Ein Fremdkörper im Auge kann sehr unangenehm sein und zu einer Vielzahl von Beschwerden führen. Die Hornhaut, als äusserste Schicht des Auges, ist besonders anfällig für Verletzungen durch Fremdkörper. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Ursachen, Symptome und Behandlungsmöglichkeiten von Verletzungen der Hornhaut durch Fremdkörper, um Ihnen ein umfassendes Verständnis dieser häufigen Problematik zu ermöglichen.
Ursachen von Hornhautverletzungen durch Fremdkörper
Die Hornhaut, die etwa einen Zentimeter Durchmesser hat und in der Mitte etwa einen halben Millimeter dick ist, kann durch verschiedene Einwirkungen verletzt werden. Kleine Kratzer oder Abschürfungen der äusseren Zellschicht können durch oberflächliche Verletzungen entstehen, wie beispielsweise durch einen ins Gesicht schlagenden Zweig oder versehentliches Kratzen mit dem Fingernagel.
Weitere Ursachen für Hornhautverletzungen sind:
- Fremdkörper: Sandkörner, Staubpartikel, Holzspäne, Insekten oder Teile davon können ins Auge gelangen und die Hornhaut verletzen.
- Unsachgemässe Anwendung von Kontaktlinsen: Fehlerhaft eingesetzte oder schlecht gereinigte Kontaktlinsen können die Hornhaut reizen und beschädigen.
- Verätzungen: Säuren oder Laugen, die ins Auge gelangen, können schwere Verätzungen der Hornhaut verursachen.
- UV-Strahlen: Intensive UV-Strahlung, beispielsweise durch Schweissen ohne Schutzbrille, kann zu einer "Verblitzung" der Hornhaut führen.
- Splitter: Herumfliegende Splitter bei Heimwerker-Arbeiten können die Hornhaut verletzen.
- Spitze oder stumpfe Traumen: Können zu perforierenden Verletzungen am Augapfel führen.
- Bearbeiten von Stein und Metall: Hierbei können kleine Teile abgesprengt werden und mit hoher Geschwindigkeit die Hornhaut treffen.
Symptome einer Hornhautverletzung
Eine Verletzung der Hornhaut ist in der Regel sehr schmerzhaft, da die Hornhaut über viele kleine Nervenendigungen verfügt. Typische Symptome einer Hornhautverletzung sind:
- Fremdkörpergefühl: Das Gefühl, dass sich etwas im Auge befindet.
- Gerötete Augen: Die Augen können gerötet und entzündet sein.
- Starke Schmerzen: Die Schmerzen können anfallartig auftreten und sehr intensiv sein.
- Lichtempfindlichkeit: Das Auge reagiert empfindlich auf helles Licht.
- Starker Tränenfluss: Das Auge versucht, den Fremdkörper durch vermehrtes Tränen aus dem Auge zu spülen.
- Lidkrampf und Lidschwellung: Die Augenlider können sich unkontrolliert zusammenziehen und anschwellen.
- Verschwommenes Sehen und Sehstörungen: Die Sehschärfe kann beeinträchtigt sein.
- Konjunktivale Hyperämie: Rötung der Bindehaut.
- Lichtscheu: Empfindlichkeit gegenüber Licht.
Diagnose einer Hornhautverletzung
Bei Verdacht auf eine Hornhautverletzung sollte ein Augenarzt aufgesucht werden. Der Arzt wird das Auge gründlich untersuchen, um das Ausmass der Verletzung zu beurteilen und eventuell noch im Auge befindliche Fremdkörper zu entfernen.
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Die Diagnose umfasst in der Regel folgende Schritte:
- Anamnese: Der Arzt befragt den Patienten nach den Umständen der Verletzung und den aufgetretenen Symptomen.
- Untersuchung mit der Spaltlampe: Mit einer speziellen Lampe kann der Arzt die Hornhautoberfläche vergrössert betrachten und Verletzungen oder Fremdkörper erkennen.
- Fluoreszein-Test: Durch Eintropfen von Fluoreszein-Farbstoff in das Auge können Hornhautabschürfungen sichtbar gemacht werden, da sich der Farbstoff an beschädigten Stellen anreichert.
- Umklappen des Lides: Um Fremdkörper im Bindehautsack unter dem oberen Tarsus zu entdecken.
Behandlung von Hornhautverletzungen
Die Behandlung einer Hornhautverletzung richtet sich nach der Art und Schwere der Verletzung.
Entfernung von Fremdkörpern
- Selbstentfernung: Wenn sich ein Fremdkörper auf dem Unterlid befindet, kann versucht werden, ihn vorsichtig mit einem sauberen Taschentuch aufzunehmen. Wichtig ist, das Auge nicht zu reiben, da dies die Hornhaut verletzen kann.
- Ärztliche Entfernung: Bei festsitzenden Fremdkörpern oder wenn die Selbstentfernung nicht gelingt, sollte ein Augenarzt aufgesucht werden. Der Arzt kann den Fremdkörper unter Lokalanästhesie mit speziellen Instrumenten entfernen.
Medikamentöse Behandlung
- Heilungsfördernde Augensalben: Salben mit dem Wirkstoff Dexpanthenol können die Zellerneuerung anregen und so den Heilungsprozess unterstützen.
- Entzündungshemmende Augentropfen: Bei Entzündungen können entzündungshemmende Augentropfen oder -salben eingesetzt werden.
- Antibiotische Augentropfen oder -salben: Um eine Infektion der Hornhaut zu vermeiden, können antibiotische Augentropfen oder -salben verabreicht werden.
- Schmerzmittel: Bei starken Schmerzen können Schmerzmittel wie Ibuprofen als Augentropfen oder in Tablettenform eingenommen werden.
- Salben mit einem Wirkstoff zur Entspannung der Augenmuskulatur: Diese lassen das Augenlid abschwellen, weiten aber auch die Pupille stark. Dadurch wird das Auge vorübergehend lichtempfindlicher und man kann nicht mehr so scharf sehen.
Weitere Massnahmen
- Augenverband: Bei leichten Verletzungen wird meist auf einen Augenverband verzichtet, da dieser die Heilung vermutlich nicht beschleunigt, sondern sogar verzögern kann.
- Verbandlinsen: In einigen Fällen können spezielle weiche Kontaktlinsen als transparenter Augenverband bei Hornhautverletzungen genutzt werden.
- Künstliche Tränen: Um die Reibung zwischen Hornhaut und Augenlid möglichst gering zu halten, können befeuchtende Augentropfen (künstliche Tränen) verwendet werden.
Chirurgische Eingriffe
- Naht: Bei tieferen Hornhautverletzungen muss die Verletzung unter Umständen mit einer Naht geschlossen werden.
- Stammzelltransplantation: Schwerste Hornhauterkrankungen können in vielen Fällen schonend mit einer neuen Stammzell-Transplantation behandelt werden.
- Laser-Teiltransplantation: Mit einer schonenden Laser-Teiltransplantation können die natürlichen Endothelzellen (Pumpzellen) erhalten werden.
- Phototherapeutische Keratektomie: Bei lang anhaltenden oder sehr starken Beschwerden kann eine spezialisierte Augenlaserbehandlung eingesetzt werden, um erkrankte oder beschädigte Hornhautschichten präzise abzutragen.
- Mikropunktion: Es können auch winzige Löcher in die Hornhaut gestochen werden (Mikropunktion). Damit soll die Anhaftung der äußeren Hornhautschicht zum Auge verbessert werden.
Komplikationen bei Hornhautverletzungen
In den meisten Fällen heilen oberflächliche Hornhautverletzungen innerhalb weniger Tage ohne Komplikationen aus. Allerdings können in einigen Fällen Komplikationen auftreten, wie zum Beispiel:
- Infektion der Hornhaut: Eine bakterielle Infektion der Hornhaut kann zu einem Hornhautgeschwür führen.
- Narbenbildung: Tiefe Hornhautverletzungen können zu Narbenbildung führen, die das Sehen dauerhaft beeinträchtigen kann.
- Wiederkehrende Hornhauterosion: Dabei heilt die oberflächliche Verletzung nicht, weil die neu gebildeten Zellen nicht richtig anwachsen.
- Dauerhafte Sehverschlechterung: Unbehandelte oder schlecht verheilte Hornhautverletzungen können zu einer dauerhaften Sehverschlechterung führen.
- Trockene Augen: Nach einer Hornhautverletzung können trockene Augen auftreten.
- Erhöhte Lichtempfindlichkeit: Das Auge kann empfindlicher auf Licht reagieren.
- Ständiges Fremdkörpergefühl: Auch nach Abheilung der Verletzung kann ein ständiges Fremdkörpergefühl im Auge bestehen bleiben.
Vorbeugung von Hornhautverletzungen
Um Hornhautverletzungen vorzubeugen, können folgende Massnahmen ergriffen werden:
- Tragen einer Schutzbrille: Bei Arbeiten, bei denen ein Risiko für Augenverletzungen besteht (z.B. Schleifen, Fräsen, Schweissen, Gartenarbeit), sollte eine Schutzbrille getragen werden.
- Sorgfältiger Umgang mit Kontaktlinsen: Kontaktlinsen sollten nur mit sauberen Händen eingesetzt und entfernt werden. Die Linsen sollten regelmässig gereinigt und desinfiziert werden.
- Vermeidung von Augenreiben: Häufiges Augenreiben sollte vermieden werden, da dies die Hornhaut reizen und verletzen kann.
- Schutz vor UV-Strahlung: Bei starker Sonneneinstrahlung sollte eine Sonnenbrille getragen werden, um die Augen vor UV-Strahlung zu schützen.
- Vorsicht im Umgang mit Chemikalien: Beim Umgang mit Säuren oder Laugen sollte darauf geachtet werden, dass diese nicht ins Auge gelangen.
Weitere Hornhauterkrankungen
Neben Verletzungen durch Fremdkörper gibt es noch weitere Erkrankungen, die die Hornhaut betreffen können:
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- Endothel-Erkrankungen (Fuchs’sche Endotheldystrophie): Die Pumpzellen (Endothel) bilden die innere Zellschicht der Hornhaut und sorgen für den richtigen Wassergehalt der Hornhaut. Wenn die Pumpzellen aufgrund von bestimmten Erkrankungen vorzeitig absterben, quillt die Hornhaut auf und trübt ein.
- Keratokonus: Eine krankhafte, kegelförmige Vorwölbung der Hornhaut, die schubweise fortschreiten kann.
- Entzündung der Hornhaut (Keratitis und Ulcus): Viele Hornhautschäden entstehen durch Entzündungen, meist durch Keime, wie Bakterien oder Viren.
- Trockenes Auge (Keratokonjunktivitis sicca): Eine Störung des Tränenfilms, bei der entweder nicht genügend Tränenflüssigkeit produziert wird oder die Zusammensetzung des Tränenfilms gestört ist.
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