Eine Hirnblutung, auch als intrakranielle Blutung bezeichnet, ist eine Blutung im Schädelinneren. Sie stellt einen medizinischen Notfall dar, der umgehend behandelt werden muss. Unterschieden werden Hämatome im Gehirngewebe (intrazerebrale Blutung) und in bzw. zwischen den Hirnhäuten (extrazerebrale Blutung). Plötzliche Lähmungen, Sprachstörungen oder Bewusstlosigkeit können auf eine Hirnblutung hindeuten. Eine schnelle Hilfe und Nachsorge können den Betroffenen oft den Weg zurück in den Alltag erleichtern.
Arten von Hirnblutungen
Hirnblutungen umfassen alle Einblutungen im Inneren des Schädels. Je nach Lage werden sie in intrazerebrale Blutungen (ICB) und extrazerebrale Blutungen (ECB) unterteilt.
- Intrazerebrale Blutungen (ICB): Die Blutung findet direkt im Gehirnparenchym statt. Je nach Raumforderung können große Teile von funktionsfähigem Hirngewebe zerstört werden.
- Extrazerebrale Blutungen (ECB): Diese betreffen die drei Hirnhäute: Pia mater, Arachnoidea und Dura mater. Je nach Lokalisation werden das Epiduralhämatom (zwischen Schädelknochen und Dura mater), Subduralhämatom (zwischen Dura mater und Arachnoidea) und Subarachnoidalhämatom (im Subarachnoidalraum unter der Arachnoidea) unterschieden.
Ursachen von Hirnblutungen
Die Ursachen von Hirnblutungen sind vielfältig. Sie können spontan auftreten oder die Folge einer anderen Erkrankung sein. Häufig sind Hirnblutungen die Folge von Schädel-Hirn-Verletzungen. Typische Situationen sind Stürze, Unfälle und Streitigkeiten nach Alkohol- oder Drogeneinfluss. Blutgerinnungsstörungen und Gefäßerkrankungen können Hirnblutungen jeder Art begünstigen.
Ursachen intrazerebraler Blutungen
Bei intrazerebralen Blutungen liegt das Hämatom direkt im Hirnparenchym. Ursächlich werden zwei ICB-Formen unterschieden: spontane Blutungen und Blutungen als sekundäre Folge.
- Spontane ICB: Hier gibt es wiederum zwei Formen: kryptogene spontane oder idiopathisch spontane Blutungen. Bei der kryptogenen spontanen ICB ist eine Ursache wahrscheinlich bzw. wird vermutet, kann aber nach derzeitigem Kenntnisstand und heutigen Methoden nicht nachgewiesen werden. Bei der idiopathischen spontanen ICB gibt es gegenwärtig kein pathophysiologisches Konzept, das eine Ursache dieser Blutung erklären könnte.
- Sekundäre ICB: Die meisten intrazerebralen Blutungen haben eine sekundäre Ursache. Mit rund 35% gehen intrazerebrale Blutungen bei zwischen 40- und 70-Jährigen auf eine arterielle Hypertonie zurück. Die meisten Blutungen hypertensiver Genese sind Blutungen mit typischer Lokalisation (Hämatome in loco typico). Betroffen sind vor allem die Basalganglien sowie Thalamus, Kleinhirn und Pons. Lobäre und kortikale Einblutungen sind in der Regel nicht-hypertensiver Ätiologie.
Weitere Erkrankungen, die eine ICB verursachen können, sind vor allem:
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- Erkrankungen von Arterien und Arteriolen
- genetisch bedingte und erworbene Erkrankungen der kleinen Gefäße und großen Gefäße
- zerebrale Amyloidangiopathie
- zerebrales Aneurysma
- Moya-Moya-Erkrankung (Gefäßkrankheit verursacht durch eine progrediente Stenose der Hirnarterien an der Hirnbasis)
- Vaskulitiden
- reversibles Vasokonstriktionssyndrom
- sekundäre hämorrhagische Transformation
- Venöse Erkrankungen
- Venen-/Sinusthrombose
- Gefäßmalformation wie arteriovenöse Malformation, durale arteriovenöse Fistel und zerebrale kavernöse Malformation
- Tumoren, Ischämie
- Blutgerinnungsstörungen (auch iatrogen, zum Beispiel mit Vitamin-K-Antagonisten assoziierte Blutungen)
- hämatologische Erkrankungen
- intrazerebrale Blutungen im Kontext anderer Erkrankungen
- infektiöse Endokarditis
- Intoxikation
Ursachen Subarachnoidalblutung
Eine Subarachnoidalblutung kann traumatisch oder atraumatisch verursacht werden. Rund 40% aller Schädel-Hirn-Traumata sind mit einer SAB assoziiert. Atraumatische SAB machen 85% aller Subarachnoidalblutungen aus. Prädisponierende Faktoren sind Nikotin- und Alkoholabusus, arterielle Hypertonie sowie Angiopathien. Dazu zählen insbesondere kongenitale Wandschwächen der Tunica media und sekundäre arteriosklerotische oder entzündliche vaskuläre Veränderungen der Hirnbasisarterien. Diese Gefäßdeviationen sind nicht selten Ursache eines Aneurysmas. Nach großer körperlicher Anstrengung oder starkem Pressen bei erschwerter Defäkation beispielsweise wird die dünne Wand dieser geweiteten Gefäße extrem belastet. Rupturiert eine solche Gefäßwandaussackung kommt es zu einer Subarachnoidalblutung.
Atraumatische nicht-aneurysmatogene Subarachnoidalblutungen machen 15% aller SAB aus. Dazu zählen beispielsweise perimesenzephale SAB infolge venöser Einblutungen und kortikale SAB infolge einer Amyloidangiopathie. Weitere sekundäre nicht-aneurysmatogene Auslöser sind zerebrale arteriovenöse Malformationen, durale arteriovenöse Fisteln oder eine Dissektion intraduraler Gefäße.
Ursachen Subduralhämatom
Ein Subduralhämatom ist meist Folge einer Brückenvenen-Ruptur. Diese Venen verbinden die oberflächlichen Hirnvenen mit dem Sinus durae matris. Meist geht der Ruptur ein Unfall bzw. Trauma voraus. Mitunter entstehen Blutungen auch spontan, insbesondere während einer Therapie mit Antikoagulantien.
Ursachen Epiduralhämatom
Das Epiduralhämatom hat nahezu immer eine traumatische Ursache. Nach äußerer Gewalteinwirkung rupturiert in der Regel die Arteria meningea media oder seltener ein venöser Sinus. Mitunter sind Epiduralhämatome auch Folge hirnchirurgischer Eingriffe.
Risikofaktoren für Hirnblutungen
Als häufigster Risikofaktor für Hirnblutungen gilt Bluthochdruck. Epidemiologischen Studien zufolge kann eine arterielle Hypertonie bei bis zu 80% aller Patienten mit intrazerebralen Blutungen nachgewiesen werden. Eine optimale Blutdruckeinstellung senkt das ICB-Risiko erheblich. Weitere allgemeine Risikofaktoren sind Antikoagulantien und Thrombozytenaggregationshemmer. Dazu gehören insbesondere Wirkstoffe wie Phenprocoumon und Warfarin sowie Clopidogrel und Acetylsalicylsäure. Fibrinolytika und Heparine steigern ebenfalls das ICB-Risiko. Indirekt gelten alle eine Arteriosklerose begünstigenden Umstände als Risikofaktoren für eine Hirnblutung. Hierzu zählen neben einem Bluthochdruck der Konsum von Nikotin und Alkohol, ein erhöhter Blutfettspiegel, eine Blutzuckerkrankheit, Bewegungsmangel und Übergewicht.
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Pathogenese von Hirnblutungen
Pathogenese intrazerebraler Blutung
Jede intrazerebrale Blutung ist ein raumfordernder Prozess und verdrängt größenabhängig funktionierendes Hirnparenchym. Die meisten intrazerebralen Blutungen gehen auf eine Ruptur der Arteriae centrales anterolaterales zurück. Diese kleinen Gefäße entspringen vertikal aus der Arteria cerebri kurz nach deren Abgang aus der Arteria carotis interna. Eine solche Rhexisblutung schädigt zum einen das Hirngewebe selbst, beeinflusst aber auch die Blut-Hirn-Schranke. Dies fördert die Entstehung eines perifokalen Hirnödems - mit der Folge eines anteigenden Hirndrucks.
Pathogenese Subarachnoidalblutung
Einer SAB geht meist eine Aneurysma-Ruptur der Hirnbasisarterien voraus. Häufigste Lokalisation ist der Circulus arteriosus Willisii mit der:
- A. cerebri anterior/ communicans anterior (40%)
- A. carotis interna (30%)
- A. cerebri media (20%)
- A. basilaris/vertebrales (10%)
Infolge kommt es zum Hämatom im liquorgefüllten Subarachnoidalraum. Genau genommen handelt es sich bei einer SAB also um eine intrakraniale-extrazerebrale Blutung. Das Hämatom reizt die kranialen Hirngefäße und die umliegenden meningealen Areale von Arachnoidea und Pia mater. Zudem kann die Einblutung das Ventrikelsystem beeinflussen und beispielsweise den Aquaeductus cerebri und die Austrittsstelle des IV. Ventrikels verschließen. Infolge kann die Liquorflüssigkeit nicht mehr abfließen. Da fortwährend Liquor nachproduziert wird, staut sich die Flüssigkeit. Der Hirndruck steigt und ein Hydrozephalus entsteht. Je nach Ursache wird zwischen malresorptivem und okklusivem Hydrozephalus unterschieden.
Pathogenese Subduralhämatom
Nach Ruptur einer zwischen Dura mater und Arachnoidea verlaufenden Vene kommt es zur Einblutung zwischen Dura mater und Gehirn. Diese Raumforderung lässt den Druck im Subduralraum immer weiter ansteigen. Mit zunehmendem Druck (rasant über Stunden bis schleichend über Wochen) wird immer mehr Hirngewebe geschädigt und verdrängt.
Pathogenese Epiduralhämatom
Nach einer traumatischen Schädelkalottenfraktur wird häufig die Hirnhaut versorgende Arteria meningea media zwischen Schädelknochen und Dura mater verletzt. Die Einblutung breitet sich meist im Temporallappen aus.
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Symptome von Hirnblutungen
Die Symptome von Hirnblutungen unterscheiden sich nach Lokalisation und Größe des Hämatoms. Häufig sind Hirnblutungen jedoch mit einer verminderten Vigilanz, Kopfschmerzen, Paresen, Hemiplegien und anderen neurologischen Defiziten assoziiert. Da Hirnblutungen häufig die Ursache von hämorrhagischen Schlaganfällen sind, dominieren in vielen Fällen diese Symptome. Alleine aufgrund der Symptomatik kann ein blutungsbedingter Schlaganfall ohne bildgebende Verfahren weder ausgeschlossen, noch sicher bestätigt werden. Typisch sind Beschwerden, die schlagartig und meist aus völligem Wohlbefinden heraus ohne Vorboten auftreten (Schlaganfall). Häufig sind zusätzlich Übelkeit, Erbrechen oder Kopfschmerzen vorhanden.
Symptome intrazerebraler Blutungen
Intrazerebrale Blutungen zeigen sich häufig mit plötzlichen beginnenden Kopfschmerzen und verminderter Vigilanz. Dazu kommen Übelkeit und Erbrechen sowie Krampfanfälle (fokal oder generalisiert). Innerhalb kurzer Zeit verlieren die Betroffenen das Bewusstsein. Große Blutungen in die Stammganglien verursachen kontralaterale Hemiparesen, konjugierte Blickdeviation zur Seite der Läsion, Ophthalmoplegie, homonyme Hemianopsie, Aphasie und komatöse Eintrübung.
Vigilanzeintrübung, vertikale Blickparese und kontralaterale sensomotorische Hemisymptomatik weisen auf eine Thalamusbeteiligung hin. Typische Symptome für Kleinhirn-Blutungen sind Schwindel, Erbrechen, Ataxie, Dysarthrie und Spontannystagmus. Isolierte Hirnnervenausfälle sowie Tetraparese, kontralaterale Hemisymptomatik und komatöse Eintrübung deuten auf Pons-Hämatome hin. Gekreuzte Hirnstammsyndrome sind mögliche Anzeichen tegmentaler Blutungen.
Mit ansteigendem intrakraniellen Druck besteht die Gefahr der transtentoriellen Einklemmung. Je nach Region sind Bewusstseinsstörungen, Koma und Tod die Folge.
Ohne therapeutische Intervention schreiten die Beschwerden progressiv fort. Sobald sich das Blut resorbiert - und der Patient überlebt - gehen die neurologischen Symptome zurück. Je nach Ausbreitung und Region bleiben dauerhafte Einschränkungen zurück. Diese sind jedoch individuell verschieden und nur schwer vorherzusagen.
Symptome Subarachnoidalblutung
Eine Subarachnoidalblutung beginnt typischerweise mit plötzlichen (innerhalb weniger Sekunden), sehr ausgeprägten Kopfschmerzen. Der Schmerzcharakter wird als vernichtend beschrieben. Der Patient trübt ein und verliert zunehmend das Bewusstsein. Puls und Atemfrequenz sind vorerst oft noch normal. SAB bergen grundsätzlich die Gefahr einer Infarzierung.
Sekundäre Vasospasmen können fokale Hirnischämien verursachen und zu vegetativen Störungen, fokal-neurologischen Ausfällen, Meningismus, Hydrozephalus und beidseitig positivem Babinski-Zeichen führen. Ein Hydrozephalus macht sich mit Kopfschmerzen, Somnolenz und motorischen Defiziten bemerkbar.
Symptome Subduralhämatome
Bei Subduralhämatomen werden akute und chronische Verläufe unterschieden.
- Akute Subduralhämatome: Das akute SDH entwickelt sich rasch analog der traumatischen Verletzung. Typisch sind Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen und Vigilanzminderung. Häufig finden sich eine ipsilaterale Mydriasis und eine kontralaterale Herdsymptomatik in Form einer Hemiparese. In der Regel verlieren die Patienten innerhalb weniger Stunden das Bewusstsein. Beuge- und Strecksynergismen deuten auf hirndruckbedingte Ausfälle hin.
- Chronische Subduralhämatome: Das chronische SDH wird häufig erst nach mehreren Wochen diagnostiziert. An die auslösende Bagatellverletzung wird sich oft nicht mehr erinnert bzw. wird diese nicht in Zusammenhang mit den Beschwerden gebracht. Die Symptomatik ist uncharakteristisch. Hinweisgebend sind ein Druckgefühl im Kopf (mitunter auch Kopfschmerzen), Schwindel und psychomotorische Einschränkungen sowie Konzentrationsschwäche und Orientierungsverlust. Fokale Symptome wie Lähmungen, sensible Störungen und Krampfanfälle sind ebenfalls möglich. Cave: Bei älteren Patienten werden die Beschwerden häufig mit einer dementiellen Symptomatik verwechselt und das Subduralhämatom wird übersehen.
Symptome Epiduralhämatom
Ein Epiduralhämatom beginnt akut mit Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen und Unruhe oder mit einem Latenzintervall nach initialer Bewusstlosigkeit. Dieses symptomfreie Intervall ist nicht bei jedem EDH zu beobachten, kann aber als hinweisgebendes Zeichen einer epiduralen Blutung gewertet werden. Nach kurzzeitigem Bewusstseinsverlust klart der Patient auf, verliert aber aufgrund der anteigenden intrakraniellen Druckverhältnisse nach einer relativen Latenzzeit (symptomfreies Intervall) erneut das Bewusstsein. Hinweisgebend für Epiduralhämatome sind eine Anisokorie infolge ipsilateraler Mydriasis und kontralaterale Fokaldefizite bzw.
Diagnose von Hirnblutungen
Erste Hinweise auf eine Hirnblutung geben das klinische Bild, der neurologische Status und die Anamnese. Jede Hirnblutung muss bei Verdacht mit einer neuroradiologischen Bildgebung bestätigt werden. Je nach Lokalisation des Hämatoms zeigen sich unterschiedliche Befunde. Im Krankenhaus wird zunächst eine Computertomographie (CT) durchgeführt. In der Akutphase gilt eine Magnetresonanztomographie als diagnostisch gleichwertig. Aufgrund der längeren Untersuchungsdauer und der eingeschränkten Patienten-Überwachung ist eine MRT jedoch nicht Diagnose-Mittel der Wahl bei Verdacht auf Hirnblutungen.
Neben der Bildgebung erfolgt eine laborchemische Blutanalyse. Wichtige Parameter sind:
- Blutbild
- Gerinnungsstatus (INR, PTT, TZ), ggf.
Behandlung von Hirnblutungen
Bei Verdacht auf eine Hirnblutung werden Betroffene vom Rettungsdienst unverzüglich in ein Krankenhaus gebracht. Wichtig zu beachten: Bei Verdacht auf eine Hirnblutung muss unverzüglich der Rettungsdienst (Notruf 112) alarmiert werden, damit im Krankenhaus notwendige Untersuchungen (CT, MRT) und Behandlungen (Blutdrucktherapie, ggf. Operation) eingeleitet werden können.
Die Therapie von Hirnblutungen richtet sich… nach ihrer Art und ihrem Schweregrad. Dabei gilt: Je schneller, desto besser. Oft müssen Kreislauf und Atmung von außen unterstützt werden. Auch Medikamente zum Beispiel gegen Krampfanfälle oder Hirnschwellungen kommen zum Einsatz. In schweren Fällen ist eine Operation notwendig. Die Akutbehandlung hängt unter anderem vom Ort und der Menge des ausgetretenen Blutes sowie der Ursache der Hirnblutung ab.
Konservative Behandlung
Ärzte behandeln die Symptome einer Hirnblutung ebenso wie eventuelle Komplikationen nach Bedarf. So lassen sich etwa heftige Kopfschmerzen mit Schmerzmitteln, hohes Fieber mit Fiebersenkern und Krampfanfälle mit krampflösenden Mitteln (Antikonvulsiva) in den Griff bekommen. Auch Gefäßkrämpfe (Vasospasmen) lassen sich medikamentös behandeln. Besonders wichtig ist auch die Vorbeugung beziehungsweise Behandlung einer Hirnschwellung (Hirnödem), die sich manchmal als Folge einer größeren Hirnblutung ergibt. Durch ein Hirnödem besteht die Gefahr eines gefährlichen Druckanstiegs im Schädel. Die hochempfindlichen Hirnzellen werden komprimiert. Bleibt der Druck bestehen, sterben Hirnzellen ab. Um eine Hirnschwellung beziehungsweise einen erhöhten Hirndruck zu verhindern oder zu behandeln, genügen manchmal konservative Maßnahmen. Dazu zählen die Gabe von Medikamenten und die Hochlagerung des Oberkörpers.
Chirurgische Eingriffe
Je nach Lage und Ausmaß muss eine Hirnblutung oftmals operativ versorgt werden. Ein Eingriff ist mitunter auch notwendig, um die Blutungsquelle zu stillen (etwa bei einem gerissenen Aneurysma) und/oder angestautes Hirnwasser abzulassen. Bei einer Blutgerinnungsstörung, z. B. Bei großen Hirnblutungen kann es durch die Volumenzunahme im durch den Knochen begrenzten Schädel zu einer lebensbedrohlichen, druckbedingten Verdrängung und Funktionsstörung des umliegenden Gehirngewebes kommen (sog. In diesem Fall können eine operative Eröffnung des Schädelknochens (sog. Trepanation) und ggf. eine Entfernung des Blutes zur Entlastung des Gehirns führen. Auch das Einbringen einer Sonde zur Druckmessung oder eines Schlauchs zur Ableitung von Flüssigkeit aus dem Gehirn (sog. Ventrikeldrainage) können notwendig sein.
- Intrazerebrale Blutung: Ärzte wägen sehr sorgfältig ab, ob sie ein intrazerebrales Hämatom operativ entfernen. Denn der Eingriff selbst birgt die Gefahr, Hirngewebe zu verletzen. Im ungünstigsten Fall hat dies eine Behinderung oder sogar den Tod des Patienten zur Folge. Manchmal ist die Operation bei einer Gehirnblutung aber auch lebensrettend, etwa bei einer größeren Einblutung im Kleinhirn. Mitunter ist infolge der intrazerebralen Blutung der Fluss des Nervenwassers (Liquor) im Kammersystem des Gehirns (Ventrikelsystem) gestört. Staut sich Nervenwasser auf, erhöht sich der Hirndruck, und ohne Behandlung kommt es zu einem "Wasserkopf" (Hydrozephalus). Um dies zu verhindern, legt der Arzt einen Abfluss (Katheter, Shunt), um Nervenwasser abzuleiten.
- Subarachnoidalblutung: Ist eine gerissene Gefäßaussackung (Aneurysma) der Ursprung der Subarachnoidalblutung, klemmt der Chirurg das Aneurysma in manchen Fällen ab ("Clipping"). Eine häufigere Behandlungsmethode ist das sogenannte "Coiling". Dabei führt der Arzt eine kleine Platin-Spirale über die Leistenarterie bis zum Aneurysma vor. Sie füllt die Gefäßaussackung aus und stoppt die Blutung.
- Subduralhämatom: Ein kleines Subduralhämatom bei Erwachsenen erfordert oft keine Behandlung - das umliegende Gewebe absorbiert das zwischen äußerer und mittlerer Hirnhaut ausgetretene Blut. Größere subdurale Hämatome entfernt der Arzt operativ. Ziel ist es, den durch die Blutansammlung erhöhten Druck auf das Gehirn zu senken. Manchmal genügt dafür ein oder mehrere kleine Bohrlöcher in der Schädeldecke, über die das Blut abgelassen wird. In anderen Fällen ist eine größere Eröffnung der Schädeldecke nötig, um ein subdurales Hämatom zu entfernen. Für den Fall, dass die Subduralblutung erneut auftritt, legt der Chirurg während des Eingriffs eine Drainage. Über sie fließt eventuell weiter austretendes Blut in den ersten Tagen nach der Operation ab. Bei Kleinkindern operieren Ärzte ein subdurales Hämatom fast immer. Die Schädelknochen von Kleinkindern sind nämlich noch weich und nachgiebig. Deshalb führt hier die Gehirnblutung weniger zu einem Anstieg des Hirndrucks als vielmehr zu einer Vergrößerung des Kopfumfangs (ähnlich wie bei einem "Wasserkopf" = Hydrozephalus).
- Epiduralhämatom: Ärzte entfernen eine Blutansammlung zwischen Schädeldecke und äußerer Hirnhaut schnellstmöglich operativ. Vor allem bei größeren Epiduralhämatomen muss das schnell geschehen, um den Druck auf das darunterliegende Hirnareal zu senken. Der Chirurg bohrt dazu meist ein oder mehrere Löcher in die Schädeldecke, sodass das ausgetretene Blut abfließt. Eventuell entfernt er auch vorübergehend einen Teil der Schädeldecke, um das epidurale Hämatom zu entfernen. Zudem sucht der Chirurg nach der Blutungsquelle und stoppt sie.
Nach der Akutbehandlung in der Klinik kommt der Abklärung der Blutungsursache eine große Bedeutung zu. Liegen Blutgerinnungsstörungen vor, müssen diese ebenfalls soweit möglich behandelt werden.
Rehabilitation nach einer Hirnblutung
Nach der Akutbehandlung einer Hirnblutung schließt sich oftmals eine Rehabilitation an - besonders, wenn die Gehirnblutung einen Schlaganfall (hämorrhagischen Schlaganfall) verursacht hat. Das Ziel der Reha ist es, geistige und/oder körperliche Folgeschäden zu beseitigen oder zumindest zu verringern. Die Reha hilft zudem Patienten, sich auf das Leben mit eventuellen Langzeitfolgen vorzubereiten. Die Rehabilitation wird individuell an die Bedürfnisse des Patienten angepasst. Sie erfolgt meist in einer Fachklinik. Dort wird der Patient von einem Reha-Team betreut, das aus verschiedenen Fachkräften wie Ärzten, Krankengymnasten, Sprach- und Ergotherapeuten besteht. Auch für Angehörige ist es möglich, den Patienten in vielen Situationen zu unterstützen.
Je früher die Rehabilitation nach einem Schlaganfall durch Hirnblutung (oder Gefäßverschluss) beginnt, umso besser sind die Erfolgsaussichten. Ob eine Langzeit-Rehabilitation erforderlich ist, richtet sich nach dem Ausmaß der erlittenen Nervenschäden infolge der Hirnblutung.
Als Folgen einer intrakraniellen Blutung sind etwa Bewegungsstörungen möglich. Durch geeignete Trainingsverfahren wie Bobath oder Vojta versuchen die Therapeuten während der Rehabilitation, solche körperlichen Funktionseinschränkungen so weit wie möglich rückgängig zu machen. Zudem richten sich die Reha-Maßnahmen darauf, Störungen der Sprache (Aphasie), des Sprechens (Dysarthrie), Sehens, Gedächtnisses und der Aufmerksamkeit zu verbessern. Außerdem wird in der Reha die Selbstständigkeit der Schlaganfall-Patienten gefördert. Manche Betroffenen müssen wieder lernen, sich alleine zu waschen, sich anzuziehen oder zu kochen.
Einige Patienten erholen sich nach der Hirnblutung relativ schnell wieder vollständig, während andere Monate bis Jahre brauchen, bis sie ihre Alltagsaktivitäten wieder selbst in den Griff bekommen. Nicht immer lassen sich die körperlichen Funktionen, die durch die Hirnblutung beeinträchtigt wurden, durch die Rehabilitation wieder verbessern. Dann heißt es: Gemeinsam mit dem Patienten Strategien entwickeln, damit dieser mit den Einschränkungen besser zurechtkommt. Bei Schluckstörungen (Dysphagien) etwa werden spezielle Körper- und Kopfhaltungen eingeübt, die dem Verschlucken vorbeugen.
Darüber hinaus sind für die Betroffenen und ihre Angehörigen eine psychosoziale Betreuung und Beratung entscheidend, z. B. durch Selbsthilfegruppen.
Prävention von Hirnblutungen
Da eine Vielzahl unterschiedlicher Ursachen für das Auftreten einer Hirnblutung infrage kommen kann eine allgemeine Prophylaxe nicht empfohlen werden. Wichtig ist, dass Erkrankungen, welche zu einer Hirnblutung führen können behandelt werden. Neben einer medikamentösen Behandlung und der regelmäßigen Selbstmessung des Blutdrucks können Betroffene selbst durch einen Wandel des Lebensstils dazu beitragen, zukünftig Hirnblutungen zu verhindern.
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