Ein Herzinfarkt kann nicht nur körperliche, sondern auch neurologische Folgen haben. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen neurologischen Reha-Maßnahmen, die nach einem Herzinfarkt in Frage kommen, um Patienten auf ihrem Weg zurück in ein selbstständiges Leben bestmöglich zu unterstützen.
Einführung
Ein Herzinfarkt ist ein einschneidendes Ereignis, das oft unerwartet eintritt und sowohl den Betroffenen als auch ihre Angehörigen vor große Herausforderungen stellt. Neben den direkten Auswirkungen auf das Herz-Kreislauf-System kann ein Herzinfarkt auch neurologische Schäden verursachen, die eine umfassende Rehabilitation erforderlich machen. Die neurologische Reha zielt darauf ab, die körperliche und geistige Leistungsfähigkeit wiederherzustellen und den Patienten eine möglichst selbstständige Lebensführung zu ermöglichen.
Ursachen und Folgen neurologischer Beeinträchtigungen nach Herzinfarkt
Ein Herzinfarkt entsteht durch eine Verstopfung der Herzkranzgefäße, wodurch das Herzmuskelgewebe nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt wird. Dieser Sauerstoffmangel kann auch das Gehirn betreffen und zu neurologischen Schäden führen. Mögliche Ursachen und Folgen sind:
- Zerebrale Durchblutungsstörungen: Schlaganfälle oder Hirnblutungen infolge des Herzinfarkts.
- Hirnschäden durch Sauerstoffmangel: Nach einem Herzstillstand kann es zu einer Unterversorgung des Gehirns mit Sauerstoff kommen, was zu dauerhaften Schäden führen kann.
- Kognitive Beeinträchtigungen: Konzentrationsstörungen, Merkfähigkeitsstörungen, Lese- und Rechenstörungen, Orientierungsstörungen.
- Sprach- und Sprechstörungen: Aphasie (Sprachverlust) oder Dysarthrie (Sprechstörung).
- Schluckstörungen: Dysphagie.
- Neurologische Ausfälle: Lähmungen (Paresen), Sensibilitätsstörungen.
- Neuropsychologische Störungen: Beeinträchtigungen der Wahrnehmung, Aufmerksamkeit und Exekutivfunktionen.
Phasen der neurologischen Rehabilitation
Die neurologische Rehabilitation ist ein kontinuierlicher Prozess, der in verschiedene Phasen unterteilt ist. Diese Phasen bauen aufeinander auf und sind auf die individuellen Bedürfnisse und Fortschritte des Patienten abgestimmt.
- Phase A: Akutphase: In dieser Phase steht die Sicherung der lebenswichtigen Körperfunktionen (Atmung, Kreislauf etc.) im Vordergrund. Die Behandlung erfolgt in der Regel auf einer Intensivstation.
- Phase B: Frührehabilitation: Diese Phase schließt sich direkt an die Akutbehandlung an und beinhaltet eine intensivmedizinische Betreuung zur Stabilisierung von Herz, Kreislauf und Atmung. Ziel ist die Frühmobilisierung und die Vermeidung von Folgeschäden.
- Phase C: Postprimäre Rehabilitation: In dieser Phase liegt der Fokus auf dem Wiedererlangen von Alltagsfähigkeiten wie Essen, Anziehen und Körperpflege. Die Förderung der Beweglichkeit steht ebenfalls im Vordergrund.
- Phase D: Anschlussheilbehandlung (AHB): Ziel dieser Phase ist die Steigerung der Alltagsfähigkeiten und die Ermöglichung einer weitgehenden Selbstständigkeit.
- Phase E: Soziale und berufliche Wiedereingliederung: In dieser Phase ist der Patient weitgehend selbstständig. Es werden Maßnahmen zur Wiedereingliederung in das soziale und berufliche Leben ergriffen.
- Phase F: Zustandserhaltende Pflege: Diese Phase ist für Patienten vorgesehen, die aufgrund fehlender Rückbildungstendenzen dauerhaft auf Hilfe angewiesen sind.
- Phase G: Ggf.
Maßnahmen der neurologischen Rehabilitation nach Herzinfarkt
Die neurologische Rehabilitation nach einem Herzinfarkt umfasst eine Vielzahl von Maßnahmen, die individuell auf die Bedürfnisse des Patienten zugeschnitten werden.
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Ärztliche Behandlung und Diagnostik
- Fachärztliche Überprüfung: Nach der Aufnahme erfolgt eine umfassende Untersuchung und Überprüfung des Aufnahmebefundes, der Medikations- und Therapieverordnung.
- Engmaschige fachübergreifende ärztliche Versorgung: Internistische, orthopädische und bei Bedarf weitere fachärztliche Betreuung.
- Diagnostische Kontrolluntersuchungen: Monitorüberwachung, Ultraschall, EEG, EMG, evozierte Potenziale, EKG, Langzeit-EKG, 24-Stunden-Blutdruckmessung, Röntgen, Laboruntersuchungen, Spirometrie, Schlaf-Apnoe-Diagnostik.
- Kooperationen mit Kliniken: Bei Bedarf stehen zusätzliche diagnostische Methoden wie CT und MRT zur Verfügung.
Therapie
- Multidisziplinäres Team: Ärzte, Therapeuten und Pflegekräfte legen gemeinsam das Therapieziel und Therapieprogramm fest.
- Einzeltherapien: In der Frühreha werden überwiegend Einzeltherapien angewendet.
- Aktivierende Pflege: Unterstützung bei der Körperpflege und Mobilisierung.
- Basale Stimulation: Förderung der Wahrnehmung und Kommunikation.
- Alltagsbezogene funktionelle Therapie: ADL-Training (Aktivitäten des täglichen Lebens) zur Erhaltung oder Wiedererlangung der Selbstständigkeit.
- Wasch- und Anziehtraining: Üben der alltäglichen Handlungen zur Selbstversorgung.
- Wahrnehmung und Sensibilitätstraining: Verbesserung der Wahrnehmung und Sensibilität.
- Hilfsmittelberatung: Beratung zu Rollstühlen und anderen Hilfsmitteln zur Erleichterung des Alltags.
- Funktionelle Übungsbehandlung: Verbesserung der Beweglichkeit und Kraft der oberen Extremitäten und des Rumpfes.
- Kognitives Training: Verbesserung der kognitiven Fähigkeiten wie Konzentration, Gedächtnis und Aufmerksamkeit.
- Koordinationsübungen: Verbesserung der Koordination von Bewegungen.
- Schienenversorgung: Anpassung von Schienen zur Unterstützung von Gelenken und Muskeln.
- Sensibilitätstraining und Wahrnehmungsschulung: Verbesserung der sensorischen Wahrnehmung.
- Angehörigenberatung und -schulung: Unterstützung und Schulung der Angehörigen im Umgang mit dem Patienten.
- Sprachtherapie/Logopädie: Behandlung von Sprach- und Sprechstörungen (Aphasie-Therapie).
- Therapien zur Verminderung von Schluckstörungen: Verbesserung der Schluckfunktion und Vermeidung von Mangelernährung.
- Engmaschiges Trachealkanülen-Management: Versorgung von Patienten mit Trachealkanülen.
- Ernährungstherapie: Anpassung der Kostform und Festlegung einer Ernährungsstrategie.
Psychologische Betreuung
- Psychokardiologische Betreuung: Identifizierung und Behandlung von psychischen Problemen wie Depressionen, Angstzuständen und Stress.
- Krankheits-Bewältigungsgruppen: Austausch mit anderen Betroffenen und Erarbeitung von Strategien zur Krankheitsbewältigung.
- Einzelgespräche: Individuelle psychologische Unterstützung zur Verarbeitung des Herzinfarkts und zur Bewältigung der Folgen.
Weitere wichtige Aspekte
- Sozialdienst: Beratung und Unterstützung bei sozialen Fragen, z.B. bei der Organisation von Pflegediensten oder der beruflichen Wiedereingliederung.
- Ernährungsberatung: Schulung in einer herzgesunden Ernährung.
- Bewegungstherapie: Individuell angepasstes Bewegungstraining zur Verbesserung der körperlichen Leistungsfähigkeit und zur Stärkung des Herz-Kreislauf-Systems.
- Entspannungstechniken: Erlernen von Entspannungstechniken zur Stressreduktion.
- Tabakentwöhnung: Unterstützung bei der Raucherentwöhnung.
Ziele der neurologischen Rehabilitation nach Herzinfarkt
Die neurologische Rehabilitation nach einem Herzinfarkt verfolgt eine Vielzahl von Zielen, die sich an den individuellen Bedürfnissen und Möglichkeiten des Patienten orientieren. Zu den wichtigsten Zielen gehören:
- Wiederherstellung der körperlichen und geistigen Leistungsfähigkeit.
- Verbesserung der Selbstständigkeit im Alltag.
- Reduktion von Angst und Depression.
- Verbesserung der Krankheitsverarbeitung.
- Förderung einer herzgesunden Lebensweise.
- Wiedereingliederung in das soziale und berufliche Leben.
- Erhöhung der Lebensqualität.
Auswahl der geeigneten Rehaklinik
Die Wahl der geeigneten Rehaklinik ist ein wichtiger Faktor für den Erfolg der Rehabilitation. Patienten haben das Recht, ihre Rehaklinik selbst auszusuchen (§ 8 Sozialgesetzbuch IX). Bei der Auswahl sollten folgende Kriterien berücksichtigt werden:
- Spezialisierung auf neurologische Rehabilitation.
- Erfahrung in der Behandlung von Patienten nach Herzinfarkt.
- Vorhandensein eines multidisziplinären Teams.
- Angebot eines umfassenden Therapieprogramms.
- Qualität der medizinischen und pflegerischen Versorgung.
- Lage und Ausstattung der Klinik.
- Zertifizierungen und Auszeichnungen.
Antragstellung und Kostenübernahme
Die Beantragung einer neurologischen Rehabilitation erfolgt in der Regel durch den behandelnden Arzt im Krankenhaus oder durch den Hausarzt. Bei Berufstätigen ist die Rentenversicherung, bei Nicht-Berufstätigen die Krankenkasse zuständig. Die Kosten für die Rehabilitation werden in der Regel von der Rentenversicherung oder der Krankenkasse übernommen.
Fazit
Die neurologische Rehabilitation nach einem Herzinfarkt ist ein wichtiger Schritt, um die körperliche und geistige Leistungsfähigkeit wiederherzustellen und den Patienten eine möglichst selbstständige Lebensführung zu ermöglichen. Durch ein umfassendes Therapieprogramm und die Betreuung durch ein multidisziplinäres Team können Patienten ihre Lebensqualität verbessern und in ein aktives Leben zurückkehren. Die Wahl der geeigneten Rehaklinik und die rechtzeitige Antragstellung sind entscheidend für den Erfolg der Rehabilitation.
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