Hoffnung am Horizont: Fortschritte in der Alzheimer-Forschung

Die Alzheimer-Krankheit stellt eine der größten medizinischen Herausforderungen unserer Zeit dar. Doch die Forschung macht Fortschritte, und eine neue Ära der Alzheimer-Therapie hat begonnen. Dank intensiver Forschung und Innovationen gibt es nun potenziell krankheitsmodifizierende Behandlungen, die die Sichtweise auf die Alzheimer-Krankheit verändern - von einem unveränderlichen Schicksal hin zu neuen Perspektiven.

Revolutionierung der Diagnose durch Biomarker

Ein wachsendes Verständnis der Erkrankung und der Einsatz von Biomarkern haben die Diagnose von Morbus Alzheimer revolutioniert. Frühe Diagnosen eröffnen Zeitfenster, um in die Krankheit einzugreifen. Die Medizin weiß heutzutage von bestimmten Biomarkern, also biologischen Merkmalen im Körper, welche eine frühe Diagnostik unterstützen können. Doch realisierbar ist das nur, wenn in der Primärversorgung ausreichend Kapazitäten für die Früherkennung geschaffen werden.

Neue Medikamente: Ein Hoffnungsschimmer

Nach mehr als 20 Jahren ohne Neuzulassungen im Bereich der Alzheimer-Behandlung gibt es nun Hoffnung. In der EU liegen momentan Anträge für zwei neue, monoklonale Antikörper vor, die in den USA bereits zugelassen sind. Studien zufolge können diese Antikörper das Fortschreiten der Erkrankung deutlich bremsen. Jörg Schaub vom Arzneimittelunternehmen Lilly Deutschland betonte, dass es zwar keine Heilung sei, aber ein großer Schritt in diese Richtung. Es gehe darum, den Menschen und ihren Familien mehr Zeit zu geben, Dinge zu tun, die für sie von Bedeutung sind, etwa weil sie länger selbständig bleiben können. Derzeit befinden sich 127 Wirkstoffkandidaten in 164 klinischen Studien (Stand: 1.1.2024).

Leqembi (Lecanemab): Ein erster Schritt

Leqembi (Lecanemab) ist der erste Alzheimer-Antikörper, der in der EU zugelassen wurde. Lecanemab ist ein Antikörper-Wirkstoff zur Behandlung der Alzheimer-Krankheit. In den USA wurde dem Wirkstoff am 6. Januar 2023 unter dem Handelsnamen Leqembi eine vorläufige Marktzulassung erteilt. Die vollständige Zulassung durch die US-Arzneimittelbehörde (FDA) folgte am 6. Juli 2023. Am 15. April 2025 wurde das Medikament auch in der Europäischen Union zugelassen und ist seit dem 4. Lecanemab ist ein Antikörper-Wirkstoff, der gezielt eine Vorstufe der für Alzheimer typischen Amyloid-beta-Protein-Plaques im Gehirn bindet. Dadurch wird das körpereigene Immunsystem, die Mikrogliazellen, aktiviert, die die Ablagerungen abbauen oder deren Neubildung hemmen. Leqembi ist für Menschen ist nur für Menschen mit einer Alzheimer-Diagnose zugelassen, die sich im Stadium eines Mild Cognitive Impairment (MCI, leichte kognitive Beeinträchtigung) oder einer frühen Alzheimer-Demenz befinden.

Die Amyloid-beta-Ablagerungen müssen nachgewiesen werden - entweder durch eine Lumbalpunktion oder ein Amyloid-PET. Auch genetische Voraussetzungen spielen eine Rolle: Erkrankte dürfen höchstens eine Kopie des sogenannten ApoE4-Gens tragen. Personen mit zwei Kopien sind wegen des erhöhten Risikos für Hirnblutungen von der Behandlung ausgeschlossen. Erfahren Sie mehr über das Risiko-Gen ApoE4. Leqembi eignet sich außerdem nicht für Menschen, die Gerinnungshemmer einnehmen. In Kombination mit dem Medikament steigt das Risiko für eine Hirnblutung deutlich. Neben den medizinischen Voraussetzungen ist die Teilnahme an einem EU-weiten Register verpflichtend. Ja, ein Gentest ist erforderlich. Vor dem Beginn der Behandlung mit Leqembi wird geprüft, ob die Patientin oder der Patient das so genannte ApoE4-Gen besitzt. Menschen mit einer doppelten Kopie dieses Gens (ApoE4-Homozygote) haben ein erhöhtes Risiko für schwere Nebenwirkungen und können deshalb nicht mit Leqembi behandelt werden. Der Gentest macht die Therapie sicherer. Die Behandlung mit Leqembi stellt neue Anforderungen an die ärztliche Versorgung. Sie erfordert eine frühzeitige Diagnose sowie spezialisierte Einrichtungen mit ausreichender personeller und technischer Ausstattung.

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Verabreichung des Medikaments:

Leqembi wird als Infusion (Tropf) alle zwei Wochen direkt in die Vene verabreicht. Die Behandlung dauert jeweils etwa eine Stunde.

Kontrolle auf Nebenwirkungen:

Vor und während der Behandlung sind MRT-Untersuchungen notwendig, um mögliche Nebenwirkungen wie Hirnschwellungen oder kleine Blutungen frühzeitig zu erkennen. Diese Kontrollen erfolgen vor der 5., 7. und 14. Infusion. Werden sie nicht durchgeführt, muss die Behandlung beendet werden. Treten Kopfschmerzen, Verwirrtheit oder Übelkeit auf, entscheiden die behandelnden Ärztinnen und Ärzte über weitere Untersuchungen.

Besondere Sicherheitsvorkehrungen:

Nur Patientinnen und Patienten, die alle Voraussetzungen erfüllen, dürfen mit Leqembi behandelt werden. Die Behandlung mit Leqembi wird beendet, wenn sich die Alzheimer-Erkrankung deutlich verschlechtert und in ein mittelschweres Stadium übergeht. Ja. In Studien wurden bei einem Teil der Teilnehmenden Hirnschwellungen (ARIA-E) und Hirnblutungen (ARIA-H) beobachtet. Diese traten meist ohne erkennbare Symptome auf, wurden aber engmaschig kontrolliert. Das Risiko für solche Nebenwirkungen hängt stark vom ApoE4-Gen ab: Menschen mit zwei Kopien dieses Gens sind besonders gefährdet und daher von der Behandlung ausgeschlossen. Bei den für die EU-Zulassung relevanten Patientengruppen - also bei Menschen mit höchstens einer Kopie des ApoE4-Gens - kam es in rund 13 % der Fälle zu Hirnblutungen und in 9 % zu Hirnschwellungen. Weitere mögliche Nebenwirkungen sind Kopfschmerzen (11 %) und Infusionsreaktionen (26 %). In der Studie wurden drei Todesfälle gemeldet, von denen zwei mit der gleichzeitigen Einnahme von Gerinnungshemmern in Verbindung gebracht wurden. Bei Leqembi gibt es Hinweise aus Studien, dass die Wirksamkeit bei Männern höher sein könnte als bei Frauen. Für Kisunla liegen solche Hinweise auf Geschlechtsunterschiede bislang nicht vor. Es ist noch nicht abschließend erforscht, ob das Geschlecht bei der Wahl einer Therapie künftig eine Rolle spielt. In der medikamentösen Therapie der Alzheimer-Krankheit standen bisher keine Medikamente zur Verfügung, die auf die grundlegenden Mechanismen der Erkrankung einwirken konnten. Nein, Leqembi kann Alzheimer weder heilen noch den Krankheitsverlauf aufhalten. Ziel der Behandlung ist es, den geistigen Abbau bei Menschen im frühen Krankheitsstadium zu verlangsamen. In der großen Phase-3-Studie CLARITY AD zeigte sich, dass die Erkrankung bei den Teilnehmenden, die Leqembi erhielten, langsamer fortschritt als in der Placebo-Gruppe.

Wie viele Menschen in Deutschland für die Behandlung infrage kommen, ist noch unklar: Nach einer Einschätzung des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) von Mai 2025 erfüllt etwa 1 von 100 Menschen mit einer Alzheimer-Demenz alle Voraussetzungen für eine Behandlung mit Leqembi, also rund 12.000 Erkrankte. Neuere Berechnungen des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung (ZI) von August 2025 gehen von bis zu 73.000 Patientinnen und Patienten in Deutschland aus (etwa 6 % der rund 1,2 Millionen Erkrankten). Die Behandlung mit Leqembi wird zunächst von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen. Apothekenpflichtige verschreibungspflichtige Arzneimittel sind in Deutschland grundsätzlich unmittelbar nach der Zulassung für alle Patientinnen und Patienten in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) verfügbar. Aktuell wird geprüft, ob die Therapie mit Leqembi einen Vorteil hat gegenüber einer medikamentösen Behandlung, die ausschließlich mit den bisher verfügbaren Antidementiva aus der Gruppe der Acetylcholinesterasehemmer durchgeführt wird. Der Wirkstoff Lecanemab wurde in den vergangenen zehn Jahren mit mehreren hunderten Teilnehmerinnen und Teilnehmern in verschiedenen klinischen Studien untersucht. Ausschlaggebend für die Zulassung waren die Ergebnisse der Phase-3-Studie CLARITY AD, die im November 2022 auf der Alzheimer-Konferenz Clinical Trial on Alzheimer´s Disease (CTAD) vorgestellt wurden. An der CLARITY AD-Studie hatten insgesamt 1.795 Personen mit leichter kognitiver Beeinträchtigung oder leichter Alzheimer-Demenz teilgenommen. Während des 18-monatigen Untersuchungszeitraums wurde in regelmäßigen Abständen kognitive Fähigkeiten, wie das Gedächtnis, die Orientierung oder die Fähigkeit, Probleme zu lösen, von Fachleuten überprüft. Ergebnis der Studie war, dass die Krankheit bei denjenigen, die Lecanemab erhielten, um 27 Prozent langsamer voranschritt als bei der Kontrollgruppe. Trotz der messbaren Wirksamkeit wird die Wirkung von Leqembi von vielen Expertinnen und Experten eher als moderat eingeschätzt. Es ist fraglich, inwieweit die Wirkung für an Alzheimer erkrankte Menschen spürbar ist und im Alltag einen Unterschied macht. Die Studie hat jedoch gezeigt, dass sich der verzögernde Effekt mit der Dauer der Einnahme zunimmt. Das könnte bedeuten, dass eine Einnahme über den Zeitraum der bisher untersuchten 18 Monate hinaus die Wirksamkeit von Lecanemab noch erhöht.

Donanemab: Ein weiterer Hoffnungsträger

Seit 25.09.2025 ist auch ein zweites Antikörper-basiertes Alzheimermedikament in der EU zugelassen. Es enthält den Antikörper Donanemab. Im Juli hatte es eine Zulassungsempfehlung der EMA erhalten - nach einer Überprüfung der zunächst negativen EMA-Entscheidung vom 28.03.2025. Auch dieses Medikament kann Studien zufolge bei einer Anwendung im Frühstadium der Erkrankung das Fortschreiten verlangsamen. Und in mehreren Ländern hat es bereits eher eine Zulassung erhalten, darunter in den USA, UK und China.

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Blarcamesin: Ein Rückschlag

Im Dezember 2024 wurde für ein drittes Alzheimermedikament das Zulassungsverfahren eröffnet. Es enthält den chemisch-synthetischen Wirkstoff Blarcamesin. Das CHMP entschied allerdings am 12.12.2025 gegen eine Zulassungsempfehlung ("negative opinion").

Die Notwendigkeit von Veränderungen im Gesundheitssystem

Die Gesellschaft und die Gesundheitssysteme müssen mit dem medizinischen Fortschritt mithalten, damit Patient:innen auch tatsächlich von Innovationen profitieren. Neue Therapeutika bringen wenig, wenn sie es nicht (rechtzeitig) zu allen Menschen schaffen, die sie benötigen. EFPIA und EBC sehen Handlungsbedarf - es braucht „adäquate politische Rahmenbedingungen“, damit Wissenschaft nicht reine Wissenschaft bleibt, sondern das Leben der Betroffenen und Angehörigen verändert.

Handlungsempfehlungen für politische Entscheidungsträger:innen

EFPIA und EBC haben acht konkrete Handlungsempfehlungen erarbeitet:

  1. Alzheimer-Erkrankung und Hirn-Gesundheit national, europa- und weltweit zu einer Priorität der öffentlichen Gesundheit machen: Die EU-Kommission solle „Demenz-Strategien“ der Mitgliedsländer „koordinieren“ und mit entsprechenden finanziellen Mitteln versehen.
  2. Beschäftigte im Gesundheitswesen aus- und weiterbilden und sie sowie Bürger:innen für das Thema sensibilisieren: Fachpersonal muss fortlaufend auf dem aktuellen Stand bei Diagnose und Behandlungsoptionen gehalten werden; auch braucht es u.a. verstärkte Aufklärung der Bevölkerung - über Themen wie die Unterschiede zwischen Morbus Alzheimer und Demenz.
  3. Daten, Informationsaustausch und entsprechende Technologien zu Nutze machen: Elektronische Patientenakten beispielsweise könnten den Datenaustausch im Sinne einer optimierten Versorgung verbessern.
  4. Zugang zu Innovationen verbessern: Es muss sichergestellt sein, dass alle Betroffenen eine bestmögliche Versorgung erhalten - unabhängig von ihrem sozioökonomischen Status. Dazu gehört nicht nur das Thema Finanzierung und Erstattung, sondern auch die Kapazität: Nur mit ausreichend Personal und Ressourcen lassen sich Therapien durchführen und monitoren.
  5. Genügend finanzielle Mittel für Forschung und Infrastruktur sicherstellen: Es bedarf z.B. mehr Förderung für klinische Alzheimer-Studien in Europa.
  6. Bevölkerung und Patient:innen involvieren: Ein Ansatzpunkt wäre, Menschen mit Morbus Alzheimer in das Design klinischer Studien stärker einzubeziehen - sodass diese patientenzentriert, gut zugänglich und inklusiv sind.
  7. Multidisziplinär denken: Für eine umfassende Versorgung der Betroffenen müssen u.a. Spezialist:innen aus Neurologie, Radiologie, Pflege, Psychologie, Geriatrie, Ernährungswissenschaft und Allgemeinmedizin als Team zusammenarbeiten. Die Telemedizin könnte dazu beitragen, dass gerade auch in abgelegenen Wohngegenden regelmäßige Arztgespräche möglich sind.
  8. Post-diagnostische Behandlungspfade über Leitlinien definieren und mit entsprechenden Geldern versehen: Das Festlegen bestimmter „Behandlungspfade“ trägt dazu bei, dass die Menschen wirklich alle Stationen im Gesundheitssystem durchlaufen, die sie für eine optimale Versorgung benötigen - und zwar in allen Ländern.

Vorbereitung auf die neue Ära der Alzheimer-Therapie

Es reicht nicht, einfach abzuwarten, bis immer mehr neue Alzheimer-Therapien verfügbar sind. Ändert sich im System nichts, könnten vielen Betroffenen Innovationen aus strukturellen Gründen verwehrt bleiben. Es fehlt an ausreichend Kapazitäten für die Früherkennung in der Primärversorgung, an Alzheimer-Zentren, an Fachärzt:innen in ländlichen Gegenden und an psychosozialen Unterstützungsangeboten.

EFPIA und EBC betonen, dass die Gesellschaft in den kommenden Jahren einen tiefgreifenden Wandel erfahren wird und die Gesundheitssysteme sich darauf einstellen müssen, Ressourcen für schnelle Diagnosen, Behandlungsmöglichkeiten und Präzisionsmedizin bereitzustellen. Letztlich ist es eine Frage von Gesundheit, Gerechtigkeit und Wirtschaft, ob künftig alle Alzheimer-Betroffenen in Europa gleichermaßen von Innovationen profitieren werden.

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Forschungsprojekte und vielversprechende Ansätze

Die Alzheimer Forschung Initiative (AFI) fördert verschiedene Forschungsprojekte, die sich mit unterschiedlichen Aspekten der Alzheimer-Krankheit befassen:

  • TREM2: Ein Forschungsteam untersucht, wie man den Schalter TREM2 beeinflussen kann, um entzündliche Prozesse, die mit Alzheimer einhergehen, einzudämmen.
  • ApoE3: Ein Team möchte mit Hilfe eines gentherapeutischen Verfahrens das Risiko-Gen ApoE3 verändern und damit das Risiko für Alzheimer senken.
  • Frontotemporale Demenz (FTD): Ziel eines Projekts ist es, genetische Risikofaktoren für die Frontotemporale Demenz (FTD) aufzuklären.
  • Bluttests: Untersucht wird, inwieweit Bluttests das Alzheimer-Risiko im frühen Stadium zuverlässig abschätzen können.

Wohin führt die Forschung?

Die Forschung zu Alzheimer und anderen Demenzen entwickelt sich rasant. Weltweit arbeiten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler daran, die Ursachen der Erkrankung besser zu verstehen, neue Diagnostikverfahren zu entwickeln und Therapien zu finden, die den Verlauf der Krankheit beeinflussen können. Noch gibt es keine Heilung, aber für einige Formen der Demenz gibt es bereits zuverlässige Diagnostikverfahren, Präventionsmaßnahmen und erste Therapien, die den Krankheitsverlauf verlangsamen können.

Schwerpunkte der aktuellen Forschung

  1. Früherkennung: Neue Bluttests, bildgebende Verfahren und digitale Methoden sollen es ermöglichen, die Krankheiten deutlich früher und zuverlässiger zu erkennen.
  2. Antikörper-Medikamente: Mit den Antikörpern Leqembi und Kisunla gibt es erstmals Medikamente, die den Verlauf von Alzheimer verlangsamen können.
  3. Krankheitsmechanismen verstehen: Forschende untersuchen zentrale Prozesse im Gehirn von Menschen mit Alzheimer, um die Entstehung der Erkrankungen besser zu verstehen und neue Ansatzpunkte für Therapien zu finden.
  4. Vorbeugung von Demenzerkrankungen: Die Forschung versucht, Zusammenhänge zwischen Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Diabetes, Hörverlust, Depressionen oder soziale Isolation und Demenzerkrankungen besser zu verstehen und Menschen dabei zu unterstützen, ihr persönliches Risiko zu senken.
  5. Pflege und Lebensqualität: Studien befassen sich damit, wie die Versorgung individueller, die Belastung für Angehörige geringer und die Selbstständigkeit der Erkrankten länger erhalten werden kann.

Nanotechnologie für die Alzheimer-Therapie

Ein internationales Forschungsteam arbeitet daran, mithilfe von Nanopartikeln Alzheimer-Medikamente in das Gehirn zu transportieren. Das Gehirn wird durch die Blut-Hirn-Schranke geschützt, die verhindert, dass schädliche Substanzen, aber eben auch Alzheimer-Medikamente, in das Gehirn gelangen. Die Forscher versehen die Nanopartikel mit Ankermolekülen, die bestimmte Strukturen in der Blut-Hirn-Schranke erkennen und so die Nanopartikel und mit ihnen auch das Alzheimer-Medikament quasi huckepack ins Gehirn transportieren.

Die Rolle der Amyloid-Plaques

Viele Wissenschaftler gehen davon aus, dass die bei Alzheimer auftretenden Plaques zwischen den Nervenzellen wesentlich zum Absterben von Nervenzellen beitragen. Deshalb setzen viele Arzneimittel-Kandidaten an der Substanz an, aus der sie bestehen: dem Beta-Amyloid-Protein. Ein Typ dieser Medikamente enthält gentechnisch hergestellte Antikörper, die sich an das Beta-Amyloid-Protein oder Vorstufen davon heften. Das Immunsystem baut dann das so markierte Protein ab, wodurch der Raum zwischen den Nervenzellen gereinigt wird. Dieser Ansatz wird auch „passive Immunisierung gegen Alzheimer“ genannt.

Ein Blick in die Zukunft

Die Demenzforschung ist heute vielfältiger und dynamischer denn je. Noch gibt es keine Heilung für Alzheimer. Doch die Fortschritte sind ermutigend. Mit Lecanemab und Donanemab stehen erstmals zwei Wirkstoffe zur Verfügung, die gezielt an einer der Hauptursachen der Erkrankung ansetzen. Als Amyloid-Antikörpertherapien entfernen sie krankhafte Eiweißablagerungen im Gehirn, die sich bei der Alzheimer-Krankheit anreichern und dort im Verlauf Nervenzellen schädigen. Für Betroffene im Frühstadium der Krankheit markieren die neuen Therapien einen medizinischen Meilenstein.

Privat-Dozent Dr. Matthias Pawlowski betont, dass die Therapien mit Lecanemab und Donanemab vor allem ein Schritt in die richtige Richtung sind. Leider ist die Wirkung noch nicht so groß wie wir uns das wünschen würden. Die Therapie mit den sogenannten Amyloid-Antikörpern verspricht im Moment noch keine Heilung, lediglich eine Verlangsamung des Fortschreitens der Demenz.

Es ist wichtig zu verstehen, dass die Medikamente keine Heilung bedeuten, aber ein großer Fortschritt ist, dass wir zum ersten Mal überhaupt Wirkstoffe zur Verfügung haben, die die Ursache der Alzheimer-Demenz angreifen. Alzheimer-Demenz ist multikausal und es gibt noch weitere Prozesse im Körper, die nicht mit den Eiweiß-Antikörpern außer Kraft gesetzt werden können. Ziel ist im Moment also nur die Verlangsamung des Fortschreitens der kognitiven Einschränkungen.

Der Nutzen für die gesamte medizinische Alzheimer-Forschung ist unglaublich hoch. Erstmals haben wir Therapeutika in der Hand, die ursächlich ansetzen. Es gibt weitere Amyloid-Antikörper, die sich im Moment in der klinischen Überprüfung befinden. Die Entwicklung geht also weiter. Künftig sind auch Kombinationstherapien denkbar aus mehreren Wirkstoffen, die zusammen mit der Amyloid-Antikörpertherapie vielleicht noch besser wirken. Dazu wird an Biomarker-Tests gearbeitet, die helfen sollen, die Erkrankung vor Ausbruch zu entdecken. Insgesamt ist die Wirkung individuell und nicht prognostizierbar. Einige Patientinnen und Patienten profitieren kaum, andere haben unter der Therapie jahrelang einen stabilen Verlauf.

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