Taurin, bekannt als Bestandteil von Energy-Drinks und Nahrungsergänzungsmitteln, ist eine natürlich im Körper vorkommende Verbindung mit vielfältigen physiologischen Effekten. Dieser Artikel beleuchtet die Wirkungen, Anwendungsgebiete und potenziellen Nutzen von Taurin, insbesondere im Hinblick auf Spastik, einem häufigen Problem bei Multipler Sklerose (MS).
Was ist Taurin?
Taurin ist ein Abbauprodukt der Aminosäuren Methionin und Cystein. Chemisch korrekt wird es als 2-Aminoethansulfonsäure bezeichnet. Obwohl es gelegentlich als Aminosäure bezeichnet wird, ist es im herkömmlichen Sinne keine. Der Körper kann Taurin selbst herstellen und ist nicht auf die Zufuhr von außen angewiesen. Es kommt natürlicherweise in tierischen Lebensmitteln vor, insbesondere in Fisch, Fleisch und Milch.
Vorkommen und Aufgaben im Körper
Taurin findet sich in hohen Konzentrationen im Gehirn, der Netzhaut des Auges, im Herz, in der Muskulatur und in den weißen Blutkörperchen. Auch in der Muttermilch ist es enthalten.
Taurin erfüllt im Körper vielfältige Aufgaben:
- Stabilisierung von Zellmembranen
- Antioxidative Wirkung: Bindung zellschädigender freier Radikale.
- Beteiligung an der Fettverdauung: Taurin wird in der Leber an Gallensäuren angehängt, um deren Löslichkeit zu verbessern.
- Beteiligung an der Entwicklung des zentralen Nervensystems und des Herzens
- Antiarrhythmische Wirkung: Sorgt für einen regelmäßigen Herzschlag.
- Angstlösende Eigenschaften
- Verhinderung der Glykierung: Der Anheftung von Zucker an Zellstrukturen, besonders in der Niere.
Taurin und Leistungssteigerung
Taurin wird oft als Zellschutz für Sportler angepriesen. Es soll membranstabilisierende und antioxidative Wirkungen haben. Allerdings wird dieser Effekt von Experten als überbewertet angesehen. In Energy-Drinks soll Taurin zusammen mit Koffein fit machen. Die anregende Wirkung beruht jedoch hauptsächlich auf der hohen Koffeinmenge. Es gibt keine qualitativ hochwertigen Studien, die eine Verbesserung der geistigen und körperlichen Leistungsfähigkeit durch Taurin belegen. Eine Studie mit Ausdauersportlern konnte keinen leistungssteigernden Effekt nachweisen.
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Anwendung von Taurin
Taurin wird in Arzneimitteln ausschließlich im Rahmen der parenteralen Ernährung eingesetzt, also bei künstlicher Ernährung über Nährstoffinfusionen. Solche Infusionen erhalten vor allem Neugeborene, deren Körper Taurin noch nicht selbst bilden kann. Es ist essentiell für die Entwicklung der Augennetzhaut, den Zellschutz, die Fettverdauung und die Kommunikation zwischen Nervenzellen. Die europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat ermittelt, dass eine tägliche Einnahme von bis zu drei Gramm Taurin unbedenklich ist. Taurin wird außerdem manchen Nahrungsergänzungsmitteln und vielen Energy-Drinks zugesetzt.
Taurin und Spastik bei Multipler Sklerose
Spastik beeinträchtigt den Alltag von Patienten mit Multipler Sklerose oft erheblich. Einer Studie zufolge litten 27 % der deutschen MS-Patienten an leichter, 44 % an mittelschwerer und 29 % an schwerer Spastik. Die Folgen können gravierend sein, von Pilzinfektionen in verkrampften Händen bis hin zu Harnverhalt und schmerzhaften Muskelrissen.
Die potenziellen Auswirkungen von Taurin auf Spastik sind noch nicht umfassend erforscht. Es gibt jedoch Hinweise darauf, dass Taurin eine Rolle bei der Behandlung von Multipler Sklerose spielen könnte. In einer Studie zeigte sich, dass MS-Patienten, die regelmäßig Fisch konsumierten, weniger unter neurologischen Beschwerden litten. Dies wird auf die entzündungshemmende Wirkung der Omega-3-Fettsäuren zurückgeführt. Es wird vermutet, dass neben den Omega-3-Fettsäuren auch die Aminosäure Taurin eine Rolle bei der schützenden Wirkung spielt.
Wie Taurin bei Spastik wirken könnte:
- Neuroprotektive Eigenschaften: Taurin könnte Nervenzellen vor Schäden schützen, die zur Spastik beitragen.
- Entzündungshemmende Wirkung: Taurin könnte Entzündungsprozesse im Nervensystem reduzieren, die Spastik verstärken können.
- Einfluss auf Neurotransmitter: Taurin beeinflusst die Funktion von Neurotransmittern, die für die Muskelkontrolle wichtig sind.
Es ist wichtig zu beachten, dass weitere Forschung erforderlich ist, um die genauen Mechanismen und die Wirksamkeit von Taurin bei Spastik zu verstehen.
Anwendung von Taurin
Taurin wird als Bestandteil einer parenteralen Ernährung als Infusionslösung verabreicht. Zur Nahrungsergänzung wird der Stoff in Getränken gelöst oder in Form von Kapseln oder reinem/vermischtem Taurin-Pulver eingenommen. Außerdem ist es Bestandteil vieler Energy-Drinks (zusammen mit Koffein).
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Nebenwirkungen und wichtige Hinweise
Nebenwirkungen von Taurin zeigen sich meist erst bei sehr hoher Dosierung. Einzelfälle berichten von Magenverstimmungen und Magenbrennen. Taurin kann bei Kindern Schläfrigkeit bewirken. Unter Einhaltung der maximalen Tagesdosierung ist Taurin relativ unbedenklich, jedoch sollten Menschen mit Nierenbeschwerden auf eine Einnahme verzichten (vor allem in höherer Dosierung). Es gibt keine Daten zur Anwendung von Taurin in der Schwangerschaft und Stillzeit. Aus diesem Grund sollten Schwangere und Stillende von einer Einnahme absehen.
Geschichte des Taurins
Taurin wurde erstmals im Jahr 1827 von deutschen Chemikern aus der Ochsengalle isoliert und Gallen-Asparagin genannt. Der Trivialname der 2-Aminoethansulfonsäure ist Taurin. Dieser wurde erstmals 1838 in der wissenschaftlichen Literatur erwähnt.
Weitere Therapieansätze bei Multipler Sklerose
Neben der potenziellen Rolle von Taurin gibt es eine Reihe weiterer Therapieansätze, die bei Multipler Sklerose und Spastik eingesetzt werden können:
- Medikamentöse Therapie: Es gibt verschiedene Medikamente zur Behandlung von Spastik, wie Baclofen. Es gibt allerdings auch Berichte, dass Baclofen das rationale Denken einschränken kann.
- Physiotherapie und Ergotherapie: Diese Therapien können helfen, die Muskelkraft und Beweglichkeit zu verbessern und Spastik zu reduzieren.
- Transkranielle Magnetstimulation (TMS): Dieses Verfahren kann bei MS-bedingter Fatigue helfen.
- Ernährung: Eine entzündungshemmende Ernährung mit Omega-3-Fettsäuren und möglicherweise Taurin kann sich positiv auf den Krankheitsverlauf auswirken.
- Sport: Moderater Sport kann die Symptome von MS lindern.
- Psychosoziale Unterstützung: Die DMSG bietet Informationen und Unterstützung für Menschen mit MS und ihre Angehörigen.
- Stammzelltransplantation: In einigen Fällen kann eine autologe Stammzelltransplantation in Betracht gezogen werden.
Fatigue bei Multipler Sklerose
Fatigue, ein chronisches Erschöpfungssyndrom, ist ein weiteres häufiges Symptom bei MS. Es gibt verschiedene Therapieansätze zur Behandlung von Fatigue, darunter:
- Energie-Management: Strategien zur Einteilung der Energie über den Tag.
- Kühlung: Vermeidung von Überhitzung.
- Ausdauertraining: Moderater Sport zur Verbesserung der Ausdauer.
- Aufmerksamkeitstraining: Übungen zur Verbesserung der Konzentration.
- Medikamente: In einigen Fällen können Medikamente zur Linderung der Fatigue eingesetzt werden.
Es ist wichtig zu beachten, dass die Behandlung von Fatigue individuell angepasst werden muss.
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