Kampfsportarten: Mehr als nur Kämpfen – Auswirkungen auf das Nervensystem und den Körper

Kampfsport hat sich längst von seinem Ruf als reine "Haudrauf-Sportart" befreit. Immer mehr Menschen erkennen die vielfältigen positiven Auswirkungen, die diese Disziplin auf Körper und Geist haben kann. Neben dem offensichtlichen Training von Kraft, Ausdauer und Technik, beeinflussen Kampfsportarten auch in erheblichem Maße das Nervensystem und fördern das allgemeine Wohlbefinden.

Die Vielfalt des Kampfsports: Ein Überblick

Kampfkunst und Kampfsport sind zwei verwandte, aber unterschiedliche Konzepte. Kampfkunst bezieht sich auf Stile, die Fertigkeiten und Techniken der körperlichen Auseinandersetzung ohne festgelegte Regeln lehren, wobei Selbstverteidigung im Vordergrund steht. Kampfsport hingegen entsteht, wenn diese Künste einem Regelwerk unterliegen, das einen sportlichen Wettkampf ermöglicht.

Zu den populärsten Kampfsportarten zählen Aikido, Judo, Jiu-Jitsu, Karate und Kendo aus Japan, Kung-Fu und Wing Tsun aus China sowie Taekwondo aus Korea. Taekwondo, die "Kunst des Fuß- und Handkampfes", ist eine dynamische Kampfkunst, bei der Fußtechniken überwiegen und die seit dem Jahr 2000 olympische Disziplin ist.

Acht gute Gründe, Kampfsport auszuprobieren

  1. Spielerisches Training: Entgegen der landläufigen Meinung steht beim Kampfsporttraining für Freizeitsportler das Miteinander im Vordergrund. In der Regel trainiert man mit einem Partner ähnlichen Niveaus und erlernt gemeinsam neue Techniken. Der Fokus liegt auf spielerischer Ausführung statt auf Kraft und Aggressivität. Kommunikation spielt eine wichtige Rolle, da man auf das Feedback des Partners angewiesen ist, um die korrekte Ausführung der Techniken zu gewährleisten.
  2. Effektiver Stressabbau: Sportliche Betätigung hilft, dem Alltagsstress zu entfliehen und Glückshormone freizusetzen. Kampfsport erleichtert dies durch das Training mit einem Partner und die Notwendigkeit, sich voll und ganz auf das Hier und Jetzt zu konzentrieren. Im Gegensatz zu monotonen Sportarten wie Laufen, lässt Kampfsport keine Zeit für Grübeleien, da ständige Aufmerksamkeit gefordert ist, um Schläge zu blocken oder Technikhinweise des Trainers nicht zu verpassen.
  3. Keine Langeweile: Kampfsport gehört zu den abwechslungsreichsten Sportarten überhaupt. Es gibt unzählige Techniken zu erlernen und verschiedene Stile zu beherrschen. Zu jeder Basistechnik existieren Aufbautechniken, Abwehrtechniken und Kontertechniken. Hinzu kommen Kraft- und Ausdauerelemente sowie Sparring, bei dem die erlernten Techniken in einer Kampfsimulation getestet werden können. Viele Studios bieten mittlerweile verschiedene Kampfsportarten an, was die Vielfalt zusätzlich erhöht.
  4. Beweglichkeit und Koordination: Um Tritte, Schläge oder Würfe perfekt auszuführen, sind ein hohes Maß an Koordination und Beweglichkeit erforderlich. Kampfsport trainiert gezielt die Muskelansteuerung durch das Nervensystem. Man lernt, Muskelgruppen gezielt zu aktivieren und zu entspannen, was ein elementarer Aspekt der funktionalen Fitness ist.
  5. Hoher Kalorienverbrauch: Kampfsport ist ein effektiver Weg, um Kalorien zu verbrennen. Durch die abwechslungsreichen Bewegungen bleibt der Puls konstant hoch. Eine Stunde Boxtraining kann bis zu 670 Kalorien verbrennen.
  6. Respektvolles Miteinander: Viele Kampfsportarten haben eine lange Tradition und legen Wert auf die Vermittlung von Werten und Disziplin. Ein respektvolles Miteinander wird von jedem Trainierenden erwartet, unabhängig von Beruf, ethnischer Herkunft oder Religion.
  7. Steigerung von Selbstwertgefühl und Selbstbewusstsein: Muskelaufbau, Stressabbau, Fortschritte und positives Feedback stärken das Selbstbewusstsein. Bereits als Anfänger erlebt man Erfolgserlebnisse und bemerkt körperliche Veränderungen, was motiviert, am Ball zu bleiben.
  8. Fitness-Allrounder: Kampfsport trainiert gleichzeitig Kraft, Geschwindigkeit, Explosivität, Ausdauer und Koordination. Viele Studios bieten zusätzlich separate Kraft- und Ausdauerklassen an.

Kampfkunst als geistige Übung

In Asien gilt Kampfkunst als geistige Übung, bei der es um inneres Wachstum und die Überwindung der eigenen Schwächen geht. Wettbewerb und Vergleich mit anderen spielen keine Rolle.

Verschiedene Stile bieten unterschiedliche Schwerpunkte:

Lesen Sie auch: Diagnose von Schmerzen an der Außenseite des Knies

  • Tai Chi (Taijiquan): Ähnlich wie Tai Chi, aber noch stärker als Meditations- und Gesundheitsübung im Sinne der traditionellen chinesischen Medizin gedacht. Soll als solche den Energieaushalt des Körpers stabilisieren und Krankheiten kurieren. Die langsamen Übungsformen werden fließend aneinandergefügt und allein ausgeführt. Tai Chi wirkt sich positiv auf Bluthochdruck aus, senkt langfristig das Risiko für Schlaganfälle und koronare Herzerkrankungen und schult den Gleichgewichtssinn.
  • Kung Fu: Umfasst verschiedene chinesische Kampfkunststile und erfordert ein hohes Maß an Ausdauer, Beweglichkeit und Konzentration. Einige Formen werden mit Waffen ausgeführt.
  • Aikido: Eine japanische Kampfkunst, die auf Selbstverteidigung ausgerichtet ist und durch Wurf- und Haltetechniken einen Gegner von seinem Angriff abhalten soll. Sie ist von einer friedlichen geistigen und philosophischen Grundhaltung geprägt.
  • Karate: Beinhaltet Schlag-, Stoß- und Tritttechniken und trainiert körperliche Kondition, Beweglichkeit und Schnelligkeit. Ist heute sehr häufig sportlich orientiert.
  • Taekwondo: Eine koreanische Kampfkunst, die wie Karate auf Schnelligkeit ausgerichtet ist und häufig als sportlicher Wettkampf ausgeführt wird.

Koordination im Kampfsport: Das Zusammenspiel von Körper und Geist

Koordination beschreibt das harmonische Zusammenspiel von Sinnesorganen, Nervensystem und Skelettmuskulatur, um Bewegungen reibungslos auszuführen. Sie ist die Grundvoraussetzung für Bewegungsabläufe, Schnelligkeit, Ausdauer und das gezielte Umsetzen von Handlungsabläufen.

Man unterscheidet zwischen intramuskulärer und intermuskulärer Koordination:

  • Intramuskuläre Koordination: Je höher die intramuskuläre Koordination, desto mehr Muskelfasern eines Muskels werden aktiviert. Regelmäßiges Training führt dazu, dass immer mehr Muskelfasern aktiviert werden, wodurch der Muskel stärker und größer wird.
  • Intermuskuläre Koordination: Beschreibt das Zusammenwirken verschiedener Muskeln, die für einen Bewegungsablauf notwendig sind. Je höher die intermuskuläre Koordination, desto fließender sind die Bewegungen und desto weniger Energie muss aufgewendet werden, um diese durchzuführen.

Kampfkunst ist eine vielseitige Sportart, die die verschiedenen Fähigkeiten der Koordination regelmäßig anspricht. Man muss immer wieder spontan auf Veränderungen der Bewegungsabläufe und das Gegenüber reagieren und führt dabei eine Vielzahl an Bewegungen gleichzeitig oder schnell nacheinander aus. So werden Reaktionszeit und Reflexe automatisch trainiert.

Das autonome Nervensystem und Faszien: Eine wichtige Verbindung

Das autonome Nervensystem (ANS) reguliert unwillkürliche Körperfunktionen wie Herzschlag, Atmung, Verdauung und Stressreaktionen. Faszien, das Bindegewebe, das Muskeln, Organe und Knochen umgibt, spielen ebenfalls eine wichtige Rolle bei der Körperkommunikation. Spannungen oder Verklebungen in den Faszien können einen direkten Einfluss auf das autonome Nervensystem haben.

  • Verhärtete oder verklebte Faszien können zu erhöhtem Druck und Spannungen im Körper führen, was das sympathische Nervensystem aktiviert und zu einem erhöhten Stresspegel führt.
  • Schmerzen, die durch verhärtete oder verklebte Faszien verursacht werden, können das autonome Nervensystem weiter stressen und zu einer verstärkten Aktivierung des sympathischen Systems führen.
  • Spannungen in den Faszien können die Beweglichkeit einschränken, was zu einer eingeschränkten Bewegungsfreiheit führt.

Qigong: Regeneration für Kampfsportler

Qigong, wörtlich übersetzt "Arbeit mit der Lebensenergie", ist ein integraler Bestandteil der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM). Es ist eine Kombination aus sanften Bewegungen, bewusster Atmung und mentaler Konzentration, die das Ziel hat, das Qi, unsere Lebensenergie, im Körper zu harmonisieren. Für Kampfsportler ist Qigong eine ideale Methode zur Regeneration, zur Vorbeugung von Verletzungen und zur Steigerung der Leistungsfähigkeit.

Lesen Sie auch: Nurvet Kautabletten Nerven: Die Inhaltsstoffe und ihre Wirkung.

Es gibt verschiedene Formen des Qigong:

  • Stilles Qigong (Jinggong): Der Fokus liegt auf innerer Ruhe und Meditation.
  • Bewegtes Qigong (Donggong): Charakterisiert durch fließende Bewegungsabläufe.
  • Zhanzhuanggong: "Stehen wie ein Baum", fördert innere Ruhe und Konzentration.

Qigong kann Stress reduzieren, Depressionen lindern, Herz-Kreislauf-Erkrankungen positiv beeinflussen, die Rehabilitation nach Verletzungen unterstützen, Angstsymptome lindern und das Nervensystem regulieren. Es lässt sich nahtlos in das Kampfsporttraining integrieren, sowohl als Aufwärmprogramm als auch als Cool-Down.

Wissenschaftliche Erkenntnisse über die positiven Auswirkungen von Kampfsport

  • Taekwondo-Training verbessert die posturale und neuromuskuläre Leistung bei Kindern.
  • Taekwondo-Schüler weisen ein verbessertes Aufmerksamkeitsverhalten und eine verbesserte Verhaltenskontrolle auf.
  • Altersadaptiertes Taekwondo-Training verbessert Balance und kognitive Fähigkeiten bei älteren Erwachsenen.
  • Taekwondo-Training verbessert die "Körperintelligenz" und zerebrale Konnektivität.
  • Taekwondo-Basisbewegungen können Fehlhaltungen bei Kindern korrigieren.

Kampfsport als umfassendes Körpertraining

Kampfsport bewirkt bemerkenswerte physiologische Veränderungen im menschlichen Körper, die weit über die offensichtlichen Aspekte hinausgehen. Regelmäßiges Training führt zu umfassenden muskulären Anpassungen, die sich deutlich von denen des herkömmlichen Krafttrainings unterscheiden. Die entwickelte Kraft ist funktioneller Natur und auf reale Bewegungsmuster ausgerichtet.

Kampfsporttraining ist ein hocheffektiver Weg zur Gewichtsreduktion und zum Körperfettabbau, da es einen erheblichen Kalorienverbrauch verursacht. Es fördert die Flexibilität und Beweglichkeit, was zu einer verbesserten Leistungsfähigkeit sowohl im Training als auch im Alltag führt. Durch die präzisen Techniken wird die Körperhaltung verbessert und das Risiko von Rückenschmerzen reduziert.

Auswirkungen auf das Herz-Kreislauf-System und das Nervensystem

Kampfsporttraining stellt besondere Anforderungen an das Herz-Kreislauf-System, da es Phasen hoher Intensität mit aktiven Erholungsphasen kombiniert. Dies führt zu einer erhöhten Herzeffizienz und einer verbesserten Sauerstoffversorgung des Körpers.

Lesen Sie auch: Warum Eltern manchmal nerven

Die komplexen Bewegungsabläufe, die präzise Koordination und die schnellen Reaktionen, die im Kampfsport gefordert werden, führen zu signifikanten neurologischen Anpassungen. Die Kommunikation zwischen Gehirn und Muskeln wird verbessert und die Reaktionsfähigkeit gesteigert.

Langfristige Vorteile von Kampfsport

Langfristiges Kampfsporttraining führt zu nachhaltigen physiologischen Veränderungen, die die Gesundheit und Leistungsfähigkeit bis ins hohe Alter positiv beeinflussen können. Dazu gehören der Erhalt von Muskelmasse, eine erhöhte Knochendichte, eine verbesserte metabolische Gesundheit, eine gestärkte Immunfunktion, der Erhalt der neuromuskulären Kontrolle und eine kardiovaskuläre Langzeitgesundheit.

Verletzungsrisiken und Prävention

Während Freizeitsportler sich im Allgemeinen nur relativ selten verletzen, steigen Anzahl und Schwere akuter Verletzungen bei Leistungssportlern deutlich an. Häufige Ursachen sind ein ungenügendes Warm-up, Schläge des Trainingspartners, ein ungenügender physischer Trainingszustand und eine ungenügende Schutzausrüstung.

Um Verletzungen vorzubeugen, ist ein ausreichendes Warm-up, eine gute physische Vorbereitung und die Verwendung von Schutzausrüstung unerlässlich. Im Wettkampf sollten nur ausreichend qualifizierte Kampfrichter eingesetzt werden, die bei Ungleichheit der Kontrahenten rechtzeitig einschreiten und den Kampf abbrechen müssen.

tags: #nerven #angreifen #kampfsport