Die erschütternde Diagnose eines seltenen Hirntumors stellte das Leben des damals 19-jährigen Nick Heinsdorf aus Trittenheim (Kreis Trier-Saarburg) auf den Kopf. Doch statt zu verzweifeln, nahm Nick den Kampf gegen die Krankheit auf. Seine Geschichte berührt viele Menschen und löste eine Welle der Hilfsbereitschaft aus. Dieser Artikel beleuchtet Nicks Krankheitsverlauf, die Unterstützung, die er erhielt, und die Initiativen, die entstanden sind, um ihm und anderen Betroffenen zu helfen.
Die Diagnose und der Beginn des Kampfes
Im Sommerurlaub bemerkte Nick Heinsdorf, der sich eigentlich auf seine Abiturprüfung am Nikolaus von Kues Gymnasium in Bernkastel-Kues vorbereiten wollte, erste Anzeichen einer Erkrankung. Plötzlich hatte er Probleme beim Sprechen und Gehen. Nach Untersuchungen im Brüderkrankenhaus Trier folgte die schockierende Diagnose: ein inoperabler Hirntumor am Stammhirn, ein sogenanntes Diffuses intrinsisches Ponsgliom (DIPG).
DIPG ist eine seltene und aggressive Form von Hirntumor, die vor allem Kinder und junge Erwachsene betrifft. Da der Tumor im Stammhirn sitzt, einem lebenswichtigen Bereich des Gehirns, ist eine Operation in der Regel nicht möglich. Die durchschnittliche Lebenserwartung nach der Diagnose beträgt nur etwa neun Monate.
"Während unseres Familienurlaubs im Juli hatte ich erste Anzeichen, dass irgendetwas mit mir nicht stimmt. Plötzlich hatte ich Probleme beim Gehen, Sprechen und Schlucken", so Nick.
Trotz der düsteren Prognose gab Nick die Hoffnung nicht auf. Er informierte sich über alternative Behandlungsmethoden und stieß auf ein Medikament aus den USA, das in klinischen Studien positive Ergebnisse gezeigt hatte. Dieses Medikament ist in Deutschland jedoch nicht zugelassen und wird daher nicht von den Krankenkassen bezahlt.
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Die Hoffnung auf ein Medikament aus den USA
Das Medikament aus den USA, das Nick Hoffnung gab, sollte Tumorzellen zerstören, ohne gesunde Zellen anzugreifen. "Dieses Medikament soll Tumorzellen zerstören können, die gesunden Zellen jedoch nicht angreifen. Das ist meine größte Hoffnung", erklärte Nick.
Die Behandlung mit diesem Medikament ist jedoch sehr teuer und kostet mehrere tausend Euro pro Monat. Um die Kosten decken zu können, starteten Familie und Freunde einen Spendenaufruf.
Eine Welle der Hilfsbereitschaft
Nicks Geschichte berührte viele Menschen in Trittenheim, der Region und darüber hinaus. Die Anteilnahme und Hilfsbereitschaft waren überwältigend. "Es macht mich sprachlos, wie viele Leute mir helfen", sagte Nick Heinsdorf.
Es wurden zahlreiche Spendenaktionen ins Leben gerufen, darunter Benefizkonzerte, Kuchenverkäufe und sportliche Veranstaltungen. Die Schülervertretung der Freiherr-vom-Stein-Realschule plus Bernkastel-Kues organisierte beispielsweise einen "Kuchenverkauf für Nick", bei dem mehrere Klassen eine Woche lang Kuchen verkauften.
Auch der Sportverein SG Neumagen-Dhron/Trittenheim, in dem Nick Fußball spielte, unterstützte ihn tatkräftig. Sein Vater, Uwe Heinsdorf, der selbst im Fußball aktiv war und die "Kicker gegen Krebs" ins Leben gerufen hatte, setzte sich ebenfalls für seinen Sohn ein.
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Die Spendenbereitschaft ermöglichte es Nick, die Behandlung mit dem Medikament aus den USA zu beginnen. Zunächst erhielt er die Kapseln von einem deutschen Arzt, der mit Kollegen in den USA zusammenarbeitet.
Unterstützung und Therapie
Neben der medikamentösen Behandlung erhielt Nick auch verschiedene Therapien, um seine körperlichen und geistigen Fähigkeiten zu erhalten und zu verbessern. Dazu gehörten Krankengymnastik, Ergo- und Logotherapie. Zudem stand er in Kontakt zur Uniklinik Heidelberg, wo er sich ebenfalls behandeln ließ.
Trotz der schwierigen Umstände versuchte Nick, so normal wie möglich weiterzuleben. Er bereitete sich auf seine Abiturprüfungen vor, traf sich mit Freunden und spielte Fußball, so gut es ging.
Der Kampf geht weiter
Trotz aller Anstrengungen und Unterstützung verschlechterte sich Nicks Zustand im Laufe der Zeit. Die Therapien zeigten nicht die gewünschte Wirkung, und der Tumor wuchs weiter.
Dennoch gab Nick den Kampf nicht auf. "Der Kampf geht weiter", sagte er. Sein Vater ergänzte: "Anders geht es nicht. Es gibt natürlich auch Phasen, in den man down ist und Tiefs hat, aber da muss man wieder rauskommen, ähnlich wie beim Fußballspielen."
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Das Vermächtnis von Nick Heinsdorf
Nick Heinsdorf verstarb im Jahr 2020 im Alter von nur 19 Jahren an den Folgen seiner Erkrankung. Sein Kampf gegen den Hirntumor und die Welle der Hilfsbereitschaft, die er auslöste, werden jedoch unvergessen bleiben.
Zu Ehren von Nick wurde die "Nick Heinsdorf Stiftung" gegründet. Ziel der Stiftung ist es, Menschen in ähnlichen Notlagen zu unterstützen, insbesondere kranke Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Die Stiftung möchte deren Lebenssituation verbessern oder erträglicher machen.
Die Stiftung entstand aus den Spenden, die für Nick gesammelt wurden und nicht vollständig für seine Behandlung aufgebraucht wurden. "Von den Spenden, die für Nick in vielen verschiedenen Aktionen von Vereinen und Privatleuten gesammelt wurden ist noch ein großer Betrag vorhanden, den wir in die Stiftung einbringen möchten, um damit im Sinne von Nick, Menschen in ähnlichen Notlagen zu unterstützen", so Nicks Familie.
Nick & Co.: Hilfe für schwer kranke Kinder
Eine weitere Initiative, die im Zusammenhang mit Nicks Geschichte entstanden ist, ist "Nick & Co. - Helfende Hände Oberberg". Diese private Initiative wurde bereits 2011 von Bettina Hühn gegründet, nachdem sie den damals vierjährigen Nick kennengelernt hatte.
"Aus der Hilfe für ein Kind entstand ein Projekt, welches Familien mit schwer kranken Kindern begleitet und unterstützt, und heute in die Ursula Barth Stiftung eingebettet ist", so Bettina Hühn.
"Nick & Co." organisiert Benefizveranstaltungen, um Spenden für schwer kranke Kinder und ihre Familien zu sammeln. Bis 2023 kamen so rund 68.500 Euro zusammen.
Memento Vivere: Lebe den Moment
Nick Heinsdorf war ein liebenswerter, intelligenter und lebensfroher junger Mann, der trotz seiner schweren Erkrankung seinen Lebensmut nicht verlor. Sein Lebensmotto war "Memento Vivere" - Lebe den Moment.
Nicks Geschichte ist ein Beispiel für die Stärke des menschlichen Geistes und die Bedeutung von Solidarität und Hilfsbereitschaft. Sein Vermächtnis lebt in den Initiativen weiter, die seinen Namen tragen und Menschen in Not unterstützen.