Epilepsie-Spezialisten: Ein umfassender Überblick

Epilepsie, oft auch als Fallsucht oder Krampfleiden bezeichnet, ist eine der häufigsten neurologischen Erkrankungen. Der Begriff "Krampfleiden" rührt von dem Hauptsymptom her: epileptischen Anfällen, auch Krämpfe genannt, die in verschiedenen Ausprägungen auftreten und das Leben der Betroffenen erheblich beeinträchtigen können.

Was ist Epilepsie?

Epilepsie lässt sich am besten als eine Art Funktionsstörung des Gehirns beschreiben. Aus bisher teils unerklärlichen Gründen zeigt das Gehirn eine plötzliche und unerwartete Überreaktion und sendet unkontrolliert Impulse aus. Es gibt zahlreiche Arten von Epilepsie, von einfachen Muskelzuckungen über zeitlich begrenzte geistige Abwesenheit bis hin zu schweren körperlichen Krämpfen wie dem Grand-Mal-Anfall oder dem gefährlichen Status Epilepticus. Bis zu 5% der Bevölkerung erleiden einmal im Leben einen epileptischen Anfall und etwa 1% erkrankt an einer Epilepsie. Hiervon spricht man, wenn mehr als ein unprovozierter Anfall aufgetreten ist und ein erhebliches Risiko für weitere Anfälle besteht.

Ursachen von Epilepsie

Die Ursachen von Epilepsie sind vielfältig. Unfälle, die zu Verletzungen des Gehirns führen, können epileptische Symptome auslösen, ebenso wie Verletzungen durch andere Krankheiten wie Schlaganfälle oder Gehirntumore. Auch seelische Ursachen wie vermehrter Stress können eine Rolle spielen. Grelle Stroboskoplichter, wie sie in Diskotheken und Clubs vorkommen, können ebenfalls epileptische Anfälle auslösen.

Die zentrale Ursache von Epilepsie liegt in einer gestörten elektrischen Aktivität der Nervenzellen im Gehirn. Normalerweise sorgt eine präzise Abstimmung der elektrischen Signale zwischen den Neuronen für eine koordinierte Gehirnfunktion. Bei Epilepsie kommt es jedoch zu einer Fehlregulation, die zu einer übermäßigen, synchronisierten Entladung von Nervenzellen führt.

Weitere detaillierte Ursachen sind:

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  1. Erbliche Komponente: Studien zeigen, dass bestimmte Genmutationen das Risiko für die Entwicklung von Epilepsie deutlich erhöhen können. Genetisch bedingte Epilepsien machen ca. 40% aus (z.B. Absence-Epilepsie, juvenile myoklonische Epilepsie)
  2. Hirnschäden: Schäden am Gehirn, sei es durch Unfälle, Schlaganfälle, Tumore oder Infektionen, können zu Narbengewebe führen, das die normale neuronale Kommunikation stört. Diese Narben sind ein bedeutender Risikofaktor für die Entstehung von Epilepsie. Strukturell bzw. metabolisch bedingte Epilepsien z.B.
  3. Fieberkrämpfe: Kinder, die während Fieberperioden wiederholt oder langanhaltend Krämpfe entwickeln, haben ein höheres Risiko, später im Leben an Epilepsie zu erkranken.
  4. Genetische Syndrome: Genetische Syndrome wie das Rett-Syndrom oder Angelman-Syndrom, die mit schweren neurologischen Entwicklungsstörungen einhergehen, erhöhen das Epilepsierisiko.
  5. Stoffwechselstörungen: Genetische Stoffwechselstörungen, die den chemischen Haushalt im Gehirn stören, können die Erregbarkeit der Nervenzellen erhöhen und so das Risiko für epileptische Anfälle steigern.
  6. Infektionen: Infektionen des zentralen Nervensystems, wie Meningitis oder Enzephalitis, können strukturelle Schäden an den Gehirnzellen verursachen.

Darüber hinaus werden Anfälle, die in einer speziellen Situation durch einen bestimmten Trigger aufgetreten sind, als Gelegenheitsanfälle oder situationsbezogene Anfälle bezeichnet (Schlafentzug, Medikamentenwirkung, Alkoholexzess, Drogen, Fieberkrämpfe etc.).

Symptome von Epilepsie

Die Epilepsie-Symptome sind so zahlreich wie die unterschiedlichen Arten der Epilepsie. Sie reichen von geistiger Abwesenheit wie bei der Absence bis hin zu starken körperlichen Zuckungen und Verkrampfungen.

Hier ein Überblick der möglichen Symptome:

  • Geistige Abwesenheit
  • Auren (merkwürdig empfundene Sinneswahrnehmungen wie beispielsweise ein metallischer Geschmack im Mund)
  • Schwindel
  • Angstgefühle
  • Vermehrter Speichelfluss
  • Muskelzuckungen (bei klonischen Anfällen)
  • Muskelversteifungen (bei tonischen Anfällen)
  • Muskelzuckungen und -versteifungen in Kombination (bei tonisch-klonischen Anfällen)
  • Tiefer Schlaf (meist im Anschluss an einen starken epileptischen Anfall)
  • Missempfindungen (Kribbelgefühle, Kältegefühle etc.)
  • Automatisierte Handlungen (unbewusst ablaufende Bewegungen wie beispielsweise das Öffnen und Schließen der Hand)

Viele dieser Symptome können bei einem Krampfanfall auftreten, meist jedoch nicht gleichzeitig, sondern nacheinander.

Arten von Epilepsie

Die Unterteilung der verschiedenen Anfälle richtet sich nach der Größe des Gehirnareals, das während des Anfalls betroffen ist. Man unterscheidet zwischen fokalen und generalisierten Epilepsien.

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Fokale Epilepsie

Die fokale Epilepsie beschreibt eine Epilepsieform, bei der die Krämpfe nur in vereinzelten Arealen des Gehirns entstehen. Das bedeutet jedoch nicht, dass die dazugehörigen epileptischen Anfälle von weniger intensiver Natur sein müssen. Unter Umständen können Sie sich sogar in einen generalisierten Krampfanfall entwickeln. Daher sollte in jedem Fall immer eine neurologische Abklärung erfolgen. Pathophysiologisch kommt es zu einer exzessiven Entladung von Nervenzellen, die sich ausbreitet. Sie kann nur einen Teil der Gehirnoberfläche betreffen (fokaler epileptischer Anfall)

Fokale Epilepsien können in zwei verschiedenen Varianten auftreten: ohne oder mit Bewusstseinsstörung. Der epileptische Anfall mit Bewusstseinsstörung nennt sich auch komplex-fokaler Krampfanfall. Bei ihm leiden Betroffene unter einem Gefühl der Benommenheit oder Abwesenheit, das bis zum Gedächtnisverlust reichen kann.

Oft geht einem fokalen Anfall zudem eine Aura voraus. Die ist eine teils als merkwürdig empfundene Gefühlsregung oder Sinneswahrnehmung, die meist einen epileptischen Anfall ankündigt.

Fokale Epilepsie-Syndrome:

Zusätzlich zu den normalen fokalen und komplex-fokalen Krampfanfällen gibt es noch andere Formen, die alle verschiedenste Symptome und Eigenarten aufweisen:

  • Temporallappen-Epilepsie
  • Frontallappen-Epilepsie
  • Parietallappen-Epilepsie
  • Okzipitallappen-Epilepsie
  • Rolando-Epilepsie
  • Epilepsie des Kindesalters mit okzipitalen Paroxysmen
  • Primäre Lese-Epilepsie

Generalisierte Epilepsie

Bei der generalisierten Epilepsie ist während eines Krampfanfalls immer das ganze Gehirn betroffen. Aufgrunddessen ist diese Form der Epilepsie auch deutlich häufiger von Bewusstseinsstörungen begleitet. Während bei fokalen Anfällen das Bewusstsein erhalten bleibt, verliert der Betroffene während eines generalisierten epileptischen Anfalls das Bewusstsein.

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Die wohl bekannteste Form des generalisierten Anfalls ist der sogenannte Grand-Mal-Anfall. Dieser beginnt meist mit einer verstärkten Anspannung von Armen und Beinen, auf welche die bekannten Zuckungen folgen, die im Verlauf immer heftiger werden. Teils so heftig, dass die Betroffenen im Anschluss völlig erschöpft sind.

Absencen der Epilepsie:

Ein anderes Beispiel für einen generalisierten Anfall ist die sogenannte Absence - eine kurze Periode der geistigen Abwesenheit. Sie gilt als die leichteste Form des generalisierten Anfalls und kommt ohne Muskelkontraktionen aus. Sie wird oft auch als Petit-Mal-Anfall bezeichnet.

Absence-Betroffene blicken meist plötzlich starr ins Leere, wirken abwesend und sind während dieser Phase nicht ansprechbar.

Diagnose von Epilepsie

Bei Verdacht auf eine Epilepsie muss eine sorgfältige Diagnostik und Abgrenzung von nichtepileptischen Erscheinungen und Erkrankungen erfolgen. Einen herausragenden Stellenwert in der Diagnostik hat daher die möglichst detaillierte Beschreibung eines Anfalls durch den Betroffenen und insbesondere eine gute Fremdbeobachtung - falls verfügbar. Weiterhin sind die Kernspintomographie, die Elektroenzephalographie (EEG) und Laboruntersuchungen integrale Bestandteile der Diagnostik. In der neurologischen Privatpraxis von Professor Dr. A. Hufnagel sind alle zur Abklärung der Epilepsie notwendigen Methoden (z.B. EEG, Ultraschall, Neuropsychologische Testungen, MRT) verfügbar.

Behandlung von Epilepsie

Bei der Behandlung können wir heute auf eine ganze Reihe von gut wirksamen und in der Regel auch gut verträglichen Medikamenten zurückgreifen um das Ziel der Anfallsfreiheit zu erreichen. Sollte dies durch eine medikamentöse Behandlung nicht möglich sein, stehen weitere, auch operative Therapieoptionen zur Verfügung. Die neuesten Behandlungsmethoden inklusive neuer antiepileptischer Medikamente werden angewendet.

Neben den gängigen etablierten Medikamenten verwenden wir den Pflege- und Heilmittelschatz der anthroposophischen Medizin. Bei Patienten mit Anfallsleiden hat sich neben der modernen, etablierten und der naturheilkundlichen medikamentösen Therapie die Behandlung durch die ketogene Diät seit Jahren bewährt.

Einzelfall: Bei einem Jugendlichen mit einer symptomatisch-fokalen Epilepsie mit generalisierten tonisch-klonischen Anfällen und dyskognitiven Anfällen konnte die Anfallshäufigkeit medikamentös nicht reduziert werden, sodass nach 2,5 Jahren eine Hirn-Teilresektion geplant war. Durch osteopathische Behandlung konnte eine Anfallsfreiheit erreicht werden.

Spezialisierte Einrichtungen und Experten

Station Regenbogen

Die Station Regenbogen ist eine neuropädiatrisch und psychosomatisch ausgerichtete Station. Sie richtet sich an Kinder im Entwicklungsalter bis zum 12. Lebensjahr, die von einem Elternteil begleitet werden. Das Personal ist spezialisiert in den Bereichen Neuropädiatrie und Epileptologie, Psychosomatik und Kinder-Psychiatrie.

Medizinischen Zentrum für Erwachsene mit Behinderungen (MZEB) in Radeberg

Mit dem Medizinischen Zentrum für Erwachsene mit Behinderungen (MZEB) verbessern wir die medizinische Versorgung. Unser Team besteht aus Ärzten verschiedenster Fachrichtungen, Psychologen, Sozialarbeitern und Autismusfachberatern.

Prof. Dr. A. Hufnagel

Prof. Dr. A. Hufnagel ist internationaler Experte auf dem Gebiet der Epileptologie. Es besteht eine umfassende Erfahrung von Prof. Dr. A. Hufnagel durch seine leitende oberärztliche Tätigkeit in mehreren Universitätskliniken (auch Epilepsie-Spezialklinik der Universität Bonn).

Frau Dr. Meike Maehle

Frau Dr. Meike Maehle bietet mit ihrer Expertise eine individuell angepasste Behandlung und begleitet Sie durch alle Phasen der Erkrankung. Ich bin seit drei Jahren in Behandlung bei Frau Dr. Maehle und fühle mich in ihrer auf Neurologie, Neuroorthopädie und Psychosomatik spezialisierten Praxis rundum gut aufgehoben.

Epilepsiezentrum Kleinwachau

Die stationäre Behandlung von EpilepsiepatientInnen erfolgt auf zwei Stationen, wovon eine Station (Station 31) speziell für die Bedürfnisse von Patienten mit Störung der Intelligenzentwicklung ausgerichtet ist. Auf der Station 33 steht eine Video-EEG-Monitoring Einheit mit aktuell 2 Betten für die kontinuierliche mehrtägige Aufzeichnung des EEGs 24 Stunden/Tag mit synchronisierter Videoaufzeichnung zur diagnostischen und therapeutischen Verbesserung von Epilepsieformen, die medikamentös nicht ausreichend behandelbar sind, zur Verfügung.

Leben mit Epilepsie

Nicht zuletzt bringt die Diagnose einer Epilepsie aber auch Einschränkungen im beruflichen (z.B. arbeiten auf Gerüsten oder an offenen Maschinen) und privaten (z.B. Fahrtauglichkeit oder Sport) Alltag mit sich und hat nicht nur gesundheitliche sondern auch soziale Konsequenzen. Unser Ziel ist es, Ihnen zu einem nahezu normalen Leben zu verhelfen.

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