Hirnhautentzündung nach Lungentransplantation: Ursachen, Symptome und Behandlung

Eine Hirnhautentzündung (Meningitis) ist eine Entzündung der Hirnhäute und/oder Rückenmarkshäute, die durch verschiedene Krankheitserreger ausgelöst werden kann. Nach einer Lungentransplantation ist das Risiko für eine Meningitis erhöht, da das Immunsystem durch Immunsuppressiva unterdrückt wird, um die Abstoßung des Organs zu verhindern. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen, Symptome und Behandlungsmöglichkeiten einer Hirnhautentzündung nach einer Lungentransplantation.

Immunsuppression und Infektionsrisiko

Um zu verhindern, dass das Immunsystem das transplantierte Organ als fremd erkennt und angreift, werden Immunsuppressiva eingesetzt. Diese Medikamente drosseln die körpereigene Abwehr, was jedoch auch das Risiko für Infektionen erhöht. Unabhängig von einer Transplantation können Infektionen bei allen Menschen durch unterschiedliche Krankheitserreger ausgelöst werden, darunter Bakterien, Viren und Pilze.

Krankheitserreger als Auslöser von Infektionen

Bakterien: Bakterien sind einzellige Lebewesen, von denen einige natürlicherweise den menschlichen Körper besiedeln und wichtige Aufgaben erfüllen. Andere Bakterienarten können jedoch Krankheiten auslösen, insbesondere wenn sie in Körperregionen gelangen, in denen ihre Funktion nicht nützlich ist.

Viren: Viren vermehren sich in Zellen von Lebewesen, besitzen jedoch keinen eigenen Stoffwechsel. Viele gesunde Menschen sind mit Viren infiziert, erkranken jedoch nicht, weil das Immunsystem die Viren unter Kontrolle hat. Zu den beim Menschen auftretenden Viren zählen zum Beispiel Influenzaviren, Herpesviren, das Cytomegalievirus und Polyomaviren.

Pilze: Einige wenige Pilzarten können den menschlichen Körper befallen und Krankheitssymptome hervorrufen. Hierzu gehören beispielsweise verschiedene Candida- und Aspergillus-Arten. Auch der Pilz Pneumocystis jirovecii kann bei immunsupprimierten Patienten nach der Transplantation zu einer Lungenentzündung führen.

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Theoretisch kommen nach einer Transplantation viele verschiedene Krankheitserreger als Auslöser von Infektionen in Betracht. Es gibt jedoch nicht gegen alle Krankheitserreger ein Medikament, das sich nach einer Transplantation zum Schutz vor einer Infektion verabreichen lässt. Außerdem kommt es manchmal trotz Prophylaxe zu einer Infektion.

Typische Krankheitserreger bei Immunsupprimierten

Im Folgenden werden einige Krankheitserreger vorgestellt, die typischerweise bei immunsupprimierten Patienten Erkrankungen auslösen können.

Cytomegalievirus (CMV): Viele Menschen infizieren sich in ihrer Jugend mit dem Cytomegalievirus (CMV). Das Immunsystem verhindert aber in der Regel den Ausbruch der Krankheit, und es werden Antikörper gegen das Virus gebildet. Unter der starken Immunsuppression nach einer Transplantation kann es bei Menschen, die den Krankheitserreger in sich tragen, zu einem erneuten Krankheitsausbruch kommen. Dies wird auch als Reaktivierung bezeichnet. Das Virus kann aber auch mit dem Spenderorgan übertragen werden. Dies ist besonders für die wenigen Patienten gefährlich, die vor der Transplantation noch keinen Kontakt mit dem Krankheitserreger hatten, also keine Antikörper bilden konnten. Eine CMV-Erkrankung tritt am häufigsten im ersten Jahr nach der Transplantation auf.

Zu den häufigen Symptomen der Infektion mit dem CMV gehören:

  • Fieber
  • Neutropenie (verringerte Anzahl bestimmter weißer Blutkörperchen im Blut)

Folgende Anzeichen können auf eine CMV-Infektion hindeuten:

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  • Lymphknotenvergrößerung
  • Entzündung der Speiseröhre
  • Entzündung des Dickdarms
  • Entzündungen im zentralen Nervensystem
  • Netzhautentzündung
  • Hepatitis (Entzündung der Leber)
  • Thrombozytopenie (verringerte Anzahl der Blutplättchen im Blut)
  • Lungenentzündung
  • Durchfälle
  • Blutungen aus dem Magen-Darm-Trakt

Oft erhalten Patienten zum Schutz vor dem Krankheitserreger in den ersten Monaten nach der Transplantation ein Virostatikum. Ob dies notwendig ist, hängt vom individuellen Erkrankungsrisiko des Transplantierten ab: Wenn weder Spender noch Empfänger zum Zeitpunkt der Transplantation mit dem CMV infiziert waren, ist das Erkrankungsrisiko niedrig und eine Prophylaxe nicht nötig. Das Risiko ist am höchsten, falls ein Empfänger, der bislang noch nie mit dem Virus infiziert war, das Organ eines Spenders erhält, der das Virus in sich trägt.

Pneumocystis jirovecii: Pneumocystis jirovecii (früher als Pneumocystis carinii bezeichnet) ist ein Pilz, der im Lungengewebe der meisten Erwachsenen vorhanden ist. Dieser Krankheitserreger kann unter der starken Immunsuppression nach einer Transplantation zu einer Lungenentzündung (Pneumonie) führen. Zum Schutz vor diesem Erreger werden nach der Transplantation häufig einige Monate lang (bei Lungentransplantierten lebenslang) spezifische Antibiotika eingenommen. Daher kommt es inzwischen seltener zu einer Pneumocystis-jirovecii-Pneumonie (PCP).

BK-Virus (BKV) nach Nierentransplantation: BK-Viren gehören zur Gattung der Polyomaviren. Fast alle Erwachsene sind mit BK-Viren infiziert. Polyomaviren nisten sich in der Niere und in B-Lymphozyten ein, einer speziellen Sorte von weißen Blutkörperchen. Eine Reaktivierung der BK-Viren kann zu einer Entzündung der Niere (Nephritis), der Harnleiter und Harnblase führen. Eine solche Polyomavirus-Nephropathie tritt bei bis zu zehn Prozent der Nierentransplantierten auf - meist acht bis 13 Monate nach der Transplantation. Die Erkrankung kann die transplantierte Niere so stark schädigen, dass diese nicht mehr ausreichend funktioniert und der Transplantierte wieder dialysepflichtig wird.

Papillomaviren: Studien zur Entstehung des Hautkrebsrisikos zeigen, dass Papillomaviren die Entstehung von Hautkrebs begünstigen können. Gegen diese Krankheitserreger besitzen Patienten nach einer Transplantation ebenfalls eine reduzierte Abwehr und können dadurch leichter an Hautkrebs erkranken.

Ursachen einer Hirnhautentzündung

Eine Hirnhautentzündung kann durch verschiedene Erreger verursacht werden, darunter Bakterien, Viren und Pilze. Die jeweilige Ursache hat Auswirkungen auf den Verlauf und die Schwere der Erkrankung sowie auf die geeignete Behandlung.

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Virale Meningitis

In den meisten Fällen wird eine Meningitis durch Viren ausgelöst. Sie verursacht grippeartige Symptome und heilt in der Regel nach zwei bis drei Wochen von selbst aus. Zu den Auslösern zählen unter anderem:

  • Arboviren: Die Erreger werden durch Zecken oder Mücken übertragen, besonders häufig ist die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME).
  • Varizella-Zoster-Virus: Erkrankungen wie Windpocken werden durch dieses Virus ausgelöst.
  • Coxsackie-Viren: Dieser Virustyp verursacht beispielsweise die Hand-Fuß-Mund-Krankheit.
  • SARS-CoV-2: Der Erreger von COVID-19 kann auch eine Hirnhautentzündung auslösen.
  • Epstein-Barr-Virus

Bakterielle Meningitis

Bakterielle Hirnhautentzündungen sind seltener, aber deutlich gefährlicher als virale Hirnhautentzündungen. Der Krankheitsverlauf unterscheidet sich von der viralen Meningitis durch heftigere Symptome, die plötzlich auftreten. Komplikationen und schwere Verläufe sind bei der bakteriellen Hirnhautentzündung häufig. Deshalb ist eine bakterielle Meningitis immer ein medizinischer Notfall, der im Krankenhaus behandelt werden muss.

  • Borrelien: Durch einen Zeckenstich können sogenannte Borrelien übertragen werden. Diese Bakterien können wiederum das Nervensystem befallen und so nach mehreren Wochen oder Monaten eine Neuroborreliose auslösen, die sich oft in einer (leichten) Meningitis manifestiert.
  • Meningokokken: Eine Meningokokkeninfektion wird durch Neisseria-meningitidis-Bakterien ausgelöst und ist aufgrund der verfügbaren Impfung selten. Eine Infektion mit Meningokokken ist besonders gefährlich -in zwei Dritteln der Fälle führt sie zu einer Hirnhautentzündung, in einem Drittel der Fälle zu einer Sepsis. Die Behandlung erfolgt im Krankenhaus, da schwere Komplikationen und Folgeerkrankungen häufig vorkommen.
  • Andere Bakterien und Pilze: Auch andere Bakterien und einige Pilze können zu einer Hirnhautentzündung führen. Menschen mit einem gesunden Immunsystem erkranken nur selten an einer Hirnhautentzündung durch Schimmelpilze oder Hefepilze.

Aseptische Meningitis

Die aseptische bzw. nicht infektiöse Meningitis wird nicht durch Infektionen verursacht. Zu den Ursachen gehören vielmehr:

  • Autoimmunerkrankungen, z. B. rheumatoide Arthritis, Lupus
  • Bestimmte Medikamente

Symptome einer Hirnhautentzündung

Die Symptome einer Hirnhautentzündung können je nach Ursache und Schweregrad variieren. Typische Symptome sind unter anderem:

  • Heftige Kopfschmerzen
  • (Hohes) Fieber
  • Abgeschlagenheit und Müdigkeit
  • Steifer Nacken: Entzündungsbedingte Schmerzen machen es Betroffenen oft unmöglich, den Kopf auf die Brust zu legen. Bei Neugeborenen ist die Nackensteifigkeit oft nicht erkennbar.
  • Bei Kleinkindern: Veränderungen des Verhaltens, der Befindlichkeit und des Ess- und Trinkverhaltens
  • Bei älteren Personen: Hier können Verwirrung und Bewusstseinsausfälle wichtige Anzeichen einer Hirnhautentzündung sein.
  • Bei einer Infektion mit Meningokokken: Es treten charakteristische Veränderungen des Hautbildes durch punktförmige Blutungen auf.

Wenn eine starke Verschlechterung der Symptome in kurzer Zeit beobachtet wird oder wenn Bewusstseinsstörungen und/oder Krampfanfälle auftreten, sollte sofort die Notärztin/der Notarzt kontaktiert werden.

Diagnose einer Hirnhautentzündung

Da eine bakterielle Meningitis durch einen raschen und schweren Verlauf gekennzeichnet ist, ist eine schnelle Diagnostik besonders wichtig. Um die richtige Behandlung einleiten und geeignete Maßnahmen ergreifen zu können, ist neben der Differenzialdiagnose auch die Bestimmung der auslösenden Erreger notwendig.

  • Anamnese: Bei Verdacht auf Meningitis ist ein ausführliches Anamnesegespräch wichtig, um etwaige Ursachen der Erkrankung zu erkennen.
  • Blutuntersuchung: Die Erreger einer Hirnhautentzündung gelangen über das Blut in die Hirnhäute, daher können entsprechende Erreger auch in einer Blutprobe nachgewiesen werden.
  • Lumbalpunktion: Bei einer Lumbalpunktion entnimmt eine Ärztin / ein Arzt mit einer speziellen Nadel Flüssigkeit (Liquor) aus dem Rückenmarkskanal. Der Liquor wird anschließend im Labor auf Entzündungszeichen und Krankheitserreger untersucht. Wichtige Erreger können unter dem Mikroskop identifiziert werden.
  • Bildgebende Verfahren: Insbesondere bei Bewusstseinsstörungen ist eine Untersuchung des Gehirns über MRT (Magnetresonanztomografie) oder CT (Computertomografie) erforderlich. Aber auch bei Betroffenen ohne Bewusstseinsstörungen werden bildgebende Verfahren zur Differentialdiagnose eingesetzt.
  • Weitere Untersuchungen: Je nach Patient sowie Schweregrad und Ursache der Hirnhautentzündung können weitere Untersuchungen notwendig sein, um über die richtige Behandlungsstrategie zu entscheiden und Komplikationen zu vermeiden (z.B. Rachenabstrich, Elektroenzephalografie (EEG), verschiedene Laboruntersuchungen).

Behandlung einer Hirnhautentzündung

Die Behandlung einer Hirnhautentzündung richtet sich nach der Ursache der Erkrankung.

  • Virale Meningitis: Eine virale Meningitis heilt in der Regel von selbst aus. Die Behandlung konzentriert sich auf die Linderung der Symptome.
  • Bakterielle Meningitis: Eine bakterielle Meningitis muss umgehend mit Antibiotika behandelt werden. Die Behandlung erfolgt im Krankenhaus.
  • Aseptische Meningitis: Die Behandlung einer aseptischen Meningitis richtet sich nach der zugrunde liegenden Ursache.

Fallbeispiel: Neurologische Komplikationen nach Lungentransplantation

Eine 58-jährige Patientin unterzog sich aufgrund einer interstitiellen fibrotischen Lungenerkrankung einer Doppellungentransplantation. Postoperativ kam es zu verschiedenen Komplikationen, darunter ein Kapillarleck, ein akutes anurisches Nierenversagen und eine transiente globale kardiale Pumpschwäche. Die immunsuppressive Therapie wurde mit Basiliximab, Tacrolimus, Mycophenolat-Mofetil und Methylprednisolon bzw. Prednison durchgeführt.

Einige Zeit nach der Transplantation entwickelte die Patientin Kopfschmerzen, einen Vigilanzverlust, epileptische Anfälle und ein Hirnödem. Es wurde ein posteriores reversibles enzephalopathisches Syndrom (PRES) vermutet, das möglicherweise durch supratherapeutische Serumspiegel von Tacrolimus verursacht wurde. Differenzialdiagnostisch wurden auch eine pneumogene Sepsis mit Enzephalopathie oder eine Meningitis/Enzephalitis diskutiert.

Schließlich wurde eine Hyperammonämie festgestellt, die durch eine Infektion mit Ureaplasma urealyticum verursacht wurde. Trotz intensiver Therapie verstarb die Patientin an einem diffusen Hirnödem mit Einklemmung.

Dieser Fall verdeutlicht, dass neurologische Komplikationen nach Lungentransplantationen auftreten können und dass eine sorgfältige Diagnostik erforderlich ist, um die Ursache zu ermitteln und eine geeignete Behandlung einzuleiten.

Prävention von Infektionen nach Lungentransplantation

Um das Risiko für Infektionen nach einer Lungentransplantation zu minimieren, sind verschiedene Maßnahmen wichtig:

  • Prophylaktische Medikamente: Patienten erhalten häufig prophylaktisch Medikamente gegen bestimmte Krankheitserreger, wie z.B. CMV und Pneumocystis jirovecii.
  • Impfungen: Impfungen mit Totimpfstoffen können und sollten nach der Transplantation erfolgen, falls dies nicht bereits im Rahmen zur Vorbereitung auf die Transplantation durchgeführt wurde. Impfungen z.B. gegen Tetanus, Diphtherie, Influenza, Pneumokokken, Hepatitis A und Hepatitis B sind weiterhin möglich. Auch die Impfung gegen Meningokokken und Haemophilus influenzae sind Teil der Impfempfehlungen. Ebenfalls ist die jährliche Grippeschutzimpfung auch bei Patienten nach Lebertransplantation empfohlen.
  • Hygiene: Eine gute Hygiene ist wichtig, um die Ausbreitung von Krankheitserregern zu verhindern.
  • Vermeidung von Risikofaktoren: Risikofaktoren für Infektionen, wie z.B. Kontakt zu infizierten Personen, sollten vermieden werden.

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