Heiserkeit und Stimmprobleme bei Parkinson: Ursachen, Behandlung und Linderung

Die Parkinson-Krankheit ist eine fortschreitende neurologische Erkrankung, die sich nicht nur auf die Motorik auswirkt, sondern auch die Stimme und das Sprechen beeinträchtigen kann. Heiserkeit, eine monotone Sprechweise und undeutliche Aussprache sind häufige Begleiterscheinungen. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen dieser Stimmprobleme, die verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten und gibt praktische Tipps zur Linderung der Symptome.

Die Parkinson-Krankheit: Eine Multisystemerkrankung

Seit der Erstbeschreibung durch James Parkinson sind fast 200 Jahre vergangen. Heute wissen wir, dass die Parkinson-Erkrankung weit mehr ist als nur die Degeneration der Substantia nigra. Sie wird als eine aufsteigende Multisystemdegeneration des Nervensystems verstanden, die vom unteren Hirnstamm ausgeht. Obwohl meist ältere Menschen betroffen sind, erkranken bis zu 10 % der Betroffenen vor dem 40. Lebensjahr.

Kardinalsymptome und Frühsymptome

Im Vordergrund stehen die motorischen Kardinalsymptome:

  • Akinese (Bewegungsarmut)
  • Rigor (erhöhte Muskelspannung)
  • Ruhetremor (Zittern der Hände und/oder Beine)
  • Posturale Instabilität (Instabilität der aufrechten Körperhaltung)

Die Bewegungsarmut ist oft das Leitsymptom, erkennbar an einem gebeugten Körper und einem unbeweglicheren Gesichtsausdruck. Bereits im Vorfeld können nichtmotorische Frühsymptome auftreten wie:

  • Hyposmie (Verlust des Geruchssinns)
  • REM-Schlaf-Verhaltensstörung
  • Obstipation (Verstopfung)
  • Depressionen
  • Muskel- und Skelettschmerzen
  • Allgemeine Leistungsminderung

Stimmprobleme bei Parkinson: Ursachen und Auswirkungen

Parkinson beeinflusst die Stimme auf vielfältige Weise. Die durch den Dopaminmangel verursachte Akinese und der Rigor führen dazu, dass sich die Sprechorgane weniger bewegen und das Sprechen undeutlicher wird. Auch die Stimme wird leiser und heiser, weil die Stimmlippen fester werden und nicht mehr so schwingen wie früher. Dies verändert den Stimmklang und das Stimmvolumen.

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Die Rolle der Sprechorgane

Zum Sprechen benötigen wir Luft. Eine erhöhte Spannung (Rigor) und eingeschränkte Beweglichkeit (Hypokinese) der Atemmuskeln führen häufig zu einer flachen, kurzen und hastigen Atmung. Auch können die Stimmlippen, die wir zur Erzeugung eines Tones brauchen, nicht immer komplett geschlossen werden und es entweicht beim Sprechen zuviel Luft, sogenannte "wilde Luft".

Die Stimmlippen, 2,5 cm lange Muskelstränge, werden durch die Ausatmungsluft in Bewegung gebracht. Der Ton entsteht durch die Resonanzräume im Kopf-, Hals- und Brustbereich.

Wahrnehmung der eigenen Stimme

Ein weiteres Problem ist, dass Parkinson-Erkrankte oft Schwierigkeiten haben, die Veränderung ihres Sprechens wahrzunehmen. Unser Gehirn hat seit der Kindheit ein eigenes Klangbild von unserer Art und Weise zu sprechen im Kopf gespeichert. Der Parkinsonkranke hängt an diesem inneren Bild fest.

Weitere Auswirkungen auf das Sprechen

  • Leise und monotone Sprechweise: Die Stimme wird zunehmend leiser und monotoner. Die Betroffenen bemerken dies oft nicht selbst und sind auf Hinweise von Gesprächspartnern angewiesen.
  • Stotter-ähnliche Symptome: Ungefähr ein Drittel der Patienten klagt über stotter-ähnliche Symptome. Als Ursachen werden Medikamentennebenwirkungen und das "Freezing"-Phänomen diskutiert.
  • Verschlucken und Husten: Häufiges Husten beim Essen oder danach kann ein Anzeichen dafür sein, dass Nahrung in die Luftröhre gelangt ist (Aspiration).

Diagnostik und Differentialdiagnostik

Ein Parkinson-Syndrom wird zunächst an seinen klinischen Zeichen und der Vorgeschichte erkannt. Eine fachkundige neurologische Untersuchung ist hierbei zielführend. Ein cMRT (Kernspintomogramm) gehört zur Basisdiagnostik und kann andere Ursachen der Bewegungsstörung ausschließen.

Abgrenzung zu atypischen Parkinson-Syndromen

Neben dem idiopathischen Parkinson-Syndrom gibt es noch andere Varianten, die sogenannten atypischen Parkinson-Syndrome wie Multisystematrophien.

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Behandlungsmöglichkeiten bei Stimmproblemen

Die Behandlung von Stimmproblemen bei Parkinson ist vielfältig und zielt darauf ab, die Symptome zu lindern und die Lebensqualität zu verbessern.

Medikamentöse Therapie

Da die Ursache für Parkinson ein Ungleichgewicht der Botenstoffe im Gehirn ist, stellt eine medikamentöse Behandlung den ersten Schritt der Behandlung dar. Meist kann durch die Behandlung der Erkrankung in den ersten Jahren nach Diagnosestellung eine weitgehende Normalisierung der Lebensqualität erreicht werden. Dabei ist es früher oder später nicht verzichtbar, das benötigte L-Dopa. Bei nur gering ausgeprägten Symptomen ist initial auch eine Therapie mit einem Monoaminoxydase B - Hemmer oder mit Amantadin möglich. Es gilt immer: niedrig dosiert beginnen und sehr langsam die Dosis steigern, um die unerwünschten Wirkungen zu minimieren.

Logopädische Therapie

Eine logopädische Therapie ist bei Morbus Parkinson hilfreich, um die Lautbildung zu erhalten und zu fördern sowie die Mimik zu verbessern. Nach einer Grunduntersuchung von Lautstärke und Steigerungspotential, Artikulationsgenauigkeit, Sprechgeschwindigkeit und Fragen zur Lebenssituation und -qualität wählt der Logopäde ein für den Patienten voraussichtlich effektives Behandlungsverfahren aus. Durch regelmäßige Übungen kann so die Stimme wieder aktiviert werden und eine normale und kraftvolle Lautstärke erreichen. Nach einer Therapie können die Übungen selbstständig weitergeführt werden, um dauerhaft die Verringerung der Stimme zu vermeiden.

Für die logopädische Therapie wird eine ärztlich verordnete Heilmittelverordnung benötigt. Diese kann von jedem niedergelassenen Arzt ausgestellt werden. Sinnvoll ist es, sich an seinen behandelnden Neurologen zu wenden.

Inhalte der Stimmtherapie

Die Stimmtherapie umfasst verschiedene Bereiche, die individuell auf die Bedürfnisse des Patienten abgestimmt werden:

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  • Tonusregulierung: Der Muskeltonus im Kehlkopf und im gesamten Körper wird durch Entspannungs- oder Bewegungsübungen reguliert und ausbalanciert.
  • Atemtherapie: In der Therapie steht die Atmung während des Sprechens im Vordergrund. Hier werden u.a. Bauchatmung, Atemrhythmus und Luftabgabe beim Sprechen trainiert.
  • Phonation: Je nach Art der Stimmstörung werden Übungen zur Stimmkräftigung, Resonanz und Stimmökonomisierung durchgeführt.
  • Artikulation: Übungen für Zunge, Lippen und Kiefer sind wesentlich in der Stimmtherapie.
  • Intention: In der Therapie spielen Rollenspiele zum Training von schwierigen Sprechsituationen und der richtige Einsatz von Körpersprache, Mimik und Gestik eine wichtige Rolle.
  • Persönlichkeit: Die Wahrnehmung für die eigene Stimme und therapeutische Gespräche sind Bestandteile der Stimmtherapie.

Weitere Therapieansätze

  • Physiotherapie: Die Krankengymnastik bzw. Physiotherapie bei Parkinson trägt wesentlich zur Verbesserung oder Erhaltung der aktiven und passiven Mobilität in allen Gelenken bei.
  • Ergotherapie: Die Ergotherapie bei Parkinson verbessert die Koordination der Bewegungsabläufe im täglichen Leben und fördert zudem Wahrnehmung, Orientierung sowie Gedächtnisleistungen.
  • Psychotherapie: Durch eine Psychotherapie (z. B. eine Gesprächstherapie) können mögliche Traumata aufgearbeitet werden.

Reizstromtherapie

Eine sinnvolle und effektive Behandlungsintensität umfasst 1-2 mal täglich 10-12 Minuten Reizstrom mit insgesamt ca. 20-30 Behandlungen.

Tiefe Hirnstimulation

Als neurologisch-neurochirurgisches Verfahren steht die tiefe Hirnstimulation (THS, „Hirnschrittmacher“) zur Verfügung.

Tipps zur Linderung von Heiserkeit im Alltag

Neben den professionellen Therapien gibt es auch einige Dinge, die Betroffene selbst tun können, um ihre Stimme zu schonen und die Symptome zu lindern:

  • Regelmäßiges Singen: Durch das Singen werden Stimmbänder und Atmung trainiert.
  • Stimme schonen: Vermeiden Sie übermäßiges Sprechen, lautes Sprechen oder Schreien.
  • Rauchen und Alkohol vermeiden: Diese Substanzen reizen die Stimmbänder zusätzlich.
  • Ausreichend trinken: Trinken Sie viel Wasser, um die Schleimhäute feucht zu halten.
  • Luftbefeuchtung: Sorgen Sie für eine ausreichende Luftfeuchtigkeit in Ihren Wohnräumen.
  • Inhalieren: Inhalationen mit Kochsalzlösung oder Salbeitee können Entzündungen lindern.
  • Entspannung: Psychischer Stress kann sich negativ auf die Stimme auswirken. Versuchen Sie, Stress abzubauen und Entspannungstechniken zu erlernen.
  • Logopädische Übungen zu Hause: Führen Sie die erlernten Übungen regelmäßig zu Hause durch.
  • Reduzierung des Sprechtempos: Sprechen Sie langsamer und deutlicher.
  • Vermeidung von "wilder Luft": Achten Sie auf eine gute Atemtechnik und vermeiden Sie, dass zu viel Luft beim Sprechen entweicht.

Übungen für Mimik und Gestik

Die nachfolgenden Übungen können ohne große Umstände zu Hause selbst praktiziert werden. Dennoch sollten Betroffene mit dem behandelnden Arzt abklären, welche Übungen geeignet sind und welche nicht.

  • Oberlippe bzw. Finger weit auseinanderspreizen.
  • Beide Hände ganz zusammenlegen. Fingerspitzen zeigen dabei nach oben, jetzt Handflächen voneinander lösen, sodass die Finger zusammenbleiben.
  • Hände zur Faust schließen. Dann plötzlich Hand öffnen und gleichzeitig Finger spreizen.
  • Hände zur Faust schließen. Nacheinander daraus Daumen, Zeigefinger, Mittelfinger, Ringfinger und Kleinfinger lösen.

Vermeidung von vermehrter Speichelproduktion

Die Parkinson'sche Erkrankung führt nicht zu einer vermehrten Speichelproduktion, sondern zu einer Verringerung der Schluckfrequenz! Normalerweise schlucken wir in Ruhe 1 bis 2 mal pro Minute. Parkinsonpatienten schlucken häufig nur 1 mal in 5 Minuten - was zu einer Ansammlung einer großen Menge Speichel führen kann. Gelegentlich ist der vermehrte Speichelfluss (Hypersalivation) so ausgeprägt, dass die Injektion von Botolinumtoxin in die Speicheldrüsen indiziert ist.

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