Hirnblutung bei Frühgeborenen: Symptome, Diagnose und Behandlung

Eine Hirnblutung bei Frühgeborenen ist eine ernste Komplikation, die aufgrund der Unreife des Gehirns und der Blutgefäße auftreten kann. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen, Symptome, Diagnosemethoden und Behandlungsansätze dieser Erkrankung.

Was ist eine Hirnblutung bei Frühgeborenen?

Bei Frühgeborenen kann es aufgrund ihrer Unreife zu Blutungen im Randbereich zwischen Gehirn und innerem Nervenwasserraum kommen, einer sogenannten intraventrikulären Hämorrhagie (IVH). Das Gehirn und die Blutgefäße von Frühgeborenen sind noch in der Entwicklung, was sie besonders anfällig macht. Das Gehirn enthält mit Flüssigkeit gefüllte Räume, die Ventrikel genannt werden. Blutungen aus den empfindlichen Gefäßen können in diese Räume eindringen. Eine schwere IVH kann das umliegende Hirngewebe schädigen.

Ursachen und Risikofaktoren

Die Ursachen für Hirnblutungen bei Frühgeborenen sind vielfältig und oft mit der Unreife des Gehirns und der Blutgefäße verbunden. Zu den Hauptursachen und Risikofaktoren gehören:

  • Unreife: Das Gehirn sehr unreifer Frühgeborener ist besonders empfindlich. Frühchen zwischen der 23. und 28./30. Schwangerschaftswoche haben ein hohes Risiko, eine Hirnblutung zu entwickeln.
  • Instabiler Blutdruck: Frühgeborene mit instabilem Blutdruck sind gefährdeter.
  • Atembeschwerden: Frühgeborene, die ein Beatmungsgerät benötigen, haben ein höheres Risiko.
  • Infektionen: Infektionen erhöhen das Risiko einer Hirnblutung.
  • Blutgerinnungsprobleme: Probleme mit der Blutgerinnung können zu Blutungen führen.
  • Erkrankungen: Erkrankungen wie das akute Atemnotsyndrom (ARDS) erhöhen das Risiko.
  • Sauerstoffmangel (Asphyxie): Sauerstoffmangel vor, während oder nach der Geburt kann das Gehirn schädigen.
  • Traumatische Geburt: Ein hoher Druck auf den kindlichen Schädel bei vaginaler Entbindung kann Blutungen verursachen.
  • Reanimation: Notwendige Wiederbelebungsmaßnahmen können das Risiko erhöhen.
  • Schnell wechselnde Oxygenierung: Rasche Veränderungen im Sauerstoffgehalt des Blutes können schädlich sein.

Symptome einer Hirnblutung

Viele Babys mit IVH zeigen keine offensichtlichen Symptome. Die Krankheit wird oft bei Routine-Ultraschalluntersuchungen des Kopfes entdeckt. Wenn Symptome auftreten, können diese sein:

  • Verringerte Aktivität
  • Verminderte Wachsamkeit
  • Anzeichen von Schmerzen
  • Ungewöhnliche Bewegungen oder Krampfanfälle
  • Anschwellen der weichen Stellen am Kopf (Fontanellen)
  • Unregelmäßige Atmung

Babys, die Symptome zeigen, haben eher ernstere Blutungen.

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Diagnose

Die Diagnose einer Hirnblutung erfolgt in der Regel durch bildgebende Verfahren. Zu den wichtigsten Diagnosemethoden gehören:

  • Ultraschalluntersuchung: Routine-Ultraschalluntersuchungen des Kopfes können eine IVH обнаружиться. Ärzte führen Ultraschalluntersuchungen durch, um die Entwicklung zu überwachen und mögliche bleibende Schäden am Gehirn festzustellen.
  • Magnetresonanztomographie (MRT): Das MRT eignet sich hervorragend, um die Gehirne von Frühgeborenen auf Schäden zu untersuchen. Im Gegensatz zu Röntgenstrahlen sind die bildgebenden Magnetwellen für das Neugeborene harmlos. Das MRT erstellt wesentlich genauere Bilder als eine Ultraschalluntersuchung. Eine speziell auf die Hirnwasserräume abgestimmte hochauflösende Kernspintomographie wird durchgeführt, ggf. in Narkose.

Die Computertomographie (CT) ist zur Ursachendiagnostik weniger sinnvoll, da der Informationsgehalt gering ist und die Strahlenbelastung für das kindliche Gehirn vermieden werden soll.

Schweregrade der Hirnblutung

Die Schwere der Hirnblutungen wird in verschiedene Grade eingeteilt:

  • Grad I und II: Diese Blutungen führen in der Regel zu keinen Folgeschäden.
  • Grad III: Bei Grad III geht man davon aus, dass das Hirn nachhaltig geschädigt wird. Das Blut füllt große Teile der Hirnkammern aus. Es besteht die Gefahr, dass sich durch den Druck der Blutmenge die Durchblutung in den angrenzenden Hirnregionen verändert.
  • Grad III+: Hier liegt zusätzlich eine Blutung im benachbarten Hirngewebe vor.

Behandlung

Es gibt keine spezifische Behandlung für eine IVH. Das Blut verschwindet allmählich über mehrere Wochen. Das Behandlungsteam auf der Neugeborenenstation sorgt für die notwendige Pflege, überwacht die Fortschritte des Babys und prüft, ob das Hirngewebe Schaden genommen hat. Die Therapie richtet sich nach den Symptomen und möglichen Komplikationen.

Mögliche Behandlungsansätze

  • Unterstützende Maßnahmen: Stabilisierung des Blutdrucks, Unterstützung der Atmung.
  • Überwachung: Regelmäßige Ultraschalluntersuchungen, um die Entwicklung der Blutung zu überwachen.
  • Behandlung von Komplikationen: Bei der Bildung eines Hydrocephalus (Wasserkopf) kann eine Ableitung des Hirnwassers notwendig sein.

Komplikationen und Langzeitfolgen

Eine Hirnblutung kann verschiedene Komplikationen und Langzeitfolgen haben. Dazu gehören:

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  • Hydrocephalus: Durch die Hirnblutung kann es zur Bildung eines Hydrocephalus kommen. Dabei kommt es zu einem gestörten Abfluss des Hirnwassers, was zu einer Erweiterung der Hirnkammern führt.
  • Periventrikuläre Leukomalazie (PVL): Eine PVL kann sich im Zusammenhang mit oder unabhängig von einer IVH entwickeln. Dabei handelt es sich um eine Schädigung der weißen Substanz um die Hirnkammern herum. Die PVL kann die Nervenbahnen schädigen, die die motorischen Bewegungen steuern, was zu verspannten, krampfenden oder schwachen Muskeln führt.
  • Entwicklungsverzögerungen: Kinder mit Hirnblutungen können Entwicklungsverzögerungen erleiden.
  • Zerebralparese: Babys mit PVL haben ein höheres Risiko, eine Zerebralparese zu entwickeln.
  • Lernschwierigkeiten: Kinder mit Hirnblutungen können Lernschwierigkeiten haben.
  • Epilepsie: Das Auftreten einer Epilepsie ist ebenfalls nicht selten.

Behandlung des Hydrocephalus

Wenn sich durch die Hirnblutung ein Hydrocephalus entwickelt, gibt es verschiedene Behandlungsmöglichkeiten:

  • Endoskopische Ventrikulozisternostomie (ETV): Bei dieser Methode wird endoskopisch eine Verbindung zwischen den Hirnkammern und den äußeren Hirnwasserräumen geschaffen, um den Abfluss des Hirnwassers zu ermöglichen.
  • Shunt-System: Die gängigste Methode zur Behandlung des Hydrocephalus ist die Anlage eines Hydrocephalus-Shuntsystems. Dieses besteht aus einem Ventrikelkatheter, einem Shuntventil und einem ableitenden Katheter, der in der Regel in der Bauchhöhle oder selten im Vorhof des Herzens zu liegen kommt.

Nachsorge

Ein Kind, welches eine ETV oder ein Hydrocephalus-Shuntsystem erhalten hat, bedarf der sorgfältigen und lebenslangen Überwachung. Hierfür bieten viele Kliniken eine interdisziplinäre Hydrocephalus-Sprechstunde zusammen mit der Neuropädiatrie an. Neben der Kontrolle von Kopfumfang und Hirnkammerweite wird die Entwicklung der Kinder in allen Bereichen untersucht.

Prävention

Obwohl nicht alle Ursachen von Hirnblutungen bei Frühgeborenen vermeidbar sind, können bestimmte Maßnahmen das Risiko verringern:

  • Vermeidung von Frühgeburten: Eine gute Schwangerschaftsvorsorge kann dazu beitragen, Frühgeburten zu vermeiden.
  • Optimale Versorgung während der Geburt: Eine schonende Geburt kann das Risiko von Blutungen verringern.
  • Sorgfältige Überwachung und Behandlung: Eine sorgfältige Überwachung und Behandlung von Risikofaktoren wie instabilem Blutdruck, Atemproblemen und Infektionen kann das Risiko einer Hirnblutung reduzieren.

Die Rolle der Bildgebung

Die Deutsche Gesellschaft für Klinische Neurophysiologie und Funktionelle Bildgebung (DGKN) betont den hilfreichen Einsatz bildgebender Verfahren, um die Gehirne von Frühgeborenen zu beurteilen. Ein Hirn-Scan, der Lage und Ausmaß der Schäden zeigt, kann Auskunft darüber geben, wie groß das Risiko auf eine spätere Entwicklungsstörung ist.

Forschungsergebnisse

Eine Studie aus "Neurology" untersuchte 58 Frühchen mit Verletzungen in der weißen Gehirnsubstanz. Die Ergebnisse zeigen, dass die Position der Verletzungen Auskunft über Art und Ausmaß möglicher Entwicklungsstörungen geben kann: Lagen die Schäden hauptsächlich im Stirnlappen des Gehirns, stieg das Risiko auf geistige Entwicklungsrückstände.

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