Viele Menschen suchen bei Schlafstörungen, Angstzuständen, innerer Unruhe oder depressiven Verstimmungen nach natürlichen Alternativen, um leichte Symptome zu lindern. Heilkräuter und Medikamente mit natürlichen Inhaltsstoffen sind oft die erste Wahl. Dieser Artikel bietet einen Überblick über einige der bekanntesten und wirksamsten Heilkräuter für die Nerven.
Einführung in die Welt der Heilkräuter für die Psyche
Die Geschichte der Kräuterkunde reicht weit zurück. Schon im alten Ägypten, im antiken Rom und Griechenland, im China der Kaiserzeit und in mittelalterlichen Klöstern wusste man, welche Pflanze gegen welches Leiden hilft. Noch heute greifen Menschen in Gegenden, wo es kaum Zugang zu kommerziellen Medikamenten gibt, auf die Apotheke der Natur zurück.
Bewährte Heilkräuter und ihre Wirkung
Baldrian: Für mehr innere Ruhe und Entspannung
Baldrian, insbesondere die Wurzel der Pflanze, wird meist als natürliches Schlafmittel eingesetzt. Er kann jedoch auch der Psyche zu mehr innerer Ruhe und Konzentration verhelfen, wodurch sich die Entspannung für den Schlaf leichter einstellt. Die Inhaltsstoffe wirken auf den Botenstoff GABA (Gamma-Aminobuttersäure). Ein Ausgleich benötigt jedoch eine Einnahmezeit von zwei bis vier Wochen, um nachhaltige Effekte zu erzielen. Durch diesen Verzögerungseffekt sinkt die Gefahr der Gewöhnung und Abhängigkeit im Vergleich zu klassischen Schlaf- und Beruhigungsmitteln.
Eine Metaanalyse über 16 Studien mit mehr als 1000 Versuchspersonen deutet darauf hin, dass man mit Baldrian tatsächlich besser schläft. Doch laut einer weiteren Überblicksstudie verhilft Baldrian verglichen mit einem Placebo weder zu einem rascheren noch zu einem längeren Schlaf, wenn man unter Einschlafproblemen leidet. Um herauszufinden, wie pflanzliche Medikamente im Vergleich zu gängigen Psychopharmaka wirken, stellen Forscher Vergleichsstudien an.
Johanniskraut: Pflanze für die Psyche par excellence
Johanniskraut gilt als Pflanze für die Psyche par excellence. Die Inhaltsstoffe wirken nachhaltig auf drei Arten von Botenstoffen, die im Gehirn die Gemütslage beeinflussen. Johanniskraut reguliert die Verfügbarkeit der Botenstoffe Serotonin, Dopamin, Noradrenalin und Melatonin und hilft obendrein, das Enzym Monoamin-Oxydase (MAO) zu hemmen: Die Impulsübertragung der Nervenrezeptoren wird verbessert. In der Psychiatrie wird es als hochdosierte Tablette verabreicht und wird bei leichten bis mittelschweren Depressionen empfohlen. Die Substanz ist wiederholt wissenschaftlich untersucht worden, die Wirkung bei diesen Ausprägungen der Depression bestätigt.
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Laut einer 2016 erschienenen Metaanalyse, die 27 Studien einschloss, hilft Johanniskraut bei leichten bis mittelschweren Depressionen ebenso gut wie gängige Antidepressiva und verursacht noch dazu weniger Nebenwirkungen. Es wird sogar offiziell in der medizinischen Leitlinie zur Behandlung der Depression aufgeführt.
Lavendel: Entspannung pur durch Duft und Inhaltsstoffe
Lavendel ist ein äußerst wirksames Heilkraut zur Entspannungsförderung. Die Wirkung beruht bereits auf dem Duft, der sich durch die ätherischen Öle in den blütenreichen Pflanzen entfaltet. In Hautverreibungen, als Massageöl, in der Duftlampe oder als Tee getrunken sorgt der Lavendel für schnelle Entspannung, die jedoch nicht zu Schläfrigkeit führt. Die Wirkung des Öls wird auch durch die Studien einer Forschungsgruppe aus der Zusammenarbeit der Universitäten Wien, Innsbruck und München belegt, welche in den Hauptinhaltsstoffen Linalylacetat und Linalool die Ursache für die Wirkung sieht.
Melisse: Sanfte Hilfe für innere Ruhe
Zart und zitronig verströmt die Melisse ihr Aroma und gibt damit nicht nur Frische preis, sondern auch eine mental ausgleichende Wirkung. So hilft der Tee aus getrockneten Blättern mit seinen Inhaltsstoffen dabei, sanft zu mehr innerer Ruhe und Entspannung zu finden.
Passionsblume: Unterstützung bei Ängsten und Unruhe
Die Passionsblume wird bei Ängsten, innerer Unruhe, Erschöpfungssymptomen und Schlafproblemen eingesetzt. Nach einer Studie der Universität Duisburg-Essen zeigt sich sie zudem als pflanzliche Unterstützung bei ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitätsstörung) und Nervosität.
Rosmarin: Stärkung der Gehirnfähigkeiten
Schon in der Antike sagte man dem Rosmarin nach, er würde die Gehirnfähigkeiten stärken. Die Inhaltsstoffe gelten bis heute als Schutz für die Nervenzellen, wirken gedächtnisfördernd, dabei durch eine sanfte Durchblutungsförderung auch leicht anregend. Hierdurch wird auch die Stressresistenz sanft unterstützt.
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Hopfen: Anregung des Stoffwechsels für Wohlbefinden
Hopfen zählt zur Familie der Hanfgewächse. Seine Inhaltsstoffe sorgen für die Anregung des Stoffwechsels mit Bitterstoffen, wodurch das Wohlbefinden gesteigert wird. Ein Tee aus Hopfen kann ebenfalls eine Hilfe bei Schlafproblemen sein.
Helmkraut: Besserung der allgemeinen Stimmung
Helmkraut (Scutellaria lateriflora) wurde auf seine Wirkung gegen Ängste und Stress in einer englischen Doppelblindstudie der University of Westminster an gesunden Probanden untersucht. Ein signifikanter Unterschied in der Ängstlichkeit nach dem BAI (Beck Anxiety Inventory) durch die Einnahme des Helmkrauts (dreimal täglich 350 mg) gegenüber verabreichten Placebos konnte nicht nachgewiesen werden, jedoch eine deutliche Besserung der allgemeinen Stimmung, ohne sich dabei negativ auf den Antrieb oder Kognition der Studienteilnehmer auszuwirken.
Safran (Crocus sativus): Antidepressive und neuroprotektive Wirkung
Eines der ältesten Gewürze der Welt wirkt tatsächlich nachweislich antidepressiv (insbesondere serotonerg), antioxidativ, antiinflammatorisch, die HPA-Achse modulierend und neuroprotektiv. So kann Crocus sativus Wirkung bei leichten bis mittelschweren Depressionen zeigen.
Weitere Kräuter zur Entspannung
- Minze: Wirkt sehr hilfreich, besonders Tee aus Marokkanischer Minze.
- Fenchelkraut: Kann bei Verkrampfungen helfen.
- Jiaogulan: Kann bei Bluthochdruck Abhilfe schaffen.
- Schlüsselkraut: Kann Verkrampfungen lindern.
- Thymian: Kann die Nerven beruhigen und gegen trübe Gedanken vorgehen.
- Schnittlauch: Kann Ängste bekämpfen und entspannen.
- Kümmel: Kann bei Magenbeschwerden hilfreich eingesetzt werden.
- Korianderblätter: Können die Symptome einer Bindehautentzündung lindern und gleichzeitig auch Ihr Immunsystem stärken.
- Salbei: Kann bei übermäßigem Schwitzen helfen.
- Basilikum: Kann gegen Stress vorgehen und bei Schlafstörungen zum Einsatz kommen.
Adaptogene: Pflanzen für mehr Stressresistenz
Adaptogene sind pflanzliche Zubereitungen, die dem Körper helfen können, sich besser den alltäglichen Stresssituationen anzupassen und von daher Stress induzierten Krankheiten vorzubeugen.
- Jiaogulan: Wirkt adaptogen, antioxidativ, antitumoral, schützt die Leber, reguliert Cholesterin und Fettstoffwechsel, beeinflusst das Hormonsystem positiv und reguliert das zentrale Nervensystem.
- Rosenwurz: Hat einen positiven Einfluss auf die geistige Leistungsfähigkeit und reduziert Stress- und Ermüdungserscheinungen.
- Taigawurzel: Wirkt stärkend und kann bei Müdigkeit und Erschöpfung helfen.
Weitere Heilpflanzen für Gehirn und Nerven
- Ginkgo: Verbessert die Durchblutung und kann bei Demenz eingesetzt werden.
- Ginseng: Wird bei Schwäche, Müdigkeit und nachlassender Konzentration angewendet.
- Fichte: Das ätherische Öl wird bei Erkältungen, rheumatischen Beschwerden und Nervenschmerzen angewendet.
- Cayennepfeffer: Wird zur Behandlung von Muskel-, Gelenk- und Nervenschmerzen sowie Juckreiz angewendet.
- Latschenkiefer: Wirkt lindernd bei Entzündungen der Atemwege, rheumatischen Beschwerden und Nervenschmerzen.
- Mutterkraut: Wird seit langem zur Vorbeugung von Migräne angewendet. Zudem soll es auch bei Fieber und Rheuma helfen.
- Kiefer: Das ätherische Öl setzt man gegen entzündete Atemwege, Muskel- und Nervenschmerzen ein.
- Japanische Minze: Liefert das Minzöl, das etwa bei Blähungen, Atemwegsentzündungen, Muskel- und Nervenschmerzen hilft.
- Pfefferminze: Hilft etwa gegen Magen-Darm-Krämpfe, Kopf-, Nerven- und Muskelschmerzen.
- Mate-Tee: Wirkt anregend und harntreibend. Er wird daher gegen Ermüdungszustände und leichte Harnwegsbeschwerden eingesetzt.
- Weidenrinde: Wird etwa bei fieberhaften Erkrankungen, Rheuma, Arthrose und Kopfschmerzen angewendet.
Wichtige Hinweise zur Anwendung von Heilkräutern
- Vorsicht bei Selbstmedikation: Selbst bei vergleichsweise verträglichen Substanzen wie Johanniskraut kann es zu Wechselwirkungen kommen. Die Wirksamkeit der Antibabypille wird unter Umständen reduziert, und in Kombination mit anderen Antidepressiva droht das lebensgefährliche Serotoninsyndrom.
- Dosierung beachten: Manche Pflanzenextrakte haben sich in klinischen Studien als wirksam erwiesen. In frei verkäuflichen Präparaten sind sie jedoch teils so niedrig dosiert, dass kein starker Effekt zu erwarten ist.
- Arzt konsultieren: Verbessern sich Ihre Beschwerden nach wenigen Wochen nicht, sollten Sie Ihren Arzt konsultieren. Als alleiniges Therapeutikum bei Depression und Angsterkrankungen reichen diese natürlichen Heilmittel nicht.
Fazit: Heilkräuter als wertvolle Unterstützung
Heilkräuter können eine wertvolle Unterstützung bei der Linderung von Nervosität, Stress, Schlafstörungen und leichten depressiven Verstimmungen sein. Es ist jedoch wichtig, sich vor der Anwendung gründlich zu informieren und gegebenenfalls einen Arzt oder Apotheker zu konsultieren. Die Selbstmedikation mit Heilpflanzen kann gefährlich sein, insbesondere bei bestehenden Erkrankungen oder der Einnahme anderer Medikamente. Bei schweren psychischen Erkrankungen reichen pflanzliche Mittel oft nicht aus und sollten nur in Absprache mit einem Arzt als Ergänzung zu einer konventionellen Therapie eingesetzt werden.
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