Die Meningitis, insbesondere die bakterielle Meningitis, ist eine ernste Erkrankung, die eine rasche Diagnose und Behandlung erfordert. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über die bakterielle Meningitis, einschließlich der Bedeutung von Penicillin bei der Behandlung, insbesondere im Hinblick auf die Dosierung bei Kindern und Erwachsenen.
Einführung
Die bakterielle Meningitis ist eine akute, eitrige Entzündung der Hirnhäute (Meningen) und gegebenenfalls des Hirngewebes (Enzephalitis). Sie stellt einen medizinischen Notfall dar, der schnelles diagnostisches und therapeutisches Handeln erfordert. Ein frühzeitiger Behandlungsbeginn ist entscheidend für die Prognose.
Epidemiologie und Ätiologie
Die Inzidenz der Meningitis ist in Europa dank Impfungen und Hygienemaßnahmen in den letzten 30 Jahren gesunken. Die häufigsten Erreger variieren je nach Altersgruppe:
- Neugeborene und Säuglinge < 6 Wochen: Beta-hämolysierende Streptokokken der Gruppe B, Enterobacteriaceae (z. B. E. coli, Klebsiella), Listeria monocytogenes.
- Säuglinge > 6 Wochen und Kinder: Neisseria meningitidis (Meningokokken), Streptococcus pneumoniae (Pneumokokken), Haemophilus influenzae (bei nicht geimpften Kindern).
- Erwachsene: Streptococcus pneumoniae (Pneumokokken), Neisseria meningitidis (Meningokokken), Listeria monocytogenes.
Weitere prädisponierende Faktoren sind Alkoholabhängigkeit, Operationen im Schädel-/HNO-/Kieferbereich, Immunsuppression, Diabetes mellitus, dentale Infektionen, Endokarditis, Sinusitis, Otitis media, offenes Schädel-Hirn-Trauma, erhöhte Trägerfrequenz von pathogenen Keimen im Pharynx, Aufenthalt in Institutionen, Aufenthalt in Regionen mit endemischem Meningokokken-Vorkommen, Kontakt mit einem Indexfall mit bakterieller Meningitis, Rauchen und Veränderungen der Schleimhaut im Respirationstrakt.
Diagnostische Kriterien
Die Diagnose basiert auf klinischer Symptomatik, Liquordiagnostik, zerebraler Bildgebung und Erregernachweis aus Liquor oder Blut. Typische Symptome sind:
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- Deutlich beeinträchtigter Allgemeinzustand
- Kopfschmerzen
- Fieber
- Nackensteife (Meningismus)
- Übelkeit und Erbrechen
- Lichtscheu (Photophobie)
- Verwirrtheit
- Bewusstseinsstörung (Vigilanzminderung)
Bei speziellen Patientengruppen, wie älteren Menschen, Neugeborenen und Säuglingen, können atypische Präsentationen ohne oder mit nur geringen Leitsymptomen auftreten.
Rolle von Penicillin bei der Behandlung der Meningitis
Penicillin, insbesondere Benzylpenicillin (Penicillin G) und Phenoxymethylpenicillin (Penicillin V), spielen eine wichtige Rolle bei der Behandlung der Meningitis, die durch penicillinempfindliche Erreger verursacht wird.
Benzylpenicillin (Penicillin G)
Benzylpenicillin ist ein parenteral zu applizierendes Penicillin aus der Gruppe der Betalactam-Antibiotika, die hemmend auf die bakterielle Zellwandsynthese wirken. Es ist indiziert zur Behandlung bakterieller systemischer und/oder lokaler Infektionen, die durch Benzylpenicillin-empfindliche Erreger verursacht werden (insbesondere durch Streptokokken, Pneumokokken, Gonokokken, Meningokokken und Spirochäten).
Indikationsgebiete:
- Akute bakterielle Sinusitis
- Akute bakterielle Otitis media
- Tonsillitis
- Ambulant erworbene Pneumonie
- Akute Exazerbation einer chronischen Bronchitis
- Infektionen des gynäkologischen Bereiches
- Aktinomykose
- Diphtherie
- Endokarditis und Endoplastitis
- Erysipel
- Gasbrand
- Meningitis und Hirnabszess
- Osteomyelitis
- Peritonitis
- Septikämien
- Tetanus
- Wundinfektionen
Dosierung:
Die Dosierung (Dosis, Dosierungsintervall) und Anwendungsart von Benzylpenicillin orientiert sich an Art und Empfindlichkeit des Erregers, Schwere der Infektion und Zustand des Patienten.
- Erwachsene und Jugendliche über 12 Jahre:
- Normal empfindliche Keime: Tagesdosis 1 bis 5 Millionen I.E. Benzylpenicillin verteilt auf 4 bis 6 Einzelgaben
- Schwere Infektionen (z.B. bakterielle Endokarditis oder Meningitis): Tagesdosis 20 bis 60 Millionen I.E. Benzylpenicillin
- Kinder (1. bis 12. Lebensjahr): 0,05 bis 0,5 Millionen I.E. Benzylpenicillin pro kg Körpergewicht und Tag in 4 bis 6 Einzelgaben
- Säuglinge (1. bis 12. Lebensmonat): 0,05 bis 1 Million I.E. Benzylpenicillin pro kg Körpergewicht und Tag in 3 bis 4 Einzelgaben
- Neugeborene (bis 4. Lebensmonat): 0,05 bis 0,1 (bis 0,5) Millionen I.E. Benzylpenicillin pro kg Körpergewicht und Tag in 2 Einzelgaben
Phenoxymethylpenicillin (Penicillin V)
Penicillin V ist ein Betalactam-Antibiotikum aus der Gruppe der penicillinase-sensitiven Penicilline. Es wird zur Behandlung von leichten bis mittelschweren Infektionen eingesetzt, die durch Phenoxymethylpenicillin-empfindliche Erreger verursacht werden und einer oralen Penicillintherapie zugänglich sind.
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Indikationsgebiete:
- Infektionen des Hals-Nasen-Ohren-Bereiches (Pharyngitis, Tonsillitis, Sinusitis, Otitis media)
- Infektionen der tiefen Atemwege (Bronchitis, Pneumonie)
- Infektionen im Zahn-, Mund- und Kieferbereich
- Endokarditisprophylaxe bei Eingriffen im Zahn-, Mund- und Kieferbereich oder am oberen Respirationstrakt
- Infektionen der Haut (Pyodermie, Furunkulose, Phlegmone)
- Lymphadenitis und Lymphangitis
- Infektionen durch Beta-hämolysierende Streptokokken der Gruppe A (z. B. Scharlach, Erysipel) sowie Rezidivprophylaxe bei rheumatischem Fieber
Dosierung:
Die Dosierung von Penicillin V richtet sich nach Art der Infektion, dem klinischen Zustand und patientenspezifischen Faktoren.
- Erwachsene und Jugendliche über 12 Jahre: 3-4-mal täglich 590-885 mg Phenoxymethylpenicillin (1-1,5 Mio. I.E.).
- Kinder 6-12 Jahre: 3-4-mal täglich 295 mg Phenoxymethylpenicillin (0,5 Mio. I.E.).
Wichtige Hinweise zur Penicillin-Anwendung
- Überempfindlichkeit: Bei Patienten mit allergischer Disposition (z. B. Heuschnupfen, Asthma) besteht ein erhöhtes Risiko schwerer Reaktionen.
- Gastrointestinale Resorption: Bei schwerem Erbrechen oder Durchfall sollte auf orale Anwendung verzichtet werden (parenterale Therapie empfohlen).
- Superinfektionen: Langfristige und wiederholte Anwendung kann resistente Keime oder Hefen (z. B. Candida) begünstigen.
- Kaliumzufuhr: Kaliumgehalt der Tabletten beachten, insbesondere bei Patienten mit Niereninsuffizienz oder kontrollierter Kaliumdiät.
- Herxheimer-Reaktion: Kann bei Spirochäteninfektionen auftreten (Fieber, Schüttelfrost, Kopfschmerzen, Gelenkschmerzen).
- Laboruntersuchungen: Falsch-positive Ergebnisse bei nicht-enzymatischer Harnzuckerbestimmung und gestörter Urobilinogen-Nachweis möglich.
- Nicht mit bakteriostatisch wirkenden Chemotherapeutika kombinieren.
- Bei Auftreten eines anaphylaktischen Schocks müssen sofort die entsprechenden Notfallmaßnahmen eingeleitet werden.
Empirische Antibiotikatherapie
Bei Verdacht auf eine bakterielle Meningitis sollte sofort eine empirische Antibiotikatherapie begonnen werden. Die Wahl der Antibiotika hängt von der wahrscheinlichen Erregerursache ab.
- Erwachsene mit ambulant erworbener bakterieller Meningitis: Cephalosporin Gruppe 3a (z. B. Ceftriaxon oder Cefotaxim) plus Ampicillin.
- In Regionen mit einem hohen Anteil Penicillin-resistenter Pneumokokken: Vancomycin und Ceftazidim.
Adjuvante Therapie mit Dexamethason
Die adjuvante Therapie mit Kortikosteroiden (Dexamethason) kann die Letalität und Komplikationen bei Pneumokokkenmeningitis signifikant reduzieren und Hörschäden bei Meningokokkenmeningitis reduzieren. Dexamethason sollte unmittelbar vor Gabe des Antibiotikums (oder zeitgleich) begonnen werden (4 x 10 mg i. v.).
Weitere Therapien
- Operative Fokussanierung: Operative Sanierung eines lokalen HNO-Infektfokus als Ursache der Meningitis möglichst innerhalb von 24 Stunden (z. B. Sinusitis, Mastoiditis, Otitis media).
- Umgebungsschutz: Maßnahmen bei Meningokokkenerkrankung (Isolation, Chemoprophylaxe bei Kontaktpersonen).
Prävention
Impfungen gegen Haemophilus influenzae Typ B (Hib), Meningokokken (Serogruppen A, C, Y und W135) und Pneumokokken sind wichtige präventive Maßnahmen.
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