Ein Schlaganfall stellt einen einschneidenden Moment im Leben eines Menschen dar. Die Behandlung gestaltet sich oft langwierig. Er ist nicht nur die dritthäufigste Todesursache, sondern auch der häufigste Grund für Langzeitbehinderungen bei Erwachsenen. Alle zwei Minuten erleidet in Deutschland ein Mensch einen Schlaganfall.
Was ist ein Schlaganfall?
Die Redensart „Mich trifft der Schlag!“ bekommt für Betroffene eine sehr ernste Bedeutung, wenn sie einen realen Schlaganfall erleiden. Doch was genau ist ein Schlaganfall?
Von einem Schlaganfall oder Apoplex spricht man, wenn bestimmte Funktionen des Gehirns infolge einer Durchblutungsstörung oder einer Blutung ausfallen. Ein vollendeter Schlaganfall liegt vor, wenn diese Ausfallerscheinungen länger als 24 Stunden anhalten. Treten die Ausfallerscheinungen nur vorübergehend auf, spricht man von einer transitorisch ischämischen Attacke (TIA).
Zahlen und Fakten zum Schlaganfall
Das Schlaganfallrisiko steigt mit zunehmendem Alter. In der Altersgruppe der 75- bis 84-Jährigen erleiden jährlich 1.200 von 100.000 Menschen einen Schlaganfall. 15 Prozent der Schlaganfälle treten bei Menschen unter 55 Jahren auf, was in Deutschland etwa 30.000 Fälle pro Jahr entspricht. Weltweit ist der Schlaganfall die zweithäufigste Todesursache, in Deutschland die dritthäufigste nach Herzinfarkt und Krebs. Innerhalb des ersten Jahres nach einem Schlaganfall sterben etwa ein Viertel bis ein Drittel der Patient*innen. Der Schlaganfall gehört darüber hinaus zu den häufigsten Ursachen von Behinderung im Erwachsenenalter. Bis zu 40 Prozent der Überlebenden sind im Alltag längerfristig eingeschränkt und benötigen dauerhaft Hilfe oder Pflege.
Verschiedene Formen des Schlaganfalls
Der Schlaganfall ist keine einheitliche Erkrankung. Es werden zwei Hauptformen unterschieden:
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- Ischämischer Schlaganfall (Hirninfarkt): Diese Form macht etwa 80 Prozent aller Schlaganfälle aus.
- Hämorrhagischer Schlaganfall (Hirnblutung): Die restlichen 20 Prozent der Schlaganfälle sind Hirnblutungen.
Der ischämische Schlaganfall (Hirninfarkt)
Ein ischämischer Schlaganfall entsteht, wenn das Gehirn nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt wird und Nervenzellen absterben. Meist ist ein Gefäß verstopft, was zu einer Minderdurchblutung des Gehirns führt. Ursache sind oft Einengungen oder Verschlüsse der hirnversorgenden Arterien.
Es gibt zwei Hauptursachen für den Gefäßverschluss bei einem Schlaganfall:
- Thromboembolie: Hierbei bildet sich im Herzen oder den großen hirnversorgenden Gefäßen (z.B. der Halsschlagader) ein Blutgerinnsel (Thrombus). Löst sich dieser Thrombus ab, kann er in die Hirngefäße geschwemmt werden und diese verstopfen.
- Gefäßverkalkung (Arteriosklerose): Bei der Arteriosklerose entstehen Verstopfungen direkt im Hirngefäß oder den hirnversorgenden Halsgefäßen. Ablagerungen an den beschädigten Innenseiten der Gefäßwände verengen das Gefäß zunehmend, bis kaum oder gar kein Blut mehr durchfließen kann.
Verschiedene Risikofaktoren können die Entstehung von Blutgerinnseln und Arteriosklerose begünstigen und einen Hirninfarkt wahrscheinlicher machen. Zu den Hauptrisikofaktoren gehören: Alter, genetische Veranlagung, Rauchen, hoher Blutdruck (Hypertonie), starkes Übergewicht, Bewegungsmangel, Fettstoffwechselstörungen und Diabetes mellitus, sowie Herzrhythmusstörungen.
Der hämorrhagische Schlaganfall (Hirnblutung)
Bei der Hirnblutung, dem hämorrhagischen Schlaganfall, platzt ein Blutgefäß direkt im Gehirn und schädigt das Nervengewebe. Dies liegt oft daran, dass der Blutdruck in den Arterien zu hoch ist oder die Gefäßwände durch Arteriosklerose oder anderweitig geschädigt sind. Eine Hirnblutung kann auch durch Gefäßmissbildungen, sogenannte Aneurysmen, entstehen. Wenn es zum Platzen oder Reißen eines Blutgefäßes zwischen der mittleren Hirnhaut (Arachnoidea) und der weichen Hirnhaut kommt, spricht man von einer Subarachnoidalblutung. Sie ist mit zwei bis fünf Prozent der Fälle die seltenste Ursache für einen Schlaganfall.
Die Hirnblutung beim hämorrhagischen Schlaganfall kann auf zwei verschiedene Arten passieren:
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- Interzerebralblutung: Hier findet die Blutung direkt im Gehirn statt. Durch hohen Druck (etwa bei Bluthochdruck) platzt oder reißt ein Gefäß und es tritt Blut in das umliegende Hirngewebe ein.
- Subarachnoidalblutung: Der Zwischenraum von Gehirn und weicher Hirnhaut (Arachnoidea) ist normalerweise mit Hirnwasser gefüllt und schützt so das empfindliche Organ. Bei der Blutung zwischen den Hirnhäuten handelt es sich mit 2,5 Prozent aller Fälle um die seltenste Form des Schlaganfalls. Ursache ist meist ein gerissenes Aneurysma (krankhafte Gefäßerweiterung).
In beiden Fällen führt das geplatzte Gefäß dazu, dass bestimmte Bereiche im Gehirn unzureichend mit Blut versorgt werden - ein Schlaganfall ist die Folge.
"Leichte" Schlaganfälle nicht auf die leichte Schulter nehmen!
Insbesondere nachts während des Schlafs können sich auch sogenannte stumme oder stille Hirninfarkte ereignen. Das sind Schlaganfälle, die von den Betroffenen nicht bemerkt werden, weil sie bei ihrem Auftreten schlafen und die stillen Hirninfarkte als leichte Schlaganfälle keine starken oder auffälligen Beschwerden verursachen. Diese stummen leichten Schlaganfälle lassen jedoch kleine Schäden im Gehirngewebe zurück. Wenn sich die stummen Hirninfarkte häufiger ereignen, sammeln sich die Schäden im Gehirn an und rufen im Laufe der Zeit doch Beschwerden hervor.
Eine weitere leichte Form des Schlaganfalls ist die transitorisch ischämische Attacke (TIA). Bei einer TIA treten vorübergehend Schlaganfallsymptome auf. Sie hinterlässt keine bleibenden Beschwerden und Einschränkungen. Die TIA kann jedoch ein Warnzeichen für einen bevorstehenden schweren Schlaganfall sein. Tatsächlich berichtet fast die Hälfte der Schlaganfall-Patient*innen, dass sie im Vorfeld ihres Apoplexes vorübergehende Ausfallerscheinungen oder andere Schlaganfallsymptome hatten. Selbst wenn der TIA kein vollendeter Apoplex folgt, ist sie ein wichtiges Alarmsignal, das auf keinen Fall ignoriert werden darf, denn die TIA weist daraufhin, dass es im Gehirn Probleme mit der Blutversorgung gibt, die dringend behandelt werden müssen.
Symptome des Schlaganfalls
Charakteristisch für einen Schlaganfall ist der plötzliche Ausfall von Gehirnfunktionen. Die Patient*innen erleben von einem Moment auf den anderen beispielsweise starke Kopfschmerzen, eine unerklärliche Schwäche oder gar Lähmung eines Körperteils, oder auch Seh- und Sprachstörungen. Diese Symptome können auch kurzfristig wieder verschwinden (transitorisch ischämische Attacke, abgekürzt TIA). Es besteht dann jedoch das Risiko, dass sich später noch ein weiterer schwerer Schlaganfall ereignet.
Mögliche Vorzeichen für einen Schlaganfall sind:
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- kurzfristige Lähmung, Schwäche oder Taubheit einer Körperhälfte
- kurzfristige Sehstörungen bis hin zum vorübergehenden Erblinden eines Auges
- vorübergehende Sprachstörungen: Sowohl das Verstehen von Sprache als auch das Sprechen können gestört sein.
- Gangunsicherheit, Gleichgewichtsstörungen, Drehschwindel, plötzliche Stürze
- erstmalig und plötzlich auftretende, extrem starke Kopfschmerzen
- vorübergehende Bewusstseinsstörungen oder Desorientierung in Bezug auf Raum, Zeit oder Personen
Wenn auch nur eines dieser Vorzeichen auftritt oder nur kurz anhält, besteht der Verdacht auf einen Schlaganfall oder ein akut erhöhtes Schlaganfallrisiko.
Bei Verdacht auf Schlaganfall sofort die Rettung rufen!
Der Therapieerfolg bei einem Schlaganfall hängt maßgeblich davon ab, wann der Patient oder die Patientin ärztlich behandelt wird. Je länger ein Schlaganfall unbehandelt bleibt, desto mehr Gehirngewebe geht unwiederbringlich zugrunde. Die besten Chancen auf gute Behandlungsergebnisse bei einem Apoplex bestehen, wenn er bereits eine Stunde nach dem Einsetzen der Symptome zielgerichtet behandelt wird. Alarmieren Sie daher beim leisesten Verdacht auf einen Schlaganfall sofort den Rettungsdienst. Äußern Sie bereits beim Gespräch mit der Notrufzentrale, dass ein Verdacht auf Schlaganfall besteht, damit die Rettungskräfte alles Erforderliche für eine unverzügliche Behandlung in einer „Stroke Unit“ vorbereiten können.
Je nach Ort und Schwere der Durchblutungsstörung im Gehirn kann es zu unterschiedlichen Ausfällen und Symptomen verschiedenen Schweregrades kommen. Zu den Funktionsausfällen bei einem Hirnschlag zählen:
- Lähmungen: Es können leichte Lähmungen von Gesicht oder Arm bis hin zur kompletten Lähmung einer Körperhälfte (Halbseitenlähmung) auftreten. Eine Lähmung der Gesichtsmuskulatur ist häufig an einem einseitig herunterhängenden Mundwinkel zu erkennen. Bei einer Halbseitenlähmung ist der Arm meist stärker betroffen als das Bein.
- Sprachstörungen: Die Patient*innen können Gegenstände oder Personen nicht mehr mit den passenden Begriffen oder Namen benennen und/oder sie können nicht mehr verstehen, was andere ihnen sagen.
- Sehstörungen: Die Patient*innen sehen beispielsweise Doppelbilder, ihr Gesichtsfeld kann eingeschränkt sein, auch Blindheit auf einem Auge ist möglich.
- Gefühlsstörungen: Manche Patient*innen haben Taubheitsgefühle in bestimmten Körperregionen, andere Missempfindungen, wie Kribbeln oder eine Berührungsempfindlichkeit.
- Bewusstseinsstörungen bis hin zum Bewusstseinsverlust
Folgende Symptome können einen Schlaganfall begleiten:
- sehr starke Kopfschmerzen
- Schwindel
- Übelkeit
- Erbrechen
Die "Stroke Unit"
Bei einer „Stroke Unit“ handelt es sich um ein auf akute Schlaganfälle spezialisierte Zentrum, dass an vielen neurologischen und internistischen Kliniken eingerichtet wurde. Die „Stroke Units“ gewährleisten eine optimale ärztliche Versorgung von Patient*innen mit Schlaganfall. Auf einer Stroke Unit werden Patienten engmaschig überwacht und es erfolgt eine rasche diagnostische Abklärung sowie die kurzfristige Einleitung von entsprechenden Therapien. Dabei hat die Notfall-Behandlung zunächst das Ziel, das Leben des Patienten zu retten und sein Gehirn zu schützen. Auf einer Stroke unit wird sofort ein CT oder ein MRT des Kopfes durchgeführt, um eine Gehirnblutung von einem Hirninfarkt zu unterscheiden.
Risikofaktoren für einen Schlaganfall
Folgende Faktoren erhöhen das Risiko für einen Schlaganfall:
- ein bereits erlittener Schlaganfall
- eine transitorisch ischämische Attacke
- ein oder mehrere stumme Hirninfarkte
- hoher Blutdruck
- hohe Cholesterin- und Zuckerwerte im Blut
- Arteriosklerose (Gefäßverkalkung)
- andere Krankheiten der Blutgefäße
- Vorhofflimmern
- Diabetes mellitus
- Rauchen
- starkes Übergewicht
- Bewegungsmangel
- übermäßiger Alkoholkonsum
Folgen eines Schlaganfalls
Die Folgen von Schlaganfällen sind häufig schwerwiegend. Die Betroffenen können danach auf einen Rollstuhl angewiesen, vielleicht halbseitig gelähmt und kaum in der Lage zu sprechen sein. Die Folgen eines Schlaganfalls hängen von seiner Schwere, dem Ort und der Ausdehnung der Durchblutungsstörung und vom Zeitpunkt des Therapiebeginns ab. Da die Blutgefäße in der Regel nur eine Gehirnhälfte mit Blut versorgen und diese eine Hirnhälfte für die jeweils gegenüberliegende Körperseite zuständig ist, zeigen sich die Folgen eines Schlaganfalls häufig einseitig. Bei einem Schlaganfall in der linken Gehirnhälfte kann es zum Beispiel zu Lähmungen auf der rechten Körperseite kommen.
Welche konkreten Folgen auftreten können:
- Einschränkungen der Bewegung und der Koordination der Muskulatur auf einer Körperseite: z. B. Muskelschwäche, Lähmung eines Beines, Probleme mit der Feinmotorik, Spastik
- Störung des Sprachvermögens und Sprachverstehens (Aphasie) sowie Sprach- und Sprechstörungen (Dysarthrie)
- Schluckstörungen
- Kognitive Störungen: z. B. Störungen der Konzentration und des Gedächtnisses, Unsicherheit, Orientierungslosigkeit, Wortfindungsstörungen
- Sehstörungen: Doppelbilder, Halbseitenblindheit
- Aufmerksamkeitsstörung / Neglect: Die Betroffenen nehmen Sinnesinformationen auf einer Körperseite nicht mehr wahr. Sie essen beispielsweise nur eine Hälfte des Tellers leer oder sie waschen nur eine Körperhälfte. Außenstehenden fällt diese Störung meist sehr schnell auf, die Betroffenen hingegen sind sich dieser Störung häufig nicht bewusst.
- Affekt- und Antriebsstörungen: z. B. Depressionen, Persönlichkeitsveränderungen
- Schwindel, Kopfschmerzen, Schlafstörungen
Diagnostik des Schlaganfalls
Bei Verdacht auf Schlaganfall muss alles möglichst schnell gehen - auch die Diagnostik. Zuerst erfolgt eine neurologische Untersuchung. Danach kann der Neurologe oder die Neurologin meist mit großer Sicherheit die Diagnose „Schlaganfall“ stellen oder auch ausschließen. Für die weitere Behandlung benötigen die Ärzt*innen aber noch mehr Informationen. Sehr wichtig ist es beispielsweise zu wissen, ob es sich um einen Hirninfarkt oder eine Hirnblutung handelt. Aber auch Ort und Schwere des Schlaganfalls sind für die gezielte Behandlung des Schlaganfalls sehr bedeutend.
Weiterführende Untersuchungen bei einem akuten Schlaganfall:
- Die entscheidenden Informationen liefert hier in den meisten Fällen eine Computertomographie (CT) des Kopfes.
- Falls noch Informationen benötigt werden, wird eine Kernspintomographie (Magnetresonanz-Tomographie, MRT) durchgeführt.
- Ultraschalluntersuchungen können helfen, um die Blutgefäße zu beurteilen.
- Bei der Angiographie werden die Blutgefäße im Gehirn auf Anomalien untersucht. Sie wird auch während der Thrombektomie, einer Behandlungsmethode des Hirninfarkts eingesetzt.
- Mithilfe eines Elektrokardiogramms (EKG) können die Ärzt*innen feststellen, ob Rhythmusstörungen oder eventuell ein Herzinfarkt vorliegt.
- Ein Elektroenzephalogramm (EEG) kann Störungen der Gehirnströme anzeigen.
- Sehr selten wird auch das Gehirnwasser (Liquor) untersucht, ob möglicherweise eine Entzündung oder eine unerkannte Subarachnoidalblutung vorliegt.
Kennen Sie den FAST-Test?
Der FAST-Test ist ein Schnelltest für die Erkennung eines Schlaganfalls, der auch von medizinischen Laien durchgeführt werden kann. Das Merkwort FAST setzt sich aus den Anfangsbuchstaben der englischen Worte face (Gesicht), arms (Arme), speech (Sprache) und time (Zeit) zusammen. Wenn Sie bei den Bewegungen im Gesicht oder der Arme Seitenunterschiede (z. B. schiefes Gesicht, Lähmungen einer Körperseite) feststellen und/oder die Aussprache des oder der Betroffenen undeutlich oder verwaschen ist, hat er oder sie möglicherweise einen Schlaganfall. Der Rettungsdienst muss sofort alarmiert werden!
Der FAST-Test kann auch zu BE-FAST erweitert werden:
- Balance (Gleichgewicht): Ist das Gleichgewicht des oder der Betroffenen gestört?
- Eyes (Augen): Leidet der oder die Betroffene unter plötzlich aufgetretenen Sehstörungen?
Therapie des akuten Schlaganfalls
Ein Schlaganfall ist immer ein Notfall! Ein Apoplex sollte schnellstmöglich am besten in einem auf Schlaganfälle spezialisierten Zentrum, der sogenannten „Stroke Unit“, behandelt werden. Die Akutbehandlung des Hirnschlags hat zum Ziel, das Leben der Betroffenen zu retten und die Folgen des Schlaganfalls so klein wie möglich zu halten. Je eher die Therapie nach einem Schlaganfall einsetzt, desto besser sind die Aussichten der Patientinnen, dass sich die Spätfolgen wie bleibende Beeinträchtigungen und Behinderungen in Grenzen halten oder die Patientinnen sogar vollständig genesen. Man weiß heute, dass bereits die erste Stunde nach dem Auftreten von Schlaganfallsymptomen entscheidend für den Krankheitsverlauf ist. Eine zielgerichtete Behandlung in diesem Zeitfenster kann den Krankheitsverlauf deutlicher zum Besseren wenden als Therapien, die erst danach begonnen werden.
Bei einem Hirninfarkt kommt eine medikamentöse oder mechanische Wiedereröffnung eines Blutgefäßes in Betracht - allerdings nur in einem Zeitraum von maximal 6 Stunden. Deshalb müssen Schlaganfallpatienten sofort in die Klinik kommen.
Was man bei einer Hirnblutung tun kann, hängt von der Größe, Lage und dem Auslöser ab. In der Regel ist eine stationäre Behandlung in der Klinik notwendig, meistens auch auf der Intensivstation. Die Symptome einer Hirnblutung und auch die zusätzlich entstandenen Komplikationen werden nach Bedarf versorgt. Starke Kopfschmerzen, Fieber oder Krampfanfälle werden mit Medikamenten wie Schmerzmitteln, Fiebersenkern und kramlösenden Mitteln behandelt. Besonders wichtig bei der Behandlung mit konservativen Mitteln ist die Vorbeugung einer Hirnschwellung (Hirnödem). Diese ist oft eine Folge einer starken Hirnblutung und sorgt für einen gefährlichen Druckanstieg im Schädel. Durch den entstandenen Hirndruck können weitere Hirnzellen absterben.
In manchen Fällen, je nach Ausmaß und Lager der Hirnblutung, muss diese operativ versorgt werden:
- Intrazerebrale Blutung: Bei dieser Form der Blutung im Hirn wird sorgfältig abgewogen, ob ein operativer Eingriff durchgeführt wird. Der Eingriff selbst birgt das Risiko Hirngewebe zu verletzen. Eine Operation bei einer intrazerebralen Blutung kann aber auch lebensrettend sein. In der Regel wird zusätzlich ein Katheter oder Shunt gelegt, um Nervenwasser abzuleiten. Damit wird verhindert, dass sich der Hirndruck weiter erhöht.
- Subarachnoidalblutung: Handelt es sich beim Auslöser dieser Hirnblutung um ein Aneurysma, wird bei einem operativen Eingriff dieses abgeklemmt. Häufiger jedoch wird das sogenannte „Coiling“ angewandt. Dabei wird eine Platinspirale über die Leistenarterie bis zum Aneurysma eingeführt, um die Blutung zu stoppen. Auch bei der Subarachnoidalblutung muss ein Shunt zum Ablassen des Nervenwassers gelegt werden, damit der Hirndruck gesenkt wird.
- Subduralhämatom: Ein kleines subdurales Hämatom erfordert keinen operativen Eingriff. Handelt es sich allerdings um eine größere subdurale Blutung muss es operativ entfernt werden. Um den Hirndruck zu senken, werden mehrere kleine Löcher in die Schädeldecke gebohrt. In anderen Fällen muss die Schädeldecke geöffnet werden, um das Hämatom zu entfernen.
- Epiduralhämatom: Hier sollte die Blutansammlung zwischen Schädeldecke und äußerer Hirnhaut schnellstmöglichst operativ entfernt werden, vor allem wenn es sich um ein größeres Hämatom handelt. Auch hier werden Löcher in den Schädelknochen gebohrt, um das Blut abzulassen oder die Schädeldecke geöffnet, um das Hämatom zu entfernen und die Blutung zu stoppen.
Viele Hirnblutungen können konservativ (nicht operativ) behandelt werden. Sind durch die Blutung die Hirnwasserabflusswege blockiert, muss (vorübergehend) eine Hirnwasserableitung („externe Ventrikeldrainage“) gelegt werden. Bei großen Blutungen mit Bewusstseinstrübungen oder Lähmungen muss ein operativer Eingriff erwogen werden. Hier ist immer eine individuelle Entscheidung notwendig. Wichtig ist, die Ursache der Blutung zu klären und bei der Behandlung zu berücksichtigen.
Rehabilitation nach einem Schlaganfall
Nach der Akuttherapie wird der Fokus auf die Ursachenforschung des Schlaganfalls gelegt. In den meisten Fällen lässt sich durch eine gezielte neurologische Rehabilitation eine deutliche Verbesserung der Krankheitssymptome erreichen. Dies erfolgt durch eine individuell abgestimmte Behandlung mittels Physiotherapie, Ergotherapie, Sprachtherapie, Neuropsychologie sowie physikalischer Therapie. Dazu gehören auch die Versorgung mit Hilfsmitteln und die Organisation einer ambulanten Weiterversorgung durch den Sozialdienst.
Die Dauer der Rehabilitationsbehandlung hängt von der Ausprägung der Symptome und ihrer Rückbildungstendenz ab. Grundsätzlich gilt, dass je früher eine Rehabilitation nach einer Hirnblutung beginnt, desto größer sind die Erfolgsaussichten. Die Dauer der Therapie, die an eine Hirnblutung anschließt, variiert von Fall zu Fall und hängt vom Ausmaß der Blutung ab. Eine Reha nach einer Hirnblutung wird stationär durchgeführt und kann zwischen vier und sechs Wochen dauern.
Während der Rehabilitation werden Betroffene selbstverständlich medizinisch betreut. Unser Gehirn steuert und überwacht körperliche und geistige Funktionen. Daher sind Lähmungen, Gefühlsstörungen, aber auch Sprach- und Gedächtnisstörungen als Folge möglich. In der Rehabilitation werden diese intensiv untersucht und behandelt. Das Gehirn bleibt bis ins hohe Alter lernfähig.
Die moderne Therapie erfolgt durch viele hochspezialisierte Therapeuten, die sich intensiv und regelmäßig abstimmen. Die Therapie benutzt heute bei Bedarf moderne Robotikgestützte Geräte, um beispielsweise das Laufen oder die Armfunktionen (Greifen etc.) zu verbessern. Regelmäßige Wiederholungen helfen dem Gehirn, verlorengegangene Fähigkeiten neu zu lernen. Zur Verbesserung der geistigen Funktionen (Aufmerksamkeit, Gedächtnis, Planungsfähigkeit, Problemlösen und Sprache) werden ebenfalls wissenschaftlich überprüfte Methoden, beispielsweise in der Neuropsychologie, angewendet. Sehr bedeutsam sind auch die Eigenübungen der Betroffenen.
Schwere Hirnblutungen verändern die Lebensperspektive und -planungen. Psychologen, Sozialarbeiter und Ärzte unterstützen Betroffene und die Familie bei der Entwicklung von Perspektiven. Oberstes Ziel ist die Rückkehr in das familiäre Umfeld, an den Arbeitsplatz oder in das schulische Leben, um Betroffenen eine größtmögliche Selbstständigkeit zu ermöglichen.
Prävention eines Schlaganfalls
Die besten Tipps zur Prävention eines Schlaganfalls sind letztendlich immer die Vermeidung von Risikofaktoren. Das heißt: Maßnahmen, die effektiv einem Bluthochdruck, Übergewicht, Bewegungsmangel und letzten Endes auch Diabetes vorbeugen und verhindern. Dazu gehört im ersten Schritt, dass man sich vernünftig ernährt, das heißt eine balancierte, ausgewogene zum Beispiel mediterrane Diät zu sich führt. Also überwiegend Gemüse, nicht zu viel Fleisch, nicht zu viel Alkohol. Alkohol ist zwar nicht komplett verboten, aber nur in sehr geringen Mengen. Und natürlich ist ausreichende Bewegung sehr wichtig. 20 bis 30 Minuten Bewegung pro Tag, bei der man leicht schwitzt, ist ideal. Und wenn Risikofaktoren wie Diabetes oder Bluthochdruck vorliegen, sollte man die natürlich auch behandeln.
Es gibt einige Faktoren, die Sie positiv beeinflussen können, um einer Hirnblutung vorzubeugen. Zu diesen Risikofaktoren gehören Bluthochdruck, Diabetes, Übergewicht, Rauchen und Konsum von Alkohol oder Drogen.
Leben nach dem Schlaganfall
Durch die Folgen eines Schlaganfalls sind viele Personen nach einem Schlaganfall auf Unterstützung oder Pflege angewiesen. Das hängt erheblich von der Schwere des Schlaganfalls ab. Wenn es nur ein leichter Schlaganfall war oder einer, bei dem eine Rückbildung möglich ist, dann ändert sich vielleicht gar nicht viel und der Betroffene kann ganz normal in seine Wohnung zurückkehren. Wenn es ein schwerer Schlaganfall war, dann muss möglicherweise schon mehr Unterstützung oder Pflege organisiert werden. Meistens hat man als Angehöriger in so einem Fall aber etwas mehr Zeit für diese Organisation, weil Patienten mit einem schweren Schlaganfall nach der Akuttherapie in der Regel noch in die Reha gehen.
Wie groß ist die Gefahr, dass Betroffene nach dem ersten Schlaganfall einen weiteren Schlaganfall erleiden? Ja, es gibt eine Reihe an Rezidiv-Schlaganfällen (Anmerkung der Redaktion: wiederholte Schlaganfälle) und die Zahl liegt bei rund 50.000 bis 70.000 pro Jahr. Dass jeder Patient nach einem ersten Schlaganfall einen zweiten Schlaganfall erleidet, stimmt nicht, weil das im Wesentlichen von der jeweiligen Situation des Patienten abhängt. Auch wegen dieses hohen Rezidiv-Risikos ist aber so wichtig, nach dem ersten Schlaganfall die genauen Ursachen zu erforschen, um daraus eine gute Sekundär-Prävention aufbauen zu können. Andererseits gibt es aber auch Patienten, bei denen man keine Ursache findet, obwohl man sie sorgfältig untersucht, und deren Risikopotential dennoch sehr gering ist. Man kann keinem Patienten sagen ‚Ich garantiere Ihnen, dass Sie keinen Schlaganfall mehr bekommen‘. Dabei gelten die selben Präventionsmaßnahmen wie vor Erstschlaganfällen. Die entscheidenden Faktoren sind einfach eine gesunde Ernährung, ausreichend Bewegung, kein Diabetes, kein Bluthochdruck usw.
Die Mortalität von Patienten nach einem ersten Schlaganfall liegt bei 25 bis 30 Prozent. Das betrifft allerdings nur die Subgruppe der sehr schweren Schlaganfälle. Das sind ja letztlich Patienten, die schwerste Lähmungen, schwerste Sprachstörungen, schwerste Sehstörungen haben und die nach dem ersten Schlaganfall in der Regel bettlägerig und stark pflegebedürftig sind. Von diesen schwerwiegenden Fällen stirbt eine sehr hohe Zahl innerhalb des ersten Jahres.
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