Hirnblutung nach der Geburt: Ursachen, Diagnose und Behandlung

Eine Hirnblutung nach der Geburt, auch postpartale Hirnblutung genannt, ist ein seltenes, aber potenziell schwerwiegendes Ereignis, das bei Neugeborenen auftreten kann. Es ist wichtig, die möglichen Ursachen, Symptome und Behandlungsoptionen zu verstehen, um eine schnelle Diagnose und Intervention zu gewährleisten. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über dieses Thema.

Einführung

Die infantile Zerebralparese (ICP) ist eine frühkindliche Hirnschädigung, die oft zu spastischen Lähmungen und anderen motorischen Symptomen führt. Hirnblutungen können eine der Ursachen für diese Schädigung sein.

Definition der infantilen Zerebralparese

Die infantile Zerebralparese ist eine dauerhafte Schädigung des reifenden Gehirns im frühen Kindesalter. Sie äußert sich meist durch eine spastische Bewegungsstörung. Die Erkrankung schreitet in der Regel nicht voran.

Ursachen von Hirnblutungen nach der Geburt

Die Ursachen für Hirnblutungen bei Neugeborenen sind vielfältig und oft altersabhängig. Die Ursachen für einen Schlaganfall in der Perinatalperiode (von der 20. Schwangerschaftswoche bis zum 28. Lebenstag) sind vielfältig. Zu den möglichen Ursachen gehören:

  • Sauerstoffmangel (Asphyxie): Sauerstoffmangel bei Neugeborenen, der vor, während oder nach der Geburt auftritt, kann zu Gewebeschäden und Hirnblutungen führen. Durch den Sauerstoffmangel und dadurch bedingte Ausschüttung bestimmter Hormone und Entzündungsmediatoren können Gewebe und die Organe insbesondere das Gehirn geschädigt werden.

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  • Geburtskomplikationen: Komplizierte Geburten können zu Sauerstoffmangel oder direkten Verletzungen des kindlichen Gehirns führen.

  • Frühgeburt: Frühgeborene sind anfälliger für Hirnblutungen, da ihre Gehirnstrukturen und Blutgefäße noch nicht vollständig entwickelt sind. Bei Babys, die vor der 25. Schwangerschaftswoche geboren werden, ist das Risiko einer schweren intraventrikulären Blutung (IVH) besonders hoch.

  • Schlaganfall: Eine der häufigsten neurologischen Erkrankungen des Gehirns beim Neugeborenen mit mangelnder Blutversorgung von Hirnbereichen durch Gerinnsel, Blutung oder Gefäßentzündungen.

  • Infektionen: Infektionen der Mutter während der Schwangerschaft oder des Neugeborenen können zu Hirnschäden führen. Ursachen können Infektionen, Vergiftungen (Alkohol, Drogen) oder andere Erkrankungen der Mutter in der Schwangerschaft sein.

  • Genetische Faktoren: In einigen Fällen können genetische Faktoren eine Rolle spielen. Geschwister von erkrankten Kindern haben ein mindestens 4-fach erhöhtes Erkrankungsrisiko. Es wird geschätzt, dass rund 12 % aller Erkrankungen durch spontane Veränderungen in den Genen des betroffenen Kindes ausgelöst werden.

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  • Arteriopathien: Arteriopathien sind die häufigste Ursache von Schlaganfällen im Kindes- und Jugendalter. im Rahmen der so genannten transienten cerebralen Arteriopathie (TCA). Die TCA ist eine der häufigsten Arteriopathien, die bei Kindern einen Schlaganfall auslösen kann. Sie geht vor allem mit Gefäßwandschäden in den großen Gehirnarterien einher, die zu dann zu schweren Minderdurchblutungen in lebenswichtigen Gehirnregionen (Basalganglien) führen. Bei Erkrankungen des Bindegewebes kann es wie bei Gefäßentzündungen nach Infektionen oder im Rahmen von Schädel-Hirn-Verletzungen zu Einris-sen und Aufspaltungen (Dissektionen) in Gefäßwänden und in der Folge zu Einblutungen ins Hirngewebe kommen. Diese Einblutungen können auf Blut-gefäße in ihrer Umgebung drücken und so wiederum zu akuten Durchblu-tungsstörungen in der betroffenen Hirnregion führen. Neben der Einblutung kann es auch direkt zur Bildung eines Gerinnsels in der Arterie kommen und damit eine Durchblutungsstörung der betroffenen Hinrregion ausgelöst wer-den.

  • Angeborene und erworbene Herzkrankheiten: Verschiedene angeborene und erworbene Herzkrankheiten stellen wichtige Risikofaktoren dar.

  • Stoffwechselerkrankungen: Manche angeborene Erkrankungen des Stoffwechsels führen zu Ablagerungen von Stoffwechselprodukten an den Innenwänden von Blutgefäßen. Andere gehen mit einer gestörten Funktion der Blutgefäße einher, die eine Gerinnselbildung fördert.

  • Medikamente und Behandlungen: Zahlreiche Medikamente und Behandlungen können durch ihre gerinnungsfördernden Nebenwirkungen beziehungsweise durch direkte Schädigung von Blutgefäßen im Gehirn das Schlaganfallrisiko erhöhen.

  • Vitamin-K-Mangel: Ein Mangel an Vitamin K kann zu Blutungen führen, da Vitamin K für die Blutgerinnung unerlässlich ist.

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Risikofaktoren für Hirnblutungen

Einige Risikofaktoren erhöhen die Wahrscheinlichkeit einer Hirnblutung nach der Geburt:

  • Frühgeburt
  • Geburtskomplikationen
  • Zu hohes oder zu niedriges Geburtsgewicht des Kindes
  • Mehrlingsschwangerschaft (z. B. Zwillinge)
  • Schwere Gelbsucht des Neugeborenen (Neugeborenenikterus)
  • Übergewicht der Mutter während der Schwangerschaft
  • Infektionserkrankungen wie Röteln, Zytomegalie, Toxoplasmose, Herpes simplex
  • Genetische Veranlagung

Symptome einer Hirnblutung

Die Symptome einer Hirnblutung können vielfältig sein und hängen von der Größe und Lage der Blutung ab. Einige häufige Symptome sind:

  • Verminderte Aktivität
  • Verminderte Wachsamkeit
  • Anzeichen von Schmerzen
  • Ungewöhnliche Bewegungen oder Krampfanfälle
  • Anschwellen der weichen Stellen am Kopf
  • Unregelmäßige Atmung
  • Apathie
  • Reagiert nicht auf Schmerzreize
  • Schlaffer Muskeltonus
  • Gespannte Fontanelle

Diagnose von Hirnblutungen

Die Diagnose einer Hirnblutung erfolgt in der Regel durch bildgebende Verfahren wie:

  • Ultraschall des Gehirns: Ultraschalluntersuchungen des Kopfes sind oft die ersten Schritte zur Diagnose.
  • MRT (Magnetresonanztomographie): Die MRT ist ein genaueres Verfahren, um das Ausmaß der Blutung und mögliche Schäden am Hirngewebe zu beurteilen.
  • CT (Computertomographie): In einigen Fällen kann eine CT-Untersuchung durchgeführt werden.

Einteilung der Hirnblutung

Die Erkrankung wird in vier Schweregrade eingeteilt:

  • Grad I: Die betroffene Person ist kaum beeinträchtigt.
  • Grad II: Die betroffene Person kann frei gehen.
  • Grad III: Die betroffene Person kann bis zum Alter von 5 Jahren nicht frei gehen.
  • Grad IV: Die betroffene Person kann sich nicht selbst fortbewegen, und die Handfunktion ist stark beeinträchtigt.

Behandlung von Hirnblutungen

Es gibt keine spezifische Behandlung für eine IVH, aber das Blut verschwindet allmählich über mehrere Wochen. Die Behandlung von Hirnblutungen bei Neugeborenen zielt darauf ab, die Symptome zu lindern und weitere Komplikationen zu verhindern. Zu den möglichen Behandlungen gehören:

  • Überwachung: Das Baby wird engmaschig überwacht, um Veränderungen des Zustands frühzeitig zu erkennen.
  • Unterstützende Maßnahmen: Dazu gehören die Aufrechterhaltung einer ausreichenden Sauerstoffversorgung, die Kontrolle des Blutdrucks und die Behandlung von Krampfanfällen.
  • Medikamente: Medikamente können eingesetzt werden, um Schwellungen im Gehirn zu reduzieren und Krampfanfälle zu kontrollieren. Gegen Spastiken stehen Medikamente zur Verfügung. Eingesetzt werden beispielsweise Baclofen und Tizanidin. Oft werden mehrere Medikamente kombiniert. Baclofen kann auch mittels einer Pumpe dauerhaft in den Rückenmarkskanal verabreicht werden. Auch die Gabe von Botulinumtoxin (Botox) ist möglich. Botox wird in Form von Spritzen verabreicht.
  • Operation: In einigen Fällen kann eine Operation erforderlich sein, um Blutungen zu stoppen oder den Druck im Gehirn zu entlasten. Bei Spastiken ist eine Operation im Einzelfall sinnvoll, wenn die anderen Behandlungsmöglichkeiten nicht ausreichend helfen. Es handelt sich um eine neurochirurgische Operation. Bei dem Eingriff werden z. B. Nervenwurzeln durchtrennt (Rhizotomie). Auch bei einem schmerzhaften Spitzfuß kann eine Operation sinnvoll sein, ebenso wie bei Fehlstellungen und Gelenkveränderungen.
  • Physiotherapie: Physiotherapeutische Übungen können die Motorik fördern und sollen Fehlstellungen verhindern. Zur Physiotherapie können z. B. ein Gangtraining und ein Laufbandtraining gehören. Außerdem sind passive Übungen wichtig, bei denen die betroffenen Arme und Beine von dem Physiotherapeuten bzw. der Physiotherapeutin bewegt werden.
  • Hilfsmittel: Hilfsmittel hängen davon ab, wie mobil das Kind ist. Mögliche Hilfsmittel sind z. B. eine Gehhilfe oder ein Rollstuhl. Hilfsmittel wie Schienen sollen Fehlstellungen korrigieren und Kontrakturen verhindern.
  • Elektrostimulation: Dabei wird durch Elektroden auf der Haut ein schwacher elektrischer Strom abgegeben. Dadurch können sich spastische Muskeln evtl. entspannen.

Komplikationen von Hirnblutungen

Hirnblutungen können zu verschiedenen Komplikationen führen, darunter:

  • Zerebralparese: Eine Schädigung des Gehirns kann zu motorischen Beeinträchtigungen und Entwicklungsverzögerungen führen.
  • Epilepsie: Hirnblutungen können das Risiko von Krampfanfällen erhöhen.
  • Hydrozephalus: Eine Ansammlung von Flüssigkeit im Gehirn kann zu erhöhtem Druck und Schäden führen. Bei einer niedergradigen Hirnblutung (intraventrikulären Hämorrhagie I-II°) kommt es zu einer Blutung in die inneren mit Hirnwasser gefüllten Räume, den Ventrikeln. Dabei kann es zu einem gestörten Abfluss des Hirnwassers kommen, es bildet sich ein Hydrozephalus („Wasserkopf“). Bei einigen Kindern muss das Hirnwasser dann mit einem Schlauch in den Bauchraum abgeleitet werden.
  • Entwicklungsverzögerungen: Kinder mit Hirnblutungen können in ihrer Entwicklung verzögert sein.
  • Kognitive Beeinträchtigungen: In einigen Fällen können Hirnblutungen zu kognitiven Beeinträchtigungen führen. Etwa 30-50 % haben eine Intelligenzminderung.
  • Muskelverkürzungen mit Bewegungseinschränkung
  • Ausrenkung der Hüfte (Hüftluxation)
  • Druckgeschwür (Dekubitus)
  • Schwer zu behandelnde Epilepsie

Prävention von Hirnblutungen

Einige Maßnahmen können helfen, das Risiko von Hirnblutungen bei Neugeborenen zu verringern:

  • Gute pränatale Versorgung: Eine gute medizinische Versorgung während der Schwangerschaft kann dazu beitragen, Komplikationen zu vermeiden, die zu Hirnblutungen führen können.
  • Vermeidung von Frühgeburten: Maßnahmen zur Vermeidung von Frühgeburten können das Risiko von Hirnblutungen verringern. Wenn sich in der Schwangerschaft eine Frühgeburt abzeichnet, kann die schwangere Frau Magnesiumsulfat erhalten. Dadurch sinkt das Risiko, dass das ungeborene Kind eine Zerebralparese entwickelt.
  • Vitamin-K-Prophylaxe: Die Verabreichung von Vitamin K an Neugeborene kann das Risiko von Blutungen aufgrund eines Vitamin-K-Mangels verringern. Zur Verhinderung von Vitamin-K-Mangelblutungen ist die Substitution von Vitamin K bei Neugeborenen empfohlen und gängige Praxis.

Langzeitprognose

Die Langzeitprognose für Kinder mit Hirnblutungen hängt von der Schwere der Blutung und den resultierenden Komplikationen ab. Einige Kinder erholen sich vollständig, während andere lebenslange Beeinträchtigungen haben können. Die frühkindliche Hirnschädigung kann zwar nicht rückgängig gemacht werden. Trotzdem können sich die Symptome verändern. Dies geschieht hauptsächlich bis zum 5. Lebensjahr. Einige betroffene Kinder verbessern ihre Motorik bis zum 7. Lebensjahr. Viele Patient*innen haben eine annähernd normale Lebenserwartung. Eine frühzeitige Diagnose und Behandlung sind entscheidend, um die bestmögliche Prognose zu erzielen.

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