Krebserkrankungen und ihre Behandlung können verschiedene Auswirkungen auf den Körper haben. Ein wichtiger Aspekt, der oft übersehen wird, ist das erhöhte Risiko für Blutgerinnsel und in seltenen Fällen Hirnblutungen. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen und Risikofaktoren für Hirnblutungen nach einer Chemotherapie, wobei auch auf die Symptome, Diagnose und Behandlungsmöglichkeiten eingegangen wird.
Erhöhtes Thromboserisiko bei Krebserkrankungen
Eine Krebserkrankung, wie beispielsweise Eierstockkrebs oder Gebärmutterkrebs, ist mit einem erhöhten Risiko für die Bildung von Blutgerinnseln, einer sogenannten Thrombose, verbunden. Das allgemeine Risiko kann je nach Krebsart, Stadium und den eingesetzten Krebsbehandlungen um das Vier- bis Siebenfache erhöht sein. Schätzungsweise entwickeln etwa 20 Prozent aller Krebspatienten eine Thrombose.
In den meisten Fällen bildet sich das Blutgerinnsel in einer Vene, vor allem in den tiefen Bein- oder Beckenvenen, was als tiefe Venenthrombose (TVT) bezeichnet wird. Venen haben dünnere Wände als Arterien und einen niedrigeren Blutdruck, was dazu führt, dass das Blut langsamer fließt und leichter ins Stocken geraten kann. Seltener verstopft ein Blutgerinnsel eine Arterie, was als arterielle Thrombose bezeichnet wird.
Was ist eine Thrombose?
Per Definition ist eine Thrombose ein Blutgerinnsel in einem Gefäß. Dieses Gerinnsel kann den Blutfluss behindern oder vollständig blockieren, was gefährlich werden kann. Wenn das Blutgerinnsel im Zusammenhang mit einer Krebserkrankung entsteht, spricht man von einer "krebsbedingten Thrombose".
Teile des Blutgerinnsels oder der gesamte Thrombus können sich ablösen und über das Gefäßsystem in andere Körperbereiche transportiert werden. Wenn ein solches Gerinnsel in einer Lungenarterie landet und diese verstopft, kann eine Lungenembolie die Folge sein, die lebensbedrohlich sein kann und sofortiges ärztliches Handeln erfordert.
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Eine Thrombose in einer Vene, die zu einer Embolie führt, wird als "venöse Thromboembolie" (VTE) bezeichnet.
Ursachen für das erhöhte Thromboserisiko bei Krebspatienten
Es gibt verschiedene Risikofaktoren, die bei Krebspatienten die Bildung von Blutgerinnseln begünstigen können:
- Krebsart und Tumorstadium: Einige Tumoren können auf Gefäße drücken und so den Blutfluss stören. Andere Tumoren setzen Substanzen frei, die die Zusammensetzung des Blutes verändern und die Gerinnung beschleunigen können.
- Virchow'sches Trias: Dieses Konzept beschreibt die drei Hauptursachen für eine Thrombose:
- Langsamer Blutfluss: Dies kann durch längere Bettlägerigkeit, Operationen oder Druck eines Tumors auf ein Gefäß verursacht werden.
- Veränderte Blutzusammensetzung: Das Blut kann sich "verdicken", beispielsweise durch Substanzen, die von Tumoren freigesetzt werden und die Fließeigenschaften des Blutes beeinflussen.
- Verletzungen der Gefäßwand: An diesen Verletzungen können sich Blutbestandteile leichter anlagern und zu einem Thrombus heranwachsen.
- Spezifische Krebsarten: Bei bestimmten Krebsarten ist das Thromboserisiko höher, darunter Eierstockkrebs, Gebärmutterkrebs, Bauchspeicheldrüsenkrebs, Lungenkrebs, Nierenkrebs, Hodenkrebs, Magenkrebs, Lymphdrüsenkrebs (Lymphome), Gehirntumoren und Knochentumoren. Das Risiko für eine venöse Thromboembolie ist bei Brustkrebs und Prostatakrebs geringer.
- Tumorstadium: Eine fortgeschrittene oder metastasierte Krebserkrankung birgt ein höheres Risiko für Blutgerinnsel als eine Krebserkrankung ohne Metastasen.
- Aktivierung von Gerinnungsfaktoren: Einige Tumoren können Gerinnungsfaktoren aktivieren und so die Thrombinbildung in Gang setzen, ein Enzym, das an der Blutgerinnung beteiligt ist.
Krebstherapien als Risikofaktor
Bestimmte Krebstherapien können ebenfalls das Risiko für eine Thrombose erhöhen:
- Operationen: Bewegungsmangel und langes Liegen nach der Operation erhöhen das Risiko.
- Chemotherapie: Einige Chemotherapien begünstigen die Freisetzung von blutgerinnungsfördernden Substanzen. Zudem kann ein Portkatheter, der vor der Chemotherapie implantiert wird, eine Portkatheter-Thrombose verursachen. Es wird vermutet, dass einige Wirkstoffe gegen Krebs Schäden an den Gefäßen verursachen und ihre Funktion stören können.
- Strahlentherapie
- Antihormontherapie: Frauen, die aufgrund von Brustkrebs den Wirkstoff Tamoxifen einnehmen, haben ein bis zu dreifach erhöhtes Thromboserisiko.
- Angiogenesehemmer: Diese Medikamente verhindern die Bildung neuer Blutgefäße.
- Immuntherapie
Hirnblutung nach Chemotherapie: Ein seltener Fall
Während das erhöhte Thromboserisiko bei Krebspatienten gut dokumentiert ist, sind Hirnblutungen nach einer Chemotherapie ein selteneres, aber dennoch mögliches Ereignis. Eine Hirnblutung (zerebrale Hämorrhagie) ist eine Blutung im Gehirn, die durch verschiedene Faktoren ausgelöst werden kann.
Mögliche Ursachen für Hirnblutungen nach Chemotherapie
Die genauen Ursachen für Hirnblutungen nach einer Chemotherapie sind komplex und nicht vollständig geklärt. Es gibt jedoch mehrere Faktoren, die eine Rolle spielen könnten:
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- Thrombozytopenie: Eine der häufigsten Nebenwirkungen der Chemotherapie ist die Thrombozytopenie, ein Mangel an Blutplättchen. Da Thrombozyten für die Blutgerinnung unerlässlich sind, kann ein Mangel das Risiko für Blutungen, einschließlich Hirnblutungen, erhöhen. Das Knochenmark wird während der Chemo- oder Strahlentherapie geschädigt, kann dadurch die Entstehung der Blutplättchen beeinträchtigt werden. Es kommt zu einem Mangel an Thrombozyten - einer Thrombozytopenie. Der normale Thrombozytenwert liegt zwischen 140.000 und 440.000 Zellen pro Mikroliter (µl). Während oder nach der Chemotherapie kann eine Thrombozytopenie entstehen, wenn Ihr Thrombozytenwert abfällt.
- Direkte Schädigung der Blutgefäße: Einige Chemotherapeutika können die Blutgefäße im Gehirn direkt schädigen und sie anfälliger für Blutungen machen. Forschende vermuten zudem, dass einige Wirkstoffe gegen Krebs Schäden an den Gefäßen verursachen und ihre Funktion stören können.
- Hirnmetastasen: In einigen Fällen kann eine Hirnblutung durch das Vorhandensein von Hirnmetastasen verursacht werden. Hirnmetastasen sind Tumoren, die sich von einem anderen Teil des Körpers ins Gehirn ausgebreitet haben. Sie können die Blutgefäße im Gehirn schwächen und das Risiko für Blutungen erhöhen. Die Symptome ähneln denen eines Schlaganfalls oder einer Hirnblutung aus anderer Ursache.
- Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten: Einige Medikamente, die während der Chemotherapie eingesetzt werden, wie z. B. Antikoagulanzien (Blutverdünner), können das Risiko für Blutungen erhöhen, insbesondere wenn sie in Kombination mit einer Thrombozytopenie auftreten.
- Andere Risikofaktoren: Weitere Faktoren, die das Risiko für Hirnblutungen erhöhen können, sind hoher Blutdruck, Gefäßfehlbildungen im Gehirn, Alter und genetische Veranlagung.
Symptome einer Hirnblutung
Die Symptome einer Hirnblutung können je nach Größe und Lage der Blutung variieren. Einige häufige Symptome sind:
- Plötzliche, starke Kopfschmerzen
- Schwäche oder Taubheit in einem Arm oder Bein
- Sprachschwierigkeiten
- Sehstörungen
- Gleichgewichtsstörungen
- Übelkeit und Erbrechen
- Bewusstseinsverlust
- Krampfanfälle
Es ist wichtig zu beachten, dass nicht alle Patienten alle diese Symptome aufweisen und dass die Symptome je nach betroffenem Bereich des Gehirns unterschiedlich sein können.
Diagnose einer Hirnblutung
Wenn der Verdacht auf eine Hirnblutung besteht, sind schnelle Diagnosemaßnahmen entscheidend. Zu den üblichen Diagnoseverfahren gehören:
- Computertomographie (CT): Eine CT-Untersuchung des Gehirns kann eine Blutung schnell und zuverlässig erkennen.
- Magnetresonanztomographie (MRT): Eine MRT kann detailliertere Bilder des Gehirns liefern und helfen, die Ursache der Blutung zu identifizieren.
- Angiographie: Eine Angiographie kann verwendet werden, um die Blutgefäße im Gehirn zu untersuchen und Gefäßfehlbildungen oder andere Anomalien zu identifizieren.
Behandlung einer Hirnblutung
Die Behandlung einer Hirnblutung hängt von der Ursache, der Größe und Lage der Blutung sowie dem Zustand des Patienten ab. Zu den möglichen Behandlungsoptionen gehören:
- Medikamentöse Therapie: Medikamente können eingesetzt werden, um den Blutdruck zu senken, Krampfanfälle zu kontrollieren und die Schwellung im Gehirn zu reduzieren.
- Chirurgische Intervention: In einigen Fällen kann eine Operation erforderlich sein, um das Blutgerinnsel zu entfernen oder den Druck auf das Gehirn zu entlasten.
- Endovaskuläre Therapie: Bei bestimmten Arten von Hirnblutungen kann eine endovaskuläre Therapie eingesetzt werden, bei der ein Katheter durch ein Blutgefäß zum Ort der Blutung geführt wird, um die Blutung zu stoppen.
Prävention und Risikomanagement
Obwohl nicht alle Hirnblutungen verhindert werden können, gibt es Maßnahmen, die Krebspatienten ergreifen können, um ihr Risiko zu reduzieren:
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- Kontrolle des Blutdrucks: Ein hoher Blutdruck ist ein wichtiger Risikofaktor für Hirnblutungen. Patienten sollten ihren Blutdruck regelmäßig überwachen und gegebenenfalls Medikamente einnehmen, um ihn zu kontrollieren.
- Vermeidung von Blutverdünnern: Patienten sollten die Einnahme von Blutverdünnern nur nach Rücksprache mit ihrem Arzt in Erwägung ziehen, da diese das Risiko für Blutungen erhöhen können.
- Regelmäßige Blutuntersuchungen: Regelmäßige Blutuntersuchungen können helfen, eine Thrombozytopenie frühzeitig zu erkennen und zu behandeln.
- Gesunder Lebensstil: Ein gesunder Lebensstil mit ausgewogener Ernährung, regelmäßiger Bewegung und Vermeidung von Rauchen und übermäßigem Alkoholkonsum kann dazu beitragen, das Risiko für Hirnblutungen zu reduzieren.
Weitere mögliche Spätfolgen von Krebstherapien
Neben dem erhöhten Risiko für Thrombosen und Hirnblutungen können Krebstherapien auch andere Spätfolgen haben, die das Nervensystem betreffen. Dazu gehören:
- Chemo-Brain: Viele Krebspatienten berichten nach einer Chemotherapie über kognitive Beeinträchtigungen wie Gedächtnisprobleme, Konzentrationsschwierigkeiten und verlangsamte Denkprozesse. Dieses Phänomen wird als "Chemo-Brain" bezeichnet. Studien haben gezeigt, dass sich das Gehirn tatsächlich durch die Chemotherapie verändern kann, insbesondere in den Bereichen, die für das Erinnern, Planen und Einordnen von Informationen zuständig sind.
- Polyneuropathie: Einige Chemotherapeutika können Schäden an den peripheren Nerven verursachen, was zu Symptomen wie Taubheit, Kribbeln, Schmerzen und Schwäche in Händen und Füßen führen kann.
- Neuropathie: Die Wissenschaftler untersuchten gesunde Nervenzellen unter dem Einfluss einer Chemotherapie mittels einer neuen Technik namens SOFA (Synaptic Optogenetic Fluorescence Analysis). Dabei konnten sie die DNA der Nervenzellen so verändern, dass die Vesikel in einem Fluoreszenzmikroskop aufleuchten und die Forscher nachmessen konnten, wie groß die einzelnen Vesikelpools sind. Dabei haben sie festgestellt, dass die getesteten Chemotherapeutika die feine Abstimmung der Bläschengruppen durcheinanderbringen und das Zusammenspiel der Signalübertragung verhindern. Die Nervenzellen werden schon bei geringster Dosierung der Medikamente so stark geschädigt, dass sie nicht mehr ordnungsgemäß arbeiten konnten.
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