlafstörungen lassen sich post mortem Alpha-Synuclein-Ablagerungen im Gehirn nachweisen.

Der Hauttest: Durchführung und Ergebnisse

Für den Hauttest entnahmen die Forscher Hautbiopsien (5 mm) am Rücken an den Bereichen C7 und Th 10 sowie am Ober- und Unterschenkel. Mittels Doppel-Immunfluoreszenzfärbung suchten sie in den dermalen Nervenfasern nach Ablagerungen von phosphoryliertem Alpha-Synuclein.

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Phosphoryliertes Alpha-Synuclein konnten die Forscher mit einer Sensitivität von 55,6 Prozent bei 10 von 18 RBD-Risikopatienten nachweisen. Mit einer Sensitivität von 80 Prozent wurde bei 20 von 25 Patienten mit frühem Morbus Parkinson ein Nachweis für die Alpha-Synuclein-Ablagerungen erbracht. Bei den gesunden Probanden fanden sich keine Ablagerungen.

Die Ergebnisse der Studie wurden in der Fachzeitschrift «Acta Neuropathologica» veröffentlicht.

Syn-One-Test: Hohe Positivitätsrate bei Synukleinopathien

Eine weitere Studie, die in 'JAMA' veröffentlicht wurde, untersuchte die Positivitätsrate der kutanen Ablagerung von phosphoryliertem Alpha-Synuclein-Protein (P-SYN) bei Personen mit Lewy-Körper-Demenz (LBD), Parkinson-Krankheit (PD), reiner Dysautonomie (pure autonomic failure, PAF) und multipler Systematrophie (MSA).

Die Analyse ergab, dass der Syn-One-Test bei 92,7% der Parkinson-Patienten (n=89), 98,2% der MSA-Patienten (n=54), 96% der LBD-Patienten (n=48) und 100% der PAF-Patienten (n=22) positiv ausfiel. Bei 96,7 % der Kontrollen (n=4) wurde ein negativer Test gemeldet.

Die Nachweisrate von P-SYN im subepidermalen Plexus variierte je nach Synukleinopathie-Subtyp, wobei MSA (49%, n=27) eine höhere Prävalenz aufwies als die Parkinson-Krankheit (3,1%, n=3), LBD (10%, n=5) oder PAF (9,1%, n=2).

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Bedeutung für die Früherkennung und Therapieentwicklung

Die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) und die Deutsche Parkinson-Gesellschaft nennen den Hauttest einen Meilenstein für die Diagnostik und Entwicklung neuer Medikamente. Er soll nicht nur bei der frühzeitigen Diagnose helfen, sondern auch dabei, Probanden für klinische Studien mit neuen Arzneistoffen zu finden, die den Untergang von Nervenzellen verhindern sollen.

Bislang ist eine eindeutige Diagnose meist erst mit den typischen Symptomen wie Steife, Zittern und Bewegungsarmut möglich, die jedoch erst nach jahrelangem Nervenzellsterben auftreten. Zu diesem Zeitpunkt sind schätzungsweise bereits 80 Prozent der dopaminergen Synapsen und bis zu 50 Prozent der Neuronen in der Substantia nigra abgestorben. Frühzeichen wie eingeschränkter Geruchssinn, Depressionen und Verdauungsstörungen gelten als zu unspezifisch.

„Damit sind wir dem großen Ziel, Parkinson in einem frühen Stadium zu erkennen und zu stoppen, einen wichtigen Schritt näher gekommen“, kommentiert Professor Dr. Günther Deuschl, Parkinson-Experte vom Universitätsklinikum Schleswig-Holstein in Kiel und Präsident der European Academy of Neurology. Denn es fehlen derzeit noch krankheitsmodifizierende Arzneistoffe, um den Untergang der Nervenzellen zu stoppen. Solche Wirkstoffe können ihr Potenzial nur bei Patienten im präklinischen Stadium voll entfalten.

Bluttest zur Vorhersage von Parkinson

In einem internationalen Kooperationsprojekt haben Forschende der Universitätsmedizin Göttingen (UMG), der Paracelsus-Elena-Klinik Kassel und des University College London (UCL) ein Testverfahren entwickelt, das es ermöglicht, die Diagnose einer Parkinson-Erkrankung bei Risikopatient*innen bis zu sieben Jahre vor dem Auftreten der typischen motorischen Symptome anhand einer Blutprobe vorherzusagen.

Mit der Bestimmung von acht Proteinen im Blut können potenzielle Parkinson-Patient*innen bereits mehrere Jahre im Voraus identifiziert werden. Medikamentöse Therapien könnten zu einem früheren Zeitpunkt gegeben werden, welches den Verlauf der Erkrankung eventuell verlangsamen oder ihr Auftreten sogar verhindern könnte.

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Einschränkungen und Ausblick

Für Angehörige von Parkinson-Patienten, die eine erbliche Belastung fürchten, eigne sich der Hauttest nicht, teilte die DGN mit. Bisher seien nur Patienten mit REM-Schlafstörungen sicher als Risikogruppe identifiziert. Nur für sie sei der Test standardisiert.

Die Wissenschaft arbeitet nun intensiv daran, die Analyse so weiterzuentwickeln, dass sie auch im Blut oder in der Haut gelingt. „Wir brauchen ein Verfahren, das praktikabel ist für die klinische Anwendung. Risikopatientinnen und -patienten großflächig zur Liquorpunktion einzuladen, ist unrealistisch. Mit einem Bluttest könnte Parkinson ohne großen Aufwand dagegen schon in der Hausarztpraxis festgestellt werden, um dann frühzeitig mit einer Therapie zu beginnen“, sagt Professorin Mollenhauer.

Die Rolle der Biomarker-Forschung

Die Biomarker-Forschung ist besonders für die Früherkennung von großer Bedeutung. Bislang basiert die Diagnose ausschließlich auf der Beobachtung typischer Symptome und neurologischen Untersuchungen. Ein Durchbruch könnte die verlässliche Identifikation spezifischer Proteine, darunter fehlgefaltetes alpha-Synuclein, im Nervenwasser oder Blut sein. So könnte die Erkrankung schon Jahre vor dem Auftreten erster klinischer Symptome diagnostiziert werden - eine wesentliche Voraussetzung für die Entwicklung präventiver Behandlungsansätze bei Parkinson.

Präventive Maßnahmen

Schon heute lässt sich das Erkrankungsrisiko senken, durch körperliche Aktivität, die Vermeidung von langjährigen Umweltgiften, Schutz vor wiederholten Hirntraumata oder eine gesunde Darmflora, die mit einer entsprechenden Ernährung unterstützt wird.

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