Migräne durch Bürojob: Ursachen und Prävention

Migräne ist eine neurologische Erkrankung, die in Deutschland Millionen von Menschen betrifft. Rund 18 Millionen Menschen in Deutschland leiden an Migräne, wobei Frauen dreimal häufiger betroffen sind als Männer. Die Krankheit ist in der Lebensphase der Erwerbstätigkeit besonders stark ausgeprägt. Migräne geht über gewöhnliche Kopfschmerzen hinaus und tritt meist einseitig auf, begleitet von Übelkeit, Licht- und Geräuschempfindlichkeit sowie Sehstörungen oder Aura-Symptomen. Die Symptome können zwischen vier und 72 Stunden andauern.

Ursachen von Migräne im Bürojob

Im Berufsleben gibt es viele Auslöser für Migräne. Stress, Überstunden, unregelmäßige Mahlzeiten oder der ständige Blick auf den Bildschirm können das Risiko für Anfälle erhöhen. Auch äußere Faktoren wie schlechte Raumluft, Lärm oder grelles Licht können als sogenannte Trigger wirken.

Bildschirmarbeit als Auslöser

Die Zeit, die wir vor Bildschirmen verbringen, kann zu Kopfschmerzen führen, die oft mit einer Überanstrengung der Augen zusammenhängen. Diese Kopfschmerzen sind besonders belastend, wenn der Job tägliche Bildschirmarbeit erfordert. Dieser in Deutschland gebräuchliche Begriff beschreibt die Belastung der Augen durch Bildschirmarbeit.

Reduzierte Lidschlagfrequenz: Bei konzentrierter Arbeit am Bildschirm blinzeln wir bis zu 50 % seltener.

Ständige Nahfokussierung: Die Augenmuskeln müssen stundenlang die gleiche Distanz fokussieren.

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Eine schlechte Haltung ist ein weiterer Hauptverursacher.

Stress und Arbeitsbedingungen

In unserer schnelllebigen Welt gehört Stress zu den alltäglichen Herausforderungen. Bestimmte Tätigkeiten, wie etwa langes Sitzen vor dem Bildschirm, können ebenfalls Kopfschmerzen hervorrufen, da der Auslöser für Spannungskopfschmerzen Verspannungen in der Wirbelsäule sind.

Nach einer Untersuchung von Professor Dr. Günter Neubauer, Universität der Bundeswehr München, verursacht die Migräne in Deutschland vor allem indirekte Kosten von 6,27 Milliarden Euro jährlich, im Sinne von Leistungseinschränkungen am Arbeitsplatz und Arbeitsunfähigkeitstagen. Da das Verhältnis der direkten zu indirekten Kosten 1:13 ist, wird ersichtlich, dass von den Kosten am meisten die Arbeitgebenden betroffen sind. Damit wird deutlich, dass die Migräne ein ernsthaftes betriebsärztliches Thema ist. Die entstehenden jährlichen krankheitsbedingten Kosten der Migräne in einem Unternehmen mit 10.000 Mitarbeiter:innen beziffert die Untersuchung auf 1.3 Mio. Euro.

Weitere Auslöser am Arbeitsplatz

Die Patientenorganisation MigräneLiga Deutschland hat mögliche Trigger am Arbeitsplatz identifiziert. Dabei steht die Bildschirmarbeit laut einer Umfrage mit 64 Prozent an erster Stelle. Auch ein Stressabfall, also Erholungsphasen nach dem Stress, kann Migräne triggern. Das führt beispielsweise bei einigen zu Wochenend-Migräne.

Symptome und Frühwarnzeichen

Symptome sind beispielsweise Konzentrationsprobleme, Reizbarkeit, Heißhunger oder sogar Gähnen. Wer diese Frühwarnzeichen kennt, kann frühzeitig gegensteuern.

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Bei visuellen Störungen wie Lichtblitzen oder Zickzacklinien könnte es sich auch um eine Migräne mit Aura handeln. Als Migräne mit Aura wird eine Migräneattacke bezeichnet, die von neurologischen Symptomen begleitet wird. Das können Sehstörungen sein, aber auch Missempfindungen, Lähmungen, Sprachstörungen u.a. Die Symptome sind sehr individuell.

Häufig bemerken Betroffene den Beginn ihres Migräneanfalls schon Stunden vorher. Typische Vorwarnsymptome sind Heißhunger, Stimmungsschwankungen, Müdigkeit, Euphorie oder intensives Gähnen. Bei jedem siebten Betroffenen tritt unmittelbar vor dem Migräneanfall eine sogenannte Aura auf, vorübergehende neurologische Reiz- oder Ausfallerscheinungen.

Präventionsmaßnahmen und Strategien

Die beste Strategie gegen Bildschirm-Kopfschmerzen ist, sie gar nicht erst entstehen zu lassen. Es gibt verschiedene Maßnahmen, um Migräneanfällen vorzubeugen und die Häufigkeit sowie Intensität zu reduzieren.

Ergonomische Arbeitsplatzgestaltung

Ein ergonomischer Stuhl ist essenziell. Ein sicherer, ergonomischer Arbeitsplatz, der die Gesundheit der Arbeitnehmer:innen gewährleisten soll, ist gesetzlich in der Arbeitsstättenverordnung geregelt und kann einigen Migräneauslösern vorbeugen. Basis eines migränefreundlichen Arbeitsplatzes ist es, im Unternehmen über Migräne zu informieren: Wie zeigt sich die Krankheit? Was löst die Attacken aus? Wie wird Migräne behandelt?

Über räumliche Anpassung können Arbeitgebende das Umfeld der Migränepatienten optimieren. So können Betriebe einen Ruheraum zur Verfügung stellen. Wenn Betroffene ihre Trigger am Arbeitsplatz kennen, kann versucht werden, diese zu vermeiden. Nützlich ist es, Migräne-Betroffenen Homeoffice und flexible Arbeitszeiten zu gewähren, die Menge an Kundenkontakten und Dienstreisen zu verringern und eine Vertretungsregelung einzuführen für Tage, an denen die Betroffenen nicht arbeiten können.

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Pausenmanagement und Augenübungen

Etablieren Sie ein festes Pausenmanagement. Lassen Sie regelmäßig den Blick in die Ferne schweifen. Wärmen und beruhigen Sie Ihre Augen mit der Palmieren-Technik. Trainieren Sie die Anpassungsfähigkeit Ihrer Augenlinsen durch abwechselndes Nah- und Fern-Sehen. Fokussieren Sie hierzu abwechselnd einen nahen Gegenstand (z.B.

Entspannen Sie Ihre Augenmuskulatur mit der bewährten 20-20-20-Regel. Gönnen Sie sich eine kurze Bewegungspause. Stehen Sie auf, verlassen Sie Ihren Schreibtisch für ein paar Minuten.

Um etwas Abstand zur langen Bildschirmarbeit zu gewinnen, kann es helfen, mit bestimmten Übungen den Augen und der Muskulatur eine kurze Ruhepause zu gönnen.

Stressbewältigung und Lebensstil

Ausreichend Schlaf, regelmäßige Mahlzeiten und Bewegung im Alltag helfen, das Risiko für Migräne zu senken. Ebenso wichtig sind Stressbewältigungstechniken wie Yoga, Achtsamkeit oder progressive Muskelentspannung. Ein stabiler Tagesrhythmus kann Migräneanfälle ebenfalls reduzieren, denn unregelmäßiger Schlaf und Schwankungen im Koffeinkonsum gehören zu den häufigsten Ursachen.

Insbesondere Verfahren zum Stressabbau und die richtige Sitzhaltung im Büro spielen laut Michalsen bei Prävention und Heilung von Kopfschmerzen eine Rolle. Lebensstiländerungen wie Ausdauersport, Entspannungsverfahren und ein regelmäßiger Lebensrhythmus können dazu beitragen, dass die Attacken seltener werden.

Medikamentöse Prophylaxe

Es gibt zahlreiche migränespezifische Medikamente, die zu einer raschen Besserung im Akutanfall führen. Nur 16% der Migräne-Betroffenen erhält migränespezifische Medikamente, die zu einer raschen Besserung im Akutanfall führen.

Neuere Wirkstoffklassen wie CGRP-Antikörper und Gepante wurden für die Migräneprophylaxe entwickelt. Sie bieten meist eine bessere Verträglichkeit als Medikamente wie Betablocker oder Antidepressiva, die ursprünglich für andere Erkrankungen wie Bluthochdruck oder Depressionen eingesetzt wurden und oft Nebenwirkungen wie Müdigkeit oder Gewichtszunahme verursachen. Trotzdem werden diese Arzneimittel weiterhin zur Migräneprophylaxe verwendet.

Alternative Behandlungsmethoden

Die Anwendungsgebiete der Osteopathie sind sehr weitreichend. Auch Beschwerden wie Kopfschmerzen oder Migräne können durch eine osteopathische Behandlung gelindert werden.

„So lange es nicht massiv die Lebensqualität beeinträchtigt, würde ich mit natürlichen Heilmethoden und Hausmitteln anfangen und herausbekommen wie weit man damit kommt“, rät Prof.

Umgang mit akuten Migräneattacken

Wenn der Kopfschmerz bereits da ist, benötigen Sie schnelle und effektive Hilfe. Hier helfen zum Beispiel Medikamente, ein Rückzug in einen ruhigen Raum oder Entspannungsübungen. Erste Maßnahme ist, sich von Reizen abzuschirmen. Gegen die Kopfschmerzen helfen gängige Schmerzmittel - ausreichend hoch dosiert - sowie spezielle Migränemedikamente namens Triptane.

Gleichen Sie einen möglichen Flüssigkeitsmangel aus. Dehydration ist eine häufige, aber oft übersehene Ursache für Kopfschmerzen. Lösen Sie Verspannungen durch eine sanfte Selbstmassage. Überprüfen Sie die Lichtverhältnisse und vermeiden Sie Blendung.

Die Rolle des Arbeitgebers

Dem können Sie als Arbeitgeber:in mit einem guten Betrieblichen Gesundheitsmanagement vorbeugen! Fachkräfte zu halten und bis zur Rente in ihrer Gesundheit zu unterstützen, ist nicht nur aus Gründen der Fürsorgepflicht wichtig, sondern auch in Bezug auf den Fachkräftemangel. Kommunizieren und nutzen Sie die Beratungsmöglichkeiten, technischen und finanziellen Hilfen!

Die/der Arbeitgeber:in ist dazu verpflichtet Maßnahmen durchzuführen, die der Verbesserung der Sicherheit und des Gesundheitsschutzes am Arbeitsplatz dienen - so regelt es das Arbeitsschutzgesetz. Dazu gehört die standardisierte Gefährdungsbeurteilung. Demnach muss neben der Gestaltung und Einrichtung des Arbeitsplatzes beispielsweise auch der Lärmpegel im Büro beurteilt werden. Die Gefährdungsbeurteilung reduziert und vermeidet Belastungen der Beschäftigten und damit Zusatzkosten, die zum Beispiel durch Arbeitsausfälle entstehen.

Betriebliches Gesundheitsmanagement

Durch leitliniengerechte Therapie-Optimierung können die migränebedingten Kosten bei einem Unternehmen mit 10.000 Mitarbeiter:innen jährlich um 600.000 Euro verringert werden, da die Leistungseinschränkungen am Arbeitsplatz bzw. durch Abwesenheit reduziert werden und die Ausfallkosten entfallen (siehe unten).

Ziel ist es, Migräne am Arbeitsplatz zu entstigmatisieren und durch konkrete Maßnahmen die Lebensqualität der betroffenen Mitarbeitenden zu steigern. Informieren: Klären Sie Ihre Beschäftigten auf - ob durch Gesundheitsaktionen, Beratungen, Ansprechpersonen im Betrieb oder in Schriftform. Anpassen: Anpassungen im Arbeitsumfeld und am Arbeitsplatz kommen häufig allen Mitarbeitenden zugute. Beispiele wären die ergonomische Optimierung (um physische Fehlhaltungen und Nackenbelastungen vorzubeugen) sowie strukturelle Unterstützung (Analyse der Arbeitsbelastung, Zeit- und Organisationsmanagement etc.).

Erfolgreiche Unternehmensinitiativen

In der Schweiz hat die Firma Novartis zusammen mit der Schweizer Kopfwehgesellschaft sowie mit führenden Expert:innen aus den Bereichen Neurologie, Telemedizin und digitale Medizin ein Pilotprojekt für ihre über 12.000 Mitarbeitenden entwickelt. Die Initiative „Migräne muss in alle Köpfe“ soll dazu beitragen, die Situation von Mitarbeiter:innen mit Migräne im Arbeitsumfeld zu verbessern. Nachdem Novartis das Programm zunächst im eigenen Unternehmen etabliert hat, wird es nun auch anderen Arbeitgeber:innen zur Verfügung gestellt. Das Ziel: bei Vorgesetzten und Kolleg:innen der Betroffenen Verständnis für Migräne und deren Auswirkungen zu schaffen. Informationsmaterial, Newsletter-Bausteine und eine Checkliste für die Gestaltung eines migräne-freundlichen Arbeitsplatzes (z. B.

Und das Programm zeigt Wirkung: Es brachte nachweislich Erfolge. Über 350 Mitarbeitende haben am Programm teilgenommen, gut 140 Teilnehmende haben zugestimmt, ihre Daten in einer Studie anonym zu analysieren, und es zeigte sich: Lebensqualität und Produktivität der Betroffenen verbesserten sich deutlich. Konkret reduzierte sich die krankheitsbedingte Beeinträchtigung nach sechs Monaten um 54 und nach neun Monaten um 64 Prozent. Im Schnitt haben die Betroffenen in einem Zeitraum von sechs Monaten fast 11 Arbeitstage und fast 15 arbeitsfreie Tage ohne Migräne gewonnen. Neun von zehn der Studienteilnehmer:innen gaben an, dass sie sich insgesamt besser fühlten.

Präsentismus und Migräne

Der Begriff „Präsentismus“ beschreibt im engeren Sinne das Phänomen, dass Arbeitnehmer:innen trotz Krankheit am Arbeitsplatz erscheinen. In der Umfrage einer großen deutschen Krankenversicherung, die im vergangenen Jahr veröffentlicht wurde, gab mehr als ein Viertel der Beschäftigten an, trotz Erkrankung ihrer Arbeit nachzugehen, und das sogar häufig - sei es im Betrieb oder zuhause. Unter Mitarbeiter:innen mit Führungsverantwortung waren es immerhin noch 16%, die das einräumten.

Beschäftigte im Home-Office sind besonders anfällig: Hier gab fast jeder Zweite an, die Arbeit auch dann zu erledigen, wenn man sich krank fühlt. Mehr als jeder Zehnte arbeitet nach eigener Aussage sogar trotz ärztlicher Krankschreibung.

Eine Arbeit von 2018 zeigt, dass es auch unter Spannungskopfschmerz-Betroffenen einen deutlichen Trend zu Präsentismus gibt. Um spezifisch herauszufinden, wie es sich für die Betroffenen anfühlt, mit Spannungskopfschmerzen zu arbeiten und welche Belastung dies bedeutet, bedienten sich die Autor:innen der Studie spezieller Messmodelle, mit denen sich gut zwischen mentalen und körperlichen Krankheitsaspekten differenzieren lässt. Bei vielen Mitarbeiter:innen, die trotz Spannungskopfschmerzen arbeiteten, zeigte sich, dass ihre Tätigkeit von Angststörungen begleitet wurde.

Auswirkungen von Präsentismus bei Migräne

Migräneattacken werden, wenn sich Betroffene nicht zurückziehen, oft stärker und halten zudem länger an. Zudem sind Betroffene während der Attacken kaum aufnahmefähig. Die Lerninhalte, die man nicht verpassen wollte, als man trotzdem die Lehrveranstaltung besucht hat, werden sich entsprechend kaum nachhaltig setzen. Wer Kopfschmerzen zu häufig mit Medikamenten begegnet, setzt sich dem Risiko aus, einen Medikamentenübergebrauchskopfschmerz zu entwickeln (mehr dazu in diesem Artikel).

Offene Kommunikation und Unterstützung

Aus Angst vor Konsequenzen, wie einer Degradierung vom Chef, einer Abmahnung oder gar einer Kündigung, beschließen viele Menschen dennoch, mit Migräne arbeiten zu gehen. Eines vorweg: Was das Arbeitsrecht betrifft, kann dir bei Migräne nicht so ohne Weiteres gekündigt werden. Doch die Erkrankung erfordert einen offenen Austausch mit dem Arbeitgeber. Migräne ist nichts, wofür man sich schämen oder weswegen man Schuldgefühle haben müsste. Sei daher selbstbewusst und lege frühzeitig die Karten auf den Tisch: Sprich deinen Vorgesetzten offen darauf an, dass du Migräniker bist, aber weißt, damit umzugehen. Mache klar, dass es nicht an fehlendem Verantwortungsgefühl oder mangelndem Interesse für deinen Job liegt, sondern dass die Migräne eine Erkrankung ist, die dich zwingt, während einer Attacke zu Hause zu bleiben. Für solch offene Worte werden die meisten Vorgesetzten Verständnis haben.

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