Die Hirnhautentzündung (Meningitis) ist eine Entzündung der Hirnhäute und/oder Rückenmarkshäute, die durch verschiedene Erreger verursacht werden kann. Während die meisten Fälle von Meningitis durch Viren ausgelöst werden und in der Regel einen milden Verlauf nehmen, können bakterielle Hirnhautentzündungen lebensbedrohlich sein und erfordern eine sofortige medizinische Behandlung. In der Schwangerschaft stellen bestimmte Infektionen, die zu einer Hirnhautentzündung führen können, ein besonderes Risiko für Mutter und Kind dar.
Listeriose in der Schwangerschaft
Listeriose ist eine seltene, aber ernstzunehmende bakterielle Infektion, die durch das Bakterium Listeria monocytogenes verursacht wird. Schwangere Frauen sind besonders anfällig für diese Infektion, da ihr Immunsystem während der Schwangerschaft verändert ist.
Übertragung und Symptome
Listerien sind weit verbreitet und kommen in vielen Tierarten und in der Umwelt vor. Die Übertragung erfolgt am häufigsten über verunreinigte Lebensmittel, insbesondere:
- Unpasteurisierte Milchprodukte
- Weichkäse
- Rohe Wurst
- Rohkostsalate
- Vorgeschnittene Blattsalate
- Geräucherte Fischprodukte
Eine Infektion kann auch durch direkten Kontakt mit kontaminierten Oberflächen oder Materialien erfolgen.
Die Symptome einer Listeriose können sehr unterschiedlich sein. Bei Schwangeren äußert sich die Erkrankung oft milder oder grippeähnlich mit Symptomen wie:
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- Fieber
- Muskelschmerzen
- Magen-Darm-Beschwerden
- Abgeschlagenheit
Risiken für das Ungeborene
Für das ungeborene Kind stellt eine Listeriose ein erhebliches Risiko dar. Die Bakterien können die Plazenta passieren und so das Kind infizieren. Eine Infektion des Fötus in der Gebärmutter kann zu:
- Tod des Fötus
- Frühgeburt
- Sepsis beim Neugeborenen
- Atemnot
- Magen-Darm-Beschwerden
- Hautausschlag
Behandlung und Prävention
Die Behandlung der Listeriose erfolgt in der Regel mit Antibiotika. Bei Schwangeren wird meist eine Kombination aus Ampicillin und Gentamicin eingesetzt, um die Infektion sowohl bei der Mutter als auch beim ungeborenen Kind zu bekämpfen.
Um das Risiko einer Listeriose-Infektion während der Schwangerschaft zu minimieren, sollten Schwangere folgende Vorsichtsmaßnahmen beachten:
- Verzicht auf Rohmilchprodukte und Weichkäse
- Gründliches Erhitzen von tierischen Produkten
- Sorgfältiges Waschen von Obst und Gemüse
- Vermeidung von rohen Wurstwaren und geräucherten Fischprodukten
- Gute Küchenhygiene, insbesondere beim Umgang mit Lebensmitteln
Bei grippeähnlichen Symptomen oder dem Verdacht auf eine Listeriose sollte umgehend ein Arzt oder eine Ärztin aufgesucht werden.
B-Streptokokken-Infektion in der Schwangerschaft
Streptokokken sind Bakterien, deren Untergruppen verschiedene Erkrankungen auslösen können. In der Geburtsmedizin sind vor allem die Streptokokken der Gruppe B (GBS) relevant, da diese gefährlich für das Baby werden können.
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Übertragung und Symptome
GBS kommen beim Menschen in der natürlichen Darmflora vor, auch im Analbereich. Von dort werden sie durch eine Schmierinfektion auf die Scheide übertragen. Bei der Geburt kann es dazu kommen, dass Streptokokken-Bakterien von der Mutter auf das Kind übertragen werden. Die Keime aus dem Geburtskanal gelangen nach dem Blasensprung ins Fruchtwasser. Wenn das Ungeborene dieses schluckt, können die unerwünschten Bakterien in die Lunge geraten.
Bei der Mutter bleibt eine Infektion meist symptomlos. Manchmal verursachen die Bakterien aber verschiedene Erkrankungen, zum Beispiel Blasenentzündung, Lungenentzündung oder - nach der Geburt - Entzündungen der Gebärmutter. Es gibt zudem Hinweise darauf, dass eine Infektion mit B-Streptokokken das Risiko für Früh- oder Totgeburten erhöht.
Risiken für das Neugeborene
Gefährlich sind die B-Streptokokken vor allem für das Kind. Steckt es sich während oder nach der Geburt bei der Mutter an, kann es an einer Neugeborenen-Sepsis erkranken. Kinder können sich auch anstecken, ohne dass sie erkranken. Die Bakterien besiedeln dann die Schleimhäute, ohne Symptome zu verursachen.
Kommt es zur Neugeborenen-Sepsis, gibt es drei Formen:
- Early-Onset-GBS: Die Frühform tritt entweder schon bei der Geburt auf oder bis zu 6 Tage danach. Die Kinder haben entweder nur eine Blutvergiftung oder auch eine Lungenentzündung oder eine Gehirnhautentzündung.
- Late-Onset-GBS: Sie tritt 7 bis 89 Tage nach der Geburt auf. Hier breiten sich die Bakterien über das Blut im ganzen Körper aus. Die Kinder haben Fieber, manchmal sind auch einzelne Organe wie die Gehirnhaut oder die Lunge besonders betroffen.
- Late, late-Onset-GBS: Hier sind die Kinder bei Erkrankungsbeginn schon älter als 3 Monate. Diese Form der Infektion kommt vor allem dann vor, wenn Kinder sehr früh geboren wurden oder eine Immunschwäche haben. Auch hierbei befinden sich die Bakterien überall im Blut, können aber auch einzelne Bereiche besonders befallen, etwa das zentrale Nervensystem oder Gelenke.
Etwa 3 Prozent der Kinder sterben, wenn sie an einer Neugeborenen-Sepsis erkranken - bei Frühgeborenen bis zu 30 Prozent. Für alle erkrankten Kinder gilt, dass Langzeitfolgen wie Hör- oder Sehverluste, geistige Einschränkungen oder Lähmungen zurückbleiben können.
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Screening und Behandlung
Der aktuelle Standard sieht vor, dass sich Schwangere zwischen der 35. und 37. Schwangerschaftswoche auf Streptokokken B testen lassen sollten. Dazu sind Abstriche aus Vagina und After nötig. Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Kosten jedoch nur in bestimmten Fällen, zum Beispiel wenn ein konkreter Verdacht auf eine Infektion besteht. Privat versicherte Frauen müssen bei ihrer Krankenkasse nachfragen, ob der Test bezahlt wird. Er kostet etwa 30 Euro.
Bei einem Nachweis von Streptokokken B bei der Mutter wird eine vorsorgliche Antibiotika-Behandlung während der Geburt durchgeführt. Die Schwangere erhält dann ein Antibiotikum in die Vene. Es ist nicht sinnvoll, das Antibiotikum vor der Geburt zu nehmen, da die B-Streptokokken sich nicht vollständig beseitigen lassen, so dass der Effekt bis zur Geburt schon wieder aufgehoben wäre.
Weitere Infektionen mit potenziellen Auswirkungen auf das Ungeborene
Neben Listeriose und B-Streptokokken gibt es weitere Infektionen, die während der Schwangerschaft potenziell gefährlich für das Ungeborene sein können:
- Toxoplasmose: Wird durch einzellige Parasiten verursacht, die vor allem durch Katzen übertragen werden. Eine Erstinfektion in der Schwangerschaft kann zu Totgeburten oder kindlichen Schädigungen führen.
- Zytomegalie: Wird durch das Zytomegalie-Virus (HCMV) verursacht. Eine erstmalige Infektion in den ersten drei Monaten der Schwangerschaft ist besonders problematisch und kann zu Schädigungen des Kindes führen.
- Ringelröteln: Werden durch das Parvovirus B19 verursacht. Eine Infektion während der Schwangerschaft kann zu Blutarmut beim Ungeborenen führen und in seltenen Fällen lebensbedrohlich sein.
- Windpocken: Eine Infektion im ersten Schwangerschaftsdrittel kann in seltenen Fällen zum angeborenen Varizellensyndrom (CVS) führen.
- Masern: Eine Ansteckung mit Masern während der Schwangerschaft kann zu Komplikationen wie hohem Fieber und schwerer Lungenentzündung führen und das Risiko einer Frühgeburt erhöhen.
- Hepatitis A, B und C: Können zu einer chronischen Erkrankung der Leber führen und das Risiko einer Ansteckung des ungeborenen Kindes während Schwangerschaft oder Geburt erhöhen.
Hirnhautentzündung: Ursachen, Symptome und Behandlung
Eine Hirnhautentzündung kann durch verschiedene Krankheitserreger ausgelöst werden, darunter Viren, Bakterien, Pilze und Parasiten. Die Symptome einer Hirnhautentzündung können je nach Erreger und Schweregrad der Erkrankung variieren. Typische Symptome sind:
- Heftige Kopfschmerzen
- (Hohes) Fieber
- Abgeschlagenheit und Müdigkeit
- Steifer Nacken (Nackensteifigkeit)
- Veränderungen des Verhaltens, der Befindlichkeit und des Ess- und Trinkverhaltens (bei Kleinkindern)
- Verwirrung und Bewusstseinsausfälle (bei älteren Personen)
- Punktförmige Blutungen auf der Haut (bei einer Infektion mit Meningokokken)
Die Behandlung einer Hirnhautentzündung hängt von der Ursache der Erkrankung ab. Eine bakterielle Hirnhautentzündung muss sofort mit Antibiotika behandelt werden, um schwere Komplikationen und Folgeschäden zu vermeiden. Eine virale Hirnhautentzündung wird in der Regel symptomatisch behandelt.
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