Hirnblutung und Embolie: Ursachen und Unterschiede

Ein Schlaganfall ist ein medizinischer Notfall, der durch eine plötzliche Unterbrechung der Blutversorgung des Gehirns verursacht wird. Diese Unterbrechung kann entweder durch eine Verstopfung eines Blutgefäßes (ischämischer Schlaganfall) oder durch das Platzen eines Blutgefäßes (hämorrhagischer Schlaganfall) verursacht werden. Innerhalb dieser Kategorien spielen Embolien und Blutungen eine entscheidende Rolle, wobei jede ihre eigenen Ursachen und Mechanismen hat.

Ischämischer Apoplex: Ursachen und Mechanismen

Der ischämische Apoplex, auch als ischämischer Insult oder Hirninfarkt bekannt, macht mit etwa 80-85 % den Großteil aller Schlaganfälle aus. Bei dieser Form des Schlaganfalls wird die Blutzufuhr zum Gehirn durch ein Hindernis in einem Blutgefäß unterbrochen.

Atherosklerose und arterielle Embolien

In etwa 50 % der Fälle von ischämischem Apoplex spielt die Atherosklerose (Arteriosklerose), also die Arterienverkalkung, eine zentrale Rolle. Dabei kommt es zur Bildung von Plaques an den Wänden der Blutgefäße, die zu arteriellen Embolien (plötzlicher Verschluss eines Blutgefäßes durch einen Pfropf) und Gefäßverschlüssen führen können. Diese Plaques werden instabil und können aufbrechen, was das Risiko für embolische Ereignisse erhöht.

Thrombotischer Verschluss

Ein thrombotischer Verschluss entsteht durch die Bildung eines Thrombus (Blutgerinnsel) direkt im betroffenen Gefäß. Dieser Thrombus kann das Gefäß verstopfen und so die Blutzufuhr zum Gehirn unterbrechen.

Kardiale Embolien

In etwa 20-30 % der Fälle wird der ischämische Apoplex durch kardiale Embolien verursacht. Hierbei werden Thromben aus dem Herzen verschleppt und gelangen in die Hirngefäße, wo sie zu einem Verschluss führen können. Ein Beispiel hierfür ist der Cardioembolic stroke (CES), bei dem ein Thrombus aus dem Herzen in das Gehirn gelangt.

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Kryptogener Apoplex

Ein kryptogener Apoplex wird häufig durch embolische Ereignisse verursacht, deren Quelle jedoch nicht identifiziert werden kann. Mögliche Ursachen sind okkulte paroxysmale Vorhofflimmern, paradoxe Embolien oder Hyperkoagulabilität.

Hämorrhagischer Apoplex: Ursachen und Mechanismen

Der hämorrhagische Apoplex betrifft etwa 15-20 % der Schlaganfälle und wird durch eine Gefäßruptur (Gefäßriss) verursacht, oft infolge von arterieller Hypertonie (Bluthochdruck) oder Atherosklerose (Arteriosklerose; Arterienverkalkung).

Minderperfusion und zerebrale Ischämie

Ein zentraler sekundärer Mechanismus ist die Minderperfusion (Minderdurchblutung) der betroffenen Hirnareale. Die Unterbrechung der Blutversorgung führt zu zerebraler Ischämie (Minderversorgung), die zu einem Funktionsverlust in den betroffenen Hirnarealen führt.

Risikofaktoren für Schlaganfälle

Es gibt eine Vielzahl von Risikofaktoren, die das Auftreten eines Schlaganfalls begünstigen können. Einige dieser Faktoren sind nicht beeinflussbar, während andere durch Änderungen des Lebensstils oder medizinische Behandlungen reduziert werden können.

Nicht beeinflussbare Risikofaktoren

  • Alter: Das Schlaganfallrisiko steigt mit zunehmendem Alter.
  • Genetische Veranlagung: Familiäre Vorbelastung kann das Risiko erhöhen.
  • Frühe Menarche: Eine erste Menstruationsblutung vor dem 13. Lebensjahr erhöht das Risiko für einen Apoplex vor dem 65. Lebensjahr.
  • Körpergröße: Jungen und Mädchen, die 5-8 cm kleiner waren als der alterstypische Durchschnitt, hatten ein erhöhtes Risiko für einen ischämischen Insult.
  • Blutgruppe: Blutgruppe A geht mit einem um 16 % höheren Risiko einher, vor dem 60. Lebensjahr einen Schlaganfall zu erleiden.
  • Geschlecht: Männer sind häufiger betroffen als Frauen, insbesondere im Alter von 55 bis etwa 75 Jahren.

Beeinflussbare Risikofaktoren

  • Bluthochdruck: Ein Anstieg des systolischen Blutdruckes um 10 mmHg erhöht das Apoplexrisiko.
  • Hoher Kochsalzkonsum: Studien zeigen, dass 10 g Salz/Tag das Risiko für einen Schlaganfall um 23 % erhöhen.
  • Erhöhte Cholesterinwerte: Erhöhte Cholesterinwerte durch erhöhte Zufuhr gesättigter Fettsäuren (tierische Fette, enthalten in Wurst, Fleisch, Käse). Stattdessen sollten vor allem mehrfach ungesättigte Fettsäuren aus pflanzlichen Fetten sowie Fischen verzehrt werden.
  • Hohe Zufuhr stark zuckerhaltiger Lebensmittel: Eine hohe Zufuhr stark zuckerhaltiger Lebensmittel erhöht das Schlaganfallrisiko.
  • Geringer Verzehr von Vollkornprodukten: Ballaststoffzufuhr ist invers assoziiert mit der Apoplex-Inzidenz, d. h. ein geringer Verzehr von Vollkornprodukten erhöht das Risiko.
  • Alk Alkoholkonsum: Genetische Varianten, die den Alkoholkonsum verringerten, führten auch zu einer Reduktion des Blutdruck- und Schlaganfallrisikos.
  • Drogenkonsum: Kokain und Amphetamine/Methamphetamin ("Crystal Meth") sind eine häufige Ursache von Schlaganfällen, besonders in der Altersgruppe der 18- bis 44-Jährigen. Amphetamine und Kokain können den Blutdruck schlagartig erhöhen. Bei Kokain kann es auch zu einem Gefäßkrampf kommen, bei Amphetaminen kommt es zu Hirnblutungen. Amphetamin-Konsumenten haben ein 5-fach erhöhtes Risiko für eine Hirnblutung.
  • Langes Sitzen: Langes Sitzen (mind.
  • Lange Schlafdauer: Eine Schlafdauer von 9-10 Stunden ist mit einem erhöhten Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse wie einen Apoplex (Schlaganfall) verbunden.
  • Abdominelle Adipositas: Die abdominelle Adipositas erhöht das Schlaganfallrisiko weitestgehend unabhängig von systolischem Blutdruck und Glucosespiegel.
  • Depression: Depression erhöht das Schlaganfallrisiko.
  • Herzrhythmusstörungen: Herzrhythmusstörungen, v. a. Vorhofflimmern, erhöhen das Schlaganfallrisiko.
  • Infektionen: Bei Kindern werden als Ursache Infektionen diskutiert.
  • Periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK): Die pAVK erhöht das Schlaganfallrisiko.
  • Stress-Kardiomyopathie: Stress-Kardiomyopathie (Synonyme: Broken-Heart-Syndrom) erhöht das Schlaganfallrisiko.
  • Subarachnoidalblutung (SAB): Eine SAB erhöht das Schlaganfallrisiko.
  • Zerebrale Amyloidangiopathie (ZAA): ZAA geht klassischerweise mit spontanen lobulären intrazerebralen oder sulcalen Blutungen einher.
  • Hypertriglyzeridämie: Bei Männern mit einem nicht nüchtern gemessenen Triglyceridwert von 89-176 mg/dl ist das Apoplexrisiko schon um 30 % und bei über 443 mg/dl sogar um das 2,5-fache erhöht.
  • Nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR): Die Einnahme von NSAR (z. B. Ibuprofen, Diclofenac) inkl. COX-2-Hemmer (Coxibe) erhöht das Schlaganfallrisiko.
  • Orale Kontrazeptiva: Die Einnahme von oralen Kontrazeptiva (Antibabypille) der neuen Generation steht mit einem erhöhten Risiko eines erstmaligen Hirninfarkts in Verbindung.
  • Gefäßwanddissektion: Gefäßwanddissektion (Einriss der Gefäßinnenwand) erhöht das Schlaganfallrisiko.
  • Konjunktivale Hämorrhagien: Patienten ab dem 40. Lebensjahr mit konjunktivalen Hämorrhagien haben ein erhöhtes Schlaganfallrisiko.
  • Erhöhte Harnsäurewerte: Erhöhte Harnsäurewerte erhöhen das Schlaganfallrisiko.
  • Wutausbrüche: Wutausbrüche können akute kardiovaskuläre Ereignisse, einschließlich Schlaganfall, auslösen.
  • Schlaflosigkeit: Bestimmte Arten von Schlaflosigkeit erhöhen das Schlaganfallrisiko.
  • Erhöhte Homocysteinwerte: Erhöhte Homocysteinwerte erhöhen das Schlaganfallrisiko.
  • Halswirbelsäulenverletzungen: Ischämischer Schlaganfall kann nach Halswirbelsäulenverletzungen auftreten.
  • Chronischer Stress: Chronischer Stress, depressive Symptome, Ärger und Feindseligkeit erhöhen das Schlaganfallrisiko.
  • Herpes Zoster: Herpes Zoster erhöht das Risiko für Schlaganfall und TIA.
  • Soziale Isolation: Einsamkeit und soziale Isolation sind Risikofaktoren für koronare Herzkrankheit und Schlaganfall.
  • Luftverschmutzung: Kurzfristige Exposition gegenüber Luftverschmutzung erhöht das Schlaganfallrisiko.
  • Verkehrslärm: Verkehrslärm ist mit erhöhter kardiovaskulärer Morbidität und Mortalität sowie Gesamtmortalität verbunden.
  • Job Strain: Hoher Job Strain erhöht das Schlaganfallrisiko.
  • Schnelle Wetterwechsel: Schnelle Wetterwechsel sind mit einem erhöhten Risiko für ischämischen Schlaganfall verbunden.
  • Initiierung einer α-Blocker-Therapie: Das Risiko für ischämischen Schlaganfall kann während der Initiierungsphase einer α-Blocker-Therapie bei älteren Männern erhöht sein.

Embolie: Ein genauerer Blick

Eine Embolie ist der plötzliche Verschluss eines Blutgefäßes durch einen Pfropf, den sogenannten Embolus. Dieser Embolus kann ein Blutgerinnsel, Gewebe, Fetttropfen oder andere Materialien sein, die mit dem Blutstrom transportiert werden und ein Gefäß verstopfen.

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Embolus vs. Thrombus

Es ist wichtig, zwischen einem Embolus und einem Thrombus zu unterscheiden. Ein Thrombus führt am Ort seines Entstehens zu einem Gefäßverschluss (Thrombose). Aus einem Thrombus kann sich ein Embolus entwickeln, wenn der Pfropf mit dem Blutstrom fortgeschwemmt wird und den Gefäßverschluss entfernt von seinem Ursprungsort verursacht.

Ursachen von Embolien

In etwa 90 Prozent der Fälle sind Herzerkrankungen wie Vorhofflimmern, Herzinfarkt, Herzinnenhautentzündung oder Erweiterungen von Schlagadern (Aneurysmen) für das Entstehen von Embolien verantwortlich.

Symptome von Embolien

Die Symptome einer Embolie hängen vom betroffenen Blutgefäß ab. Ein klares Indiz ist ein plötzlich auftretender Schmerz aufgrund der ausbleibenden Blutversorgung. Charakteristisch sind zudem Blässe, Gefühlsstörungen, Pulsausfall, Lähmung und Schockzustände. Je nach betroffener Körperregion können weitere Symptome auftreten.

Diagnose und Therapie von Embolien

Die Diagnose einer Embolie umfasst die Anamnese, körperliche Untersuchung, Laboruntersuchungen und bildgebende Verfahren wie Computertomografie, Angiographie und Magnetresonanztomografie.

Die Therapie hängt vom Ort des verstopften Gefäßes und dem Schweregrad ab. Sie kann medikamentös (z.B. mit Heparin) oder invasiv (z.B. Katheterverfahren zur Embolusentfernung oder offene Operation) erfolgen. Nach der Akuttherapie wird die zugrundeliegende Ursache evaluiert, um ein erneutes Auftreten der Embolie zu verhindern.

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Hirninfarkt: Die Folge von Durchblutungsstörungen

Ein Hirninfarkt ist eine von zwei Unterkategorien des Schlaganfalls. Ursächlich ist zumeist ein Blutgerinnsel, das ein Blutgefäß im Gehirn blockiert. In der Folge können in diesem Areal Gehirnzellen absterben.

Ursachen von Hirninfarkten

Für dieses Blutgerinnsel verantwortlich sein können verschiedene Ursachen, darunter eine Thrombose, eine Embolie, Atherosklerose oder auch ein Blutdruckabfall. Bei einer Thrombose bildet sich ein Blutgerinnsel direkt im Hirngefäß und blockiert dieses, wohingegen es bei einer Embolie ebenfalls zu einem blockierten Gefäß kommt, dieses jedoch durch ein Gerinnsel oder einen Fremdkörper aus einer anderen Arterie, das in das Gehirn geschwemmt wird, einen Hirninfarkt auslösen kann. Ablagerungen an den Gefäßwänden, wie sie durch eine Atherosklerose entstehen können, können dafür verantwortlich sein, dass sich Blutgefäße verengen oder verschließen.

Symptome und Behandlung von Hirninfarkten

Ein Hirninfarkt tritt plötzlich auf und kann verschiedene Symptome mit sich bringen. Je nach betroffenem Hirnareal, das einen Gefäßverschluss aufweist, variieren auch die Symptome. Die Behandlung eines Hirninfarkts sieht zumeist eine Auflösung des Blutgerinnsels vor. Mittels Thrombolyse soll diese Auflösung erreicht werden, indem ein Medikament verabreicht wird. Eine weitere Möglichkeit ist eine Thrombektomie, bei der das Gerinnsel durch einen Katheter operativ entfernt wird.

Schlaganfall: Ein Notfall

Ein Schlaganfall ist ein Notfall, d.h. es muss sofort gehandelt werden. Durch schnelles Handeln lassen sich in vielen Fällen die Folgen minimieren. Jede Minute zählt. Wenn Schlaganfall-Symptome auftreten, sollte sofort der Notdienst (112) gerufen werden.

Vorbeugung ist der beste Schutz

Die Vorbeugung eines Schlaganfalls umfasst die Kontrolle und Behandlung von Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Rauchen, erhöhte Cholesterinwerte, Übergewicht, Diabetes und Herzrhythmusstörungen. Ein gesunder Lebensstil mit ausgewogener Ernährung, regelmäßiger Bewegung und Vermeidung von Stress kann ebenfalls dazu beitragen, das Schlaganfallrisiko zu senken.

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