Hirnblutung nach Lyse: Risikofaktoren und Therapie

Ein Schlaganfall ist ein medizinischer Notfall, der durch eine plötzliche Unterbrechung der Blutzufuhr zum Gehirn oder eine Blutung im Gehirn verursacht wird. Die schnelle Wiederherstellung der Durchblutung ist entscheidend, um bleibende Schäden zu minimieren. Die Lyse, auch Thrombolyse genannt, ist eine medikamentöse Therapie zur Auflösung von Blutgerinnseln und wird häufig bei akutem ischämischem Schlaganfall eingesetzt. Allerdings birgt diese Behandlung auch Risiken, darunter die potenziell schwerwiegende Komplikation einer Hirnblutung.

Was ist eine Lyse?

Bei der Lyse (Thrombolyse) werden Medikamente eingesetzt, um Blutgerinnsel in den Gefäßen aufzulösen. Blutgerinnsel können sich infolge von Gerinnungsstörungen, körperlicher Inaktivität oder Vorerkrankungen bilden und den Blutfluss behindern. Dies führt zu einer Unterversorgung des Gewebes mit Sauerstoff (Ischämie). Ziel der Lysetherapie ist es, die Blutgerinnsel schnell aufzulösen, bevor das Gewebe durch Sauerstoffmangel irreversibel geschädigt wird.

Wann wird eine Lyse durchgeführt?

Eine Lysetherapie wird bei verschiedenen Erkrankungen durchgeführt, darunter:

  • Akuter peripherer Gefäßverschluss (z. B. im Bein)
  • Akuter Herzinfarkt (akuter Myokardinfarkt)
  • Ischämischer Schlaganfall
  • Chronisch periphere arterielle Verschlusskrankheit ("Raucherbein" oder "Schaufensterkrankheit")
  • Lungenembolie

Es ist wichtig zu beachten, dass eine Lyse bei einem hämorrhagischen Schlaganfall (verursacht durch eine Blutung) kontraindiziert ist, da sie die Blutung verstärken würde.

Wie wird eine Lyse durchgeführt?

Der Arzt verabreicht Medikamente über einen venösen Zugang, die entweder das Blutgerinnsel direkt abbauen oder körpereigene Abbauenzyme (Plasminogen) aktivieren. In vielen Fällen wird das verstopfte Gefäß innerhalb von 90 Minuten wieder durchgängig. Häufig verwendete Medikamente sind Streptokinase, Urokinase, Alteplase, Reteplase oder Tenekteplase. Zusätzlich werden oft Acetylsalicylsäure (ASS) und Heparin verabreicht, um die Prognose zu verbessern. ASS verhindert die Anlagerung von Blutplättchen, während Heparin in das Blutgerinnungssystem eingreift und die Vergrößerung des Thrombus verhindert.

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Risiken der Lyse

Die Lyse-Medikamente hemmen die körpereigene Blutgerinnung, was zu schweren Blutungen führen kann. Bislang unerkannte Blutungsquellen wie Magengeschwüre oder Gefäßmissbildungen (Aneurysmen) im Gehirn können aktiviert werden. Auch bei Patienten mit nicht kontrollierbarem Bluthochdruck wird von der Lysebehandlung abgeraten. Eine seltene, aber schwerwiegende Nebenwirkung ist die Hirnblutung.

Risikofaktoren für Hirnblutung nach Lyse

Mehrere Faktoren können das Risiko einer Hirnblutung nach einer Lyse erhöhen:

  • Alter: Ältere Patienten haben ein höheres Risiko für Hirnblutungen.
  • Schwere des Schlaganfalls: Patienten mit schwereren Schlaganfällen, gemessen anhand von Skalen wie der NIH Stroke Scale (NIHSS), haben ein höheres Blutungsrisiko.
  • Bluthochdruck: Unkontrollierter Bluthochdruck erhöht das Risiko von Blutungen.
  • Vorherige Schlaganfälle: Patienten mit einer Vorgeschichte von Schlaganfällen haben ein erhöhtes Risiko.
  • Einnahme von Antikoagulantien: Die Einnahme von gerinnungshemmenden Medikamenten wie Warfarin erhöht das Blutungsrisiko. In bestimmten Fällen kann eine Lyse bei Einnahme von Vitamin-K-Antagonisten (VKA) und einem INR-Wert zwischen 1,3 und 1,7 off-label erfolgen.
  • Einnahme von ACE-Hemmern: Die Einnahme von ACE-Hemmern kann das Blutungsrisiko erhöhen.
  • Vorliegen von Aneurysmen oder anderen Gefäßanomalien: Diese können durch die Lyse aktiviert werden und zu Blutungen führen.
  • Verlängertes Zeitfenster: Obwohl Studien gezeigt haben, dass eine Lyse bis zu 4,5 Stunden nach Symptombeginn sicher und effektiv sein kann, könnte ein längeres Zeitfenster potenziell das Blutungsrisiko erhöhen.
  • Unerkanntes Zeitfenster: Bei unbekanntem Zeitfenster des Schlaganfalls ist eine Lyse nur nach sorgfältiger Risikoabwägung möglich.

Was ist nach einer Lyse zu beachten?

Nach einer Thrombolysetherapie bei Herzinfarkt können Herzrhythmusstörungen auftreten, weshalb die Patienten strikt überwacht werden. Es ist ratsam, Risikofaktoren für einen erneuten Gefäßverschluss (wie Herzinfarkt, Schlaganfall) regelmäßig zu kontrollieren und zu behandeln. Zu diesen Risikofaktoren zählen Bluthochdruck, hohe Cholesterinwerte, Übergewicht und Diabetes mellitus. Ein wichtiger Aspekt ist auch, das Rauchen aufzugeben und die halbjährlich bis jährlichen Kontrolluntersuchungen wahrzunehmen.

Maßnahmen zur Risikominimierung

Um das Risiko einer Hirnblutung nach Lyse zu minimieren, sind folgende Maßnahmen entscheidend:

  • Sorgfältige Patientenauswahl: Eine gründliche Anamnese und Untersuchung, einschließlich Bildgebung des Gehirns (CT oder MRT), sind unerlässlich, um Kontraindikationen auszuschließen.
  • Blutdruckkontrolle: Der Blutdruck muss vor, während und nach der Lyse streng kontrolliert werden.
  • Schnelle Durchführung: Je schneller die Lyse eingeleitet wird, desto geringer ist das Risiko von Komplikationen.
  • Überwachung: Die Patienten müssen während und nach der Lyse auf einer Stroke Unit überwacht werden.
  • Ausschließen von Kontraindikationen: Vor der Lyse müssen Blutungen und Kontraindikationen ausgeschlossen sein.
  • Vitalparameter und Blutentnahme: Vitalparameter, Blutentnahme (v. a. Gerinnungswerte) müssen überprüft werden.
  • Dosierung: Die Dosis beträgt 0,9 mg/kg Körpergewicht, maximal 90 mg Gesamtdosis.
  • Beobachtung: Es muss auf Blutung (v. a. im Magen-Darm-Trakt oder intrakraniell), allergische Reaktionen (u. a. bei Einnahme von ACE-Hemmern) geachtet werden.
  • Stroke Unit: Die Überwachung der Vitalparameter, des neurologischen Status und der Pupillen muss alle 4 h und ein kontinuierliches Monitoring (u. a. Blutdruck) auf einer zertifizierten Stroke Unit stattfinden.
  • Vermeidung hypertensiver Entgleisungen.

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