Meningokokken-Impfung: Schutz vor Hirnhautentzündung und Blutvergiftung

Meningokokken-Erkrankungen sind in Deutschland insgesamt sehr selten, verlaufen jedoch meist sehr schwerwiegend. Meningokokken verschiedener Typen (Serogruppen) können schwere (invasive) Erkrankungen wie eine bakterielle Hirnhautentzündung (Meningitis) oder eine Blutvergiftung (Sepsis) verursachen. Aufgrund der Schwere von Meningokokken-Erkrankungen, der häufigen Komplikationen und der hohen Sterblichkeit empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) verschiedene Impfungen gegen Meningokokken.

In Deutschland stehen Meningokokken-Impfstoffe bereit, die gezielt gegen bestimmte Serogruppen wirken.

Was sind Meningokokken?

Meningokokken sind Bakterien, die die Mund- und Rachenschleimhaut besiedeln können. Sie werden von Mensch zu Mensch über die sogenannte Tröpfcheninfektion übertragen, zum Beispiel beim Niesen, Husten oder Sprechen. Da Meningokokken außerhalb des Körpers rasch absterben, kommt es bei Begegnungen ohne engen Kontakt in der Regel nicht zu einer Ansteckung.

Wer ist besonders gefährdet?

Meningokokken-Erkrankungen können in jedem Alter auftreten. Am häufigsten sind Säuglinge im ersten Lebensjahr betroffen, aber auch Jugendliche zwischen 15 und 19 Jahren. Besonders gefährdet sind auch Menschen mit einer Immunschwäche.

Welche Serogruppen gibt es?

Aufgrund unterschiedlicher Oberflächenstrukturen der Bakterien werden 12 verschiedene Untergruppen unterschieden, sogenannte Serogruppen. Schwere (invasive) Erkrankungen werden meist durch die Serogruppen A, B, C, W, X und Y verursacht, wobei die verschiedenen Erreger weltweit unterschiedlich häufig vorkommen.

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In Deutschland werden die meisten Erkrankungen durch Meningokokken der Serogruppe B (58,5 Prozent) verursacht, gefolgt von den Serogruppen Y (21,3 Prozent), C (11,5 Prozent) und W (7,8 Prozent). Andere Serogruppen treten in Deutschland nur sehr selten auf. Altersabhängig treten Meningokokken-Erkrankungen der Serogruppe B überwiegend bei Kindern und Jugendlichen (< 25 Jahre) auf, während Erkrankungen durch Serogruppe Y vor allem ältere Personen (≥ 70 Jahre) betreffen. In Deutschland erkranken durchschnittlich jährlich 3 von 100.000 Säuglingen unter einem Jahr an einer schweren Meningokokken-Erkrankung durch Serogruppe B.

Krankheitsverlauf und Symptome

Eine Ansteckung kann vor allem zu einer Entzündung der Hirnhäute (Meningokokken-Meningitis) oder zu einer bakteriellen Blutvergiftung (Meningokokken-Sepsis) führen. In manchen Fällen treten beide Erkrankungen gleichzeitig auf. Von der Ansteckung bis zum Ausbruch einer Erkrankung dauert es in der Regel 3 bis 4 Tage, die Zeitspanne kann jedoch zwischen 2 und 10 Tagen liegen.

Zunächst treten kurzzeitig grippeähnliche Symptome auf. In der Folge setzen plötzlich Kopfschmerzen, Fieber, Schüttelfrost und Schwindel mit schwerstem Krankheitsgefühl ein. Bei einem großen Teil der Erkrankten treten zusätzlich Hautveränderungen auf, vor allem, wenn sich die Infektion im Körper ausbreitet und eine Blutvergiftung entsteht. Bei einer Meningitis kommen unter anderem Erbrechen und Nackensteifigkeit hinzu. Eine Sepsis kann sich durch Blutdruckabfall bemerkbar machen und bis zum Organversagen fortschreiten.

Bei Säuglingen und Kleinkindern sind die Symptome häufig schwieriger zu deuten. Anzeichen einer Meningokokken-Erkrankung können bei Kindern Fieber, Erbrechen, schrilles Schreien, Reizbarkeit, Krämpfe oder auch Schläfrigkeit sein. Die Nackensteifigkeit kann fehlen.

Was tun bei Verdacht?

Bei Anzeichen einer Meningokokken-Erkrankung sollte sofort eine Arztpraxis oder das nächstgelegene Krankenhaus aufgesucht werden. Eine Meningokokken-Meningitis führt bei 10 bis 20 Prozent der Betroffenen zu Komplikationen wie Krampfanfällen oder Taubheit und bei Kindern auch zu Entwicklungsstörungen. Etwa einer von 100 der Erkrankten verstirbt. Bei einer Sepsis kann es zu Gewebeschädigungen bis hin zum Absterben einzelner Gliedmaßen kommen, so dass eine Amputation nötig werden kann. Rund 13 Prozent der Erkrankten mit septischem Verlauf versterben. Bei einer schweren Form des septischen Schocks, dem sogenannten Waterhouse-Friderichsen-Syndrom, verstirbt rund ein Drittel der Betroffenen.

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Behandlung

Meningokokken-Erkrankungen müssen schnellstmöglich im Krankenhaus behandelt werden, da sie fast immer schwer verlaufen und häufig Komplikationen nach sich ziehen. Meningokokken-Erkrankungen werden mit Antibiotika behandelt. Wenn Komplikationen auftreten, können weitere Behandlungsmaßnahmen notwendig werden, unter Umständen auf der Intensivstation.

Die Meningokokken-Impfung: Ein wichtiger Schutz

Aufgrund der Schwere von Meningokokken-Erkrankungen, der häufigen Komplikationen und der hohen Sterblichkeit empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) verschiedene Impfungen gegen Meningokokken. Die Impfung gegen Meningokokken B soll nicht nur die Geimpften schützen, sondern auch die nicht Immunisierten - im Sinne einer Herdenimmunität. Doch ob das gelingen kann, bleibt ungewiss. Die Rachenschleimhaut von Adoleszenten ist häufig asymptomatisch mit Neisseria meningitidis besiedelt. Die 15- bis 18-Jährigen gelten daher als wichtige Überträger der Infektion und damit als relevante Zielgruppe für die Impfung.

Impfempfehlungen der STIKO

Die STIKO hat ihre Standard-Impfempfehlungen zur Prävention invasiver Meningokokken-Erkrankungen aktualisiert. Für Kinder und Jugendliche im Alter von 12-14 Jahren wird neu die MenACWY-Impfung empfohlen. Dafür entfällt die die MenC-Impfung im Kleinkindalter. Hauptverursacher für invasive Erkrankungen sind in Deutschland die vier Untergruppen der Meningokokken (Serogruppen) B, C, W und Y. Ab sofort wird allen Kindern und Jugendlichen im Alter von 12 bis 14 Jahren eine Impfung gegen Meningokokken der Serogruppen A, C, W und Y (MenACWY) mit einer Dosis eines quadrivalenten Konjugatimpfstoffs empfohlen. Nachholimpfungen sind bis zum 25. Lebensjahr möglich.

Epidemiologische Daten zeigen, dass Jugendliche im Alter von 15 bis 19 Jahren neben Säuglingen das höchste Risiko für invasive Meningokokken-Erkrankungen aufweisen. Die Impfung in der Altersgruppe 12 bis 14 Jahre ermöglicht einen frühzeitigen Immunschutz und reduziert die Krankheitslast durch diese Serogruppen. Die STIKO hat zudem die bisherige Standardimpfung gegen Meningokokken C (MenC) im Kleinkindalter aufgehoben.

Impfung gegen Meningokokken B

Allen Säuglingen ab dem Alter von 2 Monaten wird die Impfung gegen Meningokokken B empfohlen. Die Impfserie soll möglichst frühzeitig begonnen werden und im Alter von 2, 4 und 12 Monaten verabreicht werden. Versäumte Impfungen sollen so bald wie möglich und spätestens bis zum 5. Geburtstag nachgeholt werden. Im Alter von 12 bis 23 Monaten besteht die Impfserie aus 2 Impfstoffdosen in einem Mindestabstand von 2 Monaten und einer 3. Impfstoffdosis 12 bis 23 Monate nach der 2. Impfung. Personen ab dem Alter von 2 Jahren erhalten nur 2 Impfstoffdosen in einem Mindestabstand von 1 Monat.

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Die Impfung gegen Meningokokken B soll an einem Termin mit den anderen von der STIKO empfohlenen Impfungen erfolgen. Zur Vermeidung von Fieber oder Schmerzen nach der Impfung wird eine vorbeugende Gabe von Paracetamol empfohlen, die zeitgleich mit der Impfung gegen Meningokokken B oder kurz danach begonnen werden sollte.

Die MenB-Impfung wird als Indikationsimpfung für Personen mit erhöhtem Erkrankungsrisiko empfohlen. Dies betrifft insbesondere Personen mit einer angeborenen oder erworbenen Immunschwäche, gefährdetes Laborpersonal sowie Reisende in Länder mit epidemischen Vorkommen, besonders bei engem Kontakt zur einheimischen Bevölkerung (z. B. bei Entwicklungshilfe, Katastrophenschutz und medizinisches Personal). Vor Langzeitaufenthalten sollten Kinder und Jugendliche sowie Personen in Studium und Ausbildung eine Impfung gegen MenB entsprechend der Empfehlung der Zielländer erhalten.

Ungeimpfte Haushaltsmitglieder von Erkrankten sowie Personen mit engem haushaltsähnlichem Kontakt sollten sich (zusätzlich zur Gabe von Antibiotika) so bald wie möglich impfen lassen, falls die Infektion beim Erkrankten durch Meningokokken A, C, W, Y oder B verursacht wurde. Bei gehäuftem Auftreten von Meningokokken-Erkrankungen oder Ausbrüchen können von den Gesundheitsbehörden Impfungen für Personen im Umfeld empfohlen werden. Darüber hinaus können Impfungen gegen Meningokokken ACWY und/oder Meningokokken B als Reiseimpfungen sinnvoll sein.

Impfung gegen Meningokokken C

Die bisherige STIKO-Empfehlung zur Impfung gegen Meningokokken der Serogruppe C im Alter von 12 Monaten, einschließlich der bislang empfohlenen Nachholimpfungen bis zu einem Alter von 18 Jahren, entfällt. In Einzelfällen kann die MenC-Impfung dennoch sinnvoll und begründet sein.

Impfung gegen Meningokokken A, C, W und Y (MenACWY)

Personen aller Altersgruppen, bei denen ein erhöhtes Risiko für eine Meningokokken-Erkrankung besteht, wird die Impfung mit einem Meningokokken-Kombinationsimpfstoff gegen die Serogruppen A, C, W und Y empfohlen. Außerdem sollten sie gegen Meningokokken B geimpft werden, wenn dies im Säuglings- oder Kleinkindalter noch nicht erfolgt ist. Zu den Risikogruppen zählen Personen mit erhöhter gesundheitlicher Gefährdung aufgrund einer angeborenen oder erworbenen Immunschwäche (zum Beispiel bei fehlender Milz) sowie gefährdetes Laborpersonal.

Welche Impfstoffe gibt es?

Für die Serogruppe B und C sind in Deutschland jeweils monovalente Impfstoffe (Einzelimpfstoffe) zugelassen sowie quadrivalente Impfstoffe (Vierfachimpfstoffe) gegen die 4 Serogruppen A, C, W, und Y (MenACWY). Die STIKO hat ihre Empfehlung zur Impfung gegen die Serogruppe B angepasst und empfiehlt für Säuglinge ab dem Alter von zwei Monaten eine Standardimpfung gegen Meningokokken der Serogruppe B (MenB) mit dem Protein-basierten Vierkomponenten-Impfstoff 4CMenB (Bexsero). Gegen Meningokokken B wirken die Impfstoffe Bexsero® und Trumenba®, gegen Meningokokken C die Präparate Menjugate® und Neisvac®.

Mögliche Impfreaktionen und Nebenwirkungen

Die Impfung ist in der Regel gut verträglich. Wie bei jeder Impfung können jedoch Nebenwirkungen auftreten, die je nach verwendetem Impfstoff etwas verschieden und unterschiedlich häufig sind. Durch die Anregung der körpereigenen Abwehr können für kurze Zeit vorübergehende Impfreaktionen auftreten, die in der Regel nach wenigen Tagen ohne Folgen wieder abklingen. Dazu zählen Rötungen, Schwellungen und Schmerzen an der Impfstelle, Fieber, Kopfschmerzen, Muskel- und Gelenkschmerzen sowie allgemeines Unwohlsein. Schwere Nebenwirkungen sind sehr selten. Beispielsweise kann es bei Säuglingen und jungen Kleinkindern zu einem Fieberkrampf kommen, der in der Regel jedoch ohne Folgen bleibt. Auch allergische Reaktionen sind möglich.

Bei der Impfung gegen Meningokokken B kommt es häufiger zu hohem Fieber und Reizbarkeit. Auch Magen-Darm-Beschwerden, wie Durchfall, treten etwas häufiger auf. Der Körper reagiert auf den Impfstoff. Dies sind aber alles Beschwerden, die man mit gängigen Mitteln lindern kann. Zur Fiebersenkung oder Linderung der Beschwerden solle vor allem Paracetamol benutzt werden, da es in Studien untersucht wurde und die Impfantwort nicht stört. Vor allem bei gleichzeitiger Impfung mit dem Sechsfach- und dem Pneumokokkenimpfstoff treten laut Studien häufiger schmerzhafte, fieberhafte Reaktionen auf. Die STIKO empfiehlt daher, vorbeugend Zäpfchen mit Paracetamol bei oder kurz nach der Impfung zu geben.

Kostenübernahme

Die Barmer übernimmt die Kosten der Impfung gegen Meningokokken B bis zum 18. Geburtstag und gegen Meningokokken ACWY sogar bis zum 25. Geburtstag. Auch darüber hinaus ist sie als Reiseschutzimpfung für Sie kostenlos.

Beratung

Bei Fragen rund um die Impfung wenden Sie sich am besten an Ihre Arztpraxis. Die Ärztin oder der Arzt wird Sie vor der Impfung über Nutzen und mögliche Risiken aufklären.

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