Die Diagnose eines Hirntumors ist für Betroffene und ihre Angehörigen oft ein Schock. Glücklicherweise sind viele dieser Geschwülste behandelbar, können verkleinert oder sogar vollständig entfernt werden. Eine Operation ist oft ein wichtiger Schritt in der Behandlung, aber wie bei jedem Eingriff können Komplikationen auftreten. Eine solche Komplikation ist die Hirnblutung nach der Operation, die im Folgenden näher beleuchtet wird.
Einführung
Dieser Artikel befasst sich mit den Ursachen, Symptomen und Behandlungsmöglichkeiten von Hirnblutungen nach Hirntumoroperationen. Wir werden auch auf den Genesungsprozess und die Bedeutung der Rehabilitation eingehen. Ziel ist es, Betroffenen und ihren Angehörigen ein umfassendes Verständnis dieser Komplikation zu vermitteln und ihnen zu helfen, informierte Entscheidungen über ihre Behandlung zu treffen.
Ursachen einer Hirnblutung nach Hirntumor-OP
Eine Hirnblutung, auch hämorrhagischer Schlaganfall genannt, tritt auf, wenn ein Blutgefäß im Gehirn platzt und Blut in das umliegende Gewebe austritt. Nach einer Hirntumoroperation kann dies verschiedene Ursachen haben:
- Direkte Schädigung von Blutgefäßen: Während der Operation können Blutgefäße in der Nähe des Tumors beschädigt werden, was zu Blutungen führen kann.
- Eingriffe in die Blutgerinnung: Medikamente, die während oder nach der Operation verabreicht werden, können die Blutgerinnung beeinflussen und das Risiko von Blutungen erhöhen. Gerinnungshemmer, die vor der Operation eingenommen wurden, können ebenfalls eine Rolle spielen.
- Druckveränderungen im Gehirn: Die Entfernung des Tumors kann zu plötzlichen Druckveränderungen im Gehirn führen, die Blutgefäße belasten und zum Platzen bringen können.
- Schwellungen (Ödeme): Hirnschwellungen nach der Operation können ebenfalls Druck auf die Blutgefäße ausüben und Blutungen verursachen. Cortison wird oft gegen Schwellungen bzw. Ödeme nach der OP gegeben.
- Gefäßmissbildungen: In seltenen Fällen können angeborene Gefäßmissbildungen wie Angiome zu Hirnblutungen führen.
- Tumorbedingte Faktoren: Einige Tumoren können selbst Blutgefäße schädigen oder in sie einwachsen, was das Risiko von Blutungen erhöht.
- Postoperative Komplikationen: Eine Nachblutung kann in den Stunden und Tagen nach der Operation auftreten. In diesem Fall steht die Blutung nach einigen Sekunden durch den Druck.
Symptome einer Hirnblutung
Die Symptome einer Hirnblutung können je nach Lage und Ausdehnung der Blutung variieren. Einige häufige Symptome sind:
- Plötzlich auftretende, starke Kopfschmerzen
- Neurologische Ausfälle wie Lähmungen oder Schwäche in Armen, Beinen oder Gesicht (auch Fazialisparese genannt)
- Sprachstörungen
- Sehstörungen
- Bewusstseinsveränderungen, einschließlich Schläfrigkeit oder Bewusstlosigkeit
- Übelkeit und Erbrechen
- Epileptische Anfälle
Es ist wichtig zu beachten, dass diese Symptome auch bei anderen Komplikationen nach einer Hirntumoroperation auftreten können. Daher ist eine schnelle und genaue Diagnose entscheidend.
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Diagnose und Behandlung
Bei Verdacht auf eine Hirnblutung werden bildgebende Verfahren wie die Computertomographie (CT) oder die Magnetresonanztomographie (MRT) eingesetzt, um die Blutung zu lokalisieren und ihren Schweregrad zu bestimmen. Die CT wird im Normalfall zur Diagnosestellung verwendet, da sie die Ergebnisse schneller zur Verfügung stellt und so die Behandlung entsprechend zügig eingeleitet werden kann. Eine Angiographie kann durchgeführt werden, um die Blutgefäße darzustellen und mögliche Ursachen der Blutung zu identifizieren.
Die Behandlung einer Hirnblutung zielt darauf ab, die Blutung zu stoppen, den Druck im Gehirn zu senken und weitere Schäden zu verhindern. Die Behandlung kann Folgendes umfassen:
- Medikamentöse Therapie: Medikamente zur Senkung des Blutdrucks, zur Behandlung von Blutgerinnungsstörungen oder zur Reduzierung von Hirnschwellungen können eingesetzt werden.
- Chirurgische Intervention: In einigen Fällen kann eine Operation erforderlich sein, um das Blut zu entfernen und den Druck im Schädel zu senken. Dies ist jedoch selten und wird nur in lebensbedrohlichen Situationen in Betracht gezogen.
- Überwachung und Unterstützung: Die Patientinnen und Patienten werden auf einer neurologischen Stroke-Unit oder ggf. auf der neurochirurgischen Intensivstation im Krankenhaus überwacht, um Größenveränderungen festzustellen und, wenn nötig, sofort eine entsprechende Operation oder andere Maßnahmen einzuleiten.
Rehabilitation und Genesung
Nach einer Hirnblutung ist eine umfassende Rehabilitation entscheidend, um verlorene Funktionen wiederzuerlangen und die Lebensqualität zu verbessern. Die Rehabilitation kann Folgendes umfassen:
- Physiotherapie: Um die Beweglichkeit, Kraft und Koordination wiederherzustellen. Bobath hat dabei viel geholfen, ist aber in neurologischen Rehas normal die Regel, daß die Physios diese Ausbildung haben. Mittlerweile wird auch Feldenkrais gemacht, was für die Körperwahrnehmung sehr gut ist und psychisch hilft.
- Ergotherapie: Um die Selbstständigkeit im Alltag zu fördern.
- Logopädie: Um Sprach- und Schluckstörungen zu behandeln.
- Neuropsychologische Therapie: Um kognitive Beeinträchtigungen wie Gedächtnis- oder Aufmerksamkeitsstörungen zu behandeln.
- Psychologische Betreuung: Um die psychischen Auswirkungen der Hirnblutung zu bewältigen.
Der Genesungsprozess kann langwierig sein und erfordert viel Geduld, Motivation und Unterstützung von Familie und Freunden. Es ist wichtig, realistische Ziele zu setzen und sich über kleine Fortschritte zu freuen.
Spezifische Aspekte der Rehabilitation
Einige spezifische Aspekte der Rehabilitation nach einer Hirnblutung nach Hirntumoroperation sind:
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- Umgang mit Lähmungen: Lähmungen können eine häufige Folge einer Hirnblutung sein. Physiotherapie und Ergotherapie können helfen, die Beweglichkeit und Funktion der betroffenen Gliedmaßen zu verbessern. Es ist wichtig, frühzeitig mit der Therapie zu beginnen und regelmäßig zu üben.
- Sprachtherapie: Sprachstörungen können die Kommunikation erschweren und die Lebensqualität beeinträchtigen. Logopädie kann helfen, die Sprachfähigkeit zu verbessern und alternative Kommunikationsstrategien zu entwickeln.
- Kognitives Training: Kognitive Beeinträchtigungen können die Fähigkeit beeinträchtigen, sich zu konzentrieren, sich zu erinnern oder Probleme zu lösen. Neuropsychologische Therapie kann helfen, diese Fähigkeiten zu verbessern und Kompensationsstrategien zu entwickeln.
- Psychologische Unterstützung: Eine Hirnblutung kann erhebliche psychische Auswirkungen haben, wie Angst, Depression oder Frustration. Psychologische Betreuung kann helfen, diese Emotionen zu bewältigen und die psychische Gesundheit zu verbessern.
Es ist wichtig, ein interdisziplinäres Team von Fachleuten einzubeziehen, um die bestmögliche Rehabilitation zu gewährleisten.
Bedeutung der Reha-Klinik
Eine neurologische Rehaklinik ist optimal für solche Fälle eingestellt. Eine gute Reha zeichnet sich durch ein breites Angebot an Therapien und eine individuelle Betreuung aus. Gymnastik (im Wasser und an Land), Massage, Krankengymnastik, neuropsychologische Übungen, Gedächtnistraining, psychologische Betreuung sollte schon alles dabei sein.
Es ist wichtig, dass die Klinik auf die Bedürfnisse von Hirntumorpatienten spezialisiert ist und Erfahrung in der Behandlung von Hirnblutungen hat. Achten Sie auf folgende Aspekte:
- Qualifiziertes Personal: Erfahrene Ärzte, Therapeuten und Pflegekräfte.
- Individueller Therapieplan: Ein auf die Bedürfnisse des Patienten zugeschnittener Therapieplan.
- Gute Ausstattung: Moderne Therapiegeräte und Einrichtungen.
- Angenehme Atmosphäre: Eine unterstützende und motivierende Umgebung.
Hirnblutung durch Angiom
Ein Angiom ist eine Gefäßmissbildung im Gehirn, bei der Arterien und Venen eine Art Kurzschluss-Verbindung eingehen, wodurch ein stark durchblutetes Gefäßknäuel entsteht. Etwa ein Mensch von 1.000 ist davon betroffen. Eine Hirnblutung entsteht dann, wenn ein Blutgefäß im Gehirn platzt oder reißt. Infolgedessen bildet sich ein Bluterguss, der das umliegende gesunde Hirngewebe schädigt - und das kann lebensbedrohliche Auswirkungen haben. Deswegen ist eine Hirnblutung immer als medizinischer Notfall einzustufen, der eine Behandlung in einem Krankenhaus mit ausgewiesener Stroke-Unit erforderlich macht.
Hirntumor und Hirnblutung
Hirntumoren können selbst Blutungen verursachen oder das Risiko für Blutungen erhöhen. Die operative Entfernung eines Hirntumors ist bei bestimmten Tumorarten nicht ausreichend, um ein Weiterwachsen oder Wiederauftreten des Tumors zu vermindern. Aus diesem Grund ist eine intensive Zusammenarbeit der Neurochirurgie mit der Strahlentherapie und der internistischen Chemotherapie erforderlich. Die Fälle werden in Tumorkonferenzen besprochen, einvernehmlich weiterbehandelt und über Monate und Jahre hin immer wieder mit Magnetresonanztomographien kontrolliert und in der Nachsorge ambulant im Medizinischen Versorgungszentrum der Neurochirurgie oder des Cancer-Centers betreut. So können verdächtige Neubildungen zeitnah und effektiv weiterbehandelt werden.
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Medikamente und Hirnblutungen
Die Einnahme von Gerinnungshemmern erhöht das Risiko für Hirnblutungen. Patienten, die Gerinnungshemmer einnehmen müssen, sollten über dieses Risiko aufgeklärt werden. Hypertoniker sollten strikt ihre Medikamente einnehmen und auf gute Blutdruckeinstellung achten. Diabetiker sollten auf gute Einstellung achten.
Wach-OP und Hirnblutung
Bei einer Wach-OP wird der Patient während der Operation wach gehalten, um wichtige Hirnfunktionen wie Sprache und Bewegung zu überwachen. Dies kann das Risiko von neurologischen Ausfällen verringern, aber auch das Risiko von Blutungen erhöhen.
Weitere Komplikationen nach Hirntumor-OP
Neben Hirnblutungen können nach einer Hirntumoroperation auch andere Komplikationen auftreten:
- Hirnödem: Schwellung des Hirngewebes.
- Infektionen: Entzündungen im Operationsgebiet.
- Epileptische Anfälle: Anfälle aufgrund von Hirnreizungen.
- Hormonelle Störungen: Beeinträchtigung der Hormonproduktion durch Schädigung der Hirnanhangsdrüse.
- Liquorleck: Austritt von Hirnwasser aus der Operationswunde.
- Neurologische Ausfälle: Lähmungen, Sprachstörungen, Sehstörungen.
Umgang mit Ängsten und Sorgen
Eine Hirnblutung nach einer Hirntumoroperation kann für Betroffene und ihre Angehörigen eine belastende Erfahrung sein. Es ist wichtig, sich professionelle Hilfe zu suchen, um mit Ängsten, Sorgen und Depressionen umzugehen. Psychologische Unterstützung kann helfen, die psychischen Auswirkungen der Erkrankung zu bewältigen und die Lebensqualität zu verbessern.
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