Heiko Herrlich: Vom Fußballstar zum Kämpfer gegen den Hirntumor

Einleitung

Heiko Herrlich, ein Name, der in den neunziger Jahren für Furore im deutschen Fußball sorgte, erlebte im Jahr 2000 eine Zäsur in seinem Leben. Die Diagnose Hirntumor stellte ihn vor eine Herausforderung, die weit über das Sportliche hinausging. Dieser Artikel beleuchtet Herrlichs Karriere, die Schockdiagnose, seinen Kampf gegen die Krankheit und sein Comeback, das ihn zu einem Symbol der Hoffnung machte.

Karrierehöhepunkte vor der Diagnose

Heiko Herrlich, geboren am 3. Dezember 1971 in Mannheim, begann seine Profikarriere in den späten 1980er Jahren. Sein Talent wurde schnell erkannt, und er durchlief die DFB-Jugendauswahl.

Borussia Mönchengladbach

Anfang der neunziger Jahre reifte Herrlich in Gladbach zum Top-Stürmer und Nationalspieler. In der Saison 1994/1995 krönte er sich mit 20 Treffern zum Torschützenkönig und hatte entscheidenden Anteil am bis heute letzten Titel der Fohlenelf: Im DFB-Pokal-Halbfinale schoss er in der Verlängerung das entscheidende 1:0 gegen Kaiserslautern, auch im Finale gegen Wolfsburg traf er zum Endstand von 3:0. Mit 23 Jahren war Herrlich der König vom Bökelberg.

Wechsel zu Borussia Dortmund

1995 wechselte er für die damalige Rekordablösesumme von 11 Millionen D-Mark zu Borussia Dortmund. Dieser Wechsel war jedoch von Kontroversen begleitet, da er bei den Fans von Borussia Mönchengladbach in Ungnade fiel. Er verweigerte das Training, Gladbach bestand auf Vertragserfüllung, das Arbeitsgericht schaltete sich ein. Am Ende vermittelte der DFB und Herrlich wechselte von der einen Borussia zur anderen.

Erfolge mit Borussia Dortmund

Mit Borussia Dortmund gewann Herrlich 1997 die Champions League und die deutsche Meisterschaft. Er etablierte sich als wichtiger Bestandteil der Mannschaft.

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Die Schockdiagnose Hirntumor

Im November 2000 erhielt Heiko Herrlich im Alter von 28 Jahren die niederschmetternde Diagnose: ein Tumor im Mittelhirn. Die Diagnose erfolgte, nachdem er im Training an Flanken vorbeigesegelt war und über Sehstörungen klagte. „Das Tor war irgendwie für mich vernagelt“, sagte er später. Dabei war er so überragend in die Saison gestartet: sieben Tore bis zum 11. Spieltag. Obwohl er kein einziges Spiel mehr in dieser Spielzeit absolvierte, war er am Saisonende Dortmunds bester Torschütze.

Die Ad-hoc-Mitteilung des BVB

Borussia Dortmund, damals ein börsennotiertes Unternehmen, informierte die Öffentlichkeit am 14. November 2000 per Ad-hoc-Mitteilung über die Erkrankung von Heiko Herrlich. Diese Mitteilung war notwendig, da die Lizenzspieler Teil des Unternehmenskapitals waren und ein längerer Ausfall den Aktienkurs beeinflussen konnte. Die Ad-hoc-Mitteilung lautete: „Bei dem Lizenzspieler Heiko Herrlich sind Sehstörungen aufgetreten. Zwischenzeitliche medizinische Untersuchungen haben ergeben, dass die Sehstörungen auf einen Gehirntumor zurückzuführen sind. Die fachärztlichen Untersuchungen dauern an. Eine vollständige Genesung erscheint aus jetziger Sicht möglich.“

Herrlichs Reaktion auf die Diagnose

Herrlich beschreibt die Situation so: „Nach dem ersten Schock sagte ich zu meinem Arzt: ,Ein Tumor? Dann lasst uns das Ding rausholen. Kopf auf, Kopf zu, fertig.‘ Doch mein Arzt schaute zu Boden und sagte: ,Heiko, an der Stelle geht das nicht.‘ Der Tumor saß so ungünstig, dass ich mit großer Wahrscheinlichkeit nach einer Operation schwerstbehindert gewesen wäre. Ich wartete fünf Wochen auf eine neue Untersuchung.“

Die Bedeutung des Glaubens

Ein wichtiger Faktor in Herrlichs Umgang mit der Krankheit war sein Glaube. „Irgendwo habe ich ein Gottvertrauen“, sagte der bekennende Christ unmittelbar nach der Diagnose. Um zu ergänzen, dass sein Glaube „keineswegs einfach strukturiert ist. Wenn es einen Gott gibt, dann sicher nicht als Wunschmaschine.“

Die Behandlung und der Kampf gegen den Krebs

Da eine Operation aufgrund der Lage des Tumors nicht möglich war, unterzog sich Heiko Herrlich einer sechswöchigen Strahlentherapie.

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Die Strapazen der Strahlentherapie

Die Strahlentherapie war eine große Belastung für Herrlich. „Ich quartierte mich in einem kliniknahen Hotel ein und nahm zur ersten Behandlung meine Laufsachen mit. Am zweiten Tag musste ich mich übergeben. Am dritten Tag bat ich um ein Zimmer in der Klinik. Die Behandlung hat mich komplett zerlegt.“

Die Überwindung der Krankheit

Im März 2001 erklärte Herrlich auf einer Pressekonferenz, dass er sein Krebsleiden überwunden habe. Der Zeitpunkt eines möglichen Comebacks sei aber offen. „Ich muss noch Geduld haben. Alle Ärzte gehen davon aus, dass ich wieder Fußball spielen kann. Aber es gibt keine Regel dafür, wann ich wieder einsteigen kann.“

Das Comeback auf den Fußballplatz

Am 15. September 2001, beim Derby zwischen Schalke 04 und Borussia Dortmund, kehrte Heiko Herrlich auf den Fußballplatz zurück. Seine Einwechslung in der 77. Minute wurde von den Fans beider Lager mit Applaus gefeiert.

Die Bedeutung des Comebacks

Dieses Comeback war nicht nur ein sportlicher Erfolg, sondern auch ein Symbol der Hoffnung und des Lebenswillens. Herrlich hatte den Krebs besiegt und kehrte in sein altes Leben zurück.

Fortsetzung der Karriere

Der BVB verlängerte mit ihm nach seiner Genesung bis zum Jahr 2005. Doch im April 2004 verkündete Herrlich, dass im Sommer Schluss sei. Er hatte schon immer seinen eigenen Kopf. Und setzte ihn durch - koste es, was es wolle.

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Karriere nach der aktiven Zeit

Nach dem Ende seiner aktiven Karriere schlug Heiko Herrlich eine Trainerlaufbahn ein.

Trainerkarriere

Er machte seinen Trainerschein, übernahm die A-Jugend und wechselte 2007 zum DFB, um sich um die U19 zu kümmern. Es folgten Gastspiele in Bochum, Unterhaching und in der Bayern-Jugend. Dann der Wechsel nach Regensburg, mit dem Jahn marschierte er sensationell aus der 4. bis in die 2. Spielklasse durch. Er trainierte unter anderem den SSV Jahn Regensburg, Bayer 04 Leverkusen und den FC Augsburg.

Engagement im sozialen Bereich

Neben seiner Trainerkarriere engagiert sich Herrlich auch im sozialen Bereich. Er besucht Straftäter im Gefängnis im Rahmen eines sozialen Projekts.

Herrlichs Erfahrungen und Botschaften

Heiko Herrlich hat seine Erfahrungen mit der Krankheit öffentlich geteilt und betont, wie wichtig es ist, positiv zu denken und den Glauben nicht zu verlieren.

Die Bedeutung von Unterstützung

Er betont die Bedeutung von Unterstützung durch Familie, Freunde und den Verein. Er selbst erfuhr viel Unterstützung während seiner Erkrankung.

Herrlich als Vorbild

Herrlich dient als Vorbild für Menschen, die mit einer schweren Krankheit konfrontiert sind. Er zeigt, dass es möglich ist, den Krebs zu besiegen und ein erfülltes Leben zu führen.

Engagement für die Krebsprävention

Heiko Herrlich engagiert sich heute als Botschafter für die Krebsprävention und unterstützt Initiativen, die die Bedeutung von Sport und Bewegung bei der Krankheitsbewältigung hervorheben.

Erinnerungen an die eigene Horror-Diagnose

Bei Heiko Herrlich weckt das Erinnerungen an seine eigene Horror-Diagnose. Die schweren Erkrankungen von drei Bundesliga-Akteuren rufen bei Trainer Heiko Herrlich im STAHLWERK Doppelpass schlimme Erinnerungen an seine eigene Horror-Diagnose vor gut 20 Jahren zurück.

Die Schock-Diagnose Gehirntumor

Im Herbst 2000 wurde bei Herrlich ein bösartiger Gehirntumor festgestellt, der erfolgreich per Strahlentherapie bekämpft werden konnte, sodass er im folgenden Jahr sein Comeback für Borussia Dortmund feiern konnte.

Unterstützung gehabt

Er habe „zum Glück damals sehr viel Unterstützung gehabt, vom Verein und den Fans. Bei mir ging die Geschichte gut aus, weil der Tumor durch die Bestrahlung dann besiegt werden konnte.“ Auch im Nachgang wurde Herrlich immer wieder mit seiner Erkrankung konfrontiert. „Ich bekomme immer noch Zuschriften von Betroffenen“, sagte er. „Ich mache mir dann die Mühe und rufe die zurück. Ich kann denen nicht wirklich helfen, aber ich wünsche ihnen alles Gute und sie freuen sich über meinen Rückruf.“

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