Ernährung und Migräne: Was Sie wissen sollten

Die Rolle der Ernährung bei der Entstehung und Behandlung von Migräne und Kopfschmerzerkrankungen ist ein viel diskutiertes Thema. Obwohl es keine allgemeingültigen Ernährungsempfehlungen für Migränepatienten gibt, deuten aktuelle Forschungsergebnisse auf bestimmte Mechanismen hin, die die kopfschmerzauslösende Wirkung der Ernährung erklären könnten. Diese Mechanismen beziehen sich insbesondere auf die Auswirkungen bestimmter Nahrungsbestandteile und Substanzen, Neuropeptide, Ionenkanäle und Rezeptoren sowie die Freisetzung von Stickstoffmonoxid, die Aktivierung des sympathischen Nervensystems, Gefäßerweiterungen und Veränderungen im zerebralen Glukosestoffwechsel.

Ernährung als möglicher Triggerfaktor

Viele Migränepatienten berichten, dass bestimmte Lebensmittel, Inhaltsstoffe und Getränke einen Migräneanfall auslösen können. Etwa 12-60 % der Migränepatienten nennen bestimmte Nahrungsmittel als mögliche Auslöser. Zu den häufig genannten Triggern gehören Alkohol, Koffein, Histamin und Tyramin. Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass die spezifischen Mechanismen, mit denen diese Lebensmittel einen Anfall auslösen können, bisher unzureichend verstanden sind. Es ist auch wichtig zu wissen, dass die Auslöser einer Migräneattacke von Mensch zu Mensch sehr unterschiedlich sind.

Kopfschmerztagebuch als Hilfsmittel

Um Ihre individuellen Trigger herauszufinden, kann es hilfreich sein, ein Kopfschmerztagebuch zu führen. In diesem Tagebuch können Sie Ihre Ernährung, Ihre Aktivitäten und andere Faktoren, die als Auslöser verdächtigt werden, notieren. Es ist nicht sinnvoll, wenn Migräne-Kranke generell Nahrungsmittel meiden, von denen bekannt ist, dass sie Anfälle provozieren, denn Nahrungsmittel spielen nicht bei allen Patienten eine Rolle.

Die Rolle von Histamin

Es gibt histaminhaltige Lebensmittel, die bei darauf sensibel reagierenden Menschen Migräneattacken auslösen können. Dies sind dann beispielsweise bestimmte Käsesorten, geräucherte Lebensmittel oder auch Weine. Hier sollte man das Ausbleiben von Attacken bei Vermeidung histaminhaltiger Nahrung prüfen. Weiterhin sollte man ärztlichen Rat suchen und eine mögliche Histaminunverträglichkeit ansprechen.

Koffein und Migräne

Koffein wird vor allem über Kaffee, Tee und koffeinhaltige Limonaden sowie Erfrischungsgetränke aufgenommen. Doch auch in der Behandlung von Migräneattacken kommen Koffein-haltige Medikamente zum Einsatz, da diese nachweislich die Wirkung verbessern. Höhere Dosierungen (>300-400 mg/ Tag) können vor allem bei Männern Angst und Panikstörungen hervorrufen. Bekannt ist zudem, dass eine unregelmäßige Koffeinzufuhr - nicht nur bei Migränepatienten - Kopfschmerzen verursachen kann.

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Gemäß den Ergebnissen einer epidemiologischen Studie können koffeinhaltige Arzneimittel und Getränke das Risiko, einen chronischen Kopfschmerz zu entwickeln, mäßig erhöhen. Zu der Beziehung zwischen Migräne und Koffeinkonsum existieren unterschiedliche Ergebnisse. Zwar haben die meisten Studien eine höhere Prävalenz von Kopfschmerzen, Migräne und chronischen Kopfschmerzen durch erhöhten Koffeinkonsum berichtet, andere Studien hingegen bestätigten diesen Zusammenhang nicht.

Alkohol als Trigger

Zahlreiche Publikationen belegen, dass Alkohol den bedeutendsten alimentären Kopfschmerztrigger darstellt. Die pathophysiologischen Zusammenhänge der Kopfschmerztriggerung durch Alkohol sind bisher unzureichend geklärt. Die Häufigkeit, mit der Migränepatienten Alkohol als möglichen Triggerfaktor angeben, schwankt erheblich und scheint sowohl von der individuellen Verträglichkeit, der Art des alkoholischen Getränkes sowie der Kopfschmerzform abhängig zu sein.

Glutamat

Der in zahlreichen Fertigprodukten, Fertigsaucen und -dressings sowie Gewürzsalzen und Konserven zum Einsatz kommende Geschmacksverstärker gilt als möglicher Auslöser für Kopfschmerzen und einer Reihe anderer Beschwerden. Die Daten zur Rolle von Glutamat als Kopfschmerztrigger zeigen unterschiedliche Ergebnisse.

Ernährungsumstellungen und Diäten

Es gibt verschiedene Ernährungsumstellungen und Diäten, die bei Migräne in Betracht gezogen werden können. Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass die Wirksamkeit dieser Ansätze nicht immer durch Studien belegt ist und dass sie nicht für jeden geeignet sind.

Ketogene Diät (KD)

Die ketogene Diät (KD) wird bereits seit den 1930er Jahren intensiv erforscht und stellt eine etablierte Maßnahme in der Therapie der Epilepsie bei Kindern dar. Klinische Daten weisen darauf hin, dass die fettreiche und extrem kohlenhydratreduzierte Ernährungsform sich in vielerlei Hinsicht positiv auf das Krankheitsgeschehen der Migräne auswirkt. Nach dem ersten Monat konnte neben einer Gewichtsreduktion eine deutliche Verringerung der Kopfschmerzhäufigkeit und der Medikamenteneinnahme festgestellt werden.

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Oligoantigene Diät

Die oligoantigene Diät hat sich in einigen Studien als hilfreicher Behandlungsansatz in der Therapie von Migräne, ADHS und Epilepsie erwiesen. In einer doppelblinden Untersuchung konnte durch die Ernährungsumstellung bei 93 % der untersuchten Kinder eine Kopfschmerzreduktion erzielt werden. Darüber hinaus besserten sich während dieser Zeit auch andere Symptome wie Bauchschmerzen, Verhaltensstörungen, Asthma und Ekzeme.

Fettarme Diät

In einer Studie mit 54 Migränepatienten wurde gezeigt, dass sich die Häufigkeit, die Intensität sowie die Dauer der Attacken im Rahmen einer 12-wöchigen fettarmen Diät signifikant verbesserten. Auch hier wurde unter der fettarmen Diät eine Reduktion der Anfallshäufigkeit und -intensität beobachtet.

Stabil-glykämische Diät

Jüngste Forschungsergebnisse zeigen, dass eine stabil-glykämische Diät eine vielversprechende prophylaktische Maßnahme gegen Migräne ist und ihre Wirksamkeit durch einen personalisierten Ansatz weiter verbessert werden kann.

Regelmäßige Mahlzeiten

Migräne-Attacken können durch Fastenperioden ausgelöst oder auch verstärkt werden. Darum ist es wichtig, regelmäßig zu essen.

Mikronährstoffe und Migräne

In Studien wurde gezeigt, dass Migränepatienten verminderte Konzentrationen der Mikronährstoffe Riboflavin (Vitamin B2), Magnesium und Coenzym Q10 aufweisen. Die Mikronährstoffe spielen eine wichtige Rolle bei der Energieerzeugung in den Mitochondrien und sind an zahlreichen physiologischen Prozessen beteiligt, die das Krankheitsgeschehen der Migräne beeinflussen.

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Folsäure und Vitamin B12

Menschen, die an Migräne leiden nehmen im Vergleich zu Nicht-Migränikern weniger Folat über die Nahrung auf. Studien zeigen, dass eine Supplementierung von 25 mg Vitamin B6 und 400 μg Vitamin B12 sowie 2 mg Folsäure die Schwere der Kopfschmerzen bei Personen mit Migräne mit Aura deutlich verringern kann.

Omega-3-Fettsäuren

Dabei war der Effekt nach 16 Wochen am stärksten ausgeprägt, wenn die Zufuhr an Omega-3-Fettsäuren (z. B. Leinöl, Lachs) zu- und diejenige an Omega-6-Fettsäuren (z. B. Schweinefleisch, tierische Fette, Innereien, Soja-/Maiskeimöl) abnahm. Ein messbarer, aber geringerer Effekt trat auf, wenn nur der Verzehr an Omega-3-Fettsäuren stieg, derjenige an Omega-6-Fettsäuren aber konstant blieb. Die Anzahl der Kopfschmerztage reduzierte sich um 2 bis 4 Tage; auch die Anzahl der Kopfschmerzstunden nahm ab. Einige konnten die Anzahl der eingenommenen Kopfschmerztabletten reduzieren.

Weitere Faktoren

Neben der Ernährung spielen auch andere Faktoren eine Rolle bei der Entstehung und Behandlung von Migräne. Dazu gehören Stress, Schlafmangel, hormonelle Veränderungen und Umweltfaktoren.

Stress

Viele Wissenschaftler gehen davon aus, dass das Gehirn von Migräne-Patientinnen und Migräne-Patienten aufgrund ihrer Veranlagung empfindlicher reagiert als das Gehirn gesunder Menschen. Darum können plötzliche Veränderungen im Körper, beispielsweise hormonelle Schwankungen im Verlauf des weiblichen Monatszyklus oder Veränderungen äußerer Einflüsse eine Attacke auslösen. Diese inneren und äußeren Einflüsse, die einen Migräne-Anfall provozieren können, werden Triggerfaktoren genannt.

Schlafmangel

Zu wenig Schlaf ist ein Risikofaktor für Migräne.

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