Parkinson, auch Morbus Parkinson genannt, ist eine der häufigsten Erkrankungen des Nervensystems. Sie beginnt meist schleichend und die ersten Anzeichen sind nicht immer eindeutig. Daher kann es oft Jahre dauern, bis die Diagnose gestellt wird. In Deutschland leben schätzungsweise 220.000 Menschen mit Parkinson. Da die Erkrankung lange unentdeckt bleiben kann, ist die tatsächliche Zahl der Betroffenen schwer zu bestimmen. Meist wird Parkinson zwischen dem 50. und 60. Lebensjahr diagnostiziert, wobei etwa zehn Prozent der Betroffenen jünger als 40 Jahre sind. Männer sind etwas häufiger betroffen als Frauen. Parkinson ist eine chronische Erkrankung, die derzeit nicht heilbar ist, aber dank wirksamer Therapien gut behandelt werden kann, um die Beschwerden zu lindern.
Was ist Parkinson?
Parkinson ist eine chronische, fortschreitende Erkrankung der Nervenzellen in dem Teil des Gehirns, der für die Kontrolle der Bewegungen zuständig ist. Die betroffenen Nervenzellen produzieren den Botenstoff Dopamin, der für die Übermittlung von Signalen zur Bewegungskontrolle zuständig ist. Sterben die Nervenzellen ab, sinkt der Dopamin-Spiegel, was Auswirkungen auf die Koordination und Bewegungsfähigkeit haben kann.
Wie entsteht Parkinson?
Ursächlich für die Beschwerden bei Parkinson ist ein Mangel an Dopamin. Dieser Stoff wird in den Nervenzellen der Substantia Nigra (schwarze Substanz) gebildet, einer Region in den Basalganglien, die für die Steuerung der Bewegungen verantwortlich ist. Grundsätzlich nimmt die Zahl der Nervenzellen in der Substantia Nigra bei jedem Menschen im Laufe des Lebens ab. Bei Menschen mit Parkinson verläuft dieser Zellabbau jedoch beschleunigt. Sind etwa 50 bis 60 Prozent der Dopamin bildenden Zellen abgestorben, treten die typischen motorischen Symptome auf.
Zusammenspiel mehrerer Faktoren
Die genaue Ursache für den Abbau der Nervenzellen ist bislang nicht bekannt. Es wird vermutet, dass das Zusammenspiel mehrerer Faktoren das Auftreten der Erkrankung begünstigen kann.
Alter
Das Alter ist ein wichtiger Faktor, der an der Entstehung von Parkinson beteiligt sein kann. Mit zunehmendem Alter verringert sich die Anzahl der Nervenzellen in der Substantia Nigra bei jedem Menschen. Dieser Prozess verläuft jedoch meist so langsam, dass er innerhalb der durchschnittlichen Lebenserwartung nicht zu Beschwerden führt. Im gesunden Alterungsprozess gehen pro Jahrzehnt etwa 5 Prozent der Dopamin bildenden Zellen der Substantia Nigra zugrunde. Bei Parkinson-Patienten ist ein zehnfaches Absterben der Dopamin bildenden Zellen vorhanden, sowie eine Ansammlung kleiner Eiweißablagerungen (Lewykörper) in den Nervenzellen in verschiedenen Regionen des Gehirns.
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Genetische Ursache
In sehr wenigen Fällen ist Parkinson erblich bedingt. Etwa 5 Prozent der Betroffenen haben einen nahen Verwandten mit Parkinson. Dabei wird die Erkrankung meist nicht direkt von den Eltern an die Kinder vererbt. Vielmehr geht man davon aus, dass ein Zusammenspiel verschiedener genetischer Anlagen einige Menschen anfälliger für Parkinson macht als andere.
Giftstoffe
Verschiedene Schadstoffe können das Risiko für eine Parkinson-Erkrankung erhöhen. Dazu zählen unter anderem Lösungsmittel auf Kohlenwasserstoffbasis, Pestizide und Nervengifte. Beobachtungen haben gezeigt, dass Menschen in ländlichen Gebieten, die sich über einen eigenen Brunnen mit Wasser versorgen, ein erhöhtes Parkinson-Risiko haben, wenn Pestizide aus der Landwirtschaft in das Wasser gelangen.
Kopfverletzungen
Bestimmte Arten von Kopfverletzungen können das Risiko erhöhen, an sekundärem Parkinson zu erkranken. Durch schwere Schläge auf den Kopf, wie sie beispielsweise beim Boxen vorkommen, Schlaganfälle oder Hirntumore kann die Substantia Nigra geschädigt werden. Ist der Zellverlust in dieser Region des Gehirns zu groß, kann es zu einem Dopamin-Mangel und damit zu Parkinson-Beschwerden kommen.
Anzeichen und Verlauf
Parkinson beginnt in der Regel schleichend und schreitet langsam fort. Erste Anzeichen können Jahre oder sogar Jahrzehnte vor den klassischen motorischen Symptomen auftreten. Motorische Symptome sind Beschwerden, die die Körperbewegungen betreffen, wie z.B. Zittern. Die ersten Beschwerden sind meist unspezifisch, so dass es nicht sofort ersichtlich ist, dass sie von Parkinson verursacht werden.
Klassische Symptome im weiteren Krankheitsverlauf
Nach eher unspezifischen Anfangsbeschwerden sind im Krankheitsverlauf vier Anzeichen typisch für Parkinson:
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- Muskelzittern (Tremor)
- Muskelsteifheit (Rigor)
- Verlangsamung der Bewegung (Bradykinese)
- Gang- und Gleichgewichtsstörungen (posturale Instabilität)
Diese Symptome werden als Kardinalsymptome bezeichnet und können einzeln oder in Kombination vorkommen.
Muskelzittern (Tremor)
Das auffälligste Krankheitszeichen ist das Muskelzittern, der sogenannte Tremor. Er wird von den Betroffenen meist als Erstes wahrgenommen. In vielen Fällen handelt es sich dabei um ein Zittern im Ruhezustand, das in Bewegung verschwindet. Seltener äußert sich der Tremor auch beim Halten von Dingen oder in Bewegung als sogenannter Halte- bzw. Aktionstremor. In der Regel zeigt er sich zunächst an den oberen Extremitäten, also an den Armen und am Kopf. Seltener betrifft er auch die Füße. Ein Tremor muss nicht zwangsläufig auftreten. Nur etwa die Hälfte aller Betroffenen stellt gleich zu Beginn der Erkrankung ein Muskelzittern fest. Bei rund 10 Prozent verläuft Parkinson sogar völlig ohne Tremor.
Muskelsteifheit (Rigor)
Der sogenannte Rigor oder auch Muskelsteifheit tritt bei den meisten Betroffenen auf. Spannt ein gesunder Mensch einen Muskel an, kommt es automatisch zur Entspannung des Gegenmuskels. Diese Reaktion ist durch Parkinson eingeschränkt. Sowohl die Beuge- als auch die Streckmuskeln sind permanent angespannt. Dadurch wird der gesamte Körper steif. Versucht beispielsweise eine zweite Person Arm oder Bein eines Betroffenen zu strecken, ist dies nur schwer möglich, obwohl kein aktiver Widerstand geleistet wird. In der Folge sind Bewegungen oft nur stufenweise oder ruckartig möglich. Der Rigor ist auch an der Entwicklung von Fehlstellungen beteiligt. So bewegen sich Betroffene oft vornübergebeugt oder halten die Schultern nach vorn gezogen. Auch kann es zur leicht angewinkelten Haltung von Ellbogen- und Kniegelenken sowie zu gebeugten Fingergelenken kommen.
Verlangsamung der Bewegung (Bradykinese)
Die Verlangsamung der Bewegung wird als Bradykinese bezeichnet. Eine Steigerung ist die Bewegungsarmut, die man Akinese nennt. Betroffene können Bewegungen oft nur verzögert einleiten. Das zeigt sich vor allem bei spontanen Bewegungen, beispielsweise beim Aufstehen zur Begrüßung oder beim unvermittelten Losgehen. Die Bradykinese zeigt sich auch am Gang. Betroffene machen oft kleine Schritte und schlurfen. Ebenso kann es sein, dass die Arme nicht oder kaum mehr mitschwingen. Meist sind gleitende Bewegungen erschwert, sie erfolgen ruckartig. Manchmal verharren Betroffene mitten im Bewegungsablauf. Das wird auch als „Freezing“ bezeichnet. Bewegungen wirken dann wie eingefroren. Solche Situationen können auch durch emotionalen Stress ausgelöst werden. Darüber hinaus kann es zu weiteren Beschwerden kommen. So kann beispielsweise die Mimik verlangsamt sein und starr wirken. Die Zahl der Lidschläge kann abnehmen und die Augenbewegungen können vermindert sein. Dadurch erscheint der Gesichtsausdruck möglicherweise weniger lebhaft. Da auch die an Stimm- und Sprachbildung beteiligten Muskeln von der Bradykinese betroffen sein können, sprechen manche Betroffene leiser als gewöhnlich oder monotoner. Häufig haben Menschen mit Parkinson auch Schwierigkeiten beim Schlucken. Der Speichel wird dann nicht optimal abtransportiert, ein erhöhter Speichelfluss (Hypersalivation) ist die Folge. Die Feinmotorik kann ebenfalls beeinträchtigt sein, was sich beispielsweise in der Schrift zeigt. Diese wird zum Zeilenende hin kleiner und weicht nach oben aus.
Gang- und Gleichgewichtsstörungen (posturale Instabilität)
Die oben genannten Beschwerden können bei starker Ausprägung zu Gang- und Gleichgewichtsstörungen führen, der sogenannten posturalen Instabilität. Bewegungen werden dann nicht schnell genug ausgeglichen. Schon geringe Einwirkungen von außen, wie beispielsweise ein Anrempeln im Gedränge, können in manchen Fällen zu einem Sturz führen.
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Nicht motorische Beschwerden
Neben den Beschwerden, die sich auf die Körperbewegung auswirken, kann Parkinson auch vegetative Störungen - also Störungen, die nicht dem Willen oder dem Bewusstsein unterliegen - sowie psychische Veränderungen verursachen. So kann es unter anderem zu Störungen im Magen-Darm-Trakt kommen. Die Magenentleerung ist durch die Erkrankung verzögert, die Darmmuskulatur arbeitet verlangsamt. Mögliche Folgen sind eine frühzeitige Sättigung, Völlegefühl oder Unwohlsein nach den Mahlzeiten. Bei etwa der Hälfte aller Betroffenen treten Blasenfunktionsstörungen auf. Sie können sich als plötzliche Inkontinenz oder als häufiger Harndrang mit kleinsten Mengen äußern. Darüber hinaus können auch Sexualstörungen wie Libido-, Potenz- oder Ejakulationsstörungen auftreten. Einigen Menschen mit Parkinson ist es aufgrund ihrer Erkrankung unangenehm, sich in der Öffentlichkeit zu zeigen. Diese soziale Unsicherheit kann bis hin zu einem völligen Rückzug, im schlimmsten Fall zu depressiven Zuständen führen. Im weiteren Krankheitsverlauf kann es in seltenen Fällen zur Entwicklung einer Parkinson-Demenz kommen.
Erste Anzeichen
Die ersten Anzeichen einer Parkinson-Erkrankung können oft sehr unspezifisch sein. Doch je früher Parkinson diagnostiziert wird, desto eher ist es möglich, die Erkrankung zwar nicht zu heilen, aber wirksam zu behandeln und die Lebensqualität damit lange zu erhalten.
- Verlust und Störung des Geruchssinns
- Schlafstörungen, geträumte Bewegungen werden ausgelebt
- Schulterschmerzen / Gelenkschmerzen
- Verstopfungen
- Sehstörungen
- Verkrampfte und verkleinerte Handschrift
- Gesichtszüge verlieren an Ausdruck
- Schwierigkeiten beim Gehen, allgemeine Verlangsamung
- Verlangsamte Reaktionsfähigkeit
- Müdigkeit
- Halluzinationen, Angstzustände, Reizbarkeit, Apathie, Vitalitätsverluste
Es ist wichtig zu beachten, dass diese Frühsymptome lediglich mögliche Anzeichen einer Erkrankung sind. Sollten Sie einige dieser Beschwerden bei sich beobachten, muss das keinesfalls bedeuten, dass Sie an Parkinson erkrankt sind. Ärztliches Fachpersonal wird für eine Diagnose Ihre Beschwerden sorgsam abklären.
Diagnose Parkinson
Einen speziellen Parkinson-Test, mit dessen Hilfe eine schnelle und sichere Diagnose gestellt werden könnte, gibt es nicht. Eine erfahrene Neurologin oder ein erfahrener Neurologe ist jedoch in der Lage, die Ergebnisse verschiedener Untersuchungen wie ein Puzzle zusammenzusetzen und so zur richtigen Diagnose zu gelangen. Dazu muss sie oder er Ihren Krankheitsverlauf gut kennen. Die Basis der Untersuchung bildet ein ausführliches Gespräch (Anamnese). Ihre Neurologin oder Ihr Neurologe wird Sie dabei zu Art und Dauer Ihrer Beschwerden befragen und Sie auf die Hauptsymptome der Erkrankung hin untersuchen:
- Muskelzittern (Tremor)
- Verlangsamung der Bewegungen (Bradykinese)
- Versteifung der Muskulatur (Rigor)
- Gang- oder Gleichgewichtsstörungen (posturale Instabilität)
Diagnose nach Ausschlussverfahren
Um andere Erkrankungen auszuschließen und die Diagnose Parkinson zu bestätigen, können in der Neurologie Tätige zudem testen, ob Sie auf die Gabe von Levodopa ansprechen. Bessern sich die Beschwerden unter dem Wirkstoff Levodopa, ist das ein weiteres Indiz für eine Parkinson-Erkrankung. Bleiben die Beschwerden gleich oder verschlechtern sie sich, deutet das fast immer auf eine andere Erkrankung hin.
Auch der Einsatz bildgebender Verfahren kann dabei helfen, andere Erkrankungen auszuschließen und die Verdachtsdiagnose Parkinson zu erhärten. Hierzu zählen die Computertomografie (CT), die Magnetresonanztomografie (MRT), die Ultraschalluntersuchung sowie die Single-Photonen-Emissions-Computertomografie (SPECT).
Frühzeitige Parkinson-Erkennung
Parkinson entwickelt sich oft schon 10 bis 30 Jahre, bevor die ersten motorischen Beschwerden bemerkbar werden. In dieser frühen Phase verlaufen die Veränderungen im Nervensystem zunächst still - aber nicht spurlos. Einer der wichtigsten Marker für eine beginnende Parkinson-Erkrankung ist die sogenannte REM-Schlaf-Verhaltensstörung (RBD). In dieser besonderen Schlafphase, in der wir träumen, ist normalerweise unsere Muskulatur gelähmt. Nicht so bei RBD: „Der Schutzmechanismus ist gestört - Betroffene schlagen oder treten im Schlaf. Viele berichten von sehr intensiven, oft aggressiven Träumen, in denen sie kämpfen oder fliehen müssen“, beschreibt PD Dr. Sommerauer. Neben der Riechstörung, die oft Jahrzehnte vor der Diagnose auftritt, lassen sich bei genauer Analyse frühe motorische Veränderungen erkennen - subtil, aber messbar. Aktuell fehlt noch eine zuverlässige Testmethode für die breite Frühdiagnostik.
10 Anzeichen, die Sie nicht übersehen sollten
- Ruhetremor statt allgemeines Zittern: Der Ruhetremor bei Parkinson-Patienten kann als eine Art „Pillendrehen“ oder „Münzrollen“ beschrieben werden, bei dem die Finger langsam und wiederholt Bewegungen ausführen, die einem Münzrollen ähneln.
- Mikrographie statt kleiner Handschrift: Mikrographie bedeutet, die Handschrift wird kleiner und die Buchstaben stehen enger beieinander.
- Geruchssinnverlust statt gelegentliche Geruchsstörungen: Insbesondere der Verlust des Geruchssinns für bestimmte Lebensmittel, wie Bananen, Essiggurken oder Lakritze, kann auf die Erkrankung hinweisen.
- Schlafprobleme: plötzliche Bewegungen und Träumenachspiel statt allgemeine Schlafstörungen: Parkinson-Patienten können während der Nacht unkontrollierte Bewegungen ausführen, wie etwa das Schlagen oder Schlagen von Armen und Beinen.
- Bewegungs- und Gangschwierigkeiten statt allgemeiner Müdigkeit: Die Betroffenen können sich in ihrem Körper, insbesondere in den Armen oder Beinen, steif fühlen.
- Verstopfung statt gelegentlicher Darmprobleme: Wenn Betroffene beim Stuhlgang anhaltende Schwierigkeiten und Anstrengung erfahren, sollte dies ernst genommen werden.
- Weiche oder heisere Stimme statt vorübergehender Stimmveränderungen: Menschen mit Parkinson können eine weiche oder heisere Stimme entwickeln, die als „Hypophonie“ bezeichnet wird.
- Gesichtsmaskierung statt vorübergehender ernster Gesichtsausdruck: Dabei handelt es sich um einen ernsten, steifen oder ausdruckslosen Gesichtsausdruck, auch wenn die Betroffenen sich nicht schlecht gelaunt fühlen.
- Schwindel oder Ohnmacht statt gelegentlicher Schwindel beim Aufstehen: Dies kann auf niedrigen Blutdruck zurückzuführen sein, der bei Parkinson-Patienten häufig auftritt.
- Bücken oder Beugen statt vorübergehender Haltungsschwankungen: Ein weiteres häufiges Frühsymptom ist die veränderte Körperhaltung, bei der sich die Betroffenen beim Stehen bücken oder beugen.
Symptome und Begleiterscheinungen
Bei der Parkinsonkrankheit gibt es typische Hauptsymptome wie Tremor (Ruhezittern), Rigor (Muskelsteifheit) und Akinese (Bewegungsarmut). Mindestens eines dieser Parkinson Symptome lässt sich in irgendeiner Form bei fast jedem Betroffenen feststellen. Darüber hinaus können verschiedene Begleiterscheinungen auftreten, die aus den Symptomen resultieren können. Symptome und Begleiterscheinungen sind bei jedem Patienten unterschiedlich stark ausgeprägt, beginnen oft einseitig und können sich unterschiedlich schnell entwickeln. Es ist daher nicht garantiert, dass alle typischen Symptome von Parkinson bei jedem Betroffenen auftreten.
Motorische Symptome
Motorische Parkinson-Symptome sind ein wesentliches Merkmal der Parkinson-Erkrankung. Ohne das Vorliegen dieser vier Kardinalsymptome wird die Diagnose „Morbus Parkinson“ nicht gestellt.
- Tremor - Ruhezittern: Bei etwa der Hälfte aller Betroffenen ist der Ruhetremor das erste deutlich sichtbare Frühsymptom. Ruhezittern tritt meist bei körperlicher Entspannung auf und wird durch innere Anspannung verstärkt. Betroffen sind häufig Hände oder Füße.
- Rigor - Muskelsteifheit: Ebenfalls unwillkürlich ist die andauernde Muskelspannung (Rigor), die als Steifheitsgefühl in Armen und Beinen erlebt wird. Bewegungen können nur noch mühsam gegen den Widerstand der angespannten Muskulatur ausgeführt werden. Mediziner sprechen bei diesem Symptom vom so genannten Zahnradphänomen.
- Akinese - Verlangsamung und Schwächung der Bewegungen: Die Akinese wird als Bewegungsarmut definiert. Ihre Ausprägungen reichen vom verlangsamten Bewegungsablauf (Bradykinese) bis zur deutlich geschwächten Beweglichkeit (Hypokinese). Auch eine plötzliche Blockade der Bewegung (Freezing-Effekt) kann auftreten.
- Verkleinerte Handschrift: Die geschwächte Beweglichkeit der Arme und Hände und das Parkinson-Zittern hat Auswirkungen auf die Schrift. Die Buchstaben werden kleiner, die Schrift zittriger.
- Gehemmte Sprechmuskeln (Monotone Flüsterstimme): Durch die Akinese (Bewegungsarmut) ist auch die Sprech- und Atem-Muskulatur beeinträchtigt. Das Sprechen und richtige Artikulieren von Worten bereitet den Betroffenen Schwierigkeiten. Dadurch wird die Stimme leise und tonlos, wie eine Flüsterstimme.
- Gehemmte Gesichtsmuskeln (Maskengesicht): Infolge der Bewegungsarmut verliert das Gesicht an Ausdruck. Die gehemmten Gesichtsmuskeln können sich nicht mehr der jeweiligen Situation anpassen und es wird schwer, Emotionen zu zeigen. Dadurch wirkt das Gesicht wie eine Maske.
- Sialorrhoe (unkontrollierter Speichelfluss): Die eingeschränkte Schluckfähigkeit führt dazu, dass Parkinson-Patienten einen Teil des Speichels nicht mehr schlucken können. Dieser Kontrollverlust über den eigenen Speichel nennt sich Sialorrhoe. Der Speichel läuft aus dem Mund und behindert die Betroffenen beim Sprechen.
Nicht-motorische Symptome
Neben den vier wesentlichen motorischen Symptomen gibt es auch sogenannte Begleitsymptome.
- Beeinträchtigung des Geruchssinns
- Schlafstörungen (lebhaftes Träumen oder eine REM-Schlaf-Verhaltensstörung)
- Tagesmüdigkeit
- Seelische Verstimmungen (Persönlichkeitsveränderung, Depressionen)
Gangstörungen und Freezing
Bei Parkinson-Patientinnen und Patienten sind im Verlauf der Krankheit häufig Beweglichkeit und Gang zunehmend beeinträchtigt - die Schritte werden kleiner, langsamer und die Füße halten beim Gehen länger Bodenkontakt. Freezing bezeichnet eine plötzlich auftretende, vorübergehende Störung des Ganges. Die Gangstörung kann in sehr unterschiedlichen Situationen auftreten: während Wendebewegungen, beim Losgehen (sogenannte Ampelsituation), in räumlicher Enge (wie in einem Türdurchgang) oder nach längerem Sitzen oder Stehen (wenn beispielsweise das Telefon in einiger Entfernung klingelt).
Haltungsinstabilität
Schon im Jahre 1817 beschrieb James Parkinson die gebeugte Körperhaltung als ein Kennzeichen des Morbus Parkinson. Für eine stark ausgeprägte Rumpfbeugung wird heute der medizinische Begriff Kamptokormie verwendet. Die Beugung des Oberkörpers kann nach vorne, aber auch zu einer Seite hin auftreten - man spricht dann auch vom sogenannten Pisa-Syndrom. Außerdem kann statt einer Beugung des gesamten Oberkörpers auch eine starke Beugung des Nackens auftreten. Diese Form der Beugehaltung wird Anterocollis oder „Dropped head“ genannt. Die Rumpfbeugung erhöht die Sturzgefahr der Betroffenen durch den verschobenen Körperschwerpunkt erheblich.
Leben mit Parkinson
Die Diagnose Parkinson ist für viele ein Schock, denn die Krankheit ist bislang nicht heilbar. Wie entsteht Parkinson? Was sind die Symptome? Und wie wird die Krankheit behandelt? Antworten auf die wichtigsten Fragen finden Sie hier.
Wie wird Parkinson diagnostiziert?
Sobald Symptome bemerkt werden, sollte eine Neurologin beziehungsweise ein Neurologe aufgesucht werden. Umso früher Sie diesen Schritt gehen, desto besser können Therapiemaßnahmen greifen. Mithilfe verschiedener Tests (unter anderem Riechtests in der Frühdiagnose, L-Dopa-Test etc.) stellt die Ärztin oder der Arzt fest, ob es sich um Parkinson handelt. Um andere neurologische Erkrankungen auszuschließen, wird mitunter auch ein MRT oder CT durchgeführt . Zu weiteren spezifischeren Untersuchungsverfahren werden Sie von ärztlichen Spezialistinnen und Spezialisten beraten.
Ist Parkinson heilbar?
Auch wenn die Forschung sich intensiv mit der Krankheit beschäftigt, ist Parkinson bisher nicht heilbar. Dank der wissenschaftlichen Erkenntnisse und Fortschritte, die in den letzten Jahrzehnten gemacht wurden, können die Symptome heute aber teilweise gelindert werden. Die Lebenserwartung wird so durch Parkinson normalerweise nicht mehr beeinträchtigt.
Wodurch wird Parkinson ausgelöst?
Die Ursache der Parkinson-Krankheit liegt in unserem Mittelhirn. Dort, in der Region Substantia nigra („schwarze Substanz“), befinden sich spezielle Nervenzellen (sogenannte Neuronen), die den Nervenbotenstoff Dopamin produzieren. Mithilfe von Dopamin kommunizieren die Neuronen mit anderen Nervenzellen. Bei Parkinson sterben immer mehr dieser Nervenzellen ab. Es kommt zu einem Mangel an Dopamin und zu einem Ungleichgewicht der Nervenbotenstoffe Dopamin, Acetylcholin und Glutamat im Gehirn. Da Dopamin unter anderem wichtig für die Bewegungssteuerung ist, entstehen durch den Mangel die typischen Symptome der Parkinson-Krankheit, wie Bewegungsstörungen und Zittern. Was genau zum Absterben der Neuronen führt, ist bislang noch nicht eindeutig geklärt.
Wie wird Morbus Parkinson behandelt?
Parkinson wird in der Regel vor allem mit Medikamenten behandelt. Es gibt Medikamente, die Dopamin enthalten und so den Dopaminmangel ausgleichen und solche, die den Abbau vorhandenen Dopamins verhindern. Ein Spezialist oder eine Spezialistin für neurologische Bewegungsstörungen erstellt dafür einen individuell angepassten Medikamentenplan. In einigen Fällen macht auch ein Eingriff am Gehirn Sinn. Bei der tiefen Hirnstimulation (THS) werden Elektroden ins Gehirn eingesetzt. Durch elektrische Impulse können so bestimmte Hirnregionen positiv beeinflusst werden. In Studien hat sich gezeigt, dass auf eine früh durchgeführte THS vor allem jüngere Betroffene gut ansprechen. Die medikamentöse Behandlung wird bei Parkinson um verschiedene Therapien ergänzt. Leben mit Parkinson kann auch heißen: je nach Erfordernis regelmäßig Logopädie, Ergotherapie und Physiotherapie in Anspruch zu nehmen. Damit können gute Erfolge in Sachen Erhalt der Lebensqualität erzielt werden.