Einführung
Kohlensäurehaltige Getränke wie Sprudelwasser, Champagner und Limonade erfreuen sich großer Beliebtheit. Viele Menschen schätzen das prickelnde Gefühl, das sie im Mund erzeugen. Doch was steckt hinter diesem Kribbeln, und warum empfinden wir es als so angenehm? Dieser Artikel untersucht die Ursachen des Kohlensäure-Kribbelns im Gehirn, beleuchtet die wissenschaftlichen Erkenntnisse und geht auf mögliche gesundheitliche Auswirkungen ein.
Die Wissenschaft hinter dem Prickeln
Die kleinen Bläschen, die in sprudelnden Getränken aufsteigen, bestehen hauptsächlich aus Kohlenstoffdioxid (CO₂). Obwohl umgangssprachlich oft von "Kohlensäure" die Rede ist, ist dies chemisch nicht ganz korrekt. Kohlensäure (H2CO3) entsteht, wenn sich Kohlenstoffdioxid mit Wasser verbindet, ist aber eine instabile Verbindung.
Sensorische Reize durch Kohlendioxid
Der Neurowissenschaftler Gabriel Lepousez vom Institut Pasteur in Paris hat untersucht, warum unser Gehirn Sprudel so mag. Er erklärt, dass die Kohlendioxidbläschen gleich mehrere unserer Sinne ansprechen:
- Akustisch: Das Knallen eines Sektkorkens, das Zischen beim Öffnen einer Dose oder das leise Blubbern im Glas erzeugen Geräusche, die unsere Aufmerksamkeit erregen.
- Visuell: Die aufsteigenden Bläschen lassen das Getränk lebendig und ansprechend wirken.
- Geruchlich: Beim Platzen der Bläschen werden feine Mikroaerosole freigesetzt, die unseren Geruchssinn stimulieren.
- Geschmacklich: Kohlendioxid aktiviert die Säure-Rezeptoren auf der Zunge, wodurch Sprudel saurer und erfrischender schmeckt als stilles Wasser.
- Taktil: Die aufplatzenden Bläschen im Mund erzeugen ein besonderes Gefühl von Textur und Fülle.
TRPA1-Rezeptoren und Schmerzempfindung
Eine Studie von US-Forschern ergab, dass Kohlensäure die gleichen Schmerzrezeptoren im Mundraum aktiviert wie scharfer Senf, Meerrettich oder Chili. Verantwortlich dafür ist ein Gen namens TRPA1, das eine brennende, schmerzartige Empfindung auslösen kann. Obwohl nicht jeder Mensch Kohlensäure als schmerzhaft empfindet, ist sie biologisch betrachtet ein Schmerzreiz.
Gesundheitliche Auswirkungen von Kohlensäure
Kohlensäurehaltige Getränke können sowohl positive als auch negative Auswirkungen auf die Gesundheit haben.
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Positive Effekte
- Förderung der Flüssigkeitszufuhr: Sprudelwasser kann dazu beitragen, dass Menschen ausreichend trinken, insbesondere solche, die stilles Wasser nicht mögen. Das prickelnde Mundgefühl kann die Trinkmenge erhöhen.
- Anregung der Verdauung: Kohlensäure kann die Verdauung anstoßen und bei Beschwerden wie Völlegefühl helfen. Studien haben gezeigt, dass kohlensäurehaltiges Wasser bei Menschen mit Reizmagen oder nach einem Schlaganfall Verdauungsprobleme lindern kann.
- Stärkung des Sättigungsgefühls: Wer Wasser mit Kohlensäure trinkt, kann schneller satt sein und ein länger anhaltendes Sättigungsgefühl verspüren. Dies könnte dazu beitragen, ein gesundes Gewicht zu halten.
- Reinigung der Geschmackspapillen: Es wird behauptet, dass Kohlensäure die Geschmackspapillen im Mund reinigen kann.
- Reduktion von Bakterienwachstum: Kohlensäure kann das Wachstum von Bakterien in Getränken reduzieren.
Mögliche negative Effekte
- Magenbeschwerden: Einige Menschen vertragen Kohlensäure nicht gut und können nach dem Konsum Magenbeschwerden wie Magenschmerzen, Aufstoßen, Blähungen oder Völlegefühl bekommen.
- Sodbrennen: Menschen, die häufig unter Sodbrennen oder der gastroösophagealen Refluxkrankheit (GERD) leiden, sollten kohlensäurehaltige Getränke meiden, da diese die Beschwerden verschlimmern können.
- Zahnschmelzschäden: Studien haben gezeigt, dass Kohlensäure unter Laborbedingungen den Zahnschmelz angreifen kann. Allerdings ist die Einwirkzeit beim Trinken wahrscheinlich zu kurz, um Schäden zu verursachen. Problematischer sind eher die in vielen kohlensäurehaltigen Getränken enthaltenen Zusätze wie Zitronensäure, Zucker und Phosphor.
- Schlaganfallrisiko: Eine Studie deutet darauf hin, dass der Konsum von kohlensäurehaltigen Erfrischungsgetränken das Schlaganfallrisiko erhöhen könnte. Allerdings wird vermutet, dass dies eher auf den hohen Zuckergehalt in Limonaden und Cola zurückzuführen ist als auf die Kohlensäure selbst.
Kohlensäure und Hyperventilation
Hyperventilation, ein Zustand, der durch schnelle und tiefe Atemzüge gekennzeichnet ist, kann zu einem Ungleichgewicht von Sauerstoff und Kohlendioxid im Körper führen. Dies kann zu Symptomen wie Kribbeln, Muskelkrämpfen und im Extremfall zu einer Hyperventilationstetanie führen. In solchen Fällen ist es wichtig, den Kohlendioxidgehalt im Körper wieder zu normalisieren, beispielsweise durch die sogenannte "Tütenatmung".
Individuelle Vorlieben und kulturelle Unterschiede
Es ist wichtig zu beachten, dass die Vorliebe für kohlensäurehaltige Getränke individuell verschieden ist. Nicht jeder Mensch mag das Prickeln. Einige bevorzugen stilles Wasser oder andere Getränke. Auch kulturelle Faktoren können eine Rolle spielen. So trinken die Deutschen beispielsweise viel mehr stillen Wein als Sekt.
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